PET 2001
Heimcomputer von Commodore
From Wikipedia, the free encyclopedia
Der Commodore PET 2001 (Personal Electronic Transactor; deutsch etwa persönlicher elektronischer Handlungsbeauftragter) wurde bei der Winter CES 1977 im Januar 1977 vorgestellt und verkauft. Er ist damit der weltweit erste für Privathaushalte erschwingliche und in Serie hergestellte persönliche Computer (PC),[1] da dem Apple II aufgrund von Abschirmungsproblemen die FCC-Freigabe bis Ende 1977 fehlte.[2] Er ist ebenso der weltweit erste PC in kompletter, betriebsbereiter Ausführung.[3]


Geschichte
Der PET 2001 wurde vor allem von Chuck Peddle entwickelt und Anfang 1977 auf der Consumer Electronics Show vorgestellt. Peddle hatte auch den Vorläufer KIM-1 entwickelt und war zuvor führend bei der Entwicklung des MOS-6502-Mikroprozessors gewesen, auf dem alle diese Geräte basieren.
Peddle hatte mit dem KIM-1 schon einen direkten Vorläufer selbst konstruiert, auf dem er aufbauen konnte. Verglichen mit dem im April 1977 vorgestellten Apple II hatte der PET 2001 zwar keine Farbe, keine Einzelpunktgrafik und keine Erweiterungsslots, dafür konnte er aber Kleinbuchstaben darstellen, war (zumindest in Europa) nur ein Viertel so teuer und hatte in der Benutzeroberfläche einen intuitiv benutzbaren Screen-Editor, statt des eher gewöhnungsbedürftigen Zeileneditors beim Apple.
Zum Anschluss von Peripheriegeräten verfügte der PET über einen „parallelen IEC-Bus“ (IEEE-488-Anschluss). An diesem konnten neben Druckern und CBM-Diskettenlaufwerken auch Messgeräte und andere Steuerungsanlagen angeschlossen werden. Dies führte dazu, dass der PET (und etwas später vor allem seine direkten Nachfolgemodelle) vor allem an Universitäten und Forschungseinrichtungen, aber auch in Fabriken zur Produktionssteuerung eingesetzt wurde.
Der PET 2001 war der erste Computer, der im deutschen Versandhandel (u. a. bei Quelle) erhältlich war. Der Preis betrug 2.999 DM (rund 1.533 Euro, nach heutiger Kaufkraft ca. 4.540 Euro), später rund 2.000 DM (entspricht 1.023 Euro bzw. rund 2.950 Euro in heutiger Kaufkraft). Nach Entdeckung von Fehlern im BASIC – Arrays konnten eine maximale Größe von 256 Elementen erreichen – wurde der Preis noch einmal erheblich gesenkt.
Auszug aus einem Prospekt des Unternehmens Vero (Vorläufer von Vobis) von 1979: Sehen Sie sich um: Überall noch Rechner, die zum 10-fachen Preis weniger leisten als er: Commodore PET 2001, der Computer, über den die Experten reden.
Das englische Wort pet bedeutet auch „Haustier“ oder „Liebling“. Wie Chuck Peddle um 1990 in einem Interview erklärte, wurde der Name durch einen seinerzeit in den USA mit großem Erfolg verkauften Scherzartikel inspiriert: Pet Rock, ein Stein als Haustier. Das pflegeleichte Tierchen war in einer gepolsterten Schachtel erhältlich, inklusive einer Dressuranleitung.
Technische Daten


Der Commodore PET 2001 verfügte über ein nach oben aufklappbares Metallgehäuse, das zur Wartung – ähnlich der Motorhaube eines Autos – mit einer Stange fixiert werden konnte. Die verbaute Tastatur umfasste ein Buchstaben- und ein Zahlenfeld, wobei kleine Kunststofftasten mit Metallauflage zum Einsatz kamen. Diese stammten ursprünglich von den damals von Commodore produzierten Tischrechnern. Eine Besonderheit war die Anordnung der Tasten direkt senkrecht in Spalten untereinander, statt des sonst üblichen seitlichen Versatzes. Aufgrund dieser Bauweise erhielt die Tastatur von Anwendern den scherzhaften Namen „Mickymaus-Tastatur“. Während das ursprüngliche Modell über eine eingebaute Datasette (Cassettenrecorder) zur Speicherung von Daten und Programmen verfügte, besaß die spätere Variante ohne integrierten Rekorder eine herkömmliche Tastatur.
