Coulaures
französische Gemeinde
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Coulaures (Aussprache [kuˈlɔʁ], okzitanisch Coulòures) ist eine französische Gemeinde mit 768 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Norden des Départements Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Nontron und zum Gemeindeverband Communauté de communes Isle-Loue-Auvézère en Périgord. Die Einwohner werden Coulaurois bzw. Coulauroises genannt.
| Coulaures Coulòures | ||
|---|---|---|
| Staat | ||
| Region | Nouvelle-Aquitaine | |
| Département (Nr.) | Dordogne (24) | |
| Arrondissement | Nontron | |
| Kanton | Isle-Loue-Auvézère | |
| Gemeindeverband | Isle-Loue-Auvézère en Périgord | |
| Koordinaten | 45° 18′ N, 0° 59′ O | |
| Höhe | 117–275 m | |
| Fläche | 28,87 km² | |
| Einwohner | 768 (1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 27 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 24420 | |
| INSEE-Code | 24137 | |
| Website | www.mairiecoulaures.fr | |
Blick auf Coulaures | ||
Geografie

Coulaures liegt etwa 35 Kilometer südöstlich von Nontron, etwa 46 Kilometer westnordwestlich von Brive-la-Gaillarde und etwa 25 Kilometer südöstlich von Périgueux in der Région naturelle des Périgord central im Teil des touristisch benannten Périgord blanc. Das Gemeindegebiet liegt im Einzugsgebiet der Dordogne und wird entwässert vom Flüsschen Ravillou, vor allem aber von der Isle und der Loue, die im Zentrum von Coulaures zusammenfließen,
Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Coulaures liegt auf der zweiten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus sehr hartem Kalkstein aus dem Jura, den das Meer durch chemische Karbonatsedimentation in dicken und massiven Schichten abgelagert hat.[1] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär und aus Sedimentgesteinen, von denen einige aus dem Känozoikum, andere aus dem Mesozoikum stammen.
Das Gebiet der Gemeinde erstreckt sich über eine hügelige und ziemlich bewaldete Landschaft, die durch die Flusstäler eingeschnitten wird. Die Erhebungen nehmen dabei nach Südosten hin zu. So liegt der topografisch höchste Punkt mit 275 m im äußersten Nordosten beim Lieu-dit le Meynichou an der Grenze zu den Nachbargemeinden Saint-Pantaly-d’Excideuil und Tourtoirac. Der topografisch tiefste Punkt liegt mit 115 m im Westen beim Austritt der Isle aus dem Gemeindegebiet. Das Zentrum liegt erhöht über dem rechten Ufer der Loue auf etwa 132 m Höhe.
Rund 51 % der Fläche der Gemeinde sind bewaldet, rund 46 % werden landwirtschaftlich, überwiegend heterogen genutzt, rund 3 % entfallen auf Flächen mit Strauch- und/oder Kräutervegetation.[2]
Coulaures wird von folgenden acht Gemeinden umgeben:
| Saint-Jory-las-Bloux | Saint-Germain-des-Prés | |
| Savignac-les-Églises | Saint-Pantaly-d’Excideuil | |
| Mayac | Cubjac-Auvézère-Val d’Ans | Tourtoirac Sainte-Eulalie-d’Ans |
Natürliche Risiken

Natürliche Risiken manifestieren sich in Coulaures als
- Überschwemmungen und den mit ihnen assoziierten Schlammströmen und Hangrutschungen besonders an der Isle und der Loue
- Dürren
- Waldbrände
- Bodensetzungen
Aufgrund der Schäden, die durch Überschwemmungen, größeren Bodenbewegungen und Schlammlawinen in den Jahren 1982, 1993, 1997, 1999, 2007, 2008 und 2025 verursacht wurden, wurde für die Gemeinde der Naturkatastrophenzustand ausgerufen. Im Dossier des Départements über Hauptrisiken sind vorbeugende Maßnahmen zur Reduktion von Hochwasserschäden festgelegt. Dazu gehören u. a. die Ausweisung von Zonen, die nicht oder nur nach Genehmigung bebaut werden dürfen, die Instandhaltung des Wasserlaufs, um Hindernisse zu begrenzen, und die Schaffung von Regenrückhaltebecken.
Es besteht nahezu im gesamten Gemeindegebiet außer in den Tälern von Isle und Loue zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräte und eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.[3]
Wie die Risikokarte zeigt, sind große Teile des Gemeindegebiets von Coulaures, insbesondere im Norden und Südosten, von einer mäßigen bis starken Gefahr durch Bodensetzungen betroffen. Die Dürreperioden in den Jahren 1989 und 1992 sind als Naturkatastrophen der Gemeinde klassifiziert worden.
Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen, am Westrand des Zentralmassivs sind recht seltene Beben der Stärke 3 auf der Richterskala bekannt. Das Gemeindegebiet ist nur einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 von 3 zugeordnet.[4]
Etymologie und Geschichte
Der Name von Coulaures erschien erst im 15. Jahrhundert in einer latinisierten Form in Parochia de Colubriis. Coulaures entstammt dem Plural des altokzitanischen colauro oder colaure, das im Guyenne gut belegt ist (heute colòbra). Sie kommt über eine Zwischenform °colobra aus dem lateinischen colubra, Femininum von coluber, das eine Natter oder allgemein eine Schlange bezeichnet. In Coulaures wurde auch das lateinische collis area (deutsch goldener Hügel) als Ursprung erkannt aufgrund der Weinberge, die einst die Anhöhen bedeckten. Nach Ansicht der Autoren führen diese lateinischen Wörter aber nicht zu Coulaures.[5]
Funde deuten darauf hin, dass das Gebiet von Coulaures bereits in der Tardenoisien-Zeit besiedelt war. Die Entdeckung prähistorischer Werkzeuge in der Höhle von Contie belegt dies durch ihre Datierung. Diese Besiedlung setzte sich in der gallorömischen Ära fort. Darüber hinaus wurden auf dem Boden der romanischen Kirche Steinsarkophage entdeckt, die älter sind als diese Kirche und belegen, dass Coulaures bereits zu jener Zeit bewohnt war.
Das älteste bekannte Gebäude in Coulaures ist die Kirche Saint-Martin. Sie wurde im 11. Jahrhundert erbaut und im 12. Jahrhundert befestigt, in der gleichen Zeit, in der Eleonore von Aquitanien Heinrich Plantagenet von England heiratete. Diese Verbindung löste den Hundertjährigen Krieg zwischen Engländern und Franzosen aus, der 1453 mit der Schlacht bei Castillon endete.
Das Périgord litt unter diesen Schlachten und Coulaures war wie viele andere Dörfer betroffen. In diesem Klima der Unsicherheit wurde das Feste Haus von Aleu zum Schutz seiner Bewohner und ihres Eigentums errichtet. Das Gebiet war kaum befriedet, als die Hugenottenkriege ausbrachen, in denen Protestanten gegen katholische Truppen kämpften. Im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts trieb die daraus resultierende extreme Armut die Bauern des Périgord zur Rebellion, die den Beginn der Rebellion der Croquants markierte.
Die zur Abtei Tourtoirac gehörende Pfarrei Coulaures unterstand bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts der Gerichtsbarkeit der Kastellanei Excideuil und der Vizegrafschaft Limoges.
Trotz dieser neuen Konflikte entwickelte sich Coulaures stetig weiter. Im 17. Jahrhundert heiratete Jean de Lestrade die Dame von Conty, wodurch sich die Familie Lestrade de Conty auf dem Schloss Conti niederlassen konnte. Die Nachkommen dieser Familie haben über die Jahrhunderte zur Entwicklung des Orts beigetragen.[6][7]
Bevölkerungsentwicklung
| Coulaures: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1793 | 1.246 | |||
| 1800 | 1.100 | |||
| 1806 | 1.148 | |||
| 1821 | 1.104 | |||
| 1831 | 1.419 | |||
| 1836 | 1.380 | |||
| 1841 | 1.538 | |||
| 1846 | 1.560 | |||
| 1851 | 1.585 | |||
| 1856 | 1.523 | |||
| 1861 | 1.504 | |||
| 1866 | 1.451 | |||
| 1872 | 1.365 | |||
| 1876 | 1.374 | |||
| 1881 | 1.389 | |||
| 1886 | 1.337 | |||
| 1891 | 1.326 | |||
| 1896 | 1.205 | |||
| 1901 | 1.217 | |||
| 1906 | 1.196 | |||
| 1911 | 1.120 | |||
| 1921 | 1.043 | |||
| 1926 | 1.000 | |||
| 1931 | 958 | |||
| 1936 | 923 | |||
| 1946 | 928 | |||
| 1954 | 931 | |||
| 1962 | 822 | |||
| 1968 | 754 | |||
| 1975 | 726 | |||
| 1982 | 696 | |||
| 1990 | 743 | |||
| 1999 | 683 | |||
| 2006 | 733 | |||
| 2013 | 745 | |||
| 2020 | 725 | |||
| Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[8] INSEE ab 2006[9][10][11] Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz | ||||
Sehenswürdigkeiten
- Kirche Saint-Martin aus dem 12. Jahrhundert, Umbauten aus dem 15. Jahrhundert, seit 1948 als Monument historique eingeschrieben
- Protestantische Kirche, heute Wohnhaus
