Charles Haddon Spurgeon

englischer Baptistenpastor und Prediger From Wikipedia, the free encyclopedia

Charles Haddon Spurgeon (* 19. Juni 1834 in Kelvedon, Essex, England; † 31. Januar 1892 in Menton, Département Alpes-Maritimes, Provence-Alpes-Côte d’Azur, Frankreich) war ein englischer Baptistenpastor. Er hinterließ 3.600 Predigten, gegen 50 Bibelkommentare und 140 Bücher, die in etwa zwanzig Sprachen übersetzt wurden.[1] Er gilt als einer der bekanntesten Prediger des 19. Jahrhunderts und wurde auch Fürst der Prediger genannt (englisch: Prince of Preachers).[2]

Charles Haddon Spurgeon

Leben

Spurgeon war ein Sohn des Geschäftsmannes und Pastors John Spurgeon (1810–1902) und seiner Frau Eliza Jarvis (1815–1888), sie waren Mitglieder einer Freikirche. Von seinen Geschwistern sind namentlich Emily Jarvis (1839–1907), Charlotte Jarvis (1846–1933) und Flora Mary Spurgeon Peed (1858–1936) bekannt. In der Schule in Colchester lernte er neben den üblichen Fächern auch Lateinisch, Griechisch und Französisch.[3]

Den entscheidenden Anstoß, sich dem christlichen Glauben zuzuwenden, bekam Spurgeon als 15-Jähriger in einer methodistischen Gemeinde in Colchester. Durch sein intensives Lesen in der Bibel kam er zu dem Schluss, dass nach dem Neuen Testament die Taufe dem persönlichen Glauben nicht vorangehe, sondern dass sie dem Glauben folgen müsse. Er hielt deshalb seine Taufe als Kind für unzureichend und ließ sich am 3. Mai 1850 in einer Baptistengemeinde erneut taufen.

Bereits ein Jahr später wurde er zum Baptistenpastor von Waterbeach berufen, obwohl er nie eine formale Predigerausbildung genossen hatte. 1854 trat er eine Predigerstelle in London an, diese Gemeinde hatte damals 232 Mitglieder. Sieben Jahre später war seine Gemeinde, die New Park Street Baptist Church, so sehr gewachsen, dass eine neue Kirche, das Metropolitan Tabernacle, mit über 5000 Sitzplätzen und 1000 Stehplätzen gebaut werden musste. Seine Predigten wurden stenografiert, wöchentlich in einer Auflage von 25.000 Exemplaren verkauft und später in etwa zwanzig Sprachen übersetzt. Ab 1855 wurden seine Predigten in Zeitschriften, Traktaten und Büchern weltweit verbreitet. Wöchentlich erschienen neue Spurgeon-Predigten. 1892 hatte die Baptistengemeinde 5311 Mitglieder, in seiner Dienstzeit konnten insgesamt 14.460 neue Mitglieder aufgenommen werden, im Durchschnitt 380 Personen pro Jahr.

1856 begann Spurgeon mit der systematischen Ausbildung von Pastoren am von ihm gegründeten Pastors’ College, das bis zu seinem Tod 1892 etwa 900 Männer ausbildete für den Dienst in Kirchen und in der Mission. Von 1866 bis 1879 baute er das Stockwell Orphanage auf, eine Betreuungseinrichtung für Waisenkinder. Frau Hillyard schenkte ihm 20.000 Sterling, so dass an der Clapham Road in Stockwell ein Grundstück gekauft werden konnte. Die dortige Grundsteinlegung erfolgte am 9. August 1867 für das Knabenheim. Als 1879 ein neues Haus gebaut worden war, wurden auch Mädchen aufgenommen, es waren damals 240 Knaben und 230 Mädchen. Im gleichen Jahr verwendete Spurgeon den größten Teil seines Dienstaltergeschenks der 25 Jahre für die Unterstützung der Armenhäuser für alte Frauen, die nahe beim Metropolitan Tabernacle lagen.[4]

