Charles Berling

französischer Schauspieler From Wikipedia, the free encyclopedia

Charles François Philibert Berling (* 30. April 1958 in Saint-Mandé) ist ein französischer Schauspieler.

Charles Berling (2016)

Leben

Charles Berling ist der Sohn eines Marinearztes. Er wuchs mit drei Schwestern und zwei Brüdern auf. Als er zwei Jahre alt war, zog die Familie wegen der dienstlichen Verpflichtungen des Vaters von Paris nach Brest, dann nach Toulon und danach für sieben Jahre nach Tahiti und Moorea, bevor sie nach Toulon zurückkehrte. Nach dem Abitur nahm er ein Schauspielstudium am Institut National des Artes du Spectacle in Brüssel auf, schloss sich danach der Compagnie Les Mirabelles an, eine Truppe von Transvestiten, und hatte mit ihnen 1982 seinen ersten Bühnenauftritt auf dem Festival in Aix-en-Provence.[1] Im folgenden Jahr spielte er im Ehrenhof des Papstpalastes in Jean-Pierre Vincents Inszenierung von Dernières nouvelles de la peste.[2]

Seine erste Filmrolle übernahm Berling 1982 in dem Kriminalfilm Meurtres à domicile neben Anny Duperey und Bernard Giraudeau. Doch erst ab Ende der 1980er Jahre stand er erneut vor der Filmkamera, zunächst für das französische Fernsehen und ab 1992 auch für das Kino mit einer Nebenrolle in der Literaturverfilmung Salz auf unserer Haut. Es folgten weitere Nebenrollen, etwa in Claude Sautets Drama Nelly & Monsieur Arnaud (1995), ehe ihm 1996 mit der Hauptrolle in Patrice Lecontes preisgekröntem Kostümfilm Ridicule – Von der Lächerlichkeit des Scheins an der Seite von Jean Rochefort und Fanny Ardant der Durchbruch gelang. Für seine Darstellung eines Landadeligen, den es an den Hof von Versailles verschlägt, um vom französischen König die Erlaubnis zu erbitten, eine Sumpflandschaft trockenlegen zu dürfen, erhielt Berling eine Nominierung für den César in der Kategorie Bester Hauptdarsteller und eine Auszeichnung mit dem Prix Lumière.

In Claude Pinoteaus Filmbiografie Marie Curie – Forscherin mit Leidenschaft trat er 1997 als Pierre Curie neben Isabelle Huppert und Philippe Noiret auf. Noch im selben Jahr war er mit Heike Makatsch und Daniel Craig in dem deutsch-französischen Liebesdrama Obsession sowie neben Miou-Miou und Stanislas Merhar in Anne Fontaines Eine saubere Affäre jeweils als Teil einer Dreiecksbeziehung zu sehen. Für letzteren Film erhielt er 1998 eine César-Nominierung, auf die für seinen Auftritt als Philosophieprofessor mit Midlife-Crisis in Meine Heldin ein Jahr später eine weitere folgte. Patrice Chéreaus Film Wer mich liebt, nimmt den Zug mit Berling als Teil einer Schicksalsgemeinschaft auf dem Weg zu einer Beerdigung nahm 1998 bei den 51. Internationalen Filmfestspielen von Cannes am Wettbewerb um die Goldene Palme teil. Gérard Depardieus zweite Regiearbeit Die Brücke von Ambreville zeigte Berling 1999 erneut in einer Dreiecksgeschichte.

Berling (2010)

In Olivier Assayas’ Literaturverfilmung Liebe Last Lust um eine Porzellanhersteller-Dynastie, die Berling die nächste César-Nominierung bescherte, und in dem Fantasy-Drama Comédie de l’innocence von Raúl Ruiz war Berling im Jahr 2000 abermals neben Isabelle Huppert zu sehen. Unter der Regie von Assayas kam er auch in dem Thriller Demonlover zum Einsatz, der 2002 im Wettbewerb der 55. Internationalen Filmfestspiele von Cannes lief. In dem ebenfalls 2002 veröffentlichten Fernsehfilm Jean Moulin – Leben im Widerstand spielte Berling die Titelrolle des französischen Widerstandskämpfers Jean Moulin. Auch in Filmkomödien wie Je reste! (2003) mit Sophie Marceau und dem Actionthriller Agents Secrets – Im Fadenkreuz des Todes (2004) mit Vincent Cassel und Monica Bellucci trat Berling als Darsteller auf. 2005 hatte er die Hauptrolle in dem auf wahren Begebenheiten beruhenden Film Ich sah den Mord an Ben Barka.

An der Seite von Juliette Binoche arbeitete er für das Familiendrama Ende eines Sommers (2008) erneut mit Regisseur Olivier Assayas zusammen. 2010 wurde er zusammen mit seinem Bruder Philippe Berling Co-Direktor des Théâtre Liberté in Toulon.[3] 2012 spielte er die Rolle des Pierre in der Filmkomödie Der Vorname nach dem gleichnamigen Theaterstück. Paul Verhoevens erotischer Thriller Elle (2016) sowie der Coming-of-Age-Film Marvin (2017) und die Tragikomödie Weiß wie Schnee – Wer ist die Schönste im ganzen Land? (2019, beide unter der Regie von Anne Fontaine) brachten Berling erneut mit seiner Schauspielkollegin Isabelle Huppert gemeinsam vor die Kamera. In der Filmbiografie Marie Curie aus dem Jahr 2016 verkörperte er zum zweiten Mal Pierre Curie.

Charles Berling ist der Neffe des Literaturkritikers Raymond Picard und Vater des Schauspielers Émile Berling. Seine Ehe mit der Fotografin Sophie Hatier endete in Scheidung.[4]

Filmografie

Fernsehen

  • 1989: Condorcet (Miniserie)
  • 1990: Monstre aimé
  • 1992: La Femme à l’ombre
  • 1995: Jules et Jim
  • 1998: Une femme à suivre
  • 2002: Jean Moulin – Leben im Widerstand (Jean Moulin)
  • 2005: Dalida
  • 2005: Permis d’aimer
  • 2005–2006: Les Inséparables (Serie, drei Folgen)
  • 2007: Notable, donc coupable
  • 2008: L’Abolition
  • 2011: Beirut Hotel
  • 2012: Nos retrouvailles
  • 2012: Woher wir kommen (Le Reste du monde)
  • 2015: Tu es mon fils
  • 2016–2017: Glacé – Ein eiskalter Fund (Glacé) (Miniserie, sechs Folgen)
  • 2017: Capitaine Marleau (Serie, eine Folge)
  • 2022: L’Île aux 30 cercueils (Miniserie, sechs Folgen)
  • 2023: L’Enchanteur
  • 2024: The New Look (Serie, drei Folgen)

Theater (Auswahl)

Als Darsteller

Als Regisseur

Auszeichnungen

Berling bei der César-Verleihung 1998

Einzelnachweise

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