Col de la Colombière
Gebirgspass in Frankreich
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Der Col de la Colombière ist ein 1613 Meter hoher Gebirgspass in den französischen Alpen. Er befindet sich in der Region Auvergne-Rhône-Alpes im Département Haute-Savoie und verbindet über die D4 die Gemeinde Scionzier im Norden mit Le Grand-Bornand im Süden.
| Col de la Colombière | |||
|---|---|---|---|
| Himmelsrichtung | Nordseite | Südseite | |
| Passhöhe | 1613 m | ||
| Departement | Haute-Savoie, Frankreich | ||
| Talorte | Scionzier | Le Grand-Bornand | |
| Ausbau | Passstraße | ||
| Wintersperre | Dezember – April | ||
| Gebirge | Französische Alpen | ||
| Profil | |||
| Länge | 16 km | 12 km | |
| Anstieg | 1108 m | 690 m | |
| Ø-Steigung | 6,9 % | 5,8 % | |
| Max. Steigung | (auf km 10) | (auf km 9) | |
| Bergwertung | 1 | 2 | |
| Karte (Haute-Savoie) | |||
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| Koordinaten | 45° 59′ 32″ N, 6° 28′ 33″ O | ||
Auf der Nordseite liegt auf etwa halber Höhe das Dorf Le Reposoir, welches für seinen speziellen Käse, den Reblochon, bekannt ist, der häufig für das regionale Käsefondue verwendet wird.
Lage
Der Col de la Colombière verbindet das Tal der Arve mit dem Tal der Borne. Er verläuft zwischen den Gipfeln des Pic de Jallouvre (2438 m) und Pointe d’Almet (2232 m). Im Osten liegt die Chaîne des Aravis mit dem Col des Aravis (1486 m).
Streckenführung
Die Nordauffahrt von Scionzier ist 17,3 Kilometer lang und weist eine durchschnittliche Steigung von 6,5 % auf. Sie lässt sich in vier Teile gliedern. Der erste Abschnitt führt bei geringen Steigungsprozenten von weniger als 5 % in Richtung Westen. Nach rund drei Kilometern erreicht man nun eine große Kehre und die Fahrtrichtung dreht gen Südosten. Nun beginnt die Straße stärker anzusteigen, wobei die nachfolgenden vier Kilometer im Schnitt mit 7 % ansteigen. Im Anschluss folgt am Ufer der Le Foron du Reposoir ein 2500 Meter langes Flachstück, das nach Le Reposoir führt. Hier zweigt nach rund 10 Kilometern die D119 ab, die auf den nördlicheren Col de Romme führt. Zugleich beginnt auf der D4 der finale Abschnitt des Col de la Colombière, der auf einer Länge von 7,3 Kilometern mit rund 8,5 % auf die Passhöhe führt. Nun verändert sich die Charakteristik des Anstiegs, der nun über mehrere Kehren in offenem Terrain verläuft. Die höchsten Kilometerschnitt werden dabei mit mehr 10 % auf den letzten beiden Kilometern erreicht.
Die Südauffahrt erfolgt von Le Grand-Bornand. Sie weist auf einer Länge von 13 Kilometern eine durchschnittliche Steigung von 5,5 % auf. Der Anstieg beginnt auf der D4 mit der Überquerung der Borne, ehe es durch das Ortsgebiet von Le Grand-Bornand geht. Im Gegensatz zur Nordauffahrt verläuft die Südseite deutlich gleichmäßiger. Zudem führt sie durch mehrere kleine Ortschaften. Bei Les Nants flacht die Straße nach sechs Kilometern kurzzeitig ab. Die letzten vier Kilometer führen über Almen auf die Passhöhe, wobei die Steigungsprozente auf rund 7 % im Schnitt ansteigen. Die Auffahrt kann auch über Saint-Pierre-en-Faucigny und Thônes erfolgen, von wo aus es über die D12 bzw. D909 bei geringen Steigungsprozenten nach Le Grand-Bornand geht.
