Cymin Samawatie

deutsche Sängerin, Bandleaderin und Komponistin From Wikipedia, the free encyclopedia

Cymin Samawatie (geboren 1976 in Braunschweig) ist eine deutsche Sängerin, Komponistin, Dirigentin und Gründerin mehrerer Orchester und Bands in der deutschen Musikszene. Ihre Eltern stammen aus dem Iran, so dass sie als Sängerin die persische Sprache verwendet. Das von ihr und dem Musiker Ketan Bhatti geleitete Trickster Orchestra wurde unter anderem mit dem Deutschen Weltmusikpreis, dem Deutschen Jazzpreis und dem Deutschen Kulturförderpreis ausgezeichnet.

Leben und Wirken

Als Tochter iranischer Migranten in Deutschland geboren und aufgewachsen, studierte Samawatie sowohl europäische klassische Musik an der Hochschule für Musik und Theater Hannover (Schlagwerk, Klavier und Gesang) als auch Jazz in den Fächern Gesang, Klavier und Komposition an der Universität der Künste Berlin.[1] Sie lebt in Berlin.

Die Musikerin hat sich insbesondere dem experimentellen Jazz verschrieben, arbeitet aber musikalisch-künstlerisch spartenübergreifend. 2002 gründete sie das Jazzquartett Cyminology, das neben Einflüssen des Jazz kammermusikalische zeitgenössische Musik und persische Lyrik verbindet.[2] 2003 trat sie als Sängerin mit dem Vokalkünstler Bobby McFerrin bei einem Konzert in Braunschweig auf.[3]

2013 initiierte sie gemeinsam mit Ketan Bhatti und Philip Geisler das Orchester Diwan der Kontinente, später umbenannt zu Trickster Orchestra. Es setzt sich aus Instrumentalisten der Berliner Philharmoniker und aus Syrien, Japan, China, Israel, Libanon, Sibirien und der Türkei zusammen.[4] Das Ensemble beansprucht, die Auskrucksmöglichkeiten einer Big-Band in zeitgenössische und hybride, postmigrantische Formen zu übersetzen, die sich durch kulturelle Vielfalt und das Aufbrechen von Identitäten auszeichnen.[1]

2014 bildete Samawatie das Ensemble Sunique mit Taiko Saitō, Martin Stegner und Ralf Schwarz und 2016 gründete sie ein Duo mit dem türkischen Musiker Korhan Erel. Sie ist auch auf Alben von David Rothenberg (Nightingale Cities)[5] und Christine Aufderhaar zu hören. Samawatie komponierte für unterschiedliche Besetzungen – von der Kammermusik bis zur Big Band, auch im Auftrag des Morgenland Festivals und für die Berliner Philharmoniker. 2017 kuratierte sie als künstlerische Leiterin das Berliner Festival „Female Voice of Iran“.[6][7]

Cyminology wurde mehrfach durch das Goethe-Institut auf Tourneen im Ausland eingeladen. So trat das Ensemble auf Einladung der Deutschen Botschaft und des Goethe-Instituts im November 2019 im Pakistan National Council of the Arts (PNCA) in Islamabad auf.[8] Im Februar 2026 nahm das Trickster Orchestra am Festival „Vom Anfangen“ im Konzerthaus Berlin teil.[9]

Auszeichnungen

2018 wurde Samawatie mit dem Deutschen Weltmusikpreis Ruth ausgezeichnet. Dessen Jury lobte sie als „eine der kreativsten Musikerinnen der deutschen Ethno-Jazz-Szene: Die Sängerin hat nicht nur mit ihrer Band Cyminology, sondern auch als Komponistin und Festival-Kuratorin dem Musikleben in Deutschland herausragende Impulse verliehen.“[10]