- Kapelle Notre-Dame du Pont aus dem 13. Jahrhundert, seit 1938 als Monument historique eingeschrieben
- Schloss Conty aus dem 15. Jahrhundert, Umbauten im 19. Jahrhundert
- Schloss Chardeuil aus dem 15. Jahrhundert, heute Sitz einer berufsbildenden Schule
- Schloss La Cousse aus dem 14. Jahrhundert, Umbauten aus dem 18. Jahrhundert. Der Turm, die Fassaden und Dächer des Wohngebäudes einschließlich der Eingangstreppe, das Eingangstor und der Vorhof des Schlosses sind seit 1962 als Monument historique eingeschrieben
- Schloss Glane aus dem 15. Jahrhundert, Umbauten aus dem 17. Jahrhundert, Fassaden und Dächer sowie die Umfassungsmauer des Innenhofs sind seit 1988 als Monument historique eingeschrieben
- Schloss La Reille aus dem 16. Jahrhundert, Fassaden und Dächer seit 1975 als Monument historique eingeschrieben
- Rathaus (Mairie)
- Taubenturm im Weiler Verdeney
- Kirche Saint-Martin
- Ehemalige Protestantische Kirche
- Kapelle Notre-Dame du Pont
- Schloss Conty
- Schloss Chardeuil, Ostfassade
- Schloss La Cousse
- Taubenturm beim Schloss La Cousse
- Schloss Glane
- Schloss La Reille
- Rathaus
- Taubenturm im Weiler Verdeney
Bildung
Die Gemeinde verfügt über
- die öffentliche Vor- und Grundschule (École primaire) „Alain Guichard“ und
- die öffentliche berufsbildende Schule „Chardeuil“.[12]
Wirtschaft
Erwerbstätigkeit
Im Jahre 2022 waren 323 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Coulaures erwerbstätig, entsprechend 74,2 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse, wobei der Anteil der Männer (75,8 %) höher war als bei den Frauen (72,7 %). Die Zahl der Arbeitslosen war mit 25 Personen im Jahr 2022 niedriger als im Jahr 2016 (37). Die Arbeitslosenquote sank entsprechend von 12,2 % (2016) auf 7,7 % (2022). Die Arbeitslosigkeit der Personen zwischen 25 und 54 Jahren sank dabei von 14,2 % im Jahr 2016 auf 5,0 % im Jahr 2022, bei Personen über 54 Jahren hat sich die Arbeitslosigkeitsrate hingegen mehr als verdoppelt.[13]
Branchen und Betriebe
50 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2023 in Coulaures wirtschaftlich aktiv:[13]
| Branche | ||
|---|---|---|
| Anzahl | % | |
| Gesamt | 50 | |
| Fertigung, Bergbau und andere Industrien | 7 | 14,0 % |
| Baugewerbe | 13 | 26,0 % |
| Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie | 5 | 10,0 % |
| Information und Kommunikation | 2 | 4,0 % |
| Immobilien | 1 | 2,0 % |
| Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten | 9 | 18,0 % |
| Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln | 7 | 14,0 % |
| Andere Dienstleistungen | 6 | 12,0 % |
Landwirtschaft
Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Polykulturen und/oder Mischbetriebe in der Tierhaltung.[14] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 70 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 58 im Jahr 2000, auf 31 im Jahr 2010 und auf 21 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 70 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche vergrößerte sich leicht von 1100 Hektar im Jahre 1988 auf 1112 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb vergrößerte sich signifikant von 15,7 Hektar auf 53 Hektar.[15][16][17]
Radwanderweg
Der Radwanderweg V56 von Metz nach Saint-Jean-Pied-de-Port durchquert das Gemeindegebiet. Er folgt der Via Lemovicensis, einem der vier Jakobswege in Frankreich.[18]
Verkehr
Die zur Departementsstraße D 705 herabgestufte ehemalige Nationalstraße N 705 führt von Sarliac-sur-l’Isle über Coulaures zur D 704, der herabgestuften ehemaligen Nationalstraße N 704 von Limoges nach Sarlat-la-Canéda. Nachgeordnete Departementsstraßen und lokale Landstraßen verbinden das Zentrum von Coulaures mit den Weilern der Gemeinde und mit Nachbargemeinden.
Regionalbusse einer Linie im Auftrag der Region Nouvelle-Aquitaine verbinden Coulaures mit Périgueux und mit Excideuil.[19]
Literatur
- Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
