Ch-69

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Der Ch-69 (russisch Х-69) ist ein luftgestützter, taktischer Marschflugkörper aus Russland.

Schnelle Fakten Allgemeine Angaben, Technische Daten ...
Ch-69
Ch-69 auf dem Militärtechnischen Forum „Army 2022“

Ch-69 auf dem Militärtechnischen Forum „Army 2022“
Allgemeine Angaben
Typ Marschflugkörper
Heimische Bezeichnung Ch-69, Х-69, Ch-59MK2
Herkunftsland Russland Russland
Hersteller Konstruktionsbüro Raduga
Entwicklung 2009
Indienststellung 2023
Einsatzzeit im Dienst
Technische Daten
Länge 4,19 m
Durchmesser 400 mm
Gefechtsgewicht 770 kg
Spannweite 2,45 m
Antrieb Turbofan
Geschwindigkeit 208–278 m/s (Mach 0,6–0,8)
Reichweite 400 km
Ausstattung
Lenkung INS / GNSS
Zielortung DSMAC
Gefechtskopf 310 kg Penetrationsgefechtskopf oder 300 kg Streumunition
Zünder Programmierter Zünder
Waffenplattformen Kampfflugzeuge
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Entwicklung

Der Ch-69 entstand ab 2009 im Konstruktionsbüro Raduga als eine Weiterentwicklung des Marschflugkörpers Ch-59MK. Ein erstes Vorführmodell mit der Bezeichnung Ch-59MK2 wurde auf der MAKS 2015 präsentiert. Im Rahmen der russischen Intervention im Bürgerkrieg in Syrien wurden im Februar 2018 Feldtests und Truppenerprobungen durchgeführt. Unter der neuen Bezeichnung Ch-69 wurde der Marschflugkörper im Jahr 2022 auf dem Militärtechnischen Forum „Army 2022“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Die ersten Exemplare wurden vermutlich Ende 2023 an die Russischen Luftstreitkräfte ausgeliefert. Der Ch-69 wird von der Tactical Missiles Corporation und Rosoboronexport auf dem Exportmarkt angeboten. Vergleichbare westliche Marschflugkörper sind der AGM-158 JASSM, Storm Shadow und Taurus.[1][2][3][4][5][6][7]

Technik

Der Ch-69 ist ein luftgestützter, taktischer Marschflugkörper für die Bekämpfung von stationären Landzielen, der sich Tarnkappentechnik auf Basis der Vermeidung von Rückstrahlungen zum Sender zunutze macht. Der Radarquerschnitt soll zwischen 0,007 und 0,01 m² liegen. Zusätzlich erschweren die niedrige Flughöhe sowie die geringe Infrarot-Signatur eine Ortung und Bekämpfung. Vom Ch-69 existieren zwei unterschiedlichen Ausführungen: Die Ausführung für die Streitkräfte Russlands mit einer Reichweite von rund 400 km sowie eine Exportausführung. Letztere hat eine verringerte Reichweite von 290 km, damit diese nicht die Export-Richtlinien des Missile Technology Control Regimes verletzt.[1][2][8][9]

Der Ch-69 hat einen quadratischen Rumpfquerschnitt mit einer Seitenlänge von 400 mm. Zuvorderst im Rumpf ist der optische DSMAC-Suchkopf (Gelände-Kontur-Abgleich), ein Höhenmesser sowie das Navigationssystem verbaut. Dieses verwendet eine Trägheitsnavigationsplattform, die mit einem GLONASS und -GPS-Satellitennavigationssystem gekoppelt ist. Je nach Verfügbarkeit wählt das Lenksystem automatisch eines der beiden Systeme aus. Dahinter ist der Gefechtskopf untergebracht. Der Ch-69 soll wahlweise mit einem 310 kg wiegenden Penetrationsgefechtskopf oder mit 300 kg Streumunition bestückt werden können. Als Streumunition werden Splitter-Bomblets der Typen ShOAB-3 oder ShOAB-4 verwendet. Diese sind kugelförmig und haben ein Gewicht von 4 bis 4,5 kg. Hinter dem Gefechtskopf folgt der Haupttreibstofftank und zuhinterst im Heck ist das Turbofan-Triebwerk verbaut. Die Ausführung für die Streitkräfte Russlands verwendet das 37-04-Turbofan von NPO Saturn und in der Exportversion ist das Triebwerk 50MT verbaut. Anstatt eines herkömmlichen Lufteinlaufes ist an der Rumpfunterseite eine Öffnung angebracht, was den Radarquerschnitt weiter reduziert. Oben auf dem Bombenkörper sind zwei Tragflächen angebracht und die Lageregelung geschieht durch vier kleine, trapezförmige Steuerflächen am Heck.[1][2][8][9][10][11][12][13][14]

Der Ch-69 kann aus einer Flughöhe von 200 bis 11.000 m sowie in einem Geschwindigkeitsbereich von 618 bis 1.113 km/h abgeworfen werden. Nach dem Abwurf vom Flugzeug entfalten sich die Flügel und das Triebwerk wird gestartet. Der Marschflug kann im Konturenflug in einer Flughöhe von 20 bis 300 m erfolgen. Dabei sorgt der Höhenmesser für den nötigen Sicherheitsabstand zwischen dem Flugkörper und der Erdoberfläche. Die Steuerung während des Marschfluges geschieht mit dem Navigationssystem. Für den Zielanflug wird der DSMAC-Suchkopf zugeschaltet, der das angeflogene Gelände mit eingespeicherten Daten vergleicht. Gemäß Herstellerangaben erreicht der Marschflugkörper einen Streukreisradius (CEP) von 5 bis 7 m.[10][8][9][15][16]

Kriegseinsatz

Der erste Gefechtseinsatz des Ch-69 erfolgte im Rahmen der russischen Intervention im Bürgerkrieg in Syrien. Im Februar 2018 wurde der Marschflugkörper, noch unter der alten Bezeichnung Ch-59MK2, von einem Prototyp der Su-57 „Felon“ gegen Ziele in Syrien gestartet.[5][17]

Der nächste Einsatz erfolgte während des Russischen Überfalls auf die Ukraine. Am 7. Februar 2024 starteten die Russischen Luftstreitkräfte eine unbekannte Anzahl Ch-69 gegen Ziele in den Regionen Poltawa, Sumy und Mykolajiw. Danach wurde der Ch-69 am 11. April bei einem Angriff auf das Kraftwerk Trypillja verwendet.[5][7][18][17][19][20]

Trägerflugzeuge

Quellen:[4][10][11][12]

Nutzerstaaten

Literatur

Einzelnachweise

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