Cofer Black
US-amerikanischer CIA-Beamter
From Wikipedia, the free encyclopedia
Joseph Cofer Black (* 1950 in Stamford, Connecticut) ist ein US-amerikanischer ehemaliger CIA-Beamter, der in den Jahren um die Anschläge vom 11. September als Direktor des Counterterrorism Center der CIA tätig war und später von Präsident George W. Bush zum Sonderbotschafter und Koordinator für Terrorismusbekämpfung im US-Außenministerium ernannt wurde, wo er bis zu seinem Rücktritt im Jahr 2004 tätig war. Vor seiner Tätigkeit im Bereich der Terrorismusbekämpfung war Black weltweit in verschiedenen Funktionen für die Direktion für Operationen der CIA tätig.

Laufbahn
Frühes Leben
Black wuchs in Ridgefield, Connecticut auf und schloss 1973 sein Bachelorstudium an der University of Southern California ab. Im Jahr darauf erwarb er ebenfalls an der USC einen Masterabschluss in Internationalen Beziehungen. Anschließend wurde er zu einem Doktorandenprogramm an der USC zugelassen, verließ diese jedoch 1975, um für die CIA zu arbeiten.[1][2]
Karriere als Beamter
Bei der CIA absolvierte Black eine Ausbildung für den Geheimdienst und meldete sich aufgrund seiner Kenntnisse über die Region, die er durch Reisen mit seinem Vater als Kind quer durch den Kontinent erworben hatte, freiwillig für einen Einsatz in Afrika. Zunächst arbeitete er während des Rhodesischen Buschkriegs als Fallbeauftragter in Lusaka, Sambia. Anschließend wurde er nach Somalia versetzt, wo er zwei Jahre lang während des Konflikts zwischen Äthiopiern und Somalis tätig war. Er arbeitete in Südafrika während des Krieges der Regierung gegen Guerillabewegungen, die sich gegen das Apartheid-System auflehnten. Während seiner Zeit in Kinshasa, Zaire, war Black an einem geheimen Aktionsprogramm der Reagan-Regierung beteiligt, um antikommunistische Guerillas im benachbarten Angola zu bewaffnen.
1993 wechselte Black von London nach Khartum im Sudan, wo er bis 1995 als Stationsleiter der CIA tätig war. Dies war eine schwierige Zeit in den Beziehungen zwischen den USA und dem Sudan, da die sudanische Regierung den Terrorismus unterstützte und Carlos, den Schakal, sowie den Gründer von Al-Qaida, Osama bin Laden, beherbergte. Black beaufsichtigte die Sammlung von HUMINT über Terrorzellen und Unterstützungsstrukturen; gegen Ende seiner Amtszeit wurde er Ziel eines Attentats von Al-Qaida.[3] 1995 wurde Black zum Leiter der CIA-Task Force in der Abteilung Naher Osten und Südasien ernannt. Von Juni 1998 bis Juni 1999 war er stellvertretender Leiter der Abteilung Lateinamerika.[2]
Im Juni 1999 ernannte CIA-Direktor George Tenet Black zum Direktor des Counterterrorist Center (CTC) der CIA.[4] Hierbei war er auch für die 1996 gegründete Bin Laden Issue Station zuständig, die mit der Ausschaltung von Osama bin Laden beauftragt war. Das CTC unter Black wurde später kritisiert, da sie es verpasste, das FBI zu informieren, dass Nawaf al-Hazmi und Khalid al-Mihdhar (zwei der späteren 9/11-Attentäter) im Januar 2001 in die USA eingereist waren.[5][6] Noch kurz davor hatten al-Hazmi und al-Mihdhar unter Beobachtung der CIA und malaysischer Sicherheitskräfte im Januar 2000 an einer Al-Qaida-Konferenz in Kuala Lumpur teilgenommen, wo später beschlossen wurde, die „Flugzeugoperation“ durchzuführen.[7] Die 9/11-Kommission stellte fest, dass Black zwar vor dem Untersuchungsausschuss des Kongresses zu den Anschlägen vom 11. September aussagte, dass das FBI Zugang zu Informationen über die beiden Entführer hatte, die 9/11-Kommission jedoch keine entsprechenden Hinweise dafür fand.[8]
