Charles Balmer

amerikanischer Musiker und Komponist deutscher Herkunft From Wikipedia, the free encyclopedia

Charles Balmer (* 21. September 1817 als Karl Balmer in Mühlhausen/Thüringen; † 15. Dezember 1892 in St. Louis, Missouri),[1] Pseudonyme: Charles Remlab, T. van Berg, Alphonse Leduc, Charles Lange, Henry Werner, August Schumann, T. Meyer, F. B. Rider,[2] war ein deutsch-amerikanischer Musiker. Er war als Geiger, Pianist, Organist, Komponist, Dirigent, Chorleiter, Konzertveranstalter, Musikverleger in St. Louis tätig, wo er als Teil der ersten Generation der deutschen Emigration in die USA vielfältig zum musikalischen Leben in Missouri beigetragen hat.

Charles Balmer

Leben

Charles Balmer wuchs als der älteste Sohn von Gottfried Balmer († 1846) und seiner Frau Eva, geborene Heyse († 1875), in einer wohlhabenden, gebildeten Familie in Mühlhausen (Thüringen) auf. Schon früh zeigte Balmer musikalisches Talent und wurde von seinem Vater zur Ausbildung nach Göttingen gebracht, vermutlich bei Heinrich Wilhelm Jacobi.[Anm. 1] Im Alter von neun Jahren erhielt er von Louis Spohr einen Preis für das Spiel eines Werkes von Spohr. Mit zehn Jahren spielte er im Orchester in der ersten Geige. Mit sechzehn war er Assistent des Orchesterleiters.

1836 wanderte sein Vater mit der Familie in die USA nach St. Louis im Bundesstaat Missouri aus. Charles Balmer selbst ging zuerst nach New Orleans, um seine musikalischen Fähigkeiten dort zu nutzen. Anschließend verbrachte er zwei Jahre in Mobile (Alabama) und Augusta (Georgia).[3] Nach anderen Angaben ließ er sich zeitweise in Atlanta nieder.[4] 1839 begleitete er die englische Sopranistin Rosalbina Caradori-Allan auf ihrer Tournee durch die USA, die ihn auch nach St. Louis führte. In demselben Jahr ließ er sich ebenfalls dort nieder.

Er wirkte an der USA-Tournee der schwedischen Sopranistin Jenny Lind Anfang der 1850er Jahre mit und entwickelte eine andauernde Freundschaft mit ihr. Jahre nach Linds Rückkehr nach Europa besuchte er sie dort.[4]

Verlags- und Geschäftshaus von Balmer & Weber St. Louis

Er unterrichtete und veranstaltete Konzerte, bei denen er die deutschstämmige Sängerin Theresa Weber (* 11. Mai 1820 in Ehrenbreitstein; † 1. November 1904 in St. Louis)[5.1] kennen lernte. Weber und Balmer heirateten 1841. Schon in den vierziger Jahren begleitete Balmer Solisten wie Ole Bull und Henri Vieuxtemps bei ihren Auftritten in St. Louis. Ab den vierziger Jahren war er Organist in einer 1841 eingeweihten Episcopal Church in St. Louis und blieb über 46 Jahre in diesem Amt. 1846 gründete er die St. Louis Oratorio Society, die er auch dirigierte. 1848 gründete er mit seinem Schwager Heinrich Weber den Musikverlag Balmer & Weber,[6] der noch bis 1907 bestand. Neben eigenen Werken Balmers – darunter auch die unter seinen Pseudonymen veröffentlichten – publizierte der Verlag zahlreiche Werke weiterer Komponisten des 19. Jahrhunderts. Dazu zählten Europäer wie Franz Abt, Joseph Labitzky und Henry Rowley Bishop genauso wie Amerikaner, z. B. Paul Dresser und Charles Galloway, sowie 1852 mit Joseph Postlewaite auch ein afroamerikanischer Komponist[7]. 1859 gehörte Balmer zu den Gründern des St. Louis Philharmonic Orchestra, das er auch wiederholt dirigierte.[8]

