Charles Kean

britischer Theaterschauspieler From Wikipedia, the free encyclopedia

Charles John Kean (* 18. Januar 1811 in Waterford, Irland; † 22. Januar 1868 in Liverpool) war ein englischer Schauspieler.

Charles Kean

Leben

Kean war ein Sohn des Schauspielerehepaares Edmund Kean und Mary Chambers und hatte einen älteren Bruder Howard (13. September 1809 – November 1813), der im Alter von fünf Jahren gemeinsam mit dem Vater auf der Bühne stand. In den Jahren nach Keans Geburt verdienten seine Eltern gerade so viel Geld, dass es fürs Überleben reichte. Der Vater arbeitete als Wanderschauspieler und trat jeden Abend in heruntergekommenen Landtheatern teilweise in zwei Vorstellungen auf. Tagsüber versuchte das Magere Einkommen durch Box-, Fecht-, Tanz- und Reitunterricht aufzubessern. Erst Anfang des Jahres 1814 wurde der Vater am Drury Lane Theater engagiert und ihm gelang mit Rollen als Shylock, Richard III., Othello, Macbeth, Hamlet und Jago der künstlerischer Durchbruch. Dadurch konnte Kean in Worplesdon und Greenford (Nähe Harrow) die Schule besuchen und sich anschließend am Eton College immatrikulieren.[1]

Das Eton College besuchte er drei Jahre. 1827 wurde er, nachdem sein Vater sein Vermögen verloren hatte, vom College genommen. Ihm wurde von Herrn Calcraft, Parlamentsmitglied und Mitglied des Leitungsgremiums des Drury Lane Theatre, eine Kadettenstelle bei der Ostindienkompanie angeboten, die Kean ablehnte, solange sein Vater nicht zustimmte, seiner von ihm getrennt lebenden Mutter ein Einkommen von 400 Pfund Sterling zu sichern. Edmund Kean musste zugestehen, dazu nicht in der Lage zu sein, und trennte sich wütend von seinem Sohn, der daraufhin seine Absicht erklärte, selbst Schauspieler zu werden. Ohne jegliche Erfahrung öffnete ihm sein Name die Pforten der Bühne. Der amerikanische Manager des Drury Lane Theatres, Stephen Price, bot dem Kean ein dreijähriges Engagement mit einer Gage von zehn bis zwölf Pfund pro Woche an. Sein Debüt gab er am 1. Oktober 1827 am Drury Lane Theatre als Norval in Homes Douglas. Seine Auftritte erwiesen sich als finanzieller Erfolg, obwohl sie von den Kritikern verrissen wurden. Im New Monthly Magazine wurde sein Auftreten als unbefangen und seine Haltung mitunter als pittoresk beschrieben, zudem zeige er erhebliche stimmlichen Mängel, die zwischen einem schwachem Bass und kindlicher Sopranstimme schwankte. Ohne schauspielerische Vorbildung mangelte es ihm an Leidenschaft und der Versuch seinen Vater nachzuahmen, hatte nur mäßigen Erfolg. Er trat viermal in dieser Rolle auf und war am 15. Oktober als Achmet in Barbarossa zu sehen. Der Erfolg blieb weiterhin aus. Am 28. November gab er den Friedrich in dem Stück Lovers’ Vows und am 14. April 1828 Lothar in Adelgitha. Am 26. Dezember 1828 war er erstmals mit Ellen Tree zusammen aufgetreten, die er später heiratete. Er hatte jedoch nur mäßigen Erfolg und verließ im Frühjahr 1828 London, um sein Glück in der Provinz zu suchen. Er spielte in den nächsten Jahren an vielen Provinzbühnen und konnte auf diese Weise mit der Zeit doch noch die Begeisterung des Publikums erringen. Am 1. Oktober 1828 trat er gemeinsam mit seinem Vater in Glasgow im Brutus von Howard Payne auf, wobei der Vater in der Titelrolle und sein Sohn als Titus zu sehen waren. Kean gab am 20. Oktober 1828 sein Debüt in Edinburgh als Edward Mortimer in George Colmans Tragödie The Iron Chest. Am 15. Dezember 1828 trat er als Romeo an der Seite von Miss C. Phillips als Julia im Drury Lane Theatre auf. Dieser Auftritt wurde als großer Misserfolg für ihn gewertet, während seine Partnerin, für die es das Debüt als Julia war, einen Triumph feierte. Am Ende der Spielzeit zog er sich aufs Land zurück und trat gemeinsam mit seinem Vater in Dublin und Cork auf. Am 6. Oktober 1829 sein Debüt im Haymarket Theatre in der Rolle des Reuben Glenroy in dem Stück Town and Country.

Kean nahm mit einem Mann namens Aubrey ein Engagement in Amsterdam und Den Haag für 20 Pfund pro Woche an, das in einem Fiasko endete, da der Spekulant mit dem Geld verschwand. Der König der Niederlande finanzierte für die Schauspieler eine Benefizvorstellung. Nach seiner Rückkehr reiste Kean in die Vereinigten Staaten, wo er immer öfter vor ausverkauftem Haus spielte und große Erfolge erzielen konnte. Er trat im September 1830 als Richard III. im Park Theatre in New York auf und kehrte 1833 mit finanziellen Mitteln ausgestattet und einem gestiegenen Ansehen nach England zurück. Nach der Rückkehr nach Großbritannien trat Kean 1833 erneut als Edmund Mortimer in The Iron Chest auf, das im Covent Garden Theater aufgeführt wurde. Sein Vater erhielt ebenfalls ein Engagement an diesem Theater und am 25. März 1833 traten sie zum ersten und letzten Mal gemeinsam in London auf. Gegen Ende der Vorstellung war sein Vater plötzlich schwer erkrankt und verstarb. 1833 reiste er mit Ellen Tree und einer Theatergruppe nach Hamburg.

Er entwickelte sich in kürzester Zeit zum gefeierten Shakespeare-Darsteller. 1837 gastierte er in Edinburgh, wo er am 28. April den Mortimer spielte und einen finanziellen Erfolg feiern konnte. Am 8. Januar 1838 nahm er unter Bunn ein Engagement für zwanzig Abende zu einer Gage von 50 Pfund pro Abend am Drury Lane Theatre an. Keand spielte den Hamlet, Richard III. und Sir Giles Overreach. Dies brachte ihm einen Platz unter den bedeutendsten Tragödienschauspielern seiner Zeit ein und er erlangte widerwillige Anerkennung von der Presse sowie gesellschaftlichen und Publikumserfolg. 1839 wurde er von Webster für das Haymarket Theatre engagiert, unternahm anschließend eine Reise nach Amerika und spielte 1840 am Haymarket Theatre Macbeth und den Romeo an der Seite von Ellen Tree. 1843 war er wiederum am Drury Lane Theatre engagiert. Mit seiner Frau reiste er von 1845 bis 1847 ein zweites Mal nach Amerika und gab dort Lovells Stück The Wife’s Secret, in dem er Sir Walter Amyott verkörperte. Nach seiner Rückkehr aus Amerika 1847 traten die beiden am 17. Januar 1848 mit demselben Stück am Haymarket Theatre auf. Aufführungen mit Kean wurden 1849 und in den folgenden Jahren auch auf Schloss Windsor inszeniert.

Charles John Kean mit seiner Frau Ellen 1858 in Macbeth

1850 wurde er zusammen mit Robert Keeley Pächter des Princess’s Theatres, dessen Direktion er bis 1859 war. An diesem Theater fungierte er auch als Schauspieler. Unter seiner Leitung gab es eine Reihe prachtvoll inszenierter Wiederaufführungen von Shakespeares Werken. Er schöpfte sein schauspielerisches Potenzial voll aus, doch seine körperlichen und stimmlichen Defizite machten es ihm unmöglich, die vielfältigen und subtilen Emotionen einer reinen Tragödie auch nur annähernd adäquat darzustellen. In melodramatischen Rollen wie der des Königs in Boucicaults Bearbeitung von Casimir Delavignes Ludwig XI. und der von Louis und Fabian dei Franchi in Boucicaults Bearbeitung von Dumas’ Die korsischen Brüder feierte Kean hingegen große Erfolge. Nach Engagements auf dem Land nam Kean am 28. Januar 1861 erneut ein Engagement am Drury Lane Theatre an, das am 3. Februar 1862 verlängert wurde. Seine Abschiedsvorstellung vom Drury Lane Theatre gab er am 22. März 1862. Am 6. Juli 1863 begab er sich mit seiner Frau auf eine Weltreise. Er trat am 10. Oktober 1863 in Melbourne auf und verließ Australien am 9. Juli 1864. Das Paar spielten am 8. Oktober 1864 gemeinsam in San Francisco und am 12. Dezember 1864 auf Vancouver Island. Sie bereisten Panama und Jamaika und begannen am 26. April 1865 in New York ihre Abschiedstournee, die am 16. April 1866 endeten. Von seiner Weltreise kehrte Kean gesundheitlich angeschlagen zurück. Am 2. Mai 1866 traten sie im Theatre Royal in Liverpool auf und spielten im selben Monat im Princes’s Theatre in London. Die geplante Abschiedstournee durch Großbritannien wurde durch Keans Krankheit unterbrochen. Am 28. Mai 1867 war er letztmalig als Ludwig XI. in Liverpool zu sehen. Kean wurde am 30. Januar 1868 in Catherington, in der Nähe von Rowlands Castle, Hampshire, nahe dem kleinen Anwesen Keydall, begraben, dort wo am 30. März 1849 seine Mutter gestorben war.[2]

Familie

Am 29. Januar 1842 hatte Kean in der St. Thomas’ Church in Dublin seine Schauspielkollegin Ellen (geborene Tree; 1805–1880) geheiratet, mit der er am Abend der Hochzeit als Aranza und Juliana in Honeymoon aufgetreten war. Das Paar hatte nur ein Kind:

  • Mary Maria Kean (1843 – 4. Januar 1898) ⚭ Cosmo Gordon Logie

Mitgliedschaften (Auswahl)

Literatur

  • Kean, 2) Charles. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 9, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 948 .
  • Kean, Edmund. In: Encyclopædia Britannica. 11. Auflage. Band 15: Italy – Kyshtym. London 1911, S. 705–706 (englisch, Volltext [Wikisource] Im Artikel des Vaters).
  • John W. Cole: Life and theatrical times of Charles Kean, F.S.A. Including a summary of the English stage for the last fifty years. Garland, New York 1986, ISBN 0-8240-8602-3 (Nachdruck der Ausgabe London 1860, 2 Bände).
  • John Joseph Knight: Kean, Charles John. In: Sidney Lee (Hrsg.): Dictionary of National Biography. Band 30: Johnes – Kenneth. MacMillan & Co., Smith, Elder & Co., New York City / London 1892, S. 255–258 (englisch, Volltext [Wikisource]).
  • Helen M. Van Der Poorten: Australian Dictionary of Biography. Band 5. National Centre of Biography, Australian National University, Canberra 1974, Charles John Kean (1811–1868) (adb.anu.edu.au).

Einzelnachweise

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