Catherine Christer Hennix
schwedisch-amerikanische Mathematikerin und Musikerin
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Catherine Christer Hennix (* 25. Januar 1948 in Stockholm, Schweden; † 19. November 2023 in Istanbul) war eine schwedisch-amerikanische Mathematikerin und Musikerin (Piano, Elektronik, Oboe, Tanpura, Komposition), die auch Computerprogramme, Poesie, Skulpturen und Lichtkunst schuf.

Leben und Wirken
Hennix erlebte als Kind vermittelt durch ihre Mutter Margit Sundin-Hennix (1922–2015), die auch als Jazz-Komponistin wirkte, Jazzmusiker wie Idrees Sulieman (der mehrere Jahre im elterlichen Haushalt lebte), Eric Dolphy, John Coltrane und Albert Ayler während derer Aufenthalte in Stockholm. Entsprechend wuchs sie mit Jazzmusik auf und lernte bald selbst das Schlagzeugspiel,[1] ab 1961 unterrichtet von Sulieman. Erste Auftritte mit ihrem Bruder hatten ihrer späteren Meinung nach nicht die Power, die der Jazz von Afroamerikanern hatte.[2] Später erst wurde sie in Gesang, Tasteninstrumente, Oboe und an der indischen Tampura ausgebildet.[3]
Kurz nach dessen Gründung 1964 trat Hennix dem Elektronmusikstudion in Stockholm bei. Sie experimentierte mit von Großrechnern generierten zusammengesetzten Schallwellen. 1968 veröffentlichte sie ihr Werk Identitäten II auf Åke Hodells Label Kerberos. Im folgenden Jahr präsentierte sie ihre Komposition Still Life, Q beim zweiten Text-Sound Compositions Festival.[1] Zugleich studierte sie an der Universität Stockholm Biochemie und anschließend Linguistik, bevor sie sich für mathematische Logik entschied.[4]
Im weiteren Verlauf ihrer Karriere begann Hennix, in New York City mit La Monte Young und Marian Zazeela zusammenzuarbeiten. 1973 wurde sie (wie auch Young und Terry Riley) Schülerin von Pran Nath, der sie in die klassische nordindische Musik einführte.[1]
In den frühen 1970er Jahren leitete Hennix ein großes Ensemble, das von Youngs und Zazeelas Theater of Eternal Music inspiriert war, sich an der reinen Stimmung orientierte und aus über einem Dutzend schwedischer Musiker bestand. Daraus entwickelte sich später ein Trio mit Hennix, ihrem Bruder Peter Hennix und Hans Isgren, das unter dem Namen The Deontic Miracle auftrat. Mit Isgren interpretierte sie auch Karlheinz Stockhausens „Unbegrenzt“ (Aus den sieben Tagen). 1976 präsentierte sie ihre Arbeit im Moderna Museet, wo sie ihr Werk The Electric Harpsichord uraufführte[5] und mit Topos and Adjoints eine Installation ihrer visuellen, klanglichen und skulpturalen Arbeiten präsentierte.[1]
Hennix unterrichtete 1978/79 Mathematik an der State University of New York, New Paltz. Zeitweilig war sie Gastprofessorin für Logik am Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory des Massachusetts Institute of Technology.[4] Ihr tiefes Interesse am Intuitionismus von Luitzen Egbertus Jan Brouwer führte zu einer langjährigen Zusammenarbeit mit dem Mathematiker Alexander Esenin-Volpin;[1] gemeinsam verfassten sie eine Arbeit über das Gödel-Wette-Paradoxon, für die sie im Jahr 2000 mit dem Centenary Prize Fellow Award des Clay Mathematics Institute ausgezeichnet wurden.[4]
Entsprechend dieser Beschäftigung präsentierte Hennix in den nächsten Jahrzehnten ihre musikalischen Arbeiten nur selten öffentlich, komponierte und nahm jedoch weiterhin in verschiedenen Konstellationen auf, darunter mit dem Gitarristen und Komponisten Henry Flynt und ein Quartett mit Arthur Rhames.[1] Erst 2010 kehrte Hennix mit ihrem neuen Ensemble Chora(s)san Time-Court Mirage auf die Bühne zurück. Bis zu ihrem Tod im Alter von 75 Jahren trat sie international mit Chora(s)san Time-Court Mirage auf, gab Solo-Keyboardkonzerte und tourte mit ihrem Kamigaku Ensemble.[1]
Hennix' Werke wurden im Stedelijk Museum in Amsterdam, in der Empty Gallery in Hongkong und in der Galerie Max Mayer in Düsseldorf ausgestellt. Neue und auch einige archivierte Tonaufnahmen wurden ebenso wie eine zweibändige Sammlung ihrer Schriften von Blank Forms Editions veröffentlicht.[1]
Diskographische Hinweise
- Henry Flynt / C. C. Hennix: Dharma/Warriors (2008)
- The Electric Harpsichord (2010)
- The Chora(s)san Time-Court Mirage: Live at Issue Project Room (2016, mit Imam Ahmet Muhsin Tüzer, Amirtha Kidambi, Amir Elsaffan, Paul Schwingenschlögl, Hilary Jeffery, Elena Kakaliagou, Robin Hayward, Stefan Tiedje, Marcus Pal)
- Selected Early Keyboard Works (2018)
- Catherine Christer Hennix, The Deontic Miracle: The Deontic Miracle’s Selections from 100 Models of Hegikan Roku (2019)
- Unbegrenzt (2020)
- Solo for Tamburium (2023)
- Further Selections from The Electric Harpsichord (2024)
Schriften
- Notes on Toposes and Adjoints (1976)
- Notes on Intuitionisitc Modal Music (1976)
- Intensional Logics for Intransitive Experiences (1979)
- Parmenides on Intensional Logics (1979)
- Poetry as Philosophy, Poetry as Notation (1985)
- Philosophy of Concept Art [gemeinsam mit Henry Flynt] (1989)
- Hors-texte ’68–’88; Finis Universatum: Philosophy as Art/ Philosophy as Notation, II (1989)
- Grammatica tua sit tibi in periditionem (1992)
- Seminarium över La Sinthome och Mathémkonstent genealogik (1994)
- Beware of the Gödel-Wette Paradox – [gemeinsam mit Esenin-Volpin] (2001)
- Poësy Matters and Other Matters (2019)
Literatur
- Marcus Boon: [Two.] The Drone of the Real: The Sound-Works of Catherine Christer Hennix. In: Derselbe: The Politics of Vibration: Music as a Cosmopolitical Practice. New York, USA: Duke University Press, 2022, S. 75–124.
Weblinks
- George Grella: A Catalog of Catherine Christer Hennix’s Spiritual Drone. In: Daily Bandcamp. 20. Februar 2024 (englisch).
- Catherine Christer Hennix bei Discogs