Citharistes

From Wikipedia, the free encyclopedia

Citharistes ist eine von Friedrich von Stein 1883 erstbeschriebene Gattung mariner Dinoflagellaten aus der Ordnung Dinophysiales (auch Dinophysales geschrieben).[1][4][5] Diese Dinoflagellaten beherbergen häufig in einer speziellen Kammer Cluster von Phaeosomen genannten symbiotischen Cyanobakterien (Cyanobionten), die zur Stickstofffixierung fähig (diazotroph) sind. Ihre Form variiert von stäbchenförmig über eiförmig bis kugelförmig und gehören der Gattung Synechococcus oder ähnlichen an.[6][7][8][9] Um 2025 wurde bekannt, dass die Typusart Citharistes regius[2][1] darüber hinaus Wirt weiterer mutmaßlich parasitischer Endosymbionten ist, darunter zweier Gammaproteobakterien; sowie des Archaeons Ca. Sukunaarchaeum mirabile M16 mit dem zur Zeit seiner Entdeckung weitaus kürzesten Genom aller bekannten Archaeen.[3][10]

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Citharistes

Citharistes,
Illustration (Encyclopædia Britannica, 1911).
Vgl. Wilcox (2025).

Systematik
ohne Rang: Alveolata
ohne Rang: Dinoflagellaten (Dinoflagellata)
ohne Rang: Dinophyceae
Ordnung: Dinophysiales
Familie: Citharistaceae[1] / Dinophysaceae[2]
Gattung: Citharistes
Wissenschaftlicher Name
Citharistes
Stein, 1883
Schließen
Mikro-Aufnahme von C. regius aus einer Meerwasserprobe, die mit einem Planktonnetz vor Shimoda, Präfektur Shizuoka, Japan, entnommen wurde.
Mikro-Aufnahme von C. regius aus einer Meerwasserprobe, die mit einem Planktonnetz vor Shimoda, Präfektur Shizuoka, Japan, entnommen wurde.[3]
Skizze von Citharistes, ebenfalls mit Cyanobionten (Phaeosomen) in der Phaeosomkammer.
Skizze von Citharistes, ebenfalls mit Cyanobionten (Phaeosomen) in der Phaeosomkammer.

Die Gattung ist Teil des Ozeanplanktons in tropischen und subtropischen Regionen. Bis in jüngste Zeit (ca. 2020) wurde über sie nur selten berichtet, und sie scheint auf tiefere Gewässer beschränkt zu sein.[2]

Beschreibung

Citharistes ist ein mit 35–70 µm mittelgroßer Flagellat (Geißeltierchen, d. h. begeißelter Einzeller) mit einem von in der rechten Seitenansicht gesehen umgekehrt C-förmigen (Ɔ-förmigen) Körper.[A. 1] Der Epiconus[11] ist niedrig und scheibenförmig, die Querfurche (Cingulum) schmal, außer rückenseitig (dorsal), wo es eine große Kammer bildet, die die Konkavität des „C“ ausfüllt und in der sich die blaugrünen Cyanobakterien-Symbionten (Cyanobionten, hier auch als Phaeosomen bezeichnet) befinden, die Kammer wird auch Phaeosomkammer genannt. Die Phaeosomen sind von der Gattung Synechococcus oder ähnlich,[2] und wie diese zur Stickstofffixierung fähig.[10] Es gibt keine Chloroplasten. Nur eine kleine Pore verbindet die Phaeosomkammer mit dem umgebenden wässrigen Medium.[2]

Die obere („vordere“) Cingulum-Leiste (auch als Gürtelleiste oder Randleiste der Querfurche bezeichnet) hat die Form eines engen Trichter, denn sie ist distal aufgeweitet; prinzipiell ähnlich ist die weitere untere („hintere“) Cingulum-Leiste. Die Phaeosomkammer wird durch die beiden großen dorsalen Platten gebildet (nach andere Autoren durch die Cingulum-Leisten, Kofoid und Skogsberg (1928), Taylor (1976)). Sie hat zwei Rippen, eine auf jeder Seite der Sagittalnaht (englisch saggittal suture) der Hypothecalplatten, die an den Spitzen des hinteren Schenkels des hufeisenförmigen Körpers entspringen.[2]

Ein unter dem Elektronenmikroskop untersuchtes Exemplar zeigte im Zytoplasma keine Nahrungsvakuolen, lediglich stärkeähnliche Granula.[2]

