Champcevinel

französische Gemeinde From Wikipedia, the free encyclopedia

Champcevinel (Aussprache [ʃɑ̃səviˈnɛl], okzitanisch Champ Savineu) ist eine französische Gemeinde mit 3126 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Périgueux und zum Gemeindeverband Le Grand Périgueux. Die Bewohner werden Champcevinellois und Champcevinelloises genannt.

Schnelle Fakten
Champcevinel
Champcevinel (Frankreich)
Champcevinel (Frankreich)
Staat Frankreich Frankreich
Region Nouvelle-Aquitaine
Département (Nr.) Dordogne (24)
Arrondissement Périgueux
Kanton Trélissac
Gemeindeverband Le Grand Périgueux
Koordinaten 45° 13′ N,  44′ O
Höhe 86–237 m
Fläche 17,72 km²
Einwohner 3.126 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 176 Einw./km²
Postleitzahl 24750
INSEE-Code
Website www.champcevinel.fr

Blick auf Champcevinel
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Geografie

Bodenbedeckung, Hydrografie und Infrastruktur der Gemeinde (2018)

Champcevinel liegt etwa vier Kilometer nordnordöstlich von Périgueux in der Région naturelle des Périgord central, im touristisch benannten Teil des Périgord blanc. Durch die geringe Entfernung zu Périgueux und den teilweisen Übergang der Bebauung der Gemeinde zur Stadt hat Champcevinel den Charakter einer Banlieue.

Das Gemeindegebiet befindet sich im Einzugsgebiet der Dordogne und wird entwässert von einem hier entspringenden, zeitweise trockenfallenden Bach.

Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Champcevinel liegt in der dritten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus heterogenem Kalkstein aus der Kreidezeit.[1] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär, einige Sedimentgesteinen aus dem Känozoikum, andere aus dem Mesozoikum.

Champcevinel erstreckt sich über eine außerhalb der bebauten Flächen bewaldete Hügellandschaft, die durch das Tal des namenlosen Bachs eingeschnitten wird. Der topografisch höchste Punkt liegt mit 237 m im äußersten Osten an der Grenze zur Nachbargemeinde Trélissac, der tiefste Punkt mit 86 m im äußersten Südwesten beim Austritt des Bachs aus dem Gemeindegebiet. Das Zentrum liegt auf einer Hochebene auf etwa 208 m Höhe.

Rund 49 % der Fläche der Gemeinde sind bewaldet, rund 36 % werden landwirtschaftlich, hauptsächlich heterogen genutzt, rund 13 % entfallen auf bebaute Flächen, rund 2 % auf Flächen mit Strauch- und/oder Kräutervegetation.[2]

Champcevinel wird von folgenden fünf Gemeinden umgeben:

Agonac Cornille
Château-l’Évêque Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt
Périgueux Trélissac
Risikokarte zur Quellungs/Schrumpfung von Tonmineralen in Böden für Champcevinel

Natürliche und technologische Risiken

Naturrisiken manifestieren sich in Champcevinel als

Im nahezu gesamten Gemeindegebiet besteht zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräte und eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.[3]

Wie die Risikokarte zeigt, ist nahezu das gesamte Gemeindegebiet bis auf das Tal des Bachs von einer starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Dürreperioden in den Jahren 1989, 1991, 1992, 1995, 2005 und 2011 sind als Naturkatastrophen der Gemeinde klassifiziert worden. Die Erdbebengefahr ist als niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 zugeordnet.

Ein technologisches Risiko besteht durch den Verlauf einer Erdgasleitung im Süden des Gemeindegebiets. Obwohl diese Anlagen sicher sind, kann es in sehr seltenen Fällen zu einem Bruch oder einem Leck kommen. Dies könnte dann eine Umweltverschmutzung oder ein Unfallereignis (Explosion, Brand, giftige Wolke usw.) zur Folge haben.[4]

Etymologie und Geschichte

An die Besiedelung des Gemeindegebiets während der gallorömischen Zeit wird durch den Ortsnamen erinnert, der nur im 13. Jahrhundert in der Schreibweise Chansavinel erschien. Das Dorf wurde 1243 in der latinisierte Form Campi Savinelli erwähnt, danach Champsavinel (1303) und im 18. Jahrhundert als Champsevinel (1774), eine Schreibweise, die im 19. Jahrhundert beibehalten wurde. Der Name wurde aus dem nordokzitanischen champ (deutsch Feld, Boden) gebildet, ebenso wie das altfranzösische champ. Das Wort ist aus dem lateinischen campus (deutsch Ackerland) hervorgegangen. Der zweite Teil des Ortsnamens stammt vom Personennamen Sabinel, einem Diminutiv von Sabin, und ist selbst vom römischen Namen Sabinus abgeleitet.[5]

Die an zahlreichen Fundstellen in der Gemeinde gesammelten bearbeiteten Steine beweisen, dass dort während der Altsteinzeit und Jungsteinzeit Menschen lebten, auch wenn keine Hinweise auf eine dauerhafte Siedlung entdeckt wurden.

Champcevinel grenzt im Westen an eine Römerstraße und im Osten an die Landstraße nach Paris.

Einer der Hauptgründe für den Hundertjährigen Krieg im 12. Jahrhundert war die Heirat von Eleonore von Aquitanien mit Heinrich Plantagenet von England. Damals unterstand Champcevinel der Seigneurie der Kanoniker der Kirche Saint-Étienne-de-la-Cité in Périgueux. Ihnen gehörten die Bories (Trockensteinhütten) auf dem Ortsgebiet. „Borie“ bedeutet wörtlich „Ochsenhaus“, bezeichnet aber allgemein einen wohlhabenden Bauernhof. Die Gebäude, die heute als die Schlösser Borie-Petit und Borie-Brut bekannt sind, waren Teil dieser Höfe.

Die Kämpfe zwischen französischen und englischen Truppen endeten 1453 mit der Schlacht von Castillon. Das Périgord erlebte kaum ein Jahrhundert Frieden, bevor das Gebiet erneut von den Hugenottenkriegen verwüstet wurde. Im 16. Jahrhundert wurden die Bories (Trockensteinhütten) von wohlhabenden Bürgern erworben und zu Wohnorten umgebaut, die fortan als Schlösser bekannt waren. Später erhoben sich die Croquants gegen überhöhte Steuern, und die Landschaft wurde zum Schauplatz weiterer Konflikte, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts andauerten.[6]

Bevölkerungsentwicklung

Champcevinel: Einwohnerzahlen von 1800 bis 2020
Jahr  Einwohner
1800
 
816
1806
 
801
1821
 
818
1831
 
681
1836
 
852
1841
 
864
1846
 
766
1851
 
800
1856
 
834
1861
 
836
1866
 
800
1872
 
777
1876
 
781
1881
 
801
1886
 
810
1891
 
760
1896
 
701
1901
 
684
1906
 
684
1911
 
690
1921
 
563
1926
 
594
1931
 
607
1936
 
626
1946
 
668
1954
 
666
1962
 
914
1968
 
1.127
1975
 
1.359
1982
 
1.697
1990
 
2.208
1999
 
2.335
2006
 
2.467
2013
 
2.790
2020
 
2.980
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[7] INSEE ab 2006[8][9][10]
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Die steile Zunahme der Bevölkerung in den 1960er Jahren ist durch die Nähe zu Périgueux zu erklären.

Sehenswürdigkeiten

  • Kirche Saint-Marc, erbaut von 1874 bis 1877
  • Schloss Borie-Petit aus dem 15. Jahrhundert, Fassaden und Dächer des Eingangs und der beiden angrenzenden Gebäude, einschließlich der beiden Scharwachttürme sind seit 1974 als Monument historique eingeschrieben
  • Schloss Borie-Brut aus dem 17. Jahrhundert
  • Schloss Vigneras, im 17. Jahrhundert errichtet
  • Schloss Cablans aus dem 17. Jahrhundert
  • Herrenhaus Boisset aus dem 16. Jahrhundert
  • Herrenhaus La Roussie aus dem 17. Jahrhundert