Nach den Anschlägen war Black an der Reaktion der USA beteiligt, darunter der Durchführung verdeckter und später offener militärischer Operationen in Afghanistan. Während des „Kriegs gegen den Terror“ soll Black „eine führende Rolle in vielen der umstritteneren CIA-Programme gespielt haben, darunter die Auslieferung/Entführung und Folter/Verhör von Al-Qaida-Verdächtigen und die Inhaftierung einiger von ihnen in geheimen Gefängnissen [außerhalb der USA]“.[9] Das CTC war am Aufbau der Black Sites beteiligt, wo Verdächtige gefoltert wurden. Black wurde Ende 2002 zum Sonderbotschafter für Terrorismusbekämpfung des US-Außenministeriums ernannt. Er hatte dieses Amt bis November 2004 inne.[2]
Karriere im öffentlichen Sektor
Von 2005 bis 2008 war Black stellvertretender Vorsitzender von Blackwater USA, einem in den USA ansässigen privaten Militärdienstleister, der auch am Irakkrieg beteiligt war. Black wurde vorgeworfen, geheime Aufträge zur Ermordung von al-Qaida-Mitgliedern verschafft zu haben, welche zuvor von der CTC der CIA selbst ausgeführt worden waren.[10] Black trat 2008 zurück, nachdem er angeblich von illegalen Zahlungen an irakische Beamte erfahren hatte.[11] Von 2009 bis 2014 war Black als Vice President für Global Operations bei Blackbird Technologies tätig. Blackbird war ein Technologie-Auftragnehmer für Kunden aus den Bereichen Nachrichtendienst, Verteidigung und Wirtschaft, bevor es 2014 von Raytheon übernommen wurde. Später war Black Vorsitzender von Total Intelligence Solutions (Total Intel), einer privaten Gruppe zur Informationsbeschaffung. Dieses Unternehmen wurde im Februar 2007 von der Prince Group gegründet, der Holdinggesellschaft, der Blackwater gehört.
Vor den US-Präsidentschaftswahlen 2008 und 2012 diente Black jeweils als Berater des republikanischen Kandidaten Mitt Romney.[12] Im Januar 2016 wurde Black unabhängiger Direktor des börsennotierten Biotechnologieunternehmens Northwest Biotherapeutics (NWBO), einem in Maryland ansässigen biopharmazeutischen Unternehmen in der Entwicklungsphase, das Immuntherapien gegen Krebs entwickelt. Bis 2023 hatte das Unternehmen allerdings 99,9 Prozent seines Börsenwertes verloren. Im selben Jahr wurde er auch Aufsichtsratsmitglied der Baltic International Bank, welche 2022 von den Behörden wegen Geldwäsche geschlossen wurde.[13] Im Februar 2017 gab das ukrainische Öl- und Gasunternehmen Burisma bekannt, dass Black in den Vorstand des Unternehmens berufen wurde, wo er für die Bereiche Sicherheit und strategische Entwicklung zuständig war.[14] Burisma wurde später wegen seiner Beschäftigung von Hunter Biden in die Ukraine-Affäre verwickelt und nach Ermittlungen 2023 aufgelöst.
Blacks Name taucht im fünften Band des Berichts des Senatsausschusses für Nachrichtendienste aus dem Jahr 2020 über die russische Einmischung in die Präsidentschaftswahlen 2016 auf, der nach den Ermittlungen des Sonderermittlers Robert Mueller erstellt wurde. Joel Zamel, Geschäftsführer der Psy-Group, einer israelischen privaten Geheimdienstagentur, die sich auf öffentliche Manipulationskampagnen spezialisiert hat, sagte aus, dass das Unternehmen neben seinem Angebot an das Trump-Wahlkampfteam drei weiteren Kunden Projekte vorgeschlagen hatte: den russischen Oligarchen Oleg Deripaska und Dmitri Rybolowlew sowie dem Blackwater-Gründer Erik Prince, den Black Zamel 2016 vorgestellt hatte.[15]