Sexuelle Fortpflanzung und Zystenbildung sind nicht bekannt.[2]

Verbreitung

Citharistes ist eine marine, (vorwiegend) eupelagische (in den tieferen Zonen vorkommende) Gattung, die rund um den Äquator verbreitet ist und ausschließlich in tropischen, subtropischen und gemäßigt warmen Meeren vorkommt. Mit Stand 1928 waren Funde im Atlantik (zwischen dem Äquator und 40° nördlicher Breite sowie in der Karibik), im Mittelmeer, im Pazifik (bei 7° nördlicher Breite und 133° östlicher Länge) dokumentiert.[6] Dazu kamen das Roten Meer (Golf von Akaba),[7] die Umgebung der Vitória-Trindade-Seamount-Kette (englisch Vitória-Trindade Ridge, portugiesisch Cadeia Vitória-Trindade) im Südatlantik vor Brasilien[12] und der Pazifik um Südkorea.[9] Es wird vermutet, dass die Gattung auf tiefere Zonen konzentriert ist.[2]

Verbreitungsgebiet von Citharistes im Pazifik.
Große ausgefüllte Kreise: Nachweise von C. apsteinii aus Tiefen der Wassersäule; ausgefüllte Quadrate: C. apsteinii aus der Oberflächenzone; große offene Kreise: C. regius aus Tiefen der Wassersäule; offene Quadrate: C. regius aus der Oberflächenzone; kleine, ausgefüllte Kreise: Stationen ohne Nachweis; kleine, offene Kreise: Stationen ohne Daten (Stand 1928).[6]

Wie von Kofoid und Skogsberg 1928 beschrieben, wurden Vorkommen an nur 15 von 127 Stationen einer Expedition zur Erfassung mariner Dinoflagellaten gefunden. Eine Station befand sich im Golfstrom (englisch Mexican Current), eine im Bereich vor Panama (im Pazifik, siehe Karte), drei um die Rapa Nui (im Osterinselwirbel, englisch Easter Island Eddy), neun im südlichen Äquatorialstrom (englisch South Equatorial Drift) und eine im äquatorialen Gegenstrom. An zwei dieser fünfzehn Stationen wurde die Gattung in Oberflächenfängen gefunden; aber an fünf Stationen wurde sie in Salpen (Gattung Salpa) gefunden, die in Oberflächengewässern gefangen wurden. Die restlichen acht Nachweise beziehen sich auf Fänge aus einer Tiefe von ca. 550 m (300-0 fm d. h. Nautische Faden, englisch fathoms). Die Expedition wurde weder in den kalten Strömungen Kaliforniens und Perus, noch in den südlichen und nördlichen Äquatorialströmungen fündig. Die Gattung ist offensichtlich stenotherm und stenohalin[A. 2] und ist auf Gewässer mit gemäßigt hohen Temperaturen und Salzgehalten beschränkt.[6]

Cyanobionten (Phaeosomen)

Kim et al. (2021) untersuchten die Cyanobionten verschiedener Dinoflagellaten im Küstenbereich von Pohang, sowie in der Meerenge von Jeju (beides Südkorea) im Vergleich mit anderen Ozeangebieten. Die untersuchten Dinoflagellaten gehörten insbesondere zur Gattung Ornithocercus, daneben aber auch Citharistes, Histioneis und Amphisolenia. Sie machten insgesamt sechs Kladen[A. 3] von Cyanobionten dieser Dinoflagellaten aus. Darunter befinden sich drei Kladen mit Cyanobionten der Gattung Citharistes; diese sind (Zugriffsnummern in Klammern):[9][13]

  • Klade 2:
    • Citharistes sp. cyanobiont E-3Atl (AY444931)
  • Klade 3:
    • Citharistes sp. cyanobiont APac-f (AY444924)
    • Citharistes sp. cyanobiont BAtl-f (AY444925)
    • Citharistes sp. cyanobiont CAtl-f (AY444926)
    • Citharistes sp. cyanobiont D-1Atl (AY444927)
    • Citharistes sp. cyanobiont E-1Atl (AY444929)
    • Citharistes sp. cyanobiont E-2Atl (AY444930)
    • Citharistes sp. cyanobiont FAtl-f (AY444932)
  • unbenannte Zweierklade:
    • Citharistes sp. cyanobiont D-2Atl (AY444928)

