Compagnie Laferme

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Die Compagnie Laferme wurde 1862 in Dresden durch den russischen Zigarettenfabrikanten Joseph Michael von Huppmann-Valbella als Filiale von dessen Unternehmen in Sankt Petersburg gegründet.[1.1] Sie war die erste deutsche Tabakfabrik und begründete Dresdens Ruf als Hochburg der Zigarettenproduktion.[2.1] Der Name Laferme wurde von einem beliebten französischen Schnupftabak abgeleitet und sollte die Schnupftabakgenießer zum Zigarettenrauchen bringen.[3.1]

Plakat Der Kenner für Laferme von Fritz Rehm

La Ferme (1862 bis 1876)

Ziel der Gründung, deren erste Adresse Ostra-Allee* 11 in Dresden lautete, war es, die steigende Nachfrage im Deutschen Reich nicht mehr über Exporte aus Russland zu befriedigen, sondern vor Ort zu produzieren – auch um Einfuhrzölle zu vermeiden und Transportkosten zu reduzieren.[1.2] Da es vor Ort noch keine Facharbeiter gab, beschäftigte Huppmann zuerst Arbeiter aus seiner Fabrik in Russland.[4.1]

Ein weiteres Gründungsziel war es, über Dresden den Export der Huppmannschen Zigaretten Richtung Italien zu organisieren. Über die Elbe, an der Dresden liegt, konnte der Tabak aus Hamburg günstig angeliefert werden. Die fertigen Zigaretten wurden anfangs zum Großteil per Eisenbahn über Wien nach Triest in Italien exportiert.[4.1]

Von 1864 bis 1876 lautete der Firmensitz An der Kreuzkirche 6 in Dresden. Hier kam es zum Einsatz der ersten noch handbetriebenen Maschinen für die Produktion.[1.3] Um den Verkauf in Deutschland anzukurbeln, entfaltete die Firma eine rege Werbetätigkeit, anfangs mit mäßigem Erfolg, denn noch 1878 setzte sie nur rund ein Sechstel ihrer Jahresproduktion von 60 Millionen Zigaretten in Deutschland ab.[4.1] Ikonisch wurde das für einen Wettbewerb gestaltete, preisgekrönte Plakat Der Kenner aus dem Jahr 1896 von Fritz Rehm.[5] Dieses Plakat, das auf den gewählten Zigarettengeschmack des gut gekleideten Herren verwies, zielte auf eine gehobene Käuferschicht und gilt als „Prototyp der Prestigewerbung“.[6]

Laferme erhielt bald Konkurrenz auf dem deutschen Markt. 1880 gab es in Dresden bereits 21 Zigarettenfabriken, die rund 120 Millionen Zigaretten jährlich herstellten. Das waren zwei Drittel der gesamten Produktion in Deutschland[7.1], die allerdings im Laufe der 1890er Jahre stark anstieg.[7.2]

Compagnie Laferme (1876 bis 1925)

Werbeplakat von Hans Pless, 1905

Huppmann zog sich bereits 1874 aus der Firma zurück. Neue Inhaber der in eine Aktiengesellschaft umgewandelten Firma wurden Wilhelm Stucken aus St. Petersburg und Julius Robert Spieß aus Moskau, die sich aber bald wieder trennten. 1876 übernahm Spieß die Dresdner Fabrik allein, nannte sie in Compagnie Laferme um und bezog ein neues Fabrikgebäude in der Großen Plauenschen Str. 35.[1.1] In dieser Zeit brach der Italienexport ein, da die staatliche italienische Monopolverwaltung zunehmend im eigenen Land produzieren ließ.[4.2] 1887 folgte Georg Spieß als Direktor bis 1895 nach. Weitere Direktoren waren Georg Hermann Ludwig Schleicher, der 1896 bis 1897 mit Franz Eugen Altmann und A. Spieß die Firma leitete. Letzterer schied um 1898 aus. 1901 verließ auch Altmann die Firma. Schleicher leitete sie 1901 bis 1903 alleine. Spätestens 1907 stieg Johannes Martin Harnisch ein. Dieser übernahm die Firma 1919 bis 1923.[1.1]

1891 erfolgte ein erneuter Umzug in die Große Plauensche Straße 10, und ab 1902 firmierte die Compagnie Laferme in der Großen Plauenschen Str. 8–10, womit eine Vergrößerung des Firmengeländes verbunden war.[1.4] Zum 50-jährigen Firmenjubiläum 1912 veröffentlichte die Fachzeitschrift Die Tabakwelt einen Artikel, in dem sie die Fabrik wegen der „Vortrefflichkeit ihrer technischen und hygienischen Einrichtungen“ lobte.[1.3]

Während des Ersten Weltkriegs machten der Rohstoffmangel und später die Inflation der Firma zu schaffen. Sie konnte wahrscheinlich infolge mangelnden Maschineneinsatzes nicht mehr wirtschaftlich produzieren.[3.1]

Laferme GmbH (1925 bis ca. 1930 und folgende Jahre)

1925 wurde die Compagnie Laferme in eine GmbH umgewandelt und arbeitete ab 1926 als Handelsunternehmen ohne eigene Fabrikation.[1.4] Letztmalig ist die Firma im Dresdner Adressbuch von 1931 mit den Vorständen August Heine und Arno Schochert aufgeführt.[8]

In der zweiten Hälfte der Zwanzigerjahre ging die Firma in die Yenidze GmbH über und wurde damit Teil des Reemtsma-Konzerns.[9.1] Die Zigarettenmarke Laferme No. 22 wurde zumindest bis Ende der 1930er Jahre weiter produziert.[1.5]

Kurzzeitig erschienen 1949 erneut Zigaretten der Marke Laferme.[10] Die Firma Reemtsma hatte die Marke als Orientzigarette im August 1949 in interessant gestalteter Schiebe-Packung auf den Markt gebracht und zielte auf anspruchsvolle Raucher. Laferme wurde jedoch kein Erfolg und bald vom Markt genommen.[9.2][11]

Zigarettenmarken (Auswahl)

Anzeige für Barbarossa-Zigaretten der Compagnie Laferme, 1892
Anzeige für die Zigarettenmarke Zarsky Dubec der Compagnie Laferme, 1895
  • Ada, 1884 bis 1887[1.4]
  • Aegypter, 1887 bis 1889[1.4]
  • Barbarossa, 1893–1925[1.6]
  • Caprice, 1884 bis 1898[1.7]
  • Dubec, 1884 bis 1910[1.8]
  • Elephant, 1884 bis 1905[1.9]
  • Extra Sorte bzw. Extrasorte, 1887 bis 1920[1.9]
  • Kenner und Kenner Gold, 1900 bis 1924[1.10]
  • Laferme, 1905 bis ca. 1938[1.11], ab 1949 bis Anfang der 1950er Jahre[9.2]
  • Pearls (Blue, Green, Black, Red, White Pearls), 1912 bis 1915[1.12]
  • Redoute, 1910 bis 1913[1.13]
  • Sultan, 1886 bis 1889[1.14]
  • Vielliebchen, 1898 bis 1924[1.15]
  • Weisse Dame, 1902 bis 1924[1.15]

Siehe auch

Einzelnachweise

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