Christian Wilhelm Luther
estländischer Industrieller
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Christian Wilhelm Luther (* 26. Januarjul. / 7. Februar 1857greg. in Reval, Gouvernement Estland, Russisches Kaiserreich; † 22. Januar 1914 in Heidelberg, Großherzogtum Baden) war ein deutschbaltischer Unternehmer in Reval.
Leben und Unternehmertum
Christian Wilhelm Luther stammte aus einer angesehenen deutschbaltischen Familie. Sein Vater Alexander Martin Luther (1810–1876) war ein erfolgreicher Holzunternehmer und zweiter Bürgermeister in in Reval, seine Mutter Henriette Caroline Steding (1825–1905) war eine Kaufmannstochter. Er hatte elf Geschwister. Christian Wilhelm Luther besuchte das Gouvernements-Gymnasium in Reval bis 1873.[1] Danach erhielt er eine kaufmännische Ausbildung bei Förster, Ruttmann & Co. und Mayer & Co. und besuchte die Petri-Pauli-Schule in Moskau. Er arbeitete bei Cornelius & Co. und war Volontär bei Linck, Moeller & Co. in London.[2]
Christian Wilhelm Luther gründete 1877 ein modernes Sägewerk neben dem Holzplatz seines verstorbenen Vaters, das auch Holz-Schindeln selbst zuschnitt und verkaufte. 1882 übernahm er das väterliche Unternehmen von seiner Mutter, und baute es in den folgenden Jahrzehnten erheblich aus.[3] Sein jüngerer Bruder, der Ingenieur und Maschinenbauer Carl Wilhelm Luther (1859–1903) wurde der technische Leiter. Durch einige technische Innovationen entwickeltete sich dieses bald zum größten Unternehmen für Sperrholz- und Furnierholzprodukte weltweit, mit mehreren Filialen in Russland und einer Exportfirma un London. 1898 wurde es in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Daneben gründeten die beiden Brüder die Aktiengesellschaft Volta für die Herstellung von Elektromotoren und -generatoren für den russischen Markt.

Christian Wilhelm Luther starb 1914 im badischen Heidelberg. Sein Sohn Martin Christian Luther (1883–1963) setzte das Unternehmen erfolgreich fort.
Gesellschaftliches Engagement
Ab 1903 war Luther Ehrenfriedensrichter. Er war außerdem Präsident der Sektion für Fabriksangelegenheiten des Revaler Börsen-Komitees. Ab 1893 war er stellvertretendes Mitglied und ab 1907 Präsident des Konvents der St. Nikolai-Kirche. Ab 1900 war Luther Honorarkonsul von Österreich-Ungarn. Er war Schwarzenhäupterbruder und Ältermann der Großen Gilde. Ab 1906 war er Präsident der Fabrikanten-Vereinigung, präsidierender Direktor der Kreditvereinigung der Immobilienbesitzer Revals. 1912 wurde er Mitglied des russischen Manufakturrats. Frankreich zeichnete ihn mit dem Titel Officier de l'instruction publique aus.[2]
Ehe und Nachkommen
Christian Wilhelm Luther heiratete 1882 die 19-jährige Amateursängerin Helene (Nelly) Greiffenhagen (1861–1934), Tochter des Geschäftsmanns August Greiffenhagen und dessen Frau Helene in London.[4][5][6] Sie hatten fünf Kinder.
- Martin Christian Luther (1883–1963), Nachfolger als Direktor von A. M. Luther
- Dorothea Elizabeth Olga Rutherford (1890–1956), heiratete Henry Rutherford, Managing Director der Venesta AG, Exportfirma von A. M. Luther in London
- Irmgard Helene Sidney Luther (1892–1894), starb mit zwei Jahren
- Margarethe (Daisy) Käthe Nadi Paine (1895–1960), Grafikerin und Ehefrau des Gebrauchsgrafikers Charles Paine (* 1895)
- Alexandra Beatrice Helene Foxley (1901–1979), heiratete George Foxley, General Hotel Director
Literatur
- Wilhelm Held (Bearb.): Deutschbaltisches biographisches Lexikon 1710–1960. 1970. S. 440
- Eesti elulood. Tallinn: Eesti entsüklopeediakirjastus 2000 (= Eesti Entsüklopeedia 14) ISBN 9985-70-064-3, S. 262