Radsport

Im Jahr 1960 fand auf der 18. Etappe die erste Überquerung des Col de la Colombière bei der Tour de France statt. Damals wurde zwischen Aix-les-Bains und Thonon-les-Bains die Südauffahrt zur Hälfte des Streckenführung überquert. Die Bergwertung der 2. Kategorie ging damals an den Spanier Fernando Manzaneque. Nach drei weiteren Überquerungen in den Jahren 1968, 1975 und 1978 wurde im Jahr 1980 erstmals die Nordauffahrt von Scionzier genutzt, die zunächst ebenfalls der 2. Kategorie zugeordnet wurde.[1]
Mit dem Jahr 1982 wurden sowohl die Süd- als auch die Nordauffahrt als Bergwertung der 1. Kategorie klassifiziert. Der Col de la Colombière diente dabei häufig als vorletzter Anstieg, ehe die Strecke über den anspruchsvolleren Col de Joux Plane nach Morzine führte. Im Jahr 1994 wurde der der Col de la Colombière erstmals als Schlussanstieg, ehe es bergab nach Cluses ging. Der Lette Pēteris Ugrjumovs führte damals über die Bergwertung und gewann die Etappe, während Miguel Indurain das Gelbe Trikot verteidigte und wenige Tage später seinen vierten Gesamtsieg feierte. Im Jahr 2007 diente die Nordauffahrt erstmals als Schlussanstieg, ehe die Etappe in Le Grand-Bornand zu Ende ging.[1]
Im Jahr 2009 wurde der Col de la Colombière erstmals in Kombination mit dem Col de Romme absolviert. Somit begann die Nordauffahrt des Col de la Colombière in Le Reposoir, ehe die anspruchsvollsten letzten 7,3 Kilometern auf die Passhöhe führten. Nachdem sich der Gesamtführende Alberto Contador im Anstieg des Col de Romme mit seinem Teamkollegen Andreas Klöden und den beiden Schleck-Brüdern von den restlichen Gesamtklassement-Fahrern abgesetzt hatte, griff er im Col de la Colombière an, wodurch Andrea Klöden zurückfiel. Zugleich verlor sein Teamkollege Lance Armstrong wertvolle Zeit, da dieser zu diesem Zeitpunkt bereits distanziert worden war. Schlussendlich gewann Fränk Schleck die Etappe in Le Grand-Bornand, während Andy Schleck auf den zweiten Gesamtrang vorrückte. Der Luxemburger verdrängte dabei Lance Armstrong vom zweiten Gesamtrang, da dieser mehr als zwei Minuten verloren hatte.[2] Der Angriff von Alberto Contador führte in der Astana-Mannschaft für Unstimmigkeiten und verdeutlichte die Rivalität zwischen Contador und Armstrong.[3]
Seither wurde die Kombination aus Col de Romme und Col de la Colombière mit der anschließenden Zielankunft in Le Grand-Bornand zwei weitere Mal genutzt. Im Jahr 2021 setzte sich der Slowene Tadej Pogačar im Anstieg des Col de Romme von seinen Kontrahenten ab und baute seinen Vorsprung im Anstieg des Col de la Colombière auf rund drei Minuten aus. Er legte somit den Grundstein für seinen zweiten Tour-de-France-Gesamtsieg.[4]
| Jahr | Etappe | Bergwertung | Erster am Gipfel | Auffahrt |
|---|---|---|---|---|
| 1960 | 18. Etappe | 2. Kategorie | Süd | |
| 1968 | 19. Etappe | 2. Kategorie | Süd | |
| 1975 | 17. Etappe | 2. Kategorie | Süd | |
| 1978 | 17. Etappe | 1. Kategorie | Süd | |
| 1980 | 18. Etappe | 1. Kategorie | Nord | |
| 1982 | 17. Etappe | 1. Kategorie | Süd | |
| 1983 | 18. Etappe | 1. Kategorie | Süd | |
| 1984 | 19. Etappe | 1. Kategorie | Süd | |
| 1985 | 12. Etappe | 1. Kategorie | Nord | |
| 1987 | 22. Etappe | 1. Kategorie | Süd | |
| 1990 | 10. Etappe | 1. Kategorie | Nord | |
| 1991 | 18. Etappe | 1. Kategorie | Süd | |
| 1994 | 18. Etappe | 1. Kategorie | Süd | |
| 1997 | 15. Etappe | 1. Kategorie | Süd | |
| 2000 | 16. Etappe | 1. Kategorie | Süd | |
| 2002 | 17. Etappe | 1. Kategorie | Süd | |
| 2006 | 17. Etappe | 1. Kategorie | Süd | |
| 2007 | 7. Etappe | 1. Kategorie | Nord | |
| 2009 | 17. Etappe | 1. Kategorie | Nord (ab Le Reposoir) | |
| 2010 | 9. Etappe | 1. Kategorie | Nord | |
| 2016 | 20. Etappe | 1. Kategorie | Süd | |
| 2018 | 10. Etappe | 1. Kategorie | Nord (ab Le Reposoir) | |
| 2021 | 8. Etappe | 1. Kategorie | Nord (ab Le Reposoir) |
Literatur
- Rennradführer: Kristian Bauer: Roadbook Tour de France. 40 Top-Anstiege von den Alpen bis zu den Pyrenäen mit dem eigenen Rennrad bezwingen. (Plus Höhepunkte aus der Geschichte der Tour). Bruckmann, München 2006, ISBN 3-7654-4477-4.
- Geschichte: Peter Leissl: Die legendären Anstiege der Tour de France. Covadonga, Bielefeld 2004, ISBN 3-936973-09-1.
- Fotoband: Serge Laget: Cols mythiques du Tour de France. L’Equipe, Issy-Les-Moulineaux 2005, ISBN 2-915535-09-4.

