Charles Berling
französischer Schauspieler
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Charles François Philibert Berling (* 30. April 1958 in Saint-Mandé) ist ein französischer Schauspieler.

Leben
Charles Berling ist der Sohn eines Marinearztes. Er wuchs mit drei Schwestern und zwei Brüdern auf. Als er zwei Jahre alt war, zog die Familie wegen der dienstlichen Verpflichtungen des Vaters von Paris nach Brest, dann nach Toulon und danach für sieben Jahre nach Tahiti und Moorea, bevor sie nach Toulon zurückkehrte. Nach dem Abitur nahm er ein Schauspielstudium am Institut National des Artes du Spectacle in Brüssel auf, schloss sich danach der Compagnie Les Mirabelles an, eine Truppe von Transvestiten, und hatte mit ihnen 1982 seinen ersten Bühnenauftritt auf dem Festival in Aix-en-Provence.[1] Im folgenden Jahr spielte er im Ehrenhof des Papstpalastes in Jean-Pierre Vincents Inszenierung von Dernières nouvelles de la peste.[2]
Seine erste Filmrolle übernahm Berling 1982 in dem Kriminalfilm Meurtres à domicile neben Anny Duperey und Bernard Giraudeau. Doch erst ab Ende der 1980er Jahre stand er erneut vor der Filmkamera, zunächst für das französische Fernsehen und ab 1992 auch für das Kino mit einer Nebenrolle in der Literaturverfilmung Salz auf unserer Haut. Es folgten weitere Nebenrollen, etwa in Claude Sautets Drama Nelly & Monsieur Arnaud (1995), ehe ihm 1996 mit der Hauptrolle in Patrice Lecontes preisgekröntem Kostümfilm Ridicule – Von der Lächerlichkeit des Scheins an der Seite von Jean Rochefort und Fanny Ardant der Durchbruch gelang. Für seine Darstellung eines Landadeligen, den es an den Hof von Versailles verschlägt, um vom französischen König die Erlaubnis zu erbitten, eine Sumpflandschaft trockenlegen zu dürfen, erhielt Berling eine Nominierung für den César in der Kategorie Bester Hauptdarsteller und eine Auszeichnung mit dem Prix Lumière.
In Claude Pinoteaus Filmbiografie Marie Curie – Forscherin mit Leidenschaft trat er 1997 als Pierre Curie neben Isabelle Huppert und Philippe Noiret auf. Noch im selben Jahr war er mit Heike Makatsch und Daniel Craig in dem deutsch-französischen Liebesdrama Obsession sowie neben Miou-Miou und Stanislas Merhar in Anne Fontaines Eine saubere Affäre jeweils als Teil einer Dreiecksbeziehung zu sehen. Für letzteren Film erhielt er 1998 eine César-Nominierung, auf die für seinen Auftritt als Philosophieprofessor mit Midlife-Crisis in Meine Heldin ein Jahr später eine weitere folgte. Patrice Chéreaus Film Wer mich liebt, nimmt den Zug mit Berling als Teil einer Schicksalsgemeinschaft auf dem Weg zu einer Beerdigung nahm 1998 bei den 51. Internationalen Filmfestspielen von Cannes am Wettbewerb um die Goldene Palme teil. Gérard Depardieus zweite Regiearbeit Die Brücke von Ambreville zeigte Berling 1999 erneut in einer Dreiecksgeschichte.

In Olivier Assayas’ Literaturverfilmung Liebe Last Lust um eine Porzellanhersteller-Dynastie, die Berling die nächste César-Nominierung bescherte, und in dem Fantasy-Drama Comédie de l’innocence von Raúl Ruiz war Berling im Jahr 2000 abermals neben Isabelle Huppert zu sehen. Unter der Regie von Assayas kam er auch in dem Thriller Demonlover zum Einsatz, der 2002 im Wettbewerb der 55. Internationalen Filmfestspiele von Cannes lief. In dem ebenfalls 2002 veröffentlichten Fernsehfilm Jean Moulin – Leben im Widerstand spielte Berling die Titelrolle des französischen Widerstandskämpfers Jean Moulin. Auch in Filmkomödien wie Je reste! (2003) mit Sophie Marceau und dem Actionthriller Agents Secrets – Im Fadenkreuz des Todes (2004) mit Vincent Cassel und Monica Bellucci trat Berling als Darsteller auf. 2005 hatte er die Hauptrolle in dem auf wahren Begebenheiten beruhenden Film Ich sah den Mord an Ben Barka.