Als CPU wurde ein MOS Technology 6502 mit 8 Bit und einer Taktfrequenz von 1 MHz eingesetzt. Je nach Modell war der Rechner mit 4 oder 8 KB SRAM ausgestattet, wobei in Europa ausschließlich die 8-KB-Version vertrieben wurde. Der Speicher war auf bis zu 32 KB ausbaubar, was im Jahr 1979 Kosten von 2.500 DM verursachte (umgerechnet 1.278 Euro bzw. nach heutiger Kaufkraft ca. 3.540 Euro). In der frühen Phase wurden eigene Chips des Typs MOS 6550 von MOS Technology verwendet, die jedoch aufgrund massiver Hitzeprobleme in späteren Versionen durch Fremdchips ersetzt wurden. Das unterste Kilobyte des Speichers war systemseitig belegt (einschließlich BASIC), während der darüber liegende Bereich dem Benutzer frei zur Verfügung stand; diese Speicherverwaltung wurde auch bei Nachfolgemodellen beibehalten.
Das Microsoft/Commodore ROM-BASIC fungierte zugleich als Betriebssystem und war in einem 14-KB-ROM untergebracht. Für Betriebssystemerweiterungen standen drei freie ROM-Sockel für jeweils 4 KB zur Verfügung. Die Speicherbelegung gestaltete sich wie folgt:
| Adressbereich | Beschreibung |
|---|---|
| $0000–$1FFF | 8 KB RAM (beim 4-KB-Modell nur bis $0FFF) |
| $8xxx | Video-RAM (mehrfach gespiegelt) |
| $9xxx, $Axxx, $Bxxx | 3 freie Sockel für ROM-Erweiterungen (je 4 KB) |
| $Cxxx, $Dxxx | 2 × 4 KB ROM |
| $E000–$E7FF | 2 KB ROM (Editor) |
| $E800–$EFFF | 2 KB memory mapped I/O |
| $Fxxx | 4 KB ROM; am Ende befand sich eine Sprungtabelle mit den wichtigsten Betriebssystemaufrufen (kompatibel bis zum C128) |
An Schnittstellen bot das Gerät einen IEEE-488-Anschluss („paralleler IEC-Bus“), der unter anderem für Diskettenlaufwerke und Drucker genutzt werden konnte. Zudem war ein Userport vorhanden, der 8 Bit parallel sowie Handshake-Bits bot (über Zusatzsoftware als Centronics-Ausgang konfigurierbar) und einen TTL-Monitorausgang bereitstellte. Das Netzteil war intern verbaut. Die Videoeinheit war in diskreter TTL-Technik auf der Hauptplatine ausgeführt. Die Signalausgabe erfolgte in TTL-Pegel mit einem fernsehkompatiblen NTSC-Timing.
Der PET 2001 war mit einem integrierten 9-Zoll-Schwarz-Weiß-Monitor (in späteren Ausführungen auch Schwarz-Grün) ausgestattet, der 25 Zeilen zu je 40 Zeichen darstellte. Nachfolgemodelle ab 1979, wie die Reihen CBM 4000 und CBM 8000, verfügten bereits über 12-Zoll-Monitore. Da das Gerät ohne Lüfter konzipiert wurde, arbeitete es – sofern die Datasette nicht in Betrieb war – vollkommen lautlos.
Programmierung und Software

Programme für den PET 2001 werden primär in der Programmiersprache BASIC erstellt. Bereits wenige Sekunden nach dem Einschalten ist ein PET 2001 betriebsbereit und kann BASIC-Befehle entgegennehmen. Auch die Programmierung in Maschinensprache ist möglich, was entweder direkt über einen Assembler oder von BASIC aus mit Hilfe der BASIC-Befehle SYS (direkter Sprung zu einer Adresse), USR, PEEK und POKE (direktes Auslesen und Beschreiben einer Speicheradresse) geschieht.
Bei der Programmierung in BASIC dient der Bildschirm sowohl als Ausgabegerät als auch als Puffer für Benutzereingaben. Alle auf dem Bildschirm sichtbaren Ausgaben können jederzeit modifiziert und durch Betätigen der ENTER-Taste dem Rechner wieder als Benutzereingabe übergeben werden. Dieses Bedienungs- und Eingabekonzept wird als Bildschirm-Editor (engl. screen editor) bezeichnet. Konkurrierende Rechner boten zu dieser Zeit lediglich wesentlich komplizierter zu bedienende Zeilen-Editoren.
Da der PET nur Zeichen darstellen kann, beschränken sich seine grafischen Fähigkeiten auf die Darstellung so genannter Blockgrafik. Hierzu enthält der Standard-Zeichensatz neben Großbuchstaben und Spielkartensymbolen alle Kombinationen von 2×2-Teilquadraten, mit denen eine Pseudo-Auflösung von 80×50 Punkten dargestellt werden kann. Ein alternativ verwendbarer Zeichensatz bietet Groß- und Kleinbuchstaben ohne Grafiksymbole.