2022 erhielt das von Samawatie gemeinsam mit Ketan Bhatti initiierte und geleitete Trickster Orchester den Deutschen Jazzpreis als „Großes Ensemble des Jahres“.[11] Im selben Jahre wurde sie von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) mit dem Jazzpreis Berlin ausgezeichnet. Die Jury begründete ihre Entscheidung: „Als Pianistin, Sängerin, Komponistin und Ensemble-Leiterin vereint sie unterschiedlichste Kulturen und Sprachen zu sich gegenseitig inspirierenden Kunstformen.“[12] 2023 verlieh die GEMA ihr und Ketan Bhatti den Deutschen Musikautorenpreis in der Kategorie Komposition Interkulturelle Begegnung.[13]

Für das Projekt „Amphiphilie“ (2024) wurden Samawati und das Trickster Orchester mit dem Deutschen Kulturförderpreis 2025 ausgezeichnet. Der Titel des Projekts bezeichnet „das Auflösen stilistischer Grenzen in der Musik“. Dafür hatte das Trickster Orchestra unter Leitung von Samawatie und Ketan Bhatti in Zusammenarbeit mit der BASF in Ludwigshafen fünf Ensembles aus der Region in einem einzigen Orchester zusammengebracht. Beteiligte Ensembles waren die Deutsche Staatsphilharmonie, das Ensemble Colourage, das KlangForum Heidelberg, das Kurpfälzische Kammerorchester und das Orchester des Nationaltheaters Mannheim.[14] Das Projekt erkundete, wie Musik die Diversität einer postmigrantischen Gesellschaft widerspiegeln kann. Musiker aus unterschiedlichen kulturellen und musikalischen Kontexten erschufen dabei gemeinsam eine neue Klangästhetik. Dies führte dann am 23. Februar 2024 zur Uraufführung des von Cymin Samawatie und Ketan Bhatti komponierten Werks „Amphiphilie“.[15][16]

2025 wurden Samawati und Ketan Bhatti mit dem Friedlieb Ferdinand Runge-Preis der Stiftung Preußische Seehandlung für unkonventionelle Kunstvermittlung ausgezeichnet. Die Jury schrieb dazu: „Mehr noch als andere multi-ethnische musikalische Formationen zeichnet das Trickster Orchestra die Absicht aus, den durch Migration in Deutschland entstandenen musikalischen Reichtum sichtbar zu machen.“[1]

Diskographische Hinweise

  • Cymin Samawatie: Temas mit Angelika Niescier (ts), Neva Özgen (kemençe), Arslan Hazreti (kamança), Erdem Şimşek (bağlama), Duygu Demir (cello), Cem Önertürk (fl), Başak Yavuz (voc), Serkan Şener (kaval), Şevket Akıncı (g) (Iki Müziq, 2025)[17]

mit Cyminology[18]

  • Saburi (ECM Records 2010)
  • As Ney (ECM Records 2011)
  • Phoenix (ECM Records 2015)

mit Trickster Orchestra

  • Cymin Samawatie/Ketan Bhatti: Trickster Orchestra (ECM Records 2021)[19]

Rezeption

Samawaties Musik wurde vor allem in der deutschsprachigen Presse (Der Spiegel,[20] Qantara.de,[2] Neue Musikzeitung,[21] Jazzzeitung,[22] Jazz Echo[23]), aber auch im Ausland (Festival Internacional de Jazz de Loulé (Portugal),[24] Citizenjazz (Frankreich),[25] Dawn (Pakistan),[26] All About Jazz (USA),[27] Irish Times (Irland)[28]) besprochen.

In einem Porträt über Samawatie und das Trickster Orchestra schrieb die Tageszeitung, ihre Musik „präsentiert zwar auch nicht-europäische Sounds, Instrumente und Musiker*innen, doch weder werden sie ausgestellt, noch ordnet man sie dem hiesigen Kulturkanon unter.“ Weiterhin wurde die Sichtweise ihrer Musik wie folgt zitiert:[29]

„Jazztradition ist immer schon politisch, sie nimmt existierende Traditionen auf und formt daraus eine eigene Ästhetik, sie hatte immer mit Migration und der Kulturpraxis von Minderheiten zu tun.“

Einzelnachweise

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