An der Seite von Juliette Binoche arbeitete er für das Familiendrama Ende eines Sommers (2008) erneut mit Regisseur Olivier Assayas zusammen. 2010 wurde er zusammen mit seinem Bruder Philippe Berling Co-Direktor des Théâtre Liberté in Toulon.[3] 2012 spielte er die Rolle des Pierre in der Filmkomödie Der Vorname nach dem gleichnamigen Theaterstück. Paul Verhoevens erotischer Thriller Elle (2016) sowie der Coming-of-Age-Film Marvin (2017) und die Tragikomödie Weiß wie Schnee – Wer ist die Schönste im ganzen Land? (2019, beide unter der Regie von Anne Fontaine) brachten Berling erneut mit seiner Schauspielkollegin Isabelle Huppert gemeinsam vor die Kamera. In der Filmbiografie Marie Curie aus dem Jahr 2016 verkörperte er zum zweiten Mal Pierre Curie.
Charles Berling ist der Neffe des Literaturkritikers Raymond Picard und Vater des Schauspielers Émile Berling. Seine Ehe mit der Fotografin Sophie Hatier endete in Scheidung.[4]
Filmografie
- 1982: Meurtres à domicile
- 1992: Salz auf unserer Haut
- 1993: Paare und Geliebte (Couples et amants)
- 1993: Just Friends
- 1994: Die Sandburg (Petits arrangements avec les morts)
- 1994: Dernier stade
- 1994: Consentement mutuel
- 1995: Pullman paradis
- 1995: Nelly & Monsieur Arnaud
- 1995: Die Zeit der Entscheidungen (L’Âge des possibles)
- 1996: Ridicule – Von der Lächerlichkeit des Scheins (Ridicule)
- 1996: Love, etc.
- 1997: Marie Curie – Forscherin mit Leidenschaft (Les Palmes de M. Schutz)
- 1997: Obsession
- 1997: Eine saubere Affäre (Nettoyage à sec)
- 1998: Wer mich liebt, nimmt den Zug (Ceux qui m’aiment prendront le train)
- 1998: L’Inconnu de Strasbourg
- 1998: Meine Heldin (L’Ennui)
- 1999: La Cloche (Kurzfilm) – auch Regie und Drehbuch
- 1999: Die Brücke von Ambreville (Un pont entre deux rives)
- 1999: Fait d’hiver
- 2000: Spuren von Blut (Scènes de crimes)
- 2000: Une affaire de goût
- 2000: Liebe Last Lust (Les Destinées sentimentales)
- 2000: Stardom
- 2000: Comédie de l’innocence
- 2001: Wochenende! (15 août)
- 2001: Die starken Seelen (Les Âmes fortes)
- 2001: Kinder der Furcht (Un jeu d’enfants)
- 2001: Vater töten! (Comment j’ai tué mon père)
- 2002: Filles perdues, cheveux gras
- 2002: Demonlover
- 2002: Cravate club
- 2003: Père et fils
- 2003: Le Soleil assassiné
- 2003: Je reste!
- 2004: Agents Secrets – Im Fadenkreuz des Todes (Agents secrets)
- 2005: Un fil à la patte
- 2004: Grabuge!
