Cross Industry Invoice
Standard für elektronische Rechnungen
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Cross Industry Invoice (CII) ist ein internationaler Standard für elektronische Rechnungen, der vom United Nations Centre for Trade Facilitation and Electronic Business (UN/CEFACT) entwickelt wurde.[1] Er dient der strukturierten elektronischen Übermittlung von Rechnungsdaten zwischen Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen.[2]
Die CII-Spezifikation zu den zwei in Europa zugelassenen Syntaxen für elektronische Rechnungen gemäß der Norm EN 16931.[3] Sie basiert auf der Richtlinie 2014/55/EU zur elektronischen Rechnungsstellung im öffentlichen Auftragswesen.[4]
Geschichte
Die Entwicklung des Cross Industry Invoice (CII) Standards geht auf eine Initiative des United Nations Centre for Trade Facilitation and Electronic Business (UN/CEFACT) zurück, um den internationalen Austausch elektronischer Rechnungen branchenübergreifend zu harmonisieren.[5] Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass zahlreiche nationale und sektorale Rechnungsformate die Interoperabilität zwischen Wirtschaftsbeteiligten erschweren.[6]
Die erste Fassung des CII-Standards (Version 1.1) wurde am 20. Februar 2006 vom UN/CEFACT-Steering-Committee (TBG) genehmigt und bildete die Grundlage für die internationale Standardisierung von elektronischen Rechnungsprozessen.[7] Ab 2008 wurde die Spezifikation im Rahmen mehrerer Revisionen (Version 2.00.01 bis 2.00.05) vollständig restrukturiert und an ein Supply-Chain-Modell angepasst, das Anforderungen aus verschiedenen Wirtschaftsbereichen – etwa Finanzen, Bauwesen und öffentlicher Verwaltung – integrierte.[8]
Die aktuelle Version 2.00.06 wurde am 30. Mai 2016 veröffentlicht. Sie enthält Erweiterungen in den Bereichen Steuerinformationen, Zahlungsbedingungen und Core Components sowie Ergänzungen zur Lieferketten-Verwaltung („Supply Chain Management“) gemäß den Beschlüssen des CEFACT-Forums in Genf.[9]
Im Oktober 2023 veröffentlichte UN/CEFACT zusätzlich einen Leitfaden („Executive Guide“) zur Einführung des CII-Standards im E-Invoicing, der Hinweise für Unternehmen und Behörden enthält.[10]
Technische Spezifikation
Die Business Requirement Specification (BRS) für Cross Industry Invoice beschreibt die geschäftlichen Anforderungen, Informationsobjekte und Nachrichtenelemente, die für die elektronische Rechnungsstellung erforderlich sind.[11] Sie definiert unter anderem strukturierte Informationen zu:
- Rechnungssteller und Rechnungsempfänger (z. B. Name, Adresse, Identifikationsnummern)
- Liefer- und Leistungsangaben (z. B. Menge, Einheit, Beschreibung)
- Steuer- und Zahlungsinformationen (z. B. Umsatzsteuer, Zahlungsfristen)
- Referenzen auf Bestellungen oder Verträge
- Beträge, Währungen und Gesamtsummen
- Regeln zur Validierung und Konsistenz der übermittelten Daten
Die BRS legt fest, welche Datenelemente in den zugehörigen XML-Nachrichten des Cross Industry Invoice (CII) zu verwenden sind. Diese technischen Nachrichten werden in gesonderten UN/CEFACT-Schema-Paketen definiert und basieren auf der UN/CEFACT-Datenmodellierungsmethodik (UMM).[12] Ziel dieser Spezifikation ist es, eine einheitliche Struktur für elektronische Rechnungsdaten zu schaffen und damit die Interoperabilität zwischen Systemen und Organisationen im B2B-, B2G- und internationalen Umfeld zu gewährleisten.[13]
Ein wesentliches Merkmal von CII ist seine branchenübergreifende Ausrichtung („cross-industry“). Der Standard deckt allgemeine Rechnungsfälle ab und lässt domänenspezifische Erweiterungen zu, ohne die Kernstruktur zu verändern.[14]
Umsetzung in Europa
Die CII-Syntax ist neben der Universal Business Language (UBL) eine der beiden von der Europäischen Kommission zugelassenen Syntaxen zur Umsetzung von EN 16931.[15] Durch diese Zulassung ist CII auf nationaler Ebene als technischer Standard für E-Rechnungen in vielen Mitgliedstaaten nutzbar.[16]
In Deutschland wurde mit der XRechnung ein nationales Profil zur Umsetzung von EN 16931 festgelegt. XRechnung unterstützt beide Syntaxen (UBL und CII) gleichwertig.[17] In weiteren europäischen Ländern wird CII über das PEPPOL-Netzwerk für den elektronischen Rechnungsaustausch verwendet.[18]
Verwendung
CII-konforme Rechnungen werden von Unternehmen und Behörden in mehreren Ländern eingesetzt. Sie finden Anwendung sowohl im elektronischen Rechnungsaustausch zwischen Unternehmen (B2B) als auch zwischen Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen (B2G).[19] Über das europaweit eingesetzte Netzwerk PEPPOL können CII-Rechnungen über interoperable Dienste übertragen werden.[20]