Catenaccio
Spielsystem im Fußball
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Catenaccio [] (aus ital. catenaccio „Türriegel“) ist ein Spielsystem im Fußball.

Entwicklung
Als Urvater des Catenaccios gilt der österreichische Trainer Karl Rappan der mit seinen defensiven System „Verrou“ (französisch für Riegel), später auch als Schweizer Riegel bekannt, ab 1931 Servette Genf, Grasshopper Club Zürich und Lausanne-Sports zum Schweizer Meister machte und die Schweizer Nationalelf 1938, 1954 und 1962 bei drei Weltmeisterschaften trainierte. Sein System beruhte auf einem 5-2-3, beziehungsweise einem 1-3-1-2-3 mit Libero. Später wurde das System auch im italienischen Fußball populär.
Nereo Rocco war der erste Trainer in Italien, der den Catenaccio ab 1954 beim Calcio Padova[4] und ab 1961 beim AC Mailand einsetzte und weiterentwickelte.[3][5] Er kombinierte dabei starke Defensive mit effektivem Offensivspiel durch schnelle Konter. Unter seiner Führung gewann der AC Mailand zahlreiche Titel, darunter zwei italienische Meisterschaften (1961/62, 1967/68), zwei Europapokale der Landesmeister (1962/63, 1968/69), zwei Europapokale der Pokalsieger (1967/68, 1972/73) und den Weltpokal 1969.[4] Seine Teams waren bekannt für taktische Disziplin, Defensive mit Manndeckung und einem Libero sowie variablen Offensivstrategien.[5]
Perfektioniert hat dieses System der argentinische Trainer Helenio Herrera, der den Catenaccio mit herausragendem Erfolg in den 1960er Jahren beim italienischen Verein Inter Mailand anwandte. Die Mailänder gewannen unter Herreras Führung drei italienische Meistertitel, zweimal den Europapokal der Landesmeister und einmal den Weltpokal.
Als Spielsystem kam der Catenaccio in den 1970er Jahren aus der Mode und wurde anschließend zum Synonym für defensiven und destruktiven Fußball.
Prinzip
Beim Catenaccio spielen in der Abwehr ein Libero, zwei Vorstopper und ein linker Außenverteidiger, im Mittelfeld ein defensiver Mittelfeldspieler, zwei zentrale Mittelfeldspieler und ein rechter Flügelmittelfeldspieler und im Sturm eine hängende Spitze und ein Strafraumstürmer. Durch tiefes Stehen in der eigenen Hälfte sollen die Räume zwischen den einzelnen Spielern so eng gemacht werden, dass kein schnelles Offensivspiel des Gegners möglich ist. Andererseits bietet sich durch den Catenaccio die Möglichkeit des schnellen Konterns: Die gegnerische Mannschaft wird durch ihr Aufrücken gezwungen, in der eigenen Defensive Räume zu öffnen, in welche die Spieler der mit Catenaccio spielenden Mannschaft vorstoßen können, um durch schnelles Überbrücken des Mittelfelds zum Torerfolg zu kommen. Bei Kontern beteiligen sich auch Abwehrspieler am Offensivspiel. Giacinto Facchetti gilt als der erste moderne Offensivverteidiger.[6]