Clara Brauner

Übersetzerin aus dem Russischen in Wien und Berlin From Wikipedia, the free encyclopedia

Clara Brauner (geboren am 21. Januarjul. / 2. Februar 1875greg. in Minsk, Russisches Kaiserreich; gestorben am 13. September 1940 in Istanbul, Türkei) war eine deutschsprachige Übersetzerin in Wien und Berlin.

Leben und Wirken

Chaje Eljaschberg wuchs in einer jüdischen Familie in Minsk (im heutigen Belarus) auf. Ihr Vater Samuel Eljasch war Kaufmann, ihre Mutter hieß Beile Samuelowna.[1] Clara heiratete 1897 in Prag den jüdischen Literaturpublizisten und Ingenieur Alexander (Schaje) Brauner, der aus Odessa stammte. Danach lebte das Paar in Wien, wo 1898 der einzige Sohn Leo geboren wurde. Sie veröffentlichte seit 1898 Übersetzungen von russischen belletristischen Texten, zuerst in Zeitschriften, seit 1900 auch Bücher.

1907 endete ihre Übersetzertätigkeit, wahrscheinlich wegen der Auflösung des Wiener Verlages. In dieser Zeit war sie auch als Gesellschafterin und Mitarbeiterin in den Unternehmen ihres Mannes tätig. Um 1912 zog die Familie nach Charlottenburg bei Berlin, 1916 wieder nach Wien und 1922 nach Berlin. Dort erschien 1928 noch einmal ein Roman in ihrer Übersetzung, auch als Fortsetzungsroman in zwei Zeitungen.

Etwa 1934 zogen Alexander und Clara Brauner nach Istanbul, wo ihr Sohn Leo eine Anstellung an der Universität hatte. Alexander Brauner starb 1937. Sie lebte weiter im Stadtteil Cihangir, wo ihr Untermieter Fritz Rudolf Kraus sie am 13. September 1940 tot in der Badewanne fand. Ihr Verbleib blieb in Deutschland weitgehend unbekannt.[2]

Publikationen

Bücher

Clara Brauner übersetzte 18 Bücher aus dem Russischen ins Deutsche, darunter mehrere Erstausgaben, sowie einige weitere Texte in Zeitschriften.[3]

  • Fjodor Sologub, Schatten, Wiener Verlag, 1900, übersetzt mit Alexander Brauner
    • Ladyschnikow, Berlin 1912
  • Maxim Gorki, Zwei Novellen [Malwa, Konowaloff], Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, Leipzig 1901,
  • Maxim Gorki, Die Drei, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, Leipzig 1901,
    • in Aus fremden Zungen, 19–24, 1901 (dort beendet von August Scholz)
  • Iwan Gontscharow, Oblomow, Roman in vier Teilen, Wiener Verlag, 1902, erste ungekürzte deutsche Ausgabe, Neuauflagen
    • Cassirer, Berlin 1910, 1918, 1920, 1926 Digitalisat
    • Manesse, Zürich, Bibliothek der Weltliteratur, 1960, 1980, 1987, 1993, 1998,
    • Büchergilde Gutenberg, Frankfurt 1961
    • Caesar, Salzburg 1982, ohne Übersetzerinnane, gekürzt und überarbeitet
    • Fischer Taschenbuch 2009
  • Maxim Gorki, Geld, Erzählung, Wiener Verlag, 1903, 4. Auflage 1908
  • Maxim Gorki, Ein Abenteuer und andere Novellen, Wiener Verlag, 1904
  • Anton Tschechow, Das Kätzchen, Wiener Verlag, 1904, 3. Auflage 1906, erste deutsche Übersetzung[4]
  • Nikolai Leskow, Der verzauberte Pilger, Wiener Verlag, 1904
  • Nikolai Leskow, Der Toupetkünstler, Wiener Verlag, 1904
  • Nikolai Leskow, Der versiegelte Engel, Wiener Verlag, 1904
  • Nikolai Leskow, Lady Makbeth des Mzensker Umkreises, Wiener Verlag 1904
  • Nikolai Leskow, Am Ende der Welt, Wiener Verlag, 1905
  • Nikolai Leskow, Der stählerne Floh, Wiener Verlag, 1905
  • Nikolai Leskow, Das Tier, Wiener Verlag, 1905
  • Anton Tschechow, Von der Liebe, Wiener Verlag, 1905
  • Fjodor Dostojewski, Der Idiot, Wiener Verlag, 1908
    • Ladyschnikow, Berlin, [1924]
    • Wegweiser, Berlin [1925, 1928]
    • Knaur, Berlin [1928]
    • Büchergilde Gutenberg, Berlin [um 1930]
    • Juncker, Berlin, [um 1933], 1955
    • Droemer, München, 1952, 1956, 1958, Frankfurt 1962
    • Goldmann, München, 1956, überarbeitet nach Klara Brauner Digitalisat
  • Maxim Gorki, Das Werk der Artamonows, Malik, Berlin 1927, einzige autorisierte Übersetzung
    • Universum, Berlin 1927
    • Berliner Tageblatt, 2. November 1927 – 28. November 1927, Fortsetzungsroman
    • Tribüne, Erfurt, vom 22. März 1928 – 17. Juli 1928
    • Weltstimmen. Die schönsten Bücher in Umrissen, 1928, Nr. 2, S. 97–102, Auszüge
    • Verlagsgenossenschaft ausländischer Arbeiter in der UdSSR, Moskau, Leningrad 1934
    • SWA, Berlin, Leipzig [um 1946]
    • Aufbau, Berlin 1946, 1952, 1963
    • Globus, Wien 1947
    • Roman-Zeitung, Berlin, 1949
    • Progreß, Düsseldorf, 1956
    • Reclam, Leipzig 1961
  • Tichon Polner, Leo Tolstoi und seine Frau. Die Geschichte einer Liebe, Henschel Berlin 1928, einzige autorisierte Übersetzung

Einzelnachweise

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