Christiane Bender

deutsche Geistes- und Gesellschaftswissenschaftlerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Christiane Bender (* 1953) ist eine deutsche Geistes- und Gesellschaftswissenschaftlerin und Autorin.

Prof. Christiane Bender, Porträtfoto
Christiane Bender (2021)

Leben

Christiane Bender studierte Soziologie, Philosophie, Politikwissenschaft und Volkswirtschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main und schloss ihr Studium als Diplom-Soziologin ab. An der Universität Bremen wurde Bender 1987 mit einer Arbeit über George Herbert Mead und Niklas Luhmann (Identität und Selbstreflexion, 1989) promoviert. Die Habilitation erfolgte 1992 an der Universität Augsburg. In ihrer Habilitationsschrift untersucht sie Modelle der Wissenschaftsforschung (veröffentlichte Kurzfassung: Selbstorganisation in Systemtheorie und Konstruktivismus, 1993).

In den Jahren 1985 bis 1987 war Bender wissenschaftliche Mitarbeiterin des Soziologen Hans Haferkamp an der Universität Bremen. Sie vertrat damals einen vermittelnden Ansatz zwischen Habermas und Luhmann.[1] Von 1987 bis 1992 hatte sie eine akademische Ratsstelle an der Universität Augsburg am Lehrstuhl für Methoden und Sozialplanung von Peter Atteslander inne. Sie beschäftigte sich mit dem Strukturwandel der Arbeitswelt durch neue Steuerungstechnologien, mit Methoden der empirischen Sozialforschung und Theorievergleichen. Dabei kooperierte sie mit Horst und Helga Reimann.

1992 vertrat sie den Lehrstuhl für Soziologie und Sozialplanung an der Universität Stuttgart. Im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart untersuchte sie die Lage erwerbstätiger Frauen bei dem kirchlichen Arbeitgeber. Die dazu 1996 publizierte professionssoziologische Studie „Machen Frauen Kirche?“ wurde breit rezipiert.[2][3] Die Problematik weiblicher Erwerbstätigkeit bei kirchlichen Arbeitgebern blieb auch später ein Forschungsthema Benders.[4]

1993 bis 2001 hatte sie die Professur für Soziologie am Institut für Soziologie (heute Max Weber-Institut) der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg inne, die sie zunächst vertreten hatte. Von 2001 bis 2019 war sie Professorin für Allgemeine Soziologie an der Universität der Bundeswehr in Hamburg. Dort setzte sie ihre professionssoziologische Frauenforschung mit dem Schwerpunkt auf der Situation von Frauen im Militär fort. In diese Zeit fiel die Öffnung aller Laufbahnen für Frauen bei der Bundeswehr.

Bender beschäftigt sich mit den sozialmoralischen und philosophischen Grundlagen moderner Gesellschaften, besonders dem Struktur- und Wertewandel im Zuge der Entwicklung von Industrie- zu Dienstleistungsgesellschaften. Dabei hat sie verschiedene Sozial- und Wohlfahrtsstaaten (u. a. Deutschland, USA, Schweiz) in vergleichender Perspektive untersucht.[5] Ebenso analysiert sie geschlechtsspezifische Arbeitsteilungsmodelle, den Wandel von Institutionen und das Verhalten von Eliten. Häufig publiziert sie zusammen mit dem an der Universität Siegen lehrenden Arbeitssoziologen Hans Graßl.

Neben wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht sie auch Beiträge für das allgemeine Publikum und mischt sich mit feuilletonistischen Medienbeiträgen in Debatten ein. Zum Beispiel wies sie 2018 mit Hans Graßl in der NZZ auf die aus Sicht der Autoren nachdenkenswerte Aktualität der calvinistischen Ethik und des Denkens von Johannes Althusius für den Föderalismus hin.[6] 2014 schlug Bender zusammen mit Graßl vor, es den wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürgern zu ermöglichen, per Losverfahren in den Bundestag zu kommen. Fünf Prozent der Bundestagssitze könnten dem Vorschlag zufolge auf diese Weise besetzt werden.[7] In ihrem 2010 erschienenen Mémoir Podium und Pampers[8] berichtete Bender über ihre persönlichen Erfahrungen mit der Vereinbarung von Beruf und Familie.

Im Zuge ihrer Beschäftigung mit Politik und Zeitdiagnose griff Bender ab 2024 immer wieder den Begriff der Zeitenwende auf und benutzt ihn, um sozialisations- und wissenschaftshistorische Entwicklungen aus anderen geschichtlichen Umbruchsepochen wie der Nachwendezeit in Deutschland, den Umbrüchen zu Beginn der Weimarer Republik und der Französischen Revolution zu analysieren. Auch ihr 2025 erschienener Roman Miquelallee 1979, in dem der Aufbruch von drei Frauen aus beengenden Lebensverhältnissen geschildert wird, befasst sich mit diesem Motiv. In einer Rezension zu ihrem Buch Zeitenwende in der FAZ störte sich der Rezensent Frank Decker an „allerhand Wiederholungen“ und überflüssigen Textpassagen.

Buchveröffentlichungen (Auswahl)

  • Identität und Selbstreflexion. Zur reflexiven Konstruktion der sozialen Wirklichkeit in der Systemtheorie und im Symbolischen Interaktionismus von G.H. Mead. Peter Lang, Frankfurt a. M. 1989 (Dissertation)
  • Mit Hans Graßl: Technik und Interaktion. Zur Theorie und Empirie der Technikforschung. 2. durchgesehene Auflage, Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 1994 (Erstauflage 1991)
  • Mit Markus Luig: Neue Produktionskonzepte und industrieller Wandel. Westdeutscher Verlag, Opladen 1995
  • Mit Hans Graßl: Machen Frauen Kirche? Erwerbsarbeit in der organisierten Religion. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1996
  • Als Herausgeberin: Frauen – Religion – Beruf. Zur religiösen Konstruktion der Geschlechterdifferenz. UVK, Konstanz 2003
  • Mit Hans Graßl: Arbeiten und Leben in der Dienstleistungsgesellschaft. UVK, Konstanz 2004
  • Mit Jens-Rainer Ahrens und Maja Apelt: Frauen im Militär. Empirische Befunde und Perspektiven zur Integration von Frauen in die Streitkräfte. Springer VS, Wiesbaden 2005
  • Podium und Pampers. Memoir. Mattes, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-86809-025-3
  • Zeitenwende. Der Krieg gegen die Ukraine und eine Politik der Verantwortung in der Tradition Max Webers. Nomos, Baden-Baden, 2024, ISBN 978-3-9857207-3-6
  • Miquelallee 1979. Roman. Königshausen & Neumann, Würzburg, 2025, ISBN 978-3-8260-9079-0

Einzelnachweise

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