Ce soir
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Ce soir (Heute Abend) war eine französische Tageszeitung, die 1937 gegründet wurde. Sie wurde von den Schriftstellern Louis Aragon und Jean-Richard Bloch geleitet und war nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankreich das Aushängeschild der Union française de l’information (Französischer Informationsverband), einem Zusammenschluss von rund hundert Zeitungen, die der Parti communiste français (Französische Kommunistische Partei, PCF) nahestanden oder ihr gehörten. Obwohl sie lange Zeit vor L’Humanité und den zahlreichen Regionalzeitungen meistgelesene Zeitung der so zusammengeschlossenen kommunistischen Zeitungen war, stellte sie Anfang 1953 ihr Erscheinen ein.

Geschichte 1937 bis 1940
Die Zeitung wurde von Maurice Thorez geplant und als Gegenstück zu der sehr erfolgreichen Paris-Soir konzipiert. Die erste Ausgabe erschien am 2. März 1937 und kostete 30 Centimes.[1] Die Leitung lag bei Louis Aragon, einem Mitglied der PCF und Jean-Richard Bloch, der dieser 1939 beitrat. Chefredakteur war Élie Richard[2], der eher unpolitisch war und wegen seiner Fachkompetenz ausgewählt wurde.[3] Im Hintergrund wirkte Gaston Bensan, der die Finanzierung sicherte.[4] Die Zeitung startete mit einer Auflage von 100.000 Exemplaren.
Ce soir erreichte zwar nie die Auflagenzahlen von Paris-Soir, war aber 1939 mit einer Auflage von 260.000 Exemplaren eine bedeutende Größe auf dem französischen Zeitungsmarkt.[5] Sie war kein Verlustgeschäft und verdankte ihren Bekanntheitsgrad der Qualität ihrer Mitarbeiter. Louis Guilloux schrieb in den ersten sechs Monaten die Literaturkolumne.[6] Er wurde dann von Paul Nizan abgelöst, dem Leiter der Auslandsredaktion, der ebenfalls sowohl als Journalist als auch als Romanautor bekannt war. Pascal Pia war Leiter der Abteilung für allgemeine Informationen, bis er im August 1938 zu Alger républicain[7] wechselte. Pierre Abraham, der Bruder von Jean-Richard Bloch, war Theaterkritiker. Zu den professionellen Journalisten gehören Édith Thomas[8], Simone Téry[9] und Andrée Viollis, die sich alle drei auf große Reportagen spezialisiert hatten.
Unter den weiteren Mitarbeitern von Ce soir zwischen 1937 und 1939 finden sich Namen wie René Arcos, Julien Benda, Jean Blanzat, Jean Cocteau, Lise Deharme[10], Robert Desnos, Luc Durtain, Yvette Guilbert, Francis Jourdain, André Lhote, Darius Milhaud, Jean Renoir, Georges Sadoul, Elsa Triolet und Jean Wiener. Über den Konflikt in Spanien berichteten achtzehn Journalisten und Fotojournalisten.[11] Die großen Namen des linken Journalismus reihten sich aneinander, um die Kämpfe auf republikanischer Seite zu beschreiben und zu illustrieren. Unter ihnen: Édith Thomas, Andrée Viollis, Simone Téry, Louis Parrot, Stéphane Manier[12], Georges Soria[13] und Renaud de Jouvenel[14].
Als Sonderkorrespondenten von Ce soir versorgten Fotografen, die später berühmt werden sollten, die Tageszeitung mit Aufnahmen, die heute als Archivmaterial zum spanischen Bürgerkrieg gelten:
- Gerda Taro, die im Juli 1937 an der Schlacht von Brunete getötet wurde;[15]
- Robert Capa, ihr Lebensgefährte, offizieller Fotograf von Ce soir bis zum Rückzug der Republikaner nach Frankreich im Jahr 1939;[16]
- David Seymour (Pseudonym Chim);[15]
- Mathieu Corman[17].[16]
Die Tageszeitung, die als der Kommunistischen Partei nahestehend galt, wurde am 25. August 1939 zusammen mit L’Humanité und allen anderen Publikationen dieser Partei verboten, da sie im Verdacht stand, den Deutsch-Sowjetischen Pakt zu unterstützen. Sie durfte zwar unter der Leitung von Jules Dumont erscheinen, da sie von den Besatzern als weniger bekannt als L’Humanité angesehen wurde, nutzte dieses Privileg aber nicht.[18]
Geschichte 1944 bis 1953

Mit einer Auflage von einer halben Million Exemplaren pro Tag im Jahr 1946 war Ce Soir die mit Abstand größte der in der Union française de l’information zusammengeschlossenen kommunistischen Zeitungen, weit vor L’Humanité und den zahlreichen Regionalzeitungen. Die Auflage von Ce soir, neu entstanden im August 1944 und mit dem Untertitel „Grand quotidien d’information indépendante“ (Große unabhängige Tageszeitung)[19], stieg von 288.000 Exemplaren im Januar 1945[20] auf 400.000 Exemplare im Laufe des Jahres 1945 und dann auf 545.000 Exemplare im Jahr 1946, weit über den 260.000 Exemplaren von 1939, bevor sie 1947 auf 433.000[21] zurückging und 1952 auf nur noch 113.000 Exemplare sank[22] um danach völlig einzubrechen.
Chefredakteur war nun Louis Parrot, einer ihrer Redakteure aus der Vorkriegszeit. Louis Aragon kehrte Ende September 1944 nach Paris zurück und übernahm die Leitung, die jedoch faktisch an Jean-Richard Bloch ging, als dieser im Januar 1945 nach Frankreich zurückkehrte, nachdem er den Krieg in der Sowjetunion verbracht hatte. Ende 1946 wurde Bloch in den Conseil de la République gewählt (so hieß der Senat in der 4. Republik) und stärkte damit das politische Gewicht der Abendzeitung. Doch am 15. März 1947 verstarb er plötzlich. Aragon war nun alleiniger Direktor von Ce soir. Er wurde von einem seiner Parteikameraden, dem erfahrenen Journalisten Fernand Fontenay[23], unterstützt.
Nachfolger Parrots als Chefredakteur wurde Gilbert Badia[24]; dieser wurde 1949 durch André Stil ersetzt, einem jungen, im Journalismus unerfahrenen Schriftsteller. Stil wechselte 1950 zu L’Humanité und auch sein Nachfolger Pierre Daix hatte zuvor keine Erfahrungen in diesem Metier.[25][26][27] Diese Personalpolitik wurde von einer Annäherung und schließlich von einer Unterordnung unter die Vorgaben von L’Humanité begleitet, die zu einem Rückgang der Auflage und 1953 zum Ende der Zeitung führte. Kurz zuvor hatte Ce soir noch mit einer antisemitischen Berichterstattung über die angeblich von Juden inszenierte antistalinistische Ärzteverschwörung Leser und Anzeigekunden verprellt.[28][22]
Sport

Zur Marketingstrategie der PCF und von Ce soir gehörte auch ein Engagement im Sportbereich, insbesondere bei Radrennen. Sportredakteur Georges Pagnoud[29] war Organisator des Rennens Paris–Nizza[30] und übernahm mit dem Circuit des Boucles de la Seine ein neues Rennen im Raum Paris.[31] Des Weiteren organisierte Pagnoud die Ronde de France, ein Mehrtagesrennen, das als Ersatz für die zwischen 1940 und 1946 nicht ausgetragene Tour de France gedacht war.[32]
Mitarbeiter 1944 bis 1953
Die Mitarbeiter von Ce soir stammten zwar häufig aus dem kommunistischen Umfeld, jedoch waren auch Journalisten anderer politischer Richtungen vertreten.[33] Zu den namhaften Mitarbeitern gehörten unter anderem Yves Benot, Catherine Claude[34], Raymond Lavigne[35], Robert-Jean Longuet, Serge Mallet, Gilbert Mury, Madeleine Riffaud und Jacques-Francis Rolland.
Literatur
- Raymond Lavigne: Je suis un communiste heureux. Table ronde, 1981, ISBN 978-2-7103-0039-7 (Kapitel „La mort d’un journal“).
- Louis Aragon, Anna Seghers, Jean-Richard Bloch, Elsa Triolet: Ce soir (1937–1939) chroniques et articles d’Aragon, Elsa Triolet, Jean-Richard Bloch, Francis Jourdain, Jean Wiéner ; Le juge intègre : nouvelle d’Anna Seghers. Éditions Delga, 2020, ISBN 978-2-37607-208-9.
Weblinks
- Ausgaben 1937 bis 1953 auf Gallica
- Ce soir 2. März 1937 bis 2. März 1953, 3536 Ausgaben. In: Retronews. (französisch).
- Angaben zu Ce soir in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.