- 2005: La Maison de Nina
- 2005: Ich sah den Mord an Ben Barka (J’ai vu tuer Ben Barka)
- 2006: Der Mann meines Lebens (L’Homme de sa vie)
- 2006: Ich denk’ an euch (Je pense à vous)
- 2007: Les Murs porteurs
- 2008: Stilles Chaos (Caos calmo)
- 2008: Ende eines Sommers (L’Heure d’été)
- 2008: Par suite d’un arrêt de travail …
- 2010: Insoupçonnable
- 2010: Krach (Trader games)
- 2011: Propriété interdite
- 2012: Der Vorname (Le Prénom)
- 2013: It Boy – Liebe auf Französisch (20 ans d’écart)
- 2014: L’Enquête
- 2015: On voulait tout casser
- 2016: Elle
- 2016: Marie Curie
- 2016: Herz über Kopf – Die Melodie ihres Lebens (Le Cœur en braille)
- 2017: Marvin (Marvin ou la Belle Éducation)
- 2018: Fleuve noir
- 2018: Un beau voyou
- 2019: Weiß wie Schnee – Wer ist die Schönste im ganzen Land? (Blanche comme neige)
- 2019: So wie du mich willst (Celle que vous croyez)
- 2019: Flucht aus Raqqa (Exfiltrés)
- 2019: Drei Tage und ein Leben (Trois jours et une vie)
- 2022: Masquerade – Ein teuflischer Coup (Mascarade)
- 2023: Flo
Fernsehen
- 1989: Condorcet (Miniserie)
- 1990: Monstre aimé
- 1992: La Femme à l’ombre
- 1995: Jules et Jim
- 1998: Une femme à suivre
- 2002: Jean Moulin – Leben im Widerstand (Jean Moulin)
- 2005: Dalida
- 2005: Permis d’aimer
- 2005–2006: Les Inséparables (Serie, drei Folgen)
- 2007: Notable, donc coupable
- 2008: L’Abolition
- 2011: Beirut Hotel
- 2012: Nos retrouvailles
- 2012: Woher wir kommen (Le Reste du monde)
- 2015: Tu es mon fils
- 2016–2017: Glacé – Ein eiskalter Fund (Glacé) (Miniserie, sechs Folgen)
- 2017: Capitaine Marleau (Serie, eine Folge)
- 2022: L’Île aux 30 cercueils (Miniserie, sechs Folgen)
- 2023: L’Enchanteur
- 2024: The New Look (Serie, drei Folgen)
Theater (Auswahl)
Als Darsteller
- 1981: Ça von Sabra Ben Arfa, Charles Berling, Marie-Pierre Meinzel
- 1981: Le Dibbouk von Shalom Anski
- 1982: Passage Hagard
- 1983: Dernières Nouvelles de la peste von Bernard Chartreux
- 1984: Entre chiens et loups von Christoph Hein
- 1984: Les Orphelins von Jean-Luc Lagarce
- 1984: Le Retour von Harold Pinter
- 1985: L’École des femmes von Molière
- 1986: Ce qui est resté d’un Rembrandt déchiré en petits carrés bien réguliers et jeté aux chiottes von Jean Genet
- 1986: Le Parc von Botho Strauss
- 1986: Les Voisins von Michel Vinaver
- 1988: El público von Federico García Lorca
- 1988: Le Perroquet vert von Arthur Schnitzler
- 1988: Monstre aimé von Javier Tomeo
- 1990: La Maman et la Putain von Jean Eustache
- 1990: Conversations d’idiots von Dominique Ducos
- 1991: Une sale histoire von Jean-Noël Picq
- 1992: L’Église von Louis-Ferdinand Céline
- 1993: Les Marchands de gloire von Marcel Pagnol
- 1993: Le Chasseur de lions von Javier Tomeo
- 1993: De mes propres mains von Pascal Rambert
- 1993: Le Bavard von Louis-René des Forêts
- 1995: Roberto Zucco von Bernard-Marie Koltès
- 1995: L’Année des treize lunes von Rainer Werner Fassbinder
- 1996: La Cour des comédiens von Antoine Vitez
- 1996: Ordure von Robert Schneider
- 1997: L’Histoire du soldat von Igor Stravinsky
- 1998: König Ödipus von Sophokles
- 2001: Cravate club von Fabrice Roger-Lacan
- 2002: Voyage en Afrique von Jacques Jouet
- 2004: Hamlet von William Shakespeare
- 2005: Caligula von Albert Camus
- 2008: Endspiel von Samuel Beckett
Als Regisseur
- 1986: Succubations d’Incubes des A.P.A. (auch Darsteller, Produzent)
- 1996: Ordure von Robert Schneider, Théâtre national de Strasbourg
- 2005: Caligula von Albert Camus, Théâtre de l’Atelier
- 2005: Pour ceux qui restent von Pascal Elbé, Théâtre de la Gaîté Montparnasse
- 2008: Endspiel von Samuel Beckett, Théâtre de l’Atelier
Auszeichnungen

- 1995: Nominierung für den César als bester Nachwuchsdarsteller für Die Sandburg
- 1997: Prix Lumières als bester Darsteller für Ridicule – Von der Lächerlichkeit des Scheins
- 1997: Nominierung für den César als bester Hauptdarsteller für Ridicule – Von der Lächerlichkeit des Scheins
- 1998: Nominierung für den César als bester Hauptdarsteller für Eine saubere Affäre
- 1999: Nominierung für den César als bester Hauptdarsteller für Meine Heldin
- 1999: Étoile d’Or als bester Hauptdarsteller für Meine Heldin
- 2001: Nominierung für den César als bester Hauptdarsteller für Liebe Last Lust
- 2014: Commandeur de l’Ordre des Arts et des Lettres
- 2016: Molière als bester Hauptdarsteller für Vu du pont