Fertige Software gab es ausschließlich für den Spielbereich. Das Spiel Mondlandung, mit dem eine Mondlandung simuliert wurde, und Spiele von Spielautomaten (Schiffe versenken) waren beliebt. Man behalf sich durch Selbstprogrammierung oder das Abtippen von Programmen aus den Zeitschriften Funkschau, ELO oder Chip, wobei die beiden Letzteren 1979 neben den amerikanischen Zeitschriften Creative Computing und Byte die einzigen deutschen Zeitschriften für Computer waren. Zu dieser Zeit etablierte sich auch die erste Computersendung des deutschen Fernsehens: der WDR Computerclub mit Wolfgang Back und Wolfgang Rudolph. Dort wurden auch Programme in Form akustischer Signale gesendet, die – mit dem Mikrofon oder einem Verbindungskabel auf Musikkassette aufgenommen – später über eine Datasette in den PET eingelesen und ausgeführt werden konnten.
Bei der Programmierung des PET stieß man bereits bei den damaligen Anforderungen rasch an Grenzen. Nach dem Einschalten meldet ein PET 2001 mit einem Speicherausbau von 8 KB „7167 Bytes free“. Da Programm und Daten sich diesen Speicher teilen müssen, scheiterten oft schon – aus heutiger Sicht – kleine Vorhaben an den begrenzten Speicherkapazitäten des PET. Nicht selten wurden zwei Versionen eines Programmes hergestellt: eine übersichtliche und dokumentierte Version (ein Befehl je Zeile, viele Kommentare) und eine Arbeitsversion, in der durch mehrere Befehle pro Zeile sowie Verzicht auf Kommentare Bytes eingespart wurden, wo es nur ging.
Die Betriebssoftware des PET 2001 unterteilt sich in den BASIC-Interpreter und den so genannten Kernal, der zur damaligen Zeit Commodore-intern noch Kernel genannt wurde und erst später (zu Zeiten des VC-20) den Namen Kernal bekam. Der Kernal stellt sozusagen das Betriebssystem des PET dar. Er beinhaltet die Software zur Systeminitialisierung und zur Hardware-nahen Ein- und Ausgabe. Darüber hinaus zeichnet der Kernal auch für den Bildschirm-Editor verantwortlich.
Der BASIC-Interpreter des PET stammt ursprünglich von Microsoft und wurde von Commodore an den Kernal angepasst. Er belegt 8 KB des 14 KB großen ROMs und weist in seiner ersten Version noch einige ungewöhnliche Verhaltensweisen auf. So führt beispielsweise die Ausführung der Zeile
20 IF F OR I=8 GOTO 80
zur Meldung Syntax Error, da sie vom BASIC-Interpreter als
20 IF FOR I=8 GOTO 80
interpretiert wird. Umstritten ist, ob man bei diesem Verhalten von einem Fehler sprechen kann: Die einen sagen, die eingegebene Zeile sei syntaktisch korrekt und dürfe nicht zu einer Fehlermeldung führen, andere behaupten, dieses Verhalten sei wohldokumentiert und könne nicht als Fehler angesehen werden.
Die Arbeitsgeschwindigkeit des BASIC-Interpreters des PET ist mit etwa einer Millisekunde pro BASIC-Befehl aus heutiger Sicht langsam, ebenso das Laden von Programmen mit zwei Minuten für 8 KB. So lief beispielsweise die in BASIC nachprogrammierte Version des Spiels Space Invaders sehr langsam. In Maschinensprache programmierte Anwendungen hingegen erlauben deutlich höhere Ausführungsgeschwindigkeiten. So gibt es beispielsweise ein Schachprogramm, das mit seiner Spielstärke für Laien mehr als ausreichend ist.
Um die Kompatibilität von Maschinenprogrammen auf 8-Bit-Rechnern von Commodore über mehrere Kernal-Versionen und Rechner-Generationen zu ermöglichen, existiert am Ende des ROM-Bereichs (also unmittelbar vor der Adresse $FFFA) eine Sprungtabelle, über die die wichtigsten Kernel-Routinen aufgerufen werden können. Commodore hat diese Sprungtabelle bis zum C128 hin beibehalten. So gibt zum Beispiel der Maschinenbefehl JSR $FFD2 auf jedem 8-Bit-Rechner von Commodore den Inhalt des Akkumulators als ASCII-Zeichen auf den Bildschirm aus. Leider hat das die Kompatibilität von Anwendungssoftware nicht sehr gesteigert, weil viele Programmierer – vor allem aus Geschwindigkeitsgründen – diese kompatible Methode des Aufrufs schlichtweg ignoriert haben.