Dazu kommen als Cyanobionten-Stämme speziell von C. regius (gelegentlich als CregCyn bezeichnet): M16CYN[14] und/oder CregCyn01.[15][10]

C. regius

Zeichnungen der Morphologie von C. regius in linksseitiger Ansicht. Links: modern;[10] rechts: um 1880 (ba: die beiden Balken, welche den Rückenausschnitt überbrücken; vr: vordere Randleiste der Querfurche (obere Gürtelleiste oder Kopftrichter); hr: hintere Randleiste der Querfurche (untere Gürtelleiste oder Halskragen); l: linke Flügelleiste der Dinophysiden (Sulcusleiste); l′: deren rechte Flügelleiste)[16]
Citharistes regius. Illustration aus der Originalarbeit von F. von Stein (1883) mit kleinen Fehlern.[A. 4][17]
Mikro-Aufnahmen dreier Individuen (A11, A12 und M16) von Citharistes regius. Balken: 40 μm.

Citharistes regius ist eine vergleichsweise kleine Dinoflagellatenspezies, ihr Körper ist in der rechten Seitenansicht Ɔ-förmig (wie eine Sichel oder ein umgekehrtes ‚C‘), dabei liegt die tiefste Stelle etwas hinter der Mitte. Das Verhältnis von Länge zu Tiefe beträgt zwischen 1,34 und 1,60 zu 1. Der Querschnitt ist in der gesamten vorderen Hälfte der Krümmung nahezu gleichförmig und beträgt 28 % bis 36 % der Körpertiefe, er ist jedoch hinten (im Bild unten) deutlich größer als vorne. Die oben befindliche („vordere“) Spitze des Ɔ bzw. C ist gut abgerundet, die untere („hintere“) ist entweder gleichermaßen abgerundet oder fast rechteckig (subrectangular). Der Abstand zwischen den Spitzen des C ist 65–70 % der Körpertiefe. Die hintere Rand der Kammer ist durchgehend deutlich konvex, oft fast halbkreisförmig. Die Höhe der oberen (vorderen) Cingulumleiste beträgt 27 % bis 43 % der Körpertiefe. Die hinteren Rippen der Phaeosomkammer sind leicht S-förmig (sigmoid), von außen (in der rechten Seitenansicht links) gesehen konkav oder fast eckig („subangular“); ihre Länge beträgt 77 % bis 96 % der Körpertiefe. Die linke Sulcusleiste (Abbildung) endet an der posteroventralen Ecke des Körpers (in der in der rechten Seitenansicht rechts unten). Sie ist am breitesten nahe dem diesem hinteren Ende; ihre größte Breite beträgt 38 % der Körpertiefe; ihr Rand ist oben („vorne“) leicht konkav oder fast gerade, unten („hinten“) stark konvex. Der ventrale Rand des Körpers (über der Kammer) ist leicht und gleichmäßig konvex oder leicht sigmoid und fließt in den unteren („hinteren“) Rand über. Dieser ist fast halbkreisförmig oder leicht abgeflacht. Die Tiefe der Epitheca (über/vor dem Gürtel liegende Bereich) beträgt 25–28 % der Tiefe der Hypotheca, sie ist leicht konvex und im Bereich in der Mitte am höchsten oder abgeflacht. Die obere („vordere“) Cingulumleiste ist trichterförmig, d. h. nach außen hin (distal) auffallend aufgeweitet; diese Aufweitungen erstrecken sich gleichmäßig rücken- wie bauchseitig, die rückenseitige (dorsale) Höhe beträgt 27–43 % der Körpertiefe. Sie hat auf jeder Schale (Valve) fünf bis zehn einfache, vollständige, nahezu gleichmäßig verteilte radiale Rippen. Die untere („hintere“) Cingulumleiste ist etwas schmaler als die obere/vordere und scheint keine strukturelle Differenzierung (Rippen) aufzuweisen. Der Abstand vom Scheitelpunkt zur Basis dieser Leiste beträgt 7–11 % der Körperlänge. Der Teil dieser Leiste, der die Phaeosomkammer umfasst, kann hinten (posterior) eine schwache Netzstruktur aufweisen. Die Thecalwand der Hypotheca (unterhalb des Halskragens) ist netzartig und wahrscheinlich porös. In der Phaeosomkammer befinden sich zahlreiche eiförmige Phaeosomen mittlerer Größe.[6]