Titelbild einer Komposition zur Unterstützung der Unionisten von 1864

Unter dem Pseudonym Henry Werner veröffentlichte er von Anfang des amerikanischen Sezessionskrieges an verschiedene Kompositionen zur Unterstützung der gegen die Sklaverei kämpfenden Unionisten.[9] 1864 leitete er eine Benefiz-Aufführung von Friedrich von Flotows Oper Martha in St. Louis zugunsten kranker und verwundeter Soldaten. Für das Begräbnis des ermordeten US-Präsidenten Abraham Lincoln wurde Balmer zum Dirigenten der Begräbnismusik bestimmt.[3] Als Balmer 1892 starb, nannte die New York Times ihn im Nachruf vom 16. Dezember 1892 einen „der produktivsten und zugleich einen der größten amerikanischen Komponisten“.[4]

Seine Tochter, die Pianistin Rosalie Ida Balmer-Smith (1849–1934),[5.2] und seine Enkelin, die Komponistin Rosalie Balmer Smith Cale (1875–1958),[5.3] traten ebenfalls als Musikerinnen in Erscheinung.[10]

Werke

Als Komponist schuf Balmer eine große Anzahl Klavierstücke, Lieder, Orgelwerke und Chormusik.[1] Etliche seiner Klavierstücke basieren auf Tänzen und Märschen, deren Titel das Leben in St. Louis widerspiegeln, wie Waiting for the Wagon für Gitarre und Gesang, Pacific Railroad Grand March für Klavier, The Bonnie Flag with Stars and Stripes für Gesang und Klavier.

Bedeutung

Synkopen und Ansätze zum Stride-Piano im Thema der Serenading Polka

Das musikalische Schaffen von Charles Balmer dokumentiert die Umwandlung einer aus Europa überlieferten Musiktradition in eine eigenständige amerikanische Musikpraxis in St. Louis. Tänzerische Synkopen und eine Begleitung, die zuweilen dem später als Stride-Piano bekannten Stil ähnelte, erscheinen zum Teil nicht mehr weit entfernt von dem, was Scott Joplin in Balmers letzten Lebensjahren mit seinen ersten Rag-Time-Kompositionen in St. Louis veröffentlichte.

Anmerkungen

  1. Die Encyclopedia of Missouri[3] behauptet, Balmer sei im „Conservatory“ von Göttingen ausgebildet worden. So ein Konservatorium gab es zu der Zeit nicht in Göttingen; siehe Eberhard Freyherr von Wintzingeroda: Göttingen Ueber den Musik-Zustand zu Anfang des Jahres 1828. In: Allgemeine musikalische Zeitung. 30, 1828, S. 266 f., 277 f. Dieser umfangreiche Artikel über musikalische Praxis und Ausbildung in Göttingen erwähnt in dieser Zeit kein solches „Konservatorium“, sondern vielmehr, dass der „geschickte Stadtmusikus, Hr. Jacobi, [...] zwischen zwölf und fünfzehn Lehrlinge und Gesellen [hält ], und sich mit diesen so eingespielt [hat], dass man eine kleine Kapelle zu hören glaubt; auch sind einige seiner Zöglinge bereits in Kapellen angestellt. Er macht daher mit seinen Leuten einen wesentlichen Theil des Orchesters aus“. (Zu diesen Zöglingen gehörten der in diesen Jahren unter anderem auch die ebenfalls aus Mühlhausen stammenden späteren Komponisten und Dirigenten Adolph und Ernst Methfessel ausbildete). Einer solchen Ausbildung unter Jacobis Zöglingen entspricht den Aussagen, dass Balmer außer Klavier und Orgel auch Geige und Klarinette spielte und sehr jung schon verschiedene Aufgaben im Orchester übernahm.

Einzelnachweise

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