Charg
iranische Insel im Persischen Golf
From Wikipedia, the free encyclopedia
Charg (englisch Kharg; persisch خارگ, DMG Ḫārg, auch خارک Chārk, DMG Ḫārk) ist eine bewohnte Insel im Persischen Golf. Sie gehört zu Iran, liegt etwa 30 Kilometer vor der Küste des Festlands, ist rund 6 km lang und 4 km breit und hat etwa 10.000 Einwohner. Die Insel liegt 55 km westlich von Buschehr und 35 km südlich von Ganaveh. Fast alle iranischen Ölexporte laufen über die Insel.
| Charg | ||
|---|---|---|
| Gewässer | Persischer Golf | |
| Geographische Lage | 29° 15′ 0″ N, 50° 19′ 0″ O | |
|
| ||
| Länge | 8 km | |
| Breite | 4,5 km | |
| Fläche | 22,59 km² | |
| Höchste Erhebung | Kūh-e Dīdeh Bānī 70 m | |
| Einwohner | 10.000 443 Einw./km² | |
| Hauptort | Charg | |
Geschichte
Die Insel wurde von vielen verschiedenen Völkern besiedelt. Im ersten und zweiten Jhrt. nach Christus von den Palmyrenern[1][2], später von den Nestorianern. Die Insel diente der Kontrolle der Handelsrouten zwischen Indien und Mesopotamien.
Seit Beginn des 19. Jahrhunderts fanden viele Ausgrabungen Spuren der wechselhaften Besiedelung der Insel: Grabkammern mit Reliefs, wie sie auch in Seidenstrassen-Städten Palmyra und Hatra gefunden werden, zoroastrische Feueraltäre, in Fels geritzte Menora, frühchristliche Kreuze und nach Mekka zugewandte Gebetsnischen.[1][3]
Der französische Dominikanermönch Marie-Joseph Steve führte viele Grabungen durch und fand auch einen Klosterkomplex mit Bibliothek und Refektorium für zwanzig Mönche aus dem 7. bis 9. Jahrhundert. 1751 überfielen iranische Araber der Huwala die Insel. Zwei Jahre später errichtete die Niederländische Ostindien-Kompanie dort das Fort Mosselsteyn. Dieses fiel 1766 nach einer Belagerung durch persische Piraten. Zweimal, 1838 und 1856, wurde die Insel von Briten in Besitz genommen.[1][4]
Der Iran baute die Insel seit 1956 zu einem zentralen Element seiner Ölwirtschaft aus. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist die Insel essentiell dafür, quasi alles iranische Öl läuft über die Insel und ihre stark ausgebaute Struktur. 1979 enteignete das Islamische Regime die Besitzer und verstaatlichten die gesamte Infrastruktur.[1][5]
Wirtschaft

Die Insel liegt in der Nähe mehrerer Ölfelder und ist strategisch bedeutend. Sie verfügt über drei Ölterminals, ein Gaswerk und ein Flugfeld. An den Ölterminals können bis zu zehn Tanker mit einem Gesamtvolumen von 200.000 Tonnen andocken. Für Supertanker bis zu 360.000 Tonnen gibt es ein weiteres Sea-Island-Terminal.[1]
In den 1970er Jahren galt Charg als das modernste Ölterminal der Welt. Die Insel verfügte über eine Süßwassergewinnungsanlage und ein landwirtschaftlich genutztes Gewächshaus zur Versorgung der Einwohner von Charg.
Im Ersten Golfkrieg wurden die Anlagen durch irakische Luftangriffe schwer beschädigt, inzwischen aber wieder repariert.
Im Jahr 2012 liefen 98 % des iranischen Rohölexports über das Kharg oil terminal.[6] Um diese Abhängigkeit von einem einzigen Ölausfuhrhafen zu vermindern, gibt es mindestens seit 2008 Pläne, in Bandar-e Dschask am Ausgang (= südöstlich) der Straße von Hormus einen zweiten großen Erdölhafen zu bauen.[7][8]
2026 wird geschätzt, dass die Insel täglich 1,5 bis 1,6 Millionen Barrel Öl für den Weltmarkt verladen kann.[1][9]
Bis dato 11. März 2026 wurde Kharg und das Ölterminal im Irankrieg nicht angegriffen. Durch verbale, militärische Bedrohung und Beschuss wurde die Straße von Hormus durch den Iran gesperrt. Öl- und anderer Schiffsverkehr kam Anfang März 2026 zum Erliegen. Das Terminal Kharg wird durch eine Unterwasserpipeline von iranischer Landseite her mit Öl versorgt.
Namensgebend
Nach der Insel war das größte Versorgungsschiff der iranischen Marine benannt. Am 2. Juni 2021 fing die Kharg Feuer und sank.
Weblinks
- Charg. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): Encyclopædia Iranica. (englisch, iranicaonline.org – mit Literaturangaben).


