Christel Ulbrich

deutsche Tanztherapeutin From Wikipedia, the free encyclopedia

Charlotte Christine „Christel“ Ulbrich geborene Thiermann (* 15. Oktober 1908 bei Tharandt; † 24. März 1996 in Bautzen) war eine deutsche Tanztherapeutin, Tanz- und Musikpädagogin. Sie ist die Komponistin und Liedtexterin des Weihnachtsliedes Oh, es riecht gut, das erstmals in der DDR veröffentlicht wurde.

Leben

Christel Thiermann wurde am 15. Oktober 1908 in Tharandt bei Dresden in eine musikalischen und weltoffenen Försterfamilie geboren. Sie hatte zwei Geschwister und war das älteste Kind der Familie. Ihr Staatsexamen als Kindergärtnerin legte sie 1927 ab und 1931 das Examen als Jugendleiterin am Sozialpädagogischen Frauenseminar in Leipzig. Während ihrer Ausbildung lernte sie die Rhythmik-Erziehung nach Émile Jaques-Dalcroze kennen und sie wurde nachhaltig durch die dort gelehrten Verbindung von Musik, Körper und Geist, die den Menschen als ganzheitliches Wesen auffasst, geprägt. Sie übernahm 1932 in Bautzen einen Privatkindergarten. Diesen erweiterte sie um einen Hort und sie zog mit der Einrichtung 1935 in das Nebengebäude der Villa Weigang um. Zudem begann sie öffentliche Laien-, Märchen- und Puppenspiele anzuleiten. Den Bühnenbildner Walter Ulbrich heiratete Christel Thiermann 1938 und das Paar bekam drei Kinder.[1]

Ihr Kindergarten wurde 1945 enteignet und sie arbeitete danach zunächst in der selbstgegründeten Handwerksstube in der Karl-Liebknecht-Straße, in der sie Kurse gab. Eine Genehmigung für die musikalische Früherziehung von Kindern im Privatunterricht erhielt sie 1948 und sie bildete gleichzeitig angehende Pädagoginnen und Pädagogen im Bereich Singen und Tanzen aus. Dabei entstand auch das bekannte Weihnachtskinderlied „Oh es riecht gut, oh es riecht fein“.[1]

Christel Ulbrich war bis in die späten 1950er Jahre in öffentlichen Ämtern aktiv. So war sie Mitglied im Freien Deutschen Gewerkschaftsbund oder in der Beratungskommission für Leistungsschauen und führte Tanzfeste und Lehrgänge durch. Jedoch kam sie mit der ideologischen Einstellung in der DDR nicht zurecht und es folgten Auseinandersetzungen mit Behörden und Verhöre. Dies zwang sie zur Aufgabe ihrer ehrenamtlichen Arbeit und sie verlor ihre berufliche Anstellung. Sie war danach als freischaffende Tanzgruppenleiterin und Handpuppenspielerin tätig, außerdem hielt sie Kontakt zu Tanzgruppen in Westdeutschland. Die frühkindliche Erziehung unter anderem in der Musikschule und der Aufbau geselliger Tanzkreise waren ihr sehr wichtig. So erwarb sie sich ihren Spitznamen „Tanzchristel“. Als Referentin und Ausbilderin in Musik und Tanz genoss Christel Ulbrich große Anerkennung. Sie pflegte viele Verbindungen, so auch zum Leipziger Tanzarchiv, zum Zentralhaus für Kulturarbeit, zum Geselligen Tanzkreis Dresden und zu den Rudolstädter Tanzfesten.[1]

Bereits in jungen Jahren hatte Christel Ulbrich mit Rheumatismus zu kämpfen. Für sie war Tanz und Bewegung eine Therapieform und sie entwickelte eine eigene Methodik, die in Sanatorien und Kliniken der DDR angewandt wurde. Neben dem staatlichen Gesundheitswesen war sie auch mit kirchlichen Einrichtungen verbunden. Auch dort lehrte Christel Ulbrich ihre Methoden. Sie veröffentlichte ihre Erfahrungen mit beeinträchtigten Menschen, Kindern, Jugendlichen und Senioren 1992 in dem Buch „Tanz dich gesund!“[1]

Christel Ulbrich starb am 24. März 1996 in Bautzen. Dort wurde sie mit einem Frauenort geehrt.[1]

Veröffentlichungen

  • mit Jutta Brückner, Ingrid Mederacke: Musiktherapie für Kinder: rezipieren, improvisieren, kommunizieren, bewegen. Volk und Gesundheit, Berlin 1982, DNB 830308504. 2. Auflage: Verlag Gesundheit, Berlin 1991, ISBN 3-333-00548-4.
  • Tanz dich gesund. Ullstein Mosby, Berlin 1992, ISBN 3-86126-009-3.
  • Kinder singen, tanzen, musizieren… Musik-und-Methodik-Verl. Kircheis, Schillingsfürst 1993, DNB 955523303.

Einzelnachweise

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