Chrysokoll
Mineral, Schichtsilikat
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Chrysokoll, auch als Chrysokolla, Kieselkupfer, Kieselmalachit, Kupferkiesel, Kupfergrün oder Berggrün bekannt, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der ungefähren chemischen Zusammensetzung Cu4H4[(OH)8|Si4O10]·n H2O[4] und entwickelt überwiegend mikrokristalline, nierige bis traubige, stalaktitische oder körnige bis erdige Mineral-Aggregate und krustige Überzüge in fleckiger, blaugrüner Farbe verschiedener Tönungen.
| Chrysokoll | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1980 s.p.[1] |
| IMA-Symbol |
Ccl[2] |
| Andere Namen | |
| Chemische Formel | |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Silikate und Germanate |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/E.11a VIII/E.21-020[5] 9.ED.20 74.03.02.01 |
| Ähnliche Minerale | Azurit, Malachit, Dioptas, Türkis |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | orthorhombisch |
| Kristallklasse; Symbol | nicht bekannt |
| Gitterparameter | a = 5,72 bis 5,92 Å; b = 17,7 bis 18,0 Å; c = 8,00 bis 8,28 Å[4] |
| Formeleinheiten | Z = 2[4] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 2 bis 4[6] |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 1,93 bis 2,4[6] |
| Spaltbarkeit | keine |
| Bruch; Tenazität | muschelig[6] |
| Farbe | blau und grün in verschiedenen Zusammensetzungen und Farbtönen |
| Strichfarbe | weiß |
| Transparenz | durchscheinend bis undurchsichtig[6] |
| Glanz | Glasglanz, Fettglanz, erdig matt |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα = 1,575 bis 1,585[7] nβ = 1,597[7] nγ = 1,598 bis 1,635[7] |
| Doppelbrechung | δ = 0,023 bis 0,050[7] |
| Optischer Charakter | einachsig positiv |
| Pleochroismus | farblos - blass blaugrün |
Etymologie und Geschichte
Chrysokoll ist bereits seit der Antike bekannt. Der Name ist eine Zusammensetzung der griechischen Wörter χρυσός chrysos (Gold) und κόλλα kolla (kleben), sinngemäß also Goldleim, da Chrysokoll wie auch Borax[8] genanntes Hilfsmittel in der antiken Goldschmiedekunst, der Granulation, diente. Im Gegensatz zu diesem natürlich vorkommenden Berggrün, wurde Chrysokoll früher auch aus Kupferrost und Kinderharn[9] hergestellt.
Klassifikation
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Chrysokoll zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“, wo er gemeinsam mit Ablykit (Q, halloysitähnliches Mergel-Mineral)[10], Hydrohalloysit und Halloysit in der „Halloysit-Reihe (dioktaedrisch)“ mit der Systemnummer VIII/E.11a steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/E.21-020. Dies entspricht der Abteilung „Ringsilikate“, wo Chrysokoll zusammen mit Dioptas eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/E.21 bildet.[5]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[11] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Chrysokoll in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Struktur der Silikatschichten. Das Mineral ist hier entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Schichtsilikate (Phyllosilikate) mit Kaolinitschichten, zusammengesetzt aus tetraedrischen und oktaedrischen Netzen“ zu finden, wo es zusammen mit Allophan, Imogolith und Neotokit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 9.ED.20 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Chrysokoll die System- und Mineralnummer 74.03.02.01. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Schichtsilikate: modulierte Lagen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Schichtsilikate: modulierte Lagen mit verbundenen Streifen“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 74.03.02.
Kristallstruktur
Chrysokoll kristallisiert orthorhombisch in einer nicht näher bestimmten Raumgruppe mit den Gitterparametern a = 5,72 bis 5,92 Å; b = 17,7 bis 18,0 Å und c = 8,00 bis 8,28 Å sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[4]
Eigenschaften
Bildung und Fundorte
Chrysokoll ist ein typisches Sekundärmineral, das durch Umwandlung (Verwitterung, Metamorphose) aus anderen Kupfer-Mineralen hervorgeht. Zusammen mit Azurit, Malachit, Cuprit und anderen findet es sich daher vorwiegend in Kupfer-Lagerstätten.
Als häufige Mineralbildung kann Chrysokoll an vielen Orten gefunden werden, wobei weltweit bisher mehr als 4000 Vorkommen dokumentiert sind (Stand: Dezember 2025). Viele Fundorte sind unter anderem in Afghanistan, Argentinien, Australien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, der Volksrepublik China, Frankreich, Iran, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, der Demokratischen Republik Kongo, in Marokko, Mauretanien, Mexiko, der Mongolei, Namibia, Norwegen, Peru, den Philippinen, Polen, Portugal, Russland, Schweden, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tschechien, im Vereinigten Königreich (England, Schottland, Wales) und den Vereinigten Staaten (Alaska, Arizona, Colorado, Connecticut, Idaho, Kalifornien, Massachusetts, Michigan, Montana, Nevada, New Jersey, New Mexico, North Carolina, Oregon, Pennsylvania, Texas, Utah, Virginia, Washington, Wyoming).[12]
In Deutschland trat das Mineral bisher vor allem in Baden-Württemberg (Regionen Freiburg und Karlsruhe), Bayern (Niederbayern, Ober- und Unterfranken und Oberpfalz), Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen auf.
In Österreich wurde Chrysokoll unter anderem im Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Salzburg, der Steiermark, Tirol und Vorarlberg entdeckt.
In der Schweiz fand sich das Mineral bisher vor allem im Kanton Wallis, aber auch in Glarus, Graubünden und Tessin.
- Stalaktitischer Chrysokoll aus der Ray Mine, Arizona
- Chrysokoll-Aderen in Matrix aus der Likasi Mine in Katanga, DR Kongo
- Derbes Chrysokoll-Aggregat aus der Blue Jay Mine, Idaho
- Chrysokoll (blau) mit Dioptas aus Otjikotu, Kaokoveld, Kunene, Namibia
Verwendung
Als Rohstoff
Bei lokaler Häufung dient Chrysokoll als Kupfererz. Als Kupfermineral wirkt es toxisch auf bestimmte Lebewesen und wird deshalb unter anderem als Antifouling-Zusatz für Unterwasseranstriche vor allem im Schiffbau verwendet.
Als Schmuckstein

Chrysokoll ist wegen seiner lebhaft blau-grün getupften Oberfläche ein beliebter Schmuckstein. Allerdings reagiert der Stein aufgrund seiner geringen Härte, Wassereinlagerung und Rissneigung sehr empfindlich auf größere Erwärmungen sowie physikalische und chemische Beanspruchung.
Im Handel sind zudem zwei sehr ähnliche Mineralverwachsungen (Gesteine) erhältlich: Chrysokollquarz ist ein Gemenge aus Chrysokoll und Quarz. Eilatstein ist eines aus Chrysokoll, Malachit und Türkis. Ein weiterer, irreführender Handelsname ist Azulita für eine Verwachsung aus Chrysokoll, Azurit, Malachit, Cuprit und Dioptas.
Siehe auch
Literatur
- Hugo Blümner: Chrysokolla 2. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band III,2, Stuttgart 1899, Sp. 2515.
- Ф. В. Чухров, Б. Б. Звягин, А. И. Горшков, Л. П. Ермилова, Е. С. Рудницкая: О Хризоколлах. In: Известия Академии наук СССР Серия геологическая. Band 6, 1968, S. 29–44 (russisch, Digitalisat bei rruff.info ( vom 11. September 2024 im Internet Archive) [PDF; 798 kB; abgerufen am 11. Januar 2026] englische Übersetzung: F. V. Chukhrov, B. B. Zvyagin, A. I. Gorshkov, L. P. Ermilova, E. S. Rudnitskaya: Chrysocolla. In: Doklady Akademii Nauk SSSR Earth Science Sections).
- Michael Fleischer: New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band 54, Nr. 5–6, 1969, S. 990–994 (englisch, minsocam.org [PDF; 337 kB; abgerufen am 9. Januar 2026]).
- International Mineralogical Association: Commission on New Minerals and Mineral Names. In: Mineralogical Magazine. Band 43, Dezember 1980, S. 1053–1055 (englisch, rruff.net [PDF; 191 kB; abgerufen am 9. Januar 2026]).
- Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer, Berlin [u. a.] 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 107.
- Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 713 (Erstausgabe: 1891).
- Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 259.
- Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5.
Weblinks
- Kupfergrün. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 10, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 325.
- Chrysokoll. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- IMA Database of Mineral Properties – Chrysocolla. In: rruff.net. RRUFF Project (englisch).
- Chrysocolla search results. In: rruff.net. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (englisch).
- David Barthelmy: Chrysocolla Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 11. Januar 2026 (englisch).
- Edelstein-Knigge – Chrysokoll(a) ( vom 30. Dezember 2019 im Internet Archive)
