Chen Ning Yang

chinesisch-amerikanischer Physiker und Träger des Nobelpreises für Physik (1922-2025) From Wikipedia, the free encyclopedia

Chen Ning Yang (auch Chen-Ning Yang, chinesisch 楊振寧 / 杨振宁, Pinyin Yáng Zhènníng, W.-G. Yang Chên-ning; * 1. Oktober[1] 1922 in Hefei, China; † 18. Oktober 2025 in Peking[2]) war ein chinesischer Physiker und Nobelpreisträger.[3]

Chen Ning Yang

Leben

Stehend, v. l. n. r.: Val Fitch, James Cronin, Samuel Chao Chung Ting. sitzend, v. l. n. r.: Chen-Ning Yang, Isidor Isaac Rabi

Chen Ning Yang, der auch Frank oder Franklin genannt wird, wurde am 1. Oktober[1] 1922 in Hefei als erstes von fünf Kindern des Mathematikprofessors Ke Chuan Yang und seiner Frau Meng Hwa Loh Yang geboren. Yang selbst verwendete später den 22. September in allen seinen Dokumenten als Geburtsdatum, nachdem dies zuerst 1945 fälschlicherweise in seinen Pass eingetragen worden war. Er wuchs auf dem Campus der Tsinghua-Universität in Peking auf und studierte an der Vereinigten Südwest Universität in Kunming, wo er 1942 seinen B.Sc. mit einer Arbeit über Gruppentheorie und Molekülspektren erwarb. Dort besuchte er unter anderem Vorlesungen über Differentialgeometrie von Shiing-Shen Chern. Den M.Sc. erwarb er 1944 an der Tsinghua-Universität, die während des Chinesisch-Japanischen Krieges ebenfalls in Kunming angesiedelt war. Nach dem Krieg erhielt er von der Tsinghua-Universität ein Amerika-Stipendium und ging im Januar 1946 an die Universität von Chicago, wo Enrico Fermi einen großen Einfluss auf ihn ausübte. Nach seiner Promotion 1948 über die Winkelverteilung von Kernreaktionen und Koinzidenzmessungen bei Edward Teller blieb er noch ein Jahr als Ausbilder in Chicago, bevor er ans Institute for Advanced Study in Princeton (New Jersey) wechselte. Dort wurde er 1955 zum Professor ernannt. 1965 ging er nach Stony Brook, wo er den Rest seiner Laufbahn verbrachte und auch nach seiner Emeritierung zur Jahrtausendwende blieb.

Yang heiratete 1950 Chih Li Tu (杜致禮 / 杜致礼, Dù Zhìlǐ), die älteste Tochter des Kuomintang-Generals Du Yuming.[4][5] Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor,[5] Franklin (* 1951), Gilbert (* 1958) und Eulee (* 1961).[6] Nach dem Tod seiner ersten Frau im Winter des Jahres 2003[5] heiratete Yang im Dezember 2004 im Alter von 82 Jahren die 28-jährige Studentin Fan Weng (翁帆, Wēng Fan).[4][7]

Yang wurde im Jahr 1964 Bürger der Vereinigten Staaten. Später lebte er wieder in China, wo er 2004 eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung erhielt.[8][9]

Er wurde 1997 Namensgeber des C.N. Yang Award (Chen Ning Yang Award) der Association of Asia-Pacific Physical Societies (AAPPS)[10], welche 1989 in Südkorea gegründet wurde, mit ihm als erster Präsident 1990.[11]

Zum 30. September 2015 gab er die amerikanische Staatsbürgerschaft auf[12], um chinesischer Staatsbürger zu werden.[13] 2017 wurde er von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften als vollwertiges Mitglied aufgenommen.[14]

Seit John B. Goodenoughs Tod im Juni 2023 war Yang der älteste lebende Nobelpreisträger. Am 16. Februar 2024 erreichte er das höchste Lebensalter aller männlichen Preisträger. Er hält zudem den Rekord der längsten Lebensdauer nach dem Erhalt des Preises, nämlich 67 Jahre und 312 Tage.

Yang starb im Oktober 2025, kurz nach seinem 103. Geburtstag.

Werk

Yang beschäftigte sich vorwiegend mit der statistischen Mechanik und mit Symmetrieprinzipien. Von ihm und Tsung-Dao Lee stammt die Vorhersage der Möglichkeit der Paritätsverletzung bei der schwachen Wechselwirkung, die dann experimentell durch Wu bestätigt wurde. 1949 bewies Yang auch das Landau-Yang-Theorem.

Zusammen mit Lee entwickelte Yang in den 1950er Jahren noch viele weitere Beiträge zur Theorie der Elementarteilchen. Auch die Yang-Mills-Theorie wurde 1954 von ihm und Robert L. Mills formuliert. Die Yang-Mills-Theorie wird heute als Feldtheorie und zugleich auch als Eichtheorie mit einer im Allgemeinen nicht-abelschen Eichgruppe verstanden. Mit der Yang-Mills-Theorie werden heute alle fundamentalen Wechselwirkungen des Standardmodells der Physik beschrieben. Obwohl die Gravitation nicht zum Standardmodell gehört, ist aber auch diese als Eichtheorie beschreibbar. In den ersten Jahren nach der Entdeckung der Yang-Mills-Theorie galt diese zwar als mathematisch elegant, aber auch als exotisch und wurde deshalb eher als Toy-Modell interpretiert. So untersuchte zum Beispiel Richard Feynman die Yang-Mills-Theorie als Modell einer Quantentheorie der Gravitation.

