Clarait

seltenes Mineral, wasserhaltiges Kupfer-Zink-Carbonat mit zusätzlichen Hydroxidionen From Wikipedia, the free encyclopedia

Clarait ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Carbonate und Nitrate“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung (Cu,Zn)15(CO3)4(AsO4)2(SO4)(OH)14·7H2O[4] und damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Kupfer-Zink-Carbonat mit zusätzlichen Arsenat-, Sulfat- und Hydroxidionen. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Kupfer und Zink können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Clarait
Clarait vom Weißen Schrofen, Ringenwechsel, Schwaz, Tirol, Österreich (Sichtfeld 4 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer
IMA-Symbol

Clar[3]

Andere Namen

Kupferkarbonat

Chemische Formel
  • (Cu,Zn)15(CO3)4(AsO4)2(SO4)(OH)14·7H2O[4]
  • (Cu,Zn)3[(OH)4|CO3]·4H2O[5]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Carbonate und Nitrate
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/D.15-070[6]

5.DA.30
16b.04.03.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol triklin-pedial; 1 oder triklin-pinakoidal; 1[7]
Gitterparameter a = 14,28 Å; b = 8,03 Å; c = 7,27 Å
α = 79,16°; β = 107,90°; γ = 99,68°[8]
Formeleinheiten Z = 4[8]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2[9]
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,35; berechnet: 3,34[9]
Spaltbarkeit vollkommen nach {1010}[9]
Farbe bläulichgrün[7]
Strichfarbe weiß[6]
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz[7]
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 1,751[9]
nε = 1,645[9]
Doppelbrechung δ = 0,106[10]
Optischer Charakter schwach zweiachsig negativ[9]
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Clarait kristallisiert im triklinen Kristallsystem und entwickelt kleine, pseudohexagonale bzw. pseudorhomboedrische Kristalle bis etwa 0,5 Millimeter Größe und einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Meist findet er sich jedoch in Form sphärolithischer Mineral-Aggregate und krustiger Überzüge. Das Mineral ist durchsichtig bis durchscheinend und von bläulichgrüner Farbe. Die Strichfarbe ist allerdings weiß.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Clarait in Mineralproben aus der Grube Clara bei Oberwolfach in Baden-Württemberg. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Kurt Walenta und Pete J. Dunn, die es nach dessen Typlokalität benannten.

Walenta und Dunn sandten ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1981 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1981-023[1]), die den Clarait noch im gleichen Jahr als eigenständiges Mineral anerkannte. Die Publikation der Erstbeschreibung folgte im Jahr darauf im Wissenschaftsmagazin „Chemie der Erde“.

Ursprünglich hatten Walenta und Dunn die chemische Formel mit (Cu,Zn)3[(OH)4|CO3]·4H2O[5] ermittelt. Die chemische Zusammensetzung wurde allerdings 2016 neu definiert und von der IMA anerkannt (IMA-16-L[4]). Das Mineral wird seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „2016 s.p.“ (special procedure) geführt.[2] Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Clarait lautet „Clar“.[3]

Das Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung der Universität Stuttgart in Deutschland (Inventarnummer hier nicht dokumentiert)[7] und im National Museum of Natural History (NMNH) in Washington, D.C. (USA) unter der Inventarnummer 148464 aufbewahrt.[11]

Klassifikation

Da der Clarait erst 1981 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der seit 1977 veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/D.15-070. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, mit fremden Anionen“, wo Clarait zusammen mit Afmit, Aheylit, Chalkosiderit, Faustit, Kobokoboit, Planerit und Türkis die „Türkisgruppe“ mit der Systemnummer VII/D.15 bildet.[6]

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[12] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Clarait dagegen in die Klasse der „Carbonate und Nitrate“ und dort in die Abteilung der „Carbonate mit zusätzlichen Anionen; mit H2O“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen Kationen“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 5.DA.30 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Clarait die System- und Mineralnummer 16b.04.03.01. Das entspricht der Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort der Abteilung „Carbonate - Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Carbonate - Hydroxyl oder Halogen mit (A)m(B)n(XO3)pZq·x(H2O), mit (m+n) : p = 8 : 1“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 16b.04.03.