Abmessungen

Die gesamte Länge des Organismus beträgt 38,2 µm oder mehr: Eines der von Kofoid und Skogsberg (1928) untersuchten Exemplare hatte eine Körperlänge von 38,2 µm, die größte Körpertiefe betrug dabei 28,6 µm. Die Körperlänge der von Stein (1883) abgebildeten Exemplare wurde von ihnen aufgrund des Abbildungsmaßstabs auf 50,5 µm bis 84,5 µm geschätzt.[6]

Variationen

Kofoid und Skogsberg gingen aufgrund der wenigen ihnen vorliegenden Abbildungen von einer sehr konstanten Spezies aus. Abgesehen von einem möglichen Größenunterschied unterschieden sich die ihnen vorliegenden Exemplare von den Steins Abbildungen hauptsächlich in zwei Punkten:

  1. Die vordere (obere) Cingulumleiste (Gürtelleiste) war etwas schmaler und
  2. die Rückenrippen der Phaeosomkammer waren mit der hinteren (unteren) Cingulumleiste verbunden.

Allerdings hat bereits Stein auf einige Fehler des Kupferstechers hingewiesen. Insgesamt sahen Kofoid und Skogsberg (1928) die Einheit der Spezies als gesichert an.[6]

Citharistes regius unterscheidet sich deutlich von C. apsteinii, da der hintere Teil seines hufeisenförmigen Körpers deutlich dicker ist als der vordere.[6]

Vorkommen

Citharistes regius ist in tropischen und subtropischen Meeren beheimatet.[6] Die Spezies wurde an fünf der 127 Stationen der erwähnten Expedition zur Erfassung mariner Dinoflagellaten nachgewiesen, alle befinden sich im südlichen Äquatorialstrom (englisch South Equatorial Drift). Es wurden dabei acht Exemplare gefunden, von denen eines in einer Schleppnetzfischerei aus einer Tiefe von ca. 550 m (300-0 fm d. h. Nautische Faden, englisch fathoms) stammt, die übrigen kamen in Salpen (Gattung Salpa) vor, die in Oberflächengewässern gefangen wurde. Die Oberflächentemperaturen dieser fünf Stationen lagen zwischen 20 °C (68 °F) und knapp 26 °C (80 °F); der Durchschnitt betrug 23,2 °C (73,8 °F). Stein (1883) verzeichnete diese Art „aus dem Atlantischen Meer und der Südsee“, auch Murray und Whitting (1899) fanden sie an einer Station im Atlantik, nämlich bei 31° 0' N Breite und 35° 30' W bei einer Wassertemperatur von gut 21 °C (70 °F); Hensen (1911) verzeichnete sie an fünf Stationen im Atlantik (Sargassosee, im Kanarenstrom und vor der Küste Brasiliens). Von Entz (1907, 1909) wurde sie im Golf von Neapel nachgewiesen,[6] von Polat (2004) im östlichen Mittelmeer.[18] Die Art ist eupelagisch (vorwiegend in größeren Tiefen der Wassersäule vorkommend) und weit verbreitet, auch wenn sie in tropischen, subtropischen und warm-gemäßigten Meeren nur sehr selten vorkommt. Bemerkenswert scheint, dass sie im Pazifik bis dato nur im südlichen Äquatorialstrom nachgewiesen wurde.[6]

C. regius aus dem Südatlantik, Umgebung der Vitória-Trindade-Seamount-Kette.

Neuere Funde sind beispielsweise die Umgebung der Vitória-Trindade-Seamount-Kette (englisch Vitória-Trindade Ridge, portugiesisch Cadeia Vitória-Trindade) im Südatlantik vor Brasilien.[12]

Cyanobionten (Phaeosomen)

C. regius beherbergt wie C. apsteinii endosymbiotische Cyanobakterien in einer speziellen bauchseitigen Kammer.[7][8] Ähnliche Kammern gibt es auch bei anderen Dinoflagellaten der Ordnung Dinophysiales (syn. Dinophysales), etwa bei Histioneis, Ornithocercus[7] oder Parahistioneis[10] (alle Fam. Dinophysidae syn. Dinophysiaceae oder Dinophysaceae).[19][10] Die hier untergebrachten Cyanobionten sind zur Stickstofffixierung fähig und werden Phaeosomen, ihre Kammer daher auch Phaeosomkammer genannt. Sie ähneln Vertretern der Gattung Synechococcus. Parasynechococcus oder Synechocystis, wie etwa den Spezies Synechococcus carcerarius oder Synechocystis consortia.[6][7][10]

Phaeosomen-Stämme speziell von C. regius werden gelegentlich als CregCyn bezeichnet, darunter M16CYN[14] und/oder CregCyn01 bezeichnet, die von Ornithocercus magnificus als OmCyn (wie OmCyn01).[15][10]

Ihre Spezies wird entweder Synechococcus sp. M16CYN (Ordnung Synechococcales; Fam. Synechococcaceae, nach NCBI)[14] oder Parasynechococcus sp040371545 (Ordnung o__PCC-6307; Fam. Cyanobiaceae)[20] klassifiziert. Ihr Genom besteht aus einem zirkulären Bakterienchromosom mit 1.940.073 bp und einem als pM16CYN01 bezeichneten ebenfalls zirkulären Plasmid mit 17.326 bp.[14]

γ-Proteobakterien-Endosymbionten

In C. regius wurden zwei weitere, vermutlich parasitische, bakterielle Endosymbionten gefunden, deren Stämme als XS4 und RS3 bezeichnet werden, und die beide den Gammaproteobakterien angehören. Beide Stämme gehören nach Nakayama et al. (2025) zur näheren Verwandtschaft von Fastidiosibacter lacustris Xiao et al. 2018[21][15] Nach den phylogenetischen Analysen dieser Autoren gehören beide Stämme zu unabhängigen Linien innerhalb der Familie Fastidiosibacteraceae (Ordnung Beggiatoales) an.[15] Dies steht im Einklang mit der maßgeblichen LPSN, nach der die Gattung Fastidiosibacter eben dieser Familie und Ordnung angehört. Während die Zuordnung zu den Gammaproteobakterien unstrittig ist, ist die genaue systematische Stellung der beiden Stämme allerdings noch in der Diskussion:

  • Die Taxonomie des NCBI stellt beide Stämme in folgende Spezies mit provisorischen Bezeichnungen:
    • Fastidiosibacteraceae bacterium XS4[22]
    • Fastidiosibacteraceae bacterium RS3[23][A. 5]
Beide Spezies gehören dort ebenfalls zusammen mit der Typusgattung Fastidiosibacter zur Familie Fastidiosibacteraceae, diese wird jedoch einer Ordnung Thiotrichales zugeordnet, welche die Beggiatoales mit einschließt.[22][23][24]
  • In der GTDB sind beide Stämme (noch) unbekannt, die Gattung Fastidiosibacter mit F. lacustris gehört dort jedoch mit zur Familie Francisellaceae, die aber in einer eigenen Ordnung Francisellales gesehen wird, und nicht wie in der LPSN bei den Beggiatoales.[25]

Archaeen-Endosymbiont

Wie 2025 bekannt wurde, ist C. regius darüber hinaus Wirt für ein mutmaßlich ebenfalls parasitisches Archaeon, Ca. Sukunaarchaeum mirabile M16-5. Nach vorläufigen phylogenetischen Untersuchungen clustert dieses Archaeon zusammen mit einigen weiteren Gensequenzen in einer vorläufig „Sukuna-Klade“ genannten Gruppe, die den beiden Archaeenreichen Nanobdellati (früher „DPANN“) und Methanobacteriati (früher „Euryarchaeida“) nahesteht, aber möglicherweise nicht direkt angehört. Das Genom dieses Archaeons ist mit 238.000 bp das zur Zeit seiner Entdeckung bei Weitem kleinste Archaeengenom überhaupt.[26][3][27][28][29]

C. apsteinii

1–5: C. apsteinii, 6: C. regius. Illustration von 1928 (Kofoid & Skogsberg)[6]

