Chindlistein

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Als Chindlistein (auch Kindlistein geschrieben), Poppelistein[1] oder Tittistein[2] werden im alemannischen Sprachgebrauch Felsblöcke bezeichnet, die entweder als Herkunftsort der Kinder gelten oder mit denen ein Fruchtbarkeitskult verbunden wird (oft sogenannte Rutschsteine). Die Sache ist auch aus Frankreich bekannt.[3] Meist handelt es sich dabei um Findlinge. Der mit den Steinen verbundene Glaube und Brauch wird in der Populärliteratur gerne auf die Kelten[4] beziehungsweise in der älteren Literatur auf die Megalithkultur[5] zurückgeführt.

Der Erdmannlistein in Wohlen, dem auch die Rolle eines Chindlisteins zukam
Chindlistein bei Hüttikon
Der Langenstein in Tiengen ist nach einer Sage auch ein Chindlistein

Chindlisteine gibt es in vielen Gegenden der Schweiz. So hiess es vielerorts: «Hier holt die Hebamme die Neugeborenen her», eine Erklärung, die als Ersatz für die sexuelle Aufklärung diente, analog zu der Legende, dass der Storch die Säuglinge bringe.[6] Mit Fruchtbarkeitsritualen von Frauen werden beispielsweise die Chindlisteine von Heiden[7][8] und Hüttikon[9] verbunden. So sollen etwa Frauen «mit entblösstem Hinterteil den Chindlistein hinunterrutschen, um ihre Fruchtbarkeit zu steigern und den erhofften Kinderwunsch in Erfüllung gehen zu lassen».[10] Vom Chindlistein von Heiden wird auch überliefert, «dass während Hungersnöten und in Kriegszeiten Kinder beim Stein versteckt worden seien».[10]

Folgt man allerdings belastbaren Informationsquellen, so entmystifizieren sich solche Erzählungen meist rasch. So geht etwa der Chindlistein von Heiden auf einen Steinbruch zurück.[11]

Beispiele

In der Schweiz

In Deutschland

Weiteres

  • Zum Chindlistein von Heiden führt ein Wanderweg mit dem Namen Chindlistein-Weg[15]

Literatur

  • L. Rütimeyer: Über Schalen- und Gleitsteine im Kanton Wallis und anderwärts und ihre Bedeutung. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 28, 1928, S. 145–192, besonders S. 180–186.
  • Karl Ludwig Schmalz: Namensteine und Schalensteine im Kanton Bern. Haupt, Bern/Stuttgart 1988, ISBN 3-258-03936-4, S. 9–14 (Kapitel Namensteine).
  • Yves Schumacher: Steinkultbuch Schweiz. Ein Führer zu den Kultsteinen und Steinkulten. edition amalia, Bern 1998, ISBN 3-905581-06-X, S. 125–154 (Kapitel Liebes- und Kindersteine).
  • Schweizerisches Idiotikon, Band XI, Spalte 834, Artikel Chind-, Chindlistein.

Einzelnachweise

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