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Chloraniline

Stoffgruppe From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Chloraniline bilden in der Chemie eine Stoffgruppe, die sich sowohl vom Anilin als auch vom Chlorbenzol ableitet. Die Struktur besteht aus einem Benzolring mit angefügter Aminogruppe (–NH2) und Chlor (–Cl) als Substituenten. Durch deren unterschiedliche Anordnung (ortho, meta oder para) ergeben sich drei Konstitutionsisomere mit der Summenformel C6H6ClN. Daneben existiert auch noch das isomere N-Chloranilin.

Je nach Anzahl der Chloratome (einem, zwei, drei, vier oder fünf) unterscheidet man zudem zwischen Mono-, Di-, Tri-, Tetra- und Pentachloranilinen.

Vertreter

Chloraniline
Name 2-Chloranilin3-Chloranilin4-Chloranilin
Andere Namen o-Chloranilinm-Chloranilinp-Chloranilin
Strukturformel Struktur von 2-Chloranilin Struktur von 3-Chloranilin Struktur von 4-Chloranilin
CAS-Nummer 95-51-2108-42-9106-47-8
PubChem 724079327812
Summenformel C6H6ClN
Molare Masse 127,57 g·mol−1
Aggregatzustand flüssig fest
Kurzbeschreibung farblose bis gelbliche Flüssigkeit
mit aromatischem Geruch[1][2]
farbloser bis gelblicher
kristalliner Feststoff
mit schwach
aromatischem Geruch[3]
Schmelzpunkt −3 °C[1] −10 °C[2] 70 °C[3]
Siedepunkt 209 °C[1] 230 °C[2] 232 °C[3]
Dichte 1,21 g/cm3[1] 1,22 g/cm3[2] 1,43 g/cm3[3]
Dampfdruck (bei 20 °C) 0,13 mbar[1] 0,03 mbar[2]
pKs-Wert[4]
(der konjugierten
Säure BH+)
2,653,524,00
Löslichkeit schwer löslich in Wasser (3–6 g/l)[1][2][3]
GHS-
Kennzeichnung
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol
Gefahr[1][2][3]
H- und P-Sätze 331​‐​311​‐​301​‐​319​‐​373​‐​410[1] 301+311​‐​330​‐​319​‐​317​‐​373​‐​410[2] 301​‐​311​‐​317​‐​331​‐​350​‐​410[3]
keine EUH-Sätze keine EUH-Sätze keine EUH-Sätze
261​‐​273​‐​280​‐​301+310+330​‐​403+233[1] 273​‐​280​‐​302+352+312​‐​304+340+311​‐​305+351+338​‐​314[2] 201​‐​280​‐​302+350​‐​304+340​‐​308+313​‐​273[3]
MAK Schweiz: 0,04 ml·m−3 bzw. 0,2 mg·m−3
(gemessen als einatembarer Staub)[5]

Eigenschaften

Das 4-Chloranilin, das die höchste Symmetrie aufweist, besitzt den höchsten Schmelzpunkt. Alle Verbindungen dieser Gruppe werden als giftig und umweltgefährlich eingestuft.[6] Chloraniline werden meist als Zwischenprodukte zur Synthese anderer chemischer Verbindungen wie Pflanzenschutzmittel, Farbstoffe und Arzneistoffe eingesetzt. Da beim natürlichen Abbau einiger dieser Stoffe die bei der Synthese eingesetzten Chloraniline freiwerden (bzw. auch bei unsachgemäßer Produktion), sind Spuren der Verbindungen (in den letzten Jahrzehnten in immer geringer werdendem Maße) in Grundwasser und Flüssen zu finden.[7][8] Der Nachweis der Stoffe kann über Flüssigchromatographie erfolgen.[9]

Verwendung

Chloraniline werden meist als Zwischenprodukte zur Synthese anderer chemischer Verbindungen wie Pflanzenschutzmittel, Farbstoffe und Arzneistoffe eingesetzt. 4-Chloranilin darf nach reduktiver Spaltung von Azogruppen nicht von Textilien oder Ledererzeugnissen, die längere Zeit mit der menschlichen Haut direkt in Berührung kommen, freigesetzt werden (Anlage 1 der Bedarfsgegenständeverordnung).

Intoxikation mit p-Chloranilin

Bei einem Chemielaboranten kam es durch einen Hautkontakt zu einer Vergiftung.[10] Als erstes fiel eine Zyanose im Mundbereich auf. Ursache war eine Methämoglobin-Konzentration von 18 %. Die Serumkonzentration betrug 161 μg/L p-Chloranilin. Bei Beachtung aller Arbeitsvorschriften sollte der Wert < 1 μg/L betragen. Die Behandlung erfolgte mit Sauerstoff-Gaben, Hautdekontamination mit Polyethylenglycol 400. Intravenös wurden 300 mg Toluidinblau verabreicht. Zusätzlich 1 g Ascorbinsäure (Vitamin C) per os, Die Symptomatik bildete sich ohne Spätfolgen zurück.

Einzelnachweise

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