Bildung

Champcevinel verfügt über

  • eine öffentliche Vorschule (École maternelle),
  • die öffentliche Vor- und Grundschule (École primaire) „Madeleine Bretou“ und
  • eine öffentliche Grundschule (École élémentaire)[11]

Wirtschaft

Erwerbstätigkeit

Im Jahre 2022 waren 1343 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Champcevinel erwerbstätig, entsprechend 77,5 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse, wobei der Anteil der Männer (78,7 %) höher war als bei den Frauen (76,5 %). Die Zahl der Arbeitslosen war mit 74 Personen im Jahr 2022 niedriger als im Jahr 2016 (112). Die Arbeitslosenquote sank entsprechend von 8,7 % (2016) auf 5,5 % (2022).[12]

Branchen und Betriebe

243 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2023 in Champcevinel wirtschaftlich aktiv:[12]

Weitere Informationen Branche, Anzahl ...
Branche
Anzahl%
Gesamt243
Fertigung, Bergbau und andere Industrien145,8 %
Baugewerbe2911,9 %
Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie4116,9 %
Information und Kommunikation93,7 %
Finanzen und Versicherungen187,4 %
Immobilien114,5 %
Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten3916,0 %
Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln5522,6 %
Andere Dienstleistungen2711,1 %
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Die fünf umsatzstärksten Unternehmen mit Sitz in der Gemeinde im Jahr 2024 waren:[13]

  • In Extenso Dordogne, Buchhaltungsaktivitäten (4.239.219 €)
  • Decor In, Großhandel (B2B) mit Obst und Gemüse (678.860 €)
  • Accio Automobiles, Handel von Pkw und leichten Kraftfahrzeugen (478.835 €)
  • Cogesim, Immobilienentwicklung von Wohnraum (380.917 €)
  • Decor ' Enduit 24, Verputzarbeiten (206.682 €)

Landwirtschaft

Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Polykulturen und/oder Mischbetriebe in der Tierhaltung.[14] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 27 bei der Landwirtschaftszählung von 1988, auf 14 im Jahr 2000, auf 6 im Jahr 2010 und stieg leicht auf 7 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 74,1 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche verringerte sich von 442 Hektar im Jahre 1988 auf 176 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg hingegen von 16,4 Hektar auf 25,2 Hektar.[15][16][17]

Fernwanderwege

Der 1932 Kilometer lange Fernwanderweg GR 36 „De la Manche aux Pyrénées“ von Ouistreham (Département Calvados) nach Bourg-Madame (Département Pyrénées-Orientales) durchquert das Gemeindegebiet von Ost nach West ebenso der Fernwanderweg GR 654, der in seinem Verlauf der Via Lemovicensis, einem der vier Jakobswege in Frankreich, ähnelt. Dieser wechselt von seiner westlichen Richtung nach Süden in Richtung Périgueux.[18][19]

Verkehr

Die Departementsstraße D 3 verläuft außerhalb des Zentrums von Champcevinel in nördlicher Richtung über Agonac bis nach Champagnac-de-Belair und stößt in südlicher Richtung im Stadtgebiet von Périgueux auf die zur D 939 herabgestufte ehemalige Nationalstraße N 139. Die D 8 verläuft ebenfalls nicht direkt durch das Zentrum, nach Süden hin bis nach Périgueux, nach Norden stößt sie bei Sorges et Ligueux en Périgord auf die Nationalstraße N 21. Lokale Landstraßen verbinden das Zentrum von Champcevinel mit den Weilern und Nachbargemeinden.

Champcevinel ist über Stadtbusse von mehreren Linien des Netzwerkes Péribus des Gemeindeverbands Le Grand Périgueux an Périgueux verkehrstechnisch gut angebunden.[20]

Gemeindepartnerschaft

Mit der italienischen Gemeinde Castel Focognano in der Provinz Arezzo (Toskana) besteht seit 1992 eine Partnerschaft.[21]

Literatur

  • Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Commons: Champcevinel – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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