Kristallstruktur

Clarait kristallisiert möglicherweise triklin, wobei die Raumgruppe bisher nicht näher bestimmt wurde, mit den Gitterparametern a = 14,28 Å; b = 8,03 Å; c = 7,27 Å; α = 79,16°; β = 107,90° und γ = 99,68°° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[8]

Die hexagonale Pseudozelle hat die Gitterparameter a = 26,22 Å und c = 21,56 Å.[9]

Bildung und Fundorte

Clarait aus Sommerau, Brixlegg-Rattenberg, Nordtirol, Österreich (Sichtfeld 3 mm)

Clarait bildet sich sekundär in oxidierten Kupfer-Zink-Lagerstätten. Als Begleitminerale traten an seiner Typlokalität in der Grube Clara Azurit, Baryt, Fluorit, Malachit, Olivenit und Quarz auf.[7] In der ungarischen Gemeinde Rudabánya (Grube Andrássy I.) traten als weitere Paragenesen noch Devillin, Dolomit, Gips, Jarosit, Goethit hinzu.[13]

Als seltene Mineralbildung konnte Clarait nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 50 Fundorte dokumentiert sind (Stand 2023).[14] Neben seiner Typlokalität Grube Clara in Baden-Württemberg trat das Mineral in Deutschland bisher noch in der Grube „Sulzbach II“ im Donaustaufer Revier und der Grube Wilhelmine bei Sommerkahl in Bayern, in der Grube Charlotte Magdalena, der Grube Floßberg und im Steinbruch im Andreasbachtal nahe Bad Lauterberg im Harz in Niedersachsen sowie in der Grube Schöne Aussicht bei Burbach (Siegerland), auf den Schlackenhalden der Zinkhütte „Friedrich-Wilhelm“ bei Birkengang und der Kupferhütte bei Kall in Nordrhein-Westfalen auf.

In Österreich fand man Clarait zuerst auf den Halden des ehemaligen Erzabbaus von Neufinkenstein-Grabanz am Mallestiger Mittagskogel. Bei diesem Zweitfund weltweit 1994 konnte auch Theisit als weitere Paragenese nachgewiesen werden.[15] Weitere bekannte Fundorte in Österreich sind unter anderem die Unterbuchacher Alpe bei Kirchbach im Gailtal, der Rijavitza Graben bei Eisenkappel und die Grube „Judengras“ bei Podlanig (Lesachtal) in Kärnten, die Feistritzer Alpe nahe der Grenze zu Kärnten (schon auf italienischem Staatsgebiet), Schwarzleo in der Gemeinde Leogang in Salzburg sowie mehrere Orte im Bezirk BrixleggRattenberg (Hof, Silberberg, Sommerau), am Weißen Schrofen bei Ringenwechsel nahe Schwaz und bei Pengelstein nahe Kitzbühel in Tirol.

In der Schweiz wurde das Mineral bisher in den Gruben „Gosan“ und „Termino“ bei Saint-Luc VS, am Six Blanc bei Bagnes, am Mont Chemin bei Martigny und in der Vaashöhle bei Granges in der Gemeinde Sitten (französisch Sion) im Kanton Wallis gefunden.

Daneben kennt man Clarait bisher nur noch aus Gruben bei Salsigne, Montgaillard und Padern im französischen Département Aude, Carrara in einigen Steinbrüchen in der Toskana und der Erzgrube „Camisolo Pass“ bei Introbio (Lombardei) in Italien, den Gruben „Les Ferreres“ bei Camprodon (Girona) und „La Amorosa“ bei Villahermosa del Río (Castellón) in Spanien sowie den oberen Halden der North Star Mine (auch Star Consolidated Mine) bei Mammoth (Utah) in den Vereinigten Staaten.[16]

Siehe auch

Literatur

  • Kurt Walenta, Pete J. Dunn: Clarait, ein neues Karbonatmineral aus der Grube Clara (mittlerer Schwarzwald). In: Chemie der Erde. Band 41, 1982, S. 97–102.
  • Pete J. Dunn, Michael Fleischer, Roger G. Burns, Adolf Pabst: New mineral names. In: American Mineralogist. Band 68, 1983, S. 471 (englisch, minsocam.org [PDF; 647 kB; abgerufen am 11. Februar 2026]).
  • Kurt Walenta: Zu den Gitterkonstanten von Clarait. In: Der Erzgräber. Band 13, 1999, S. 20–22.
  • John Leslie Jambor, Andrew C. Roberts: New mineral names. In: American Mineralogist. Band 88, 2003, S. 254, New Data. Claraite (englisch, minsocam.org [PDF; 85 kB; abgerufen am 11. Februar 2026]).
  • Manfred Puttner: Clarait, Devilllin, Parnauit und andere Neubestimmungen von der Tennantit-Vererzung im Rijavitza-Graben bei Eisenkappel. In: Carinthia II, Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereines für Kärnten. 105. Jahrgang, Band 185, 1995, S. 81–88 (zobodat.at [PDF; 4,2 MB; abgerufen am 11. Februar 2026]).
  • Manfred Puttner: Clarait, Adamin und Theisit aus einer Kupfervererzung der Unterbuchacher Alpe sowie Adamin und Theisit vom Elferspitz, Karnische Alpen, Kärnten. In: Carinthia II, Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereines für Kärnten. 108. Jahrgang, Band 188, 1998, S. 193–199 (zobodat.at [PDF; 8,7 MB; abgerufen am 11. Februar 2026]).
Commons: Claraite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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