Der Körper von Citharistes apsteinii hat in der rechten Seitenansicht Ɔ-förmig (wie eine Sichel oder ein umgekehrtes ‚C‘), dabei am unteren („hinteren“) Ende am tiefsten. Das Verhältnis von Länge (von oben bis unten) zur Tiefe beträgt ca. 1,15 : 1 (zwischen 1,11 bis 1,27 zu 1). Der Querschnitt des Ɔ bzw. C ist entweder über die gesamte Krümmung hinweg nahezu gleichmäßig und hat eine Breite von 19–30 % der Körpertiefe; oder er bildet eine breit abgerundete bis subanguläre posteroventrale Ausstülpung (d. h. kantengerundete Hinterecken), wobei der Querschnitt an dieser Stelle dann oft auffällig größer ist (nämlich 44–48 % der Körpertiefe). Die Spitzen des Ɔ/C sind abgerundet, der Abstand zwischen ihnen beträgt ca. 60 % (50–66 %) der Körpertiefe. Die Epitheca (oberhalb des Gürtels) hat eine Höhe (Tiefe) von ca. 30 % (25–37 %) der Hypotheca (unterhalb des Gürtels), erstere ist leicht konvex und etwa in der Mitte am höchsten (wenn auch dort oft abgeflacht). Die obere („vordere“) Leiste des Cingulums (obere Gürtelleiste, englisch anterior cingular list) ist trichterförmig, manchmal auffallend distal (an den vom Körper entfernten Stellen) aufgeweitet. Ihre dorsale (am Rücken gemessene) Höhe beträgt 23 % (17–27 %) der Körpertiefe. Sie hat an jeder Schale (Valve) 7–13 einfache, vollständige, fast äquidistante radiale Rippen. Die untere („hintere“) Leiste des Cingulums (untere Gürtelleiste, englisch posterior cingular list) ist im Vergleich dazu etwas schmäler und hat auf jeder Schale (Valve) etwa 10–11 Rippen derselben Art. Die rechte Sulcus- oder Flügel-Leiste kann netzartig sein und endet etwa auf halber Höhe (s. u.), sie nimmt dabei zum unteren Ende (posterior) hin allmählich an Breite ab; ihre obere („vordere“) Breite ist etwas geringer als die der linken Sulcus-Leiste. Die linke Sulcus-Leiste endet etwa bei der posteroventralen Ecke des Körpers (d. h. in der rechten Seitenansicht unten rechts); sie ist entweder durchgehend nahezu gleichmäßig breit und nach hinten abgerundet oder nimmt nach hinten hin leicht an Breite ab; ihre größte Breite entspricht 20 % (14–30 %) der Körpertiefe. Diese Leiste enthält eine unterschiedliche Anzahl (etwa 5–12) von Rippen, von denen sich die meisten in der unteren („hinteren“) Hälfte der Leiste befinden; diese Rippen sind z. T. vollständig, z. T. unvollständig; einige sind verzweigt und können anastomosieren (sich wieder miteinander verbinden), andere sind ganz einfach. Die sog. Spaltrippe (englisch fission rib), die sich in der Mitte dieser Leiste befindet, ist fast horizontal oder leicht geneigt; die rechte Sulcus-Leiste endet etwa in ihrer Höhe. Die Thecalwand der Hypotheca (d. h. des unter dem Sulcus (Gürtel) befindlichen Teils) ist außer im Bereich der Phaeosomkammer porös und netzartig; die Maschen (Poren) sind fast einheitlich mittelgroß. In der Phaeosomkammer befinden sich eine unterschiedliche Anzahl großer, kugelförmiger oder auch kleinerer, ellipsoid- oder eiförmiger Phaeosomen (d. h. Cyanobionten).[6]

Abmessungen

Die Körperlänge beträgt 59,2–63,5 µm (mit einem Durchschnitt bei 61,6 µm), die größte Körpertiefe ist 50,4–57,0 µm (Durchschnitt bei 53,5 µm). Die von F. Schütt (1895) dargestellten Exemplare waren 59,0–62,9 µm lang (das Typusexemplar 59,0 µm) und hatten eine Tiefe von 50,5–55,2 µm (das Typusexemplar 50,5 µm). Das von Murray und Whitting untersuchte Exemplar war 66,6 µm lang und 52,3 µm tief.[6]

Variationen

Diese Art ist hinsichtlich der Körperform sowie der Struktur und relativen Größe der linken Sulcus-Leiste ziemlich variabel. Manchmal ist der Körper durchgehend fast gleichförmig, manchmal ist er hinter der Bauchseite vergleichsweise tief und bildet an dieser Stelle eine breit gerundete bis fast eckige (subanguläre) Ausstülpung. Der hintere Rand kann gleichmäßig und ziemlich stark konvex, leicht konvex oder S-förmig (sigmoid), oder auch in der Mitte konkav sein. Die beiden von Schütt als Citharistes apsteinii bezeichneten Exemplare unterscheiden sich deutlich voneinander, sodass ihre Zugehörigkeit zur selben Spezies fraglich sein könnte. Die Kofoid und Skogsberg (1928) vorliegenden Daten reichten zwar für eine endgültige Klärung dieser Frage nicht aus, sie akzeptieren dennoch unter Vorbehalt die Entscheidung von Schütt (1895) und betrachten beiden Exemplare daher als derselben Spezies angehörig. Die meisten anderen ihnen vorliegenden Exemplare stimmten recht gut mit dem Typus überein, abgesehen davon, dass ihre Körper etwas schlanker waren.[6]