In den 1950er Jahren untersuchte Yang mit Lee auch das Isingmodell. Das ist ein exakt lösbares Modell der statistischen Mechanik. Im Rahmen dieser Arbeiten fand Yang die Yang-Baxter-Gleichung, die später nach ihm und Rodney Baxter benannt wurde. Diese Gleichung ist auch von großer Bedeutung in der Frage der exakten Lösbarkeit von Modellen in der statistischen Mechanik.

Yang wurde zusammen mit Tsung-Dao Lee 1957 mit dem Nobelpreis für Physik „für grundlegende Forschungen über die Gesetze der Parität, die zu wichtigen Entdeckungen über die Elementarteilchen führten“, ausgezeichnet. Obwohl Yang in den 1950er Jahren jahrelang mit Lee zusammenarbeitete und publizierte, zerstritt er sich zuletzt mit diesem.

Auszeichnungen (Auswahl)

Schriften

  • Elementarteilchen. Von der Entdeckung des Elektrons bis zum Sturz der Parität, de Gruyter 1972 (deutsche Übersetzung von Elementary Particles, Princeton University Press 1961).
  • Selected Papers 1945–1980, with commentary, Freeman 1983, World Scientific 2005.
  • Selected Papers II, with commentary, World Scientific 2013.

Ausgewählte Aufsätze:

  • The spontaneous magnetization of a two dimensional Ising model, Physical Review, Band 85, 1952, S. 808.
  • mit T. D. Lee: Statistical theory of equations of state and phase transitions, Teil 1,2, Physical Review, Band 87, 1952, S. 404, 410 (Yang-Lee Nullstellen).
  • mit Robert Mills: Isotopic spin conservation and a generalized gauge invariance, Physical Review, Band 95, 1954, S. 631 (Yang-Mills-Theorie).
  • mit Kerson Huang: Quantum mechanical many body problem with hard sphere interaction, Physical Review, Band 105, 1957, S. 776.
  • mit Lee: Many body problem in quantum mechanics and quantum statistical mechanics, Physical Review, Band 105, 1957, S. 1119
  • mit Lee: Low temperature behaviour of a dilute Bose gas of hard spheres, Teil 1,2, Physical Review, Band 112, 1958, S. 1419, Band 113, 1959, S. 1406.
  • mit Lee: Question of parity conservation in the weak interactions, Physical Review, Band 104, 1956, S. 254 (Paritätsverletzung).
  • mit Lee: Parity non conservation and a two component theory of the neutrino, Physical Review, Band 105, 1957, S. 1671.
  • mit Lee: Implications of the intermediate boson basis of the weak interactions, Physical Review, Band 119, 1960, S. 1410.
  • The law of parity conservation and other symmetry laws of physics, Nobel Lecture 1957.
  • mit Nina Byers: Theoretical considerations concerning quantized magnetic flux in superconducting cylinders, Physical Review Letters, Band 7, 1961, S. 46.
  • Some exact results of the many body problem in one dimension with repulsive delta function interaction, Physical Review Letters, Band 19, 1967, S. 1312 (Yang-Baxter Relationen).
  • mit Tai Tsun Wu: Concept of non integrable phase factors and global formulation of gauge fields, Physical Review D, Band 12, 1975, S. 3845.
  • Magnetic monopoles, fibre bundles and gauge theories, Annals New York Academy of Sciences, Band 294, 1977, S. 86–97.
  • Interview mit Zhang in Mathematical Intelligencer 1993, Vol. 15, Nr. 4.
  • Einsteins impact on theoretical physics, Physics Today, Juni 1980.

Literatur

  • Yang Chen Ning in: Internationales Biographisches Archiv 38/1987 vom 7. September 1987, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  • C. S. Liu, S.-T. Yau (Hrsg.): Chen Ning Yang. A great physicist of the twentieth century, International Press, Boston 1995.
  • A. Goldhaber, R. Shrock, J. Smith, P. van Nieuwenhuizen, G. Sterman, W. Weisberger (Herausgeber): Symmetry and Modern Physics (Yang Retirement Symposium, Stony Brook 1999), World Scientific 2003.
  • M. L. Geh, C. H. Oh, K. K. Phua (Herausgeber): Statistical Physics, High Energy, Condensed Matter and Mathematical Physics. Proceedings of the conference in honor of C. N. Yang’s 85. birthday (Singapur 2007), World Scientific 2008.
  • Christine Sutton: Chen-Ning Yang obituary: intuitive physicist whose work was inspired by the beauty of symmetry. In: Nature. Band 647, 2025, S. 32, doi:10.1038/d41586-025-03508-4.
  • Stephen L. Adler: Chen Ning „Frank“ Yang (1922–2025): Profound proponent of symmetry. In: PNAS. Band 123, Nr. 8, 2026, e2531783123, doi:10.1073/pnas.2531783123.
Commons: Chen Ning Yang – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI