Chapdeuil

französische Gemeinde From Wikipedia, the free encyclopedia

Chapdeuil (Aussprache [ʃapˈdœj], okzitanisch Lu Chapduelh) ist eine französische Gemeinde mit 142 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Nordwesten des Départements Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016 Aquitanien). Sie gehört zum Arrondissement Périgueux und zum Gemeindeverband Communauté de communes du Périgord Ribéracois. Die Bewohner werden Chapdeuillots und Chapdeuillottes genannt.

Schnelle Fakten Lu Chapduelh ...
Chapdeuil
Lu Chapduelh
Chapdeuil (Frankreich)
Chapdeuil (Frankreich)
Staat Frankreich Frankreich
Region Nouvelle-Aquitaine
Département (Nr.) Dordogne (24)
Arrondissement Périgueux
Kanton Brantôme en Périgord
Gemeindeverband Périgord Ribéracois
Koordinaten 45° 21′ N,  29′ O
Höhe 115–186 m
Fläche 7,71 km²
Einwohner 142 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 18 Einw./km²
Postleitzahl 24320
INSEE-Code

Bürgermeisteramt (Mairie)
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Geografie

Die Euche bei Chapdeuil
Bodenbedeckung, Hydrografie und Infrastruktur der Gemeinde (2018)

Chapdeuil liegt etwa 25 Kilometer südwestlich von Nontron, etwa 26 Kilometer nordwestlich von Périgueux und etwa 55 Kilometer nördlich von Bergerac in der Région naturelle des Ribéracois im touristisch benannten Landesteil des Périgord vert. Das Gemeindegebiet befindet sich im Einzugsgebiet der Dordogne und wird entwässert von der Euche, vom Flüsschen Buffebale, die sie im Norden begrenzt, sowie von einem kleineren Fließgewässer.

Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Chapdeuil liegt auf der dritten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus heterogenem Kalkstein aus der Kreidezeit.[1] Die Gemeinde liegt zusammen mit dem Nachbarort Cercles auf dem Gipfel der La Tour-Blanche-Antiklinale, auf einer Insel aus Kalkstein aus dem Jura, die von Gestein aus der Kreidezeit umgeben ist und in der Geologie als „Boutonnière“ (deutsch Knopfloch) bekannt ist. Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär, die aus dem Känozoikum stammen, sowie Sedimentgesteine aus dem Mesozoikum.

Das Relief des Gebiets von Chapdeuil zeigt eine Hügellandschaft, die nördlich und südlich des Tals der Euche bewaldet ist und durch das Tal des Buffebale markant begrenzt wird. Die Erhebungen erreichen Höhen von generell unter 200 m. Der topografisch höchste Punkt liegt im Süden mit 186 m in der Nähe des Lieu-dit les Damneries, der tiefste Punkt mit 115 m im Osten beim Austritt der Euche aus dem Gemeindegebiet. Das Zentrum liegt im Euche-Tal auf etwa 122 m Höhe.

Rund 59 % der Fläche der Gemeinde werden landwirtschaftlich, hauptsächlich heterogen genutzt, rund 41 % sind bewaldet.[2]

Chapdeuil wird von folgenden vier Gemeinden umgeben:

La Tour-Blanche-Cercles
Bourg-des-Maisons Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Saint-Just
Grand-Brassac

Natürliche Risiken

Risikokarte zur Quellung/Schrumpfung von Tonmineralen in Böden für Chapdeuil

Naturrisiken manifestieren sich in Chapdeuil als

  • Dürren
  • Waldbrände
  • Bodensetzungen.

Im Gemeindegebiet bis auf das waldarme Tal der Euche besteht zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräte und eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.[3]

Wie die Risikokarte zeigt, ist das zentrale und nordwestliche Gemeindegebiet von einer starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. In den Jahren 1992 und 1995 sind beispielsweise Dürreperioden als Naturkatastrophen klassifiziert. Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 zugeordnet.[4]

Etymologie und Geschichte

Der Name des Dorfes wurde im 12. Jahrhundert erstmals in der latinisierten Form Capdolium im Jahr 1143 erwähnt, zu Beginn des 13. Jahrhunderts Chadoill (1203). Eine der heutigen Schreibweise nahen Form erschien im 16. Jahrhundert: Chapdueilh (1560). Das Wort stammt vom altokzitanischen capdolh, das das Hauptgebäude eines Landguts oder einen Donjon bezeichnete. Es kommt vom mittellateinischen capitolium mit derselben Bedeutung, abgeleitet vom klassischen lateinischen caput (deutsch Kopf), auch für das geltend, wer an der Spitze steht, für den, wer regiert. Caput lieferte das französische chef und das okzitanische cap (Ende des 10. Jahrhunderts).[5]

Der Dorfgrundriss von Chapdeuil ist einzigartig, da er nahezu vollständig erhalten geblieben ist. Er liegt eingebettet in einen sehr alten Erdwall, inmitten eines Grabens, der mit fließendem Wasser gefüllt ist durch eine Umleitung des Flusses Euche, der die Gemeinde von Osten nach Westen durchfließt.

Im Zentrum dieser Erdwallanlage steht eine Burg, die bereits im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde und um die sich das Dorf entwickelte.

Doch der Ort war schon lange zuvor besiedelt. Altsteinzeitliche und jungsteinzeitliche Besiedlungsspuren sind belegt, und zahlreiche gallorömische Überreste, die größtenteils 1891 entdeckt wurden, zeugen von reger Aktivität in dieser Zeit. Zudem wird vermutet, dass das Dorf an der Römerstraße von Périgueux nach Saintes lag.

Die einflussreiche Adelsfamilie La Tour besaß die Burg, die möglicherweise auf eine ältere Erdhügelburg zurückging. Sie sicherte den Besitz innerhalb ihrer Familie über 700 Jahre lang. Das Schloss, das vermutlich mehrmals umgebaut wurde, wurde tatsächlich erst im 20. Jahrhundert verkauft.[6]

Im 14. Jahrhundert war Chapdeuil Sitz einer Kastellanei, die die Pfarreien Bourg des Maisons, Cercles und Verteillac umfasste.[7]

Im Jahr 1827 fusionierte die Gemeinde mit Saint-Just zu Chapdeuil-et-Saint-Just, bevor die beiden Gemeinden 1887 wieder unabhängig wurden.[8]

Bevölkerungsentwicklung

Chapdeuil: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020
Jahr  Einwohner
1793
 
338
1800
 
326
1806
 
315
1821
 
415
1831
 
872
1836
 
841
1841
 
777
1846
 
770
1851
 
760
1856
 
721
1861
 
746
1866
 
768
1872
 
687
1876
 
737
1881
 
691
1886
 
695
1891
 
303
1896
 
288
1901
 
266
1906
 
260
1911
 
250
1921
 
238
1926
 
212
1931
 
233
1936
 
221
1946
 
234
1954
 
219
1962
 
170
1968
 
162
1975
 
139
1982
 
133
1990
 
124
1999
 
111
2006
 
115
2013
 
139
2020
 
137
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[8] INSEE ab 2006[9][10][11]
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Sehenswürdigkeiten

  • Anhand der erhaltenen archäologischen Elemente (Fenster und Kamine) lässt sich feststellen, dass der Donjon der Burg Chapdeuil frühestens aus dem 14. Jahrhundert stammt, mit größerer Sicherheit jedoch aus der zweiten Hälfte des 15. oder dem Beginn des 16. Jahrhunderts. Das Schloss wurde später um einen Wohntrakt erweitert; der Kernbau hat dennoch sein mittelalterliches Erscheinungsbild mit Wassergraben, Zugbrücke, Donjon und Maschikulis bewahrt. Die Burg wurde 1793 einer ersten Abrissphase unterzogen, und ein großer Teil der Mauern des Hauptgebäudes musste im 19. Jahrhundert wieder aufgebaut werden. Viele Häuser in der Gemeinde weisen wiederverwendete architektonische Elemente auf, die wahrscheinlich von der Burg stammen. Ein rundes Taubenhaus gehört ebenfalls zur Anlage dazu, welches sich in Privatbesitz befindet. Die Brücke, das Torhaus, der Taubenschlag und der Burggraben sind seit dem Jahr 1988 als Monument historique eingeschrieben ist.[12][13]
  • Die dem heiligen Asterius geweihte Pfarrkirche Saint-Astier stammt aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Die einschiffige, auf allen Seiten durch Strebepfeiler stabilisierte Kirche hat einen mittelalterlichen Vorgängerbau ersetzt, der mit Sicherheit aus der gleichen Zeit wie die nahegelegene Burg stammt.[14]
  • Im Ort steht ein Festes Haus aus dem 16. Jahrhundert. Ein Außenturm mit einer Wendeltreppe flankiert die zur Straße gewandte Fassade.
  • Am Ortsrand befindet sich ein Waschplatz (lavoir) aus dem 19. Jahrhundert.

Wirtschaft

Erwerbstätigkeit

Im Jahre 2022 waren 64 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Chapdeuil erwerbstätig, entsprechend 78,7 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse, wobei der Anteil der Männer (83,3 %) sehr viel höher war als bei den Frauen (73,7 %). Die Zahl der Arbeitslosen war mit neun Personen im Jahr 2022 höher als im Jahr 2016 (7). Die Arbeitslosenquote stieg entsprechend von 10,6 % (2016) auf 14,3 % (2022).[15]

Branchen und Betriebe

12 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2023 in Chapdeuil wirtschaftlich aktiv:[15]

Weitere Informationen Branche, Anzahl ...
Branche
Anzahl%
Gesamt12
Fertigung, Bergbau und andere Industrien325,0 %
Baugewerbe18,3 %
Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie216,7 %
Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten216,7 %
Andere Dienstleistungen433,3 %
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Landwirtschaft

Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Polykulturen und/oder Mischbetriebe in der Tierhaltung.[16] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 9 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 6 im Jahr 2000 und im Jahr 2010 und auf 5 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 44,4 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche vergrößerte sich von 236 Hektar im Jahre 1988 auf 392 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg signifikant von 26,2 Hektar auf 78,4 Hektar.[17][18][19]

Verkehr

Chapdeuil liegt fernab von größeren Verkehrsachsen. Die Departementsstraße D 2 nach La Tour-Blanche-Cercles in nordwestlicher Richtung und nach Saint-Just in südöstlicher Richtung wird an der nördlichen Gemeindegrenze entlanggeführt. Nachgeordnete Departementsstraßen und lokale Landstraßen verbinden das Zentrum von Chapdeuil mit den Weilern der Gemeinde und mit weiteren Nachbargemeinden.

Literatur

  • Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Éditions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Commons: Chapdeuil – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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