Cornelius Noack

deutscher Physiker und Hochschullehrer in Bremen From Wikipedia, the free encyclopedia

Leben

Cornelius Noack studierte bis 1961 Physik an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, unter seinen Lehrern waren die Kernphysiker Wolfgang Gentner und Hans Jensen. Nach seinem Diplom ging er 1961 für zwei Jahre zu Amos de Shalit an das Weizmann-Institut in Rechovot, Israel. Noack öffnete mit diesem ersten längeren Gastaufenthalt eines deutschen Nachwuchswissenschaftlers Türen für weitere deutsche Wissenschaftler in diesem Land.

Nach seiner Rückkehr wurde Noack 1964 in Heidelberg zum Dr. rer. nat. promoviert und drei Jahre später habilitiert. Er sympathisierte mit den Reformbestrebungen der 68er-Bewegung und wurde an der Universität Heidelberg 1970 als erster Nicht-Ordinarius zum Prorektor gewählt.

Ein Jahr später erhielt Noack den Ruf auf eine Professur in theoretischer Physik an der gerade gegründeten Reformuniversität in Bremen, die schon damals als „rote Kaderschmiede“ bezeichnet wurde. Den Wandel zu einer „normalen“ Universität hat er mit vertreten und mitgestaltet. Über Jahrzehnte war er Sprecher des Instituts für Theoretische Physik und etablierte das allgemeine physikalische Kolloquium, in dem er u. a. die Leistungen der Physik-Nobelpreisträger vorstellte. Er setzte sich in der Universität gegen ein traditionelles „Rechenzentrum“ und für dezentrale, vernetzte Rechner ein. Wissenschaftlich war Noack im Grenzbereich zwischen Kern- und Elementarteilchenphysik tätig, er entwickelte anderem Modelle für das Quark-Gluon-Plasma. Im Ruhestand hielt Noack von 2000 bis zu einem zweiten Schlaganfall 2006 weiterhin Vorlesungen über Quantenmechanik und Quantenelektrodynamik.

Noack war Mitglied der SPD und im Land Bremen vielfach als Experte und Gutachter tätig. Nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl (1986) war er stellvertretender Vorsitzender des „Bremer Energiebeirates“. Die kommerzielle Nutzung von Kernenergie hat Noack abgelehnt.

Cornelius Noack spielte Oboe und war Mitglied des Freundeskreises der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Er war verheiratet; aus der Ehe stammen drei Töchter.

Schriften (Auswahl)

  • Die Anwendung gruppentheoretischer Methoden in der Theorie des Schalenmodells der Atomkerne. Heidelberg 1964.
  • Doppelter Ladungsaustausch von π-Mesonen an komplexen Kernen. Heidelberg 1967.
  • Energie für die Stadt der Zukunft. Das Beispiel Bremen; der Abschlussbericht des Bremer Energiebeirats. Schüren, Marburg 1989.
  • Zur Sicherheit von Transporten radioaktiver Stoffe auf dem Gebiet der Stadt Saarbrücken. Bremen 1990.
  • Poincaré covariant particle dynamics. Bremen 1994.

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