Diese Art unterscheidet sich deutlich von Citharistes regius, da der hintere Teil ihres hufeisenförmigen Körpers etwa die gleiche Höhe wie der vordere Teil hat.[6]

Vorkommen

Citharistes apsteinii ist in tropischen und subtropischen Meeren beheimatet. Die Spezies wurde an zehn der 127 Stationen der erwähnten Expedition zur Erfassung mariner Dinoflagellaten nachgewiesen. Von diesen zehn Stationen befand sich eine im Golfstrom (englisch Mexican Current), im Bereich vor Panama (im Pazifik, siehe Karte), drei im Osterinselwirbel (vor der Insel Rapa Nui); vier im südlichen Äquatorialstrom (englisch South Equatorial Drift) und eine im äquatorialen Gegenstrom. An zwei Stationen wurde die Art nur im Oberflächenbereich nachgewiesen; an einer Station in einer Salpe (Gattung Salpa) aus Oberflächengewässern; alle übrigen Nachweise beziehen sich auf Proben aus einer Tiefe von ca. 550 m (300-0 fm d. h. Nautische Faden, englisch fathoms). Der Temperaturbereich dieser zehn Stationen an der Oberfläche lag zwischen 20 °C (68 °F) und gut 23 °C (83 °F); der Durchschnitt betrug 24,7 °C (76,4 °F). Schütt (1895) machte keine Angaben zum Fundort seiner Exemplare; sein Material stammt jedoch wahrscheinlich entweder vor Neapel oder aus den tropischen oder subtropischen Regionen des Atlantiks. Murray und Whitting (1899) fanden diese Art an vierzehn Stationen im Atlantik inkl. der Karibik (zwischen 39° N und 8° N sowie zwischen 39° W und 80° W) in Oberflächengewässern von ca. 16 °C (60 °F) bis 29 °C (84 °F). Cleve (1901) verzeichnete sie ebenfalls im Atlantik inkl. Karibik (zwischen 29° N und 10° N sowie zwischen 20° W und 80° W) im Temperaturbereich um 22,8 C (73,1 F°), d. h. 21,1–27,7 °C (70,0–81,9 °F), Salzgehalt 36,63 Gramm pro Liter; Graf (1909) fand sie an einer Station im Pazifik bei 7° 36' N. und 133° 12' O., Temperatur 28,0 °C (82,4 °F); Salzgehalt 34,11 g/ℓ. Die Art ist eupelagisch weit verbreitet, kommt jedoch in tropischen und subtropischen Meeren nur selten vor. Was ihre Verbreitung im östlichen Pazifik angeht, so fanden Kofoid und Skogsberg nach den ihnen vorliegenden Daten ihre Abwesenheit im Humboldtstrom (Perustrom) bemerkenswert.[6]

Systematik

Die Gattung Citharistes wird nach Kofoid & Skogsberg (1928) sowie in der Taxonomie des NCBI der Familie

Citharistaceae Kofoid & Skogsberg, 1928(N)[1][6]

zugeordnet; nach WoRMS und dem OBIS jedoch in die Familie

Dinophysaceae Bütschli, 1885(W).[4][5]

Die innere Systematik ist mit Stand Mitte Oktober 2025 wie folgt:

Gattung Citharistes Stein, 1883(N,W,A,O)[17]


(A): AlgaeBase[2]
(W): World Register of Marine Species (WoRMS)[4]
(N): Taxonomie des National Center for Biotechnology Information (NCBI)[1]
(O): Ocean Biogeographic Information System (OBIS)[5]

Etymologie

Akkordzither (Gitarrenzither)

Der Gattungsname Citharistes kommt von altgriechisch κιθαριστής kitharistes lateinisch citharista.[32][33] Das englische Wort ‚citharist‘ bezeichnet einen Zitherspieler. Offenbar bezieht sich die Namensgebung auf das zitherförmige Aussehen vieler Exemplare der Gattung.