Spurgeon predigte am 7. Juni 1891 ein letztes Mal vor seiner Gemeinde in London. Infolge einer Kombination von Rheuma, Gicht und Brightscher Krankheit[5] starb er im Alter von 57 Jahren am 31. Januar 1892 in Menton, im Südosten Frankreichs. Er wurde im West Norwood Cemetery and Crematorium in London Borough of Lambeth bestattet. Sein Grab trägt die N° 24395 und liegt im Feld 38.[6]

Familie

Am 8. Januar 1856 heiratete Spurgeon Susannah Thompson (1832–1903), eine Tochter von Robert Thompson. Der Ehe entstammten zwei Söhne, die Zwillinge Charles (1856–1926) und Thomas (1856–1917), geboren am 20. September 1856, die beide auch Prediger wurden.[7]

Werk

Charles Haddon Spurgeon gezeichnet von Alexander Melville
Grab von Charles Spurgeon, West Norwood Cemetery, London

„Spurgeons Verkündigung ist durch Eindeutigkeit ihres Inhalts und Reichtum in der Form gekennzeichnet.“

Günter Balders

Sein Altersbekenntnis lautete: „Meine ganze Theologie ist auf vier Worte zusammengeschrumpft: Jesus starb für mich!“ Spurgeon war durch und durch Missionar und hielt an der calvinistischen Prädestinationslehre fest. Ebenso war er der tiefen Überzeugung, dass die gesamte Bibel verbal inspiriert sei.

Von seinen zahlreichen Schriften sind besonders zu erwähnen:

  • Ratschläge für Prediger. (1856; D. Gundert, Stuttgart, 1896; Neuauflage 1975; Reformatorischer Verlag Beese, Hamburg 2003, ISBN 978-3-928936-67-5; Bethanien 2016, ISBN 978-3-945716-19-9).
  • Bibel und Zeitung (1881).
  • Aus der Schatzkammer Davids. Psalmkommentar in 7 Bänden (1890; 1894; Oncken, Kassel 1966, 1977 und 1983, ISBN 3-7893-7057-6).
  • Die Kunst der Illustration (deutsch 1905).
  • Kleinode göttlicher Verheißungen – ein Andachtsbüchlein für den täglichen Gebrauch. (27. Auflage. SCM R. Brockhaus, Witten 2010, ISBN 978-3-417-26251-3).[8]

Auch in Deutschland ist noch heute Spurgeons Einfluss auf kirchliche und freikirchliche Kreise nachhaltig; seine Predigten, Andachten und biblischen Kommentare sind beliebte Hilfsmittel für Hausandachten, Laienpredigten und für die homiletische Schulung zukünftiger Pastoren. Zwischen Spurgeon und dem Begründer der deutschen Baptistengemeinden Johann Gerhard Oncken bestand eine enge Verbindung. Über viele Jahrzehnte erschienen die Predigten und Schriften Spurgeons in dem von Oncken gegründeten Verlagshaus, dem heutigen Oncken-Verlag.

Schriften (Auswahl)

Zeitgenössische Spurgeon-Karikatur (1870)
  • Der Himmel und die Hölle. Predigt über Matthäus 8, 11+12, zu London im Freien vor etwa 12000 Zuhörern gehalten. Selbstverlag des Evangel. Brüder-Vereins, Elberfeld 1860. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf.
  • Vorlesungen in meinem Prediger-Seminar oder Ausgewählte Voträge, gehalten vor den Studenten des Metropolitan College zu London. 2 Bände, J. G. Oncken, Nachfolger Phil. Bickel, Hamburg 1880 und 1883.
  • Excentrische Prediger. Oncken Nachfolger, Hamburg 1881.
  • Vorträge bei Pastoral-Conferenzen. Johannes Schergens, Bonn 1883.
  • Der gute Kampf des Glaubens. Alttestamentliche Predigten. 1891; Schulte, Wetzlar 1976; 1986; Christliche Literaturverbreitung, Bielefeld 2012 & 2025, ISBN 978-3-89397-302-6.
  • Ganz aus Gnaden. 1891; Oncken, Kassel 1953; Evangelische Gesellschaft für Deutschland, Wuppertal 1977, ISBN 3-7893-0162-0.
  • Der Seelengewinner. Max Kielmann, Heilbronn 1896.
  • An der Pforte – ein Wort an Suchende. Johannes Schergens, Bonn 1897.
  • Alttestamentliche Bilder – 52 Predigten. Oncken Nachfolger, Hamburg 1897.
  • Predigt-Entwürfe – Altes Testament. Oncken Nachfolger, Hamburg ca. 1897. Faksimile-Nachdruck, Reformatorischer Verlag Beese, Hamburg 1998, ISBN 3-928936-43-3.
  • Predigt-Entwürfe – Neues Testament. Oncken Nachfolger, Hamburg 1898. Faksimile-Nachdruck, Reformatorischer Verlag Beese, Hamburg 1998, ISBN 3-928936-44-1.
  • Darf ich glauben? Oncken Nachfolger, Hamburg 1898.
  • Weide meine Lämmer. Oncken Nachfolger, Hamburg 1898; Neuer Untertitel: Ratschläge für Eltern und Lehrer. Christlicher Missions-Verlag, Bielefeld 2001, ISBN 978-3-932308-51-2.
  • Habt nicht lieb die Welt! Gundert, Stuttgart 1898.
  • Der Weg aus den Irrwegen des Zweifels. Oncken, Cassel 1900.
  • Gott der heilige Geist. Oncken, Cassel 1900.
  • Saat und Ernte. Oncken, Kassel 1905.
  • Ratschläge für Seelengewinner. Johannis, Lahr 1975; Oncken, Kassel & Evangelische Gesellschaft für Deutschland, Wuppertal 1986, ISBN 3-7893-7186-6.
  • Auf dein Wort. 1978; CLV Bielefeld 1996 und 2010, ISBN 978-3-893973-05-7.
  • Es steht geschrieben. Oncken, Wuppertal 1980.
  • Sein Haus hat offene Türen. Oncken, Wuppertal 1981.
  • Betet ohne Unterlaß. Gedanken und Predigten über das Reden mit Gott. Oncken, Wuppertal/Kassel 1982, ISBN 3-7893-7108-4.
  • Alles zur Ehre Gottes. Autobiografie. Oncken, Wuppertal/Kassel 1984, ISBN 3-7893-3301-8.
  • Sein Haus hat offene Türen. Einladung zum Glauben. 2. Auflage. Oncken, Wuppertal/Kassel 1984, ISBN 3-7893-7088-6.
  • Guter Rat für allerlei Leute. 2. Auflage. Oncken/Evangelische Gesellschaft für Deutschland, Kassel/Wuppertal 1985, ISBN 3-7893-7166-1.
  • Kraft der Verheißung. Evangelische Versandbuchhandlung O. Ekelmann Nachfolger, Berlin 1987.
  • Heilig dem Herrn. Christliche Literatur-Verbreitung, Bielefeld 1987 und 1997, ISBN 978-3-89397-387-3.[9]
  • Es steht geschrieben. Die Bibel im Kampf des Glaubens. Evangelische Gesellschaft für Deutschland, Wuppertal & Oncken, Kassel 1987. ISBN 3-7893-7083-5.
  • Ich bin der Herr dein Arzt. Worte des Trostes für Kranke, Betrübte und Notleidende. 13. Taschenbuchauflage. R. Brockhaus, Wuppertal 1987.
  • Auf dein Wort. Andachten für jeden Tag. Christliche Literaturverbreitung, Bielefeld 1988 und 1996, ISBN 978-3-89397-305-7.
  • Vom Geheimnis der schönsten Liebe. Predigten über das Hohelied Salomos. Johannis, Lahr 1992, ISBN 3-501-01154-7.
  • Ein Leben für die Schafe. Christliche Literaturverbreitung, Bielefeld 1992, ISBN 978-3-89397-322-4.
  • Gehe in den Weinberg! Ausgewählte Erweckungspredigten über Gleichnisse Jesu. Christliche Literaturverbreitung, Bielefeld 1992, ISBN 978-3-89397-306-4
  • Es ist vollbracht. Christi Worte am Kreuz. Christliche Literaturverbreitung, Bielefeld 2001, ISBN 978-3-89397-615-7.
  • Seid stark im Herrn. Predigten für junge Leute. Christlicher Missions-Verlag, Bielefeld 2001, ISBN 978-3-932308-50-5.
  • Besser als Gold. Tägliche Andachten mit den Psalmen. Christliche Literaturverbreitung, Bielefeld 2006, ISBN 978-3-89397-676-8.[10]
  • All of Grace. EFB, Wetzikon 2007 Digitalisierte Ausgabe (PDF; 455 kB) der Evangelischen Fernbibliothek.

Gedenktag

Verfilmung

Anlässlich des 175. Geburtstags des Volkspredigers wurde das Leben Spurgeons als Dokudrama verfilmt. Die Produktion war ein Gemeinschaftsprojekt der britischen Christian Television Association, des Christian History Institutes (USA) und des Mediensenders ERF Medien (Deutschland) aus Wetzlar.[12]

Literatur

  • Wolfgang Buchrucker: Karl Haddon Spurgeon. Lebensbild eines Predigers aus neuester Zeit. Aus und nach dem Englischen von Wolfgang Buchrucker, Pfarrer. Hermann Costenoble, Leipzig 1863 (Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf).
  • Richard Schindler: Ein Fürst unter den Predigern: Leben und Wirken von C. H. Spurgeon. Oncken, 1892.
  • Franz Eugen Schlachter: Ein Besuch in London. In: Brosamen von des Herrn Tisch, 1892. (Reisebericht von einer Reise zu Spurgeon und Dwight Lyman Moody in London).
  • Albert Hoefs: C. H. Spurgeon, der Wecker einer neuen Zeit. Zu seinem 100. Geburtstag dargereicht. Oncken, Kassel 1934.
  • C. H. Spurgeon, Erweckungsprediger. In: Hans Bruns: Die Gottesstunde. 43 Selbstzeugnisse bekannter Männer und Frauen im Reiche Gottes über ihre Bekehrung zu Christus mit erklärenden Hinweisen über Vorgeschichte und Nachwirkung dieser entscheidenden Stunde. Schriftenmissions-Verlag, Gladbeck 1950, S. 143–149.
  • Helmut Thielicke (Hrsg.): Vom geistlichen Reden. Begegnung mit Spurgeon. Quell, Stuttgart 1961.
  • Jost Müller-Bohn: Spurgeon. Ein Mensch von Gott gesandt. Verlag der St. Johannis Druckerei, Lahr-Dinglingen 1978, ISBN 978-3-501-02021-0.
  • Iain Murray: C. H. Spurgeon – wie ihn keiner kennt. Zum 100. Todestag des Fürsten der Prediger. Reformatorischer Verlag Beese, Hamburg 1992, ISBN 978-3-928936-00-2.
  • Lotte Bormuth: Spurgeon … und er predigte in Vollmacht. Francke Verlag, Marburg 2003, ISBN 978-3-86122-644-4.
  • Ruth Albrecht: Blut-Theologie und Blut-Mystik bei Charles Haddon Spurgeon, Elias Schrenk und Adeline Gräfin Schimmelmann. In: Hans-Jürgen Schrader, Irmtraut Sahmland (Hrsg.): Medizin- und kulturgeschichtliche Konnexe des Pietismus: Heilkunst und Ethik, arkane Traditionen, Musik, Literatur und Sprache (= Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Band 61), Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016, S. 341–371.
  • John Piper: Vereint im Vertrauen. Charles Spurgeon, Georg Müller, Hudson Taylor. CLV, Bielefeld 2018, ISBN 978-3-86699-367-9.
  • Burkard Krug: Charles Haddon Spurgeon. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 10, Bautz, Herzberg 1995, ISBN 3-88309-062-X, Sp. 1080.

Einzelnachweise

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