Spiele
Der PET besaß, ebenso wie die spätere CBM-Baureihe, lediglich Zeichensatz- und keine Pixelgrafik. Daher mussten grafische Elemente durch geschicktes Kombinieren von Sonderzeichen realisiert werden (im Jargon „PETSCII-Grafik“ genannt). Üblicherweise wurde hierfür die sogenannte Viertelpunktgrafik benutzt: Da zwölf spezielle Zeichen vorhanden waren, bei denen jeweils ein Viertel, die Hälfte bzw. drei Viertel der Fläche des Cursors (d. h. eines Zeichens) gefüllt waren, konnten einschließlich der Zeichen für einen leeren bzw. voll gefüllten Cursor Grafiken mit der im Vergleich zur Textdarstellung doppelten Zeilen- sowie Spaltenzahl erzeugt werden (d. h. mit der vierfachen Auflösung).[4]
Zur Tonerzeugung wurde vielfach das Schieberegister des VIA 6522 benutzt. Dazu musste lediglich ein Verstärker an den Userport angeschlossen werden, um aus Rechtecksignalen bestehende Töne erzeugen zu können. Spätere CBM-Modelle hatten dazu schon einen Piezo-Lautsprecher auf der Platine angeschlossen. Ein ähnliches Verfahren nutzten die späteren PCs.
Obwohl der PET kein klassischer Spiel-Computer war, wurden einige Dutzend Spiele entwickelt und auf Kassette und teilweise Diskette ausgeliefert, hauptsächlich von Scott Adams und Avalon Hill.
Herausragende in Assembler realisierte Projekte sind ein Schachprogramm oder eine Weltraumkampfsimulation in Pseudo-3D mit Star-Wars-Motiven.
Viele damalige Spielhallen-, Konsolen- sowie Brett- und Kartenspielklassiker wurden unter Abstrichen von Privatanwendern portiert, darunter zahlreiche Adventures, Programme aus der Unixwelt (Startrek, Space War), kleine Animationsfilme und Reaktionsspiele (Cowboy-Duell, Clown-Quest) sowie eine gelungene Umsetzung von Space Invaders (dessen BASIC-Version systembedingt sehr langsam war).
Emulation
Mit Emulatoren wie VICE und M.E.S.S. kann der PET 2001 auf aktuellen Computern emuliert werden.
Nachfolgemodelle
Aufgrund der guten Verkäufe in den USA und Kanada wurde die PET-Serie auch in Europa eingeführt. Allerdings kam es dort zu einem Konflikt mit Philips, da dieses Unternehmen sich bereits die Rechte am Namen „PET“ (dort Abkürzung für Programm-Entwicklungs-Terminal) gesichert hatte. So wurden die Modelle in „CBM“ (Commodore Business Machines) umbenannt.
Aufwärtskompatibler Nachfolger des PET 2001 war der CBM 3001. Mit Blick auf Büroanwendungen entwickelte Commodore den PET 2002 zur Büroserie CBM 4016/4032 und 8016/8032 weiter, an die Diskettenlaufwerke (5¼ Zoll, auch 8 Zoll) angeschlossen werden konnten und die über eine professionelle Schreibmaschinentastatur verfügten. Ab der 4000er-Serie gab es auch ein verbessertes Commodore BASIC mit diversen Befehlen zur Diskettenbenutzung.
Im Jahr 1982 wurde die PET-Serie eingestellt. Als Nachfolger war die CBM-II-Serie vorgesehen, die aber wegen des beginnenden Sterbens nicht IBM-PC-kompatibler Businessrechner nur noch geringen Erfolg hatte. Bald darauf setzte dann auch Commodore im Business-Segment auf IBM-kompatible Modelle.
Mit Blick auf den Heimcomputermarkt, insbesondere die Fähigkeit, auf dem PET 2001 Computerspiele zu spielen, wurden ab Januar 1981 der VC20 und Dezember 1982 der C64 herausgebracht, die beide auf der Architektur des PET 2001 basierten, allerdings, außer für einfachste Programme, nicht mit dem PET (oder untereinander) kompatibel sind.
Literatur
- Brian Bagnall: Volkscomputer: Aufstieg und Fall des Computer-Pioniers Commodore. Gameplan, Utting 2011, ISBN 978-3-00-023848-2. Beschäftigt sich eingehend mit der Entwicklung und dem Erfolg des PET 2001.
- Boris Kretzinger: Commodore. Aufstieg und Fall eines Computerriesen. Ein kurzer Streifzug durch die Firmengeschichte mit Daten, Fakten und den Gründen, warum der Computerpionier am Ende scheiterte. Skriptorium-Verlag, Morschen 2005, ISBN 3-938199-04-0 (Edition „Retrobooks“ – Lesefutter für Computerliebhaber 1).