Das Art-Epitheton regius ist lateinisch und bedeutet ‚königlich‘.[2]

Das Art-Epitheton apsteinii ehrt den Zoologen Carl Heinrich Apstein.[30]

Anmerkungen

  1. Die anatomischen Lage- und Richtungsbezeichnungen der einzelnen Autoren unterscheiden sich teilweise; in der rechten Seitenansicht: apikal (vorne) ≘ oben, hinten ≘ unten, Tiefe ≘ Höhe (von oben bis unten), ventral (bauchseitig) = links, dorsal (rückenseitig) = rechts.
  2. D. h. sie verträgt nur einen schmalen Schwankungsbereich in Bezug auf Temperatur und Salzgehalt.
  3. Klade 1 bi4 4, sowie unbenannt eine Zweierklade und ein Singleton
  4. Originaltext: Fig. 1. Ein Individuum von der rechten Seite und Fig. 2. ein anderes von der linken Seite. In Fig. 1. hat der Kupferstecher kt. fälschlich an den Halskragen, statt an den Kopftrichter gesetzt, hs. ist an die Stelle von kt. zu setzen. f. Der Bauchflügel. f1. Der Nebenflügel. st. Die beiden, den sattelförmigen Rückenausschnitt des Hinterleibes überbrückenden, leistenförmigen Pfeiler. o. Mund und Schlund. — Fig. 3. 4. Die beiden isolierten Hälften eines dritten, am Hinterrande des Rückenausschnittes mit Borsten besetzten Individuums. — Fig. 3. Die rechte Hälfte von aussen, am Kopftrichter ist fälschlich auch die hintere Wand angegeben und der Nebenflügel mit f., der hintere Theil des Bauchflügels mit f1. bezeichnet. — Fig. 4. Die linke Hälfte von innen gesehen mit der hinteren Wand des Kopftrichters und dem vorderen Teil des Bauchflügels.
  5. Fastidiosibacteraceae bacterium RS3 ist nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls zu den Gammaproteobakterien gehörenden Acinetobacter calcoaceticus RS3 (Familie Moraxellaceae).

Weiterführende Literatur

  • Biodiversity Heritage Library (BHL): Treffer zu Citharistes regius.
  • Hiroshi Kawai, Takuro Nakayama: Introduction (Heterokontobionta p.p.), Cryptophyta, Dinophyta, Haptophyta, Heterokontophyta (except Coscinodiscophyceae, Mediophyceae, Fragilariophyceae, Bacillariophyceae, Phaeophyceae, Eustigmatophyceae), Chlorarachniophyta, Euglenophyta. In: Syllabus of plant families. Adolf Engler's Syllabus der Pflanzenfamilien. Teil 1/2. 13. Auflage, Borntraeger 2016, 322 Seiten, 8 Abbildungen, 16 Farbtafeln, ISBN 978-3-443-01083-6 (englisch). Dazu: Rezensionen (Schweizerbart).
  • Ryo Harada, Yuki Nishimura, Mami Nomura, Akinori Yabuki, Kogiku Shiba, Kazuo Inaba, Yuji Inagaki, Takuro Nakayama: A cellular entity retaining only its replicative core: Hidden archaeal lineage with an ultra-reduced genome. In: bioRxiv. 2. Mai 2025, doi:10.1101/2025.05.02.651781 (englisch). Preprint. Dazu:
  • Yuri Okolodkov, Ismael Gárate-Lizárraga: An Annotated Checklist of Dinoflagellates (Dinophyceae) From The Mexican Pacific. In: Acta Botánica Mexicana. 74. Jahrgang. Instituto de Ecología, A. C., México 2006, BHL:267076, S. 1154, doi:10.21829/abm74.2006.1008 (spanisch). Hier: S. 41.
  • T. H. Abé: The armoured Dinoflagellata: II. Prorocentridae and Dinophysidae (C) - Ornithocercus, Histioneis, Amphisolenia and others. In: Publications of the Seto Marine Biological Laboratory, Band 15, Nr. 2, 1967, S. 79–116; WoRMS:238925 (englisch).
  • S. P. Parker (Hrsg.): Synopsis and classification of living organisms, McGraw Hill Book Company, New York, 1982, ISBN 0-07-079031-0; WoRMS:1264 (englisch).

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI