Chutney (Musik)

trinidadisches Musikgenre From Wikipedia, the free encyclopedia

Chutney ist eine in der Karibik, dort besonders in Trinidad und Tobago und Suriname, populäre Musikrichtung, die Elemente aus Calypso und traditioneller indischer Musik aufgreift.

Stil

Typische musikalische Komponenten des modernen Chutneys sind ein schnelles, treibendes Tempo und eine klar von indischer Musik beeinflusste Melodieführung. Oft bestehen die Songs aus traditionellen indischen Liedern oder Bollywood-Musik, die über einen schnellen Soca- oder Calypso-Beat gelegt werden. Die Interpreten singen in Bhojpuri (Trinidad, Guyana), Caribbean Hindustani (Suriname) oder Englisch.

Im Gegensatz zur meisten anderen Populärmusik auf der Karibikinsel sind in Chutney-Kompositionen weiterhin akustische Instrumente zu hören. Ursprünglich bestand das Instrumentarium hauptsächlich aus der Fasstrommel Dholak und dem Eisenstab Dhantal als Rhythmusinstrumenten und einem indischen Harmonium für die Melodie. Mit der Popularisierung und der Integration in die karibische Musikszene kamen die kleine Kesseltrommel Tassa oder Drum-Computer dazu.

Textlich ist Chutney geprägt durch meist männliche Sänger, die wie beim Calypso eine heteronormative und maskulinistische Weltsicht vertreten. Von den Texten der meist afrotrinidadisch geprägten Calypsonians unterscheiden sich die Texte der meist indotrinidadisch geprägten Chutney-Sänger durch weniger direkte sexuelle Anspielungen und eine ausgeprägtere Glorifizierung des Alkoholkonsums.[1]

Ende der 1980er-Jahre wurde in Trinidad und Tobago mit Chutney Soca ein Untergenre des Chutney populär, das Soca-Musik mit den Melodien und den Perkussionsinstrumenten des Chutney verbindet.[2]

Herkunft

Statue von Sundar Popo in Debe (Trinidad und Tobago).

Bedingt durch das Verbot der Sklaverei mit dem Slavery Abolition Act 1833 wurde auf Trinidad für die die damalige Wirtschaft dominierenden Plantagen möglichst billiger Ersatz für die Sklaven gesucht und in Vertragsarbeitern aus Britisch-Indien gefunden. Ab 1840 wurden Arbeiter in großer Zahl angeworben, die auf mindestens fünf Jahre verpflichtet wurden und dafür fünf Acre Land versprochen bekamen. Bis zum Ersten Weltkrieg immigrierten so 145.000 vorwiegend ostindische Arbeiter nach Trinidad und lebten ihre Kultur dort weiter. Chutney entwickelte sich in den 1970er Jahren aus traditioneller indischer Volksmusik, Bhajans und der Musik aus Bollywood-Filmen.[3]

Die Ursprünge des Chutney gehen auf karibische Hindu-Hochzeiten zurück. Traditionell handelte es sich dabei um Melodien, die von Frauen gesungen wurden und die später in Suriname auf ein Tanztempo beschleunigt wurden. Der Trinidadier Sundar Popo brachte Chutney mit der Veröffentlichung seines Hits Nana and Nani 1969 in den Mainstream.[4]

Literatur

Einzelnachweise

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