Daculi

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Daculi ist eine Phantominsel, die im Nordatlantik nordwestlich von Irland verortet wird. Obwohl sie auf mehreren Portolankarten des 14. und 15. Jahrhunderts dargestellt ist, existieren keine Berichte, dass jemand diese Insel gesehen oder betreten hat.

Kartendarstellung

Portolan von Angelino Dalorto 1325; Daculi ist die rote, rechteckige Insel am linken Kartenrand

Die bislang früheste bekannte Darstellung der Insel Daculi ist auf dem Portolan von 1325[Anm. 1] des genuesischen Kartografen Angelino Dalorto (auch: Angellino de Dalorto oder dell'Orto; wahrscheinlich identisch mit: Angelino Dulcert[1.1]) zu finden. Die Karte zeigt eine ungefähr rechteckige, rot eingefärbte Insel nordwestlich von Irland (Irlanda ut Hybernja). Die Küstenstruktur ist durch mehrere flache Buchten zerteilt; weitere topographische Details sind kartografisch nicht erfasst. Auf dem fast 15 Jahre später entstandenen Portolan von Angelino Dulcert aus dem Jahr 1339 ist sie auf der gleichen Position nordwestlich von Irland (hIRLAND) als „Jnsul diculy“ eingezeichnet.

Der acht Kartenblätter umfassende Medici-Atlas (Atlante Mediceo, auch: Portalono Laurenziano-Gaddiano) besteht aus acht Kartenblättern. Er wird auf das Jahr 1351 datiert, dürfte aber eine Sammlung von Seekarten aus verschiedenen Epochen umfassen.[1.2] Tafel 2 ist die berühmte Weltkarte, die Europa bis zum hohen Norden, Asien bis zum Golf von Bengalen und den bis dahin bekannten Teil von Afrika zeigt. Nördlich von Irland sind drei Inseln eingezeichnet. Die Insel, die wahrscheinlich Daculi darstellt, ist im Vergleich zum Dalorto-Portolan größer und „Insul Dach“ (?) benannt. Das Kartenblatt ist nicht besonders gut erhalten, sodass der Name nur undeutlich zu lesen ist.[2.1]

Auf dem Portolan von 1367 der Gebrüder Domenico and Francesco Pizzigano, Kartenmacher aus Venedig, erhielt sie den Namen „Insuldacr“ und ist als etwa kreisförmige, dunkelblau eingefärbte Insel eingetragen. Die Position nordwestlich von Irland (IRLANDA) haben die Brüder Pizzigano aus der Dalorto-Karte übernommen.

Der Priester und Kartograf Bartolomeo Trincherio di Pareto (oder Bartolomeo Pareto) aus Genua hat 1455 die „Jnsuldaculi“ als exakt kreisförmige, rot eingefärbte Insel nordwestlich von Irland positioniert. Obwohl von ihm nur dieser eine Portolan erhalten ist, der wahrscheinlich für Papst Nikolaus V. angefertigt wurde[1.3] (er befindet sich heute nicht mehr im Vatikan, sondern in der Biblioteca Nazionale Centrale di Roma), wird Pareto als einer der besten Kartenmacher Genuas beschrieben.[1.4] Neben der Insel Daculi positionierte Pareto die folgende, rätselhafte Erläuterung: „Item est altera insulla nomine Bra in qua femine que in insulla ipsa habitant non pariuntur sed quando est eorum tempus pariendi feruntur foras insulla et ibi pariuntur secundum tempus“ („Es gibt eine andere Insel namens Bra, auf der die Frauen, die auf der Insel selbst leben, nicht gebären, sondern wenn ihre Zeit zur Geburt gekommen ist, werden sie von der Insel weggebracht und gebären dort, gemäß der Zeit“). Bra ist auf der Pareto-Karte eine weitere Phantominsel, die auch auf einigen anderen spätmittelalterlichen Karten nördlich oder nordwestlich von Irland platziert ist. Sie könnte mit der Insel Barra identisch sein, der größten Insel der Äußeren Hebriden in Schottland.[3.1] Alternativ erscheint eine Identifikation mit der mythischen Brasilinsel oder Hy-Brasil aus der irischen Folklore als plausibel.[4]

Mit dem Beginn des 16. Jahrhunderts waren die Gewässer rund um die Britischen Inseln den italienischen Kartografen weitgehend bekannt, sodass Daculi allmählich von den Karten verschwand. Eine der letzten Karten, auf denen Daculi verzeichnet ist, stammt von Lorenz Fries aus dem Jahr 1522. Lorenz Fries, auch Lorenz Phryes, latinisiert Laurentius Frisius or Phrisius (* um 1490; † 1531/32 in Metz)[5] war Arzt und Kartenmacher aus dem Elsass, der mit dem Verleger und Buchdrucker Johannes Grüninger mehrere medizinische Fachbücher und Landkarten herausgab. Das kartografische Hauptwerk, an dem Fries and Grüninger arbeiteten, war eine neu bearbeitete Edition der Geographia von Claudius Ptolemäus, die von Grüninger und später seinem Sohn Christoph in mehreren Auflagen veröffentlicht wurde.[6] Die Ausgabe von 1535 enthält eine Karte der Britischen Inseln mit dem Titel: „Tabu[la] Moder[nia] Anglie[a] & Hiber.[nia]“ (Neue Karte von England und Irland). Die Insel „danchuli“ ist als unregelmäßig kreisförmige Insel nordwestlich von Irland (HIBERNIA SIVE IRLANDA) eingezeichnet.

Fazit

Die Insel existiert nur auf mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Karten. Beschreibungen liegen nicht vor, da niemand die Insel gesehen oder betreten hat. Im frühen 16. Jahrhundert, nachdem die nordeuropäischen Gewässer regelmäßig von italienischen Handelsreisenden befahren wurden, verschwanden zahlreiche Phantominseln aus den Atlanten, darunter auch Daculi.

Anmerkungen

  1. Am linken Kartenrand befindet sich die Aufschrift: Hoc opus fecit Angellinus de Dalorto ano domini MCCCXXV (?) de mense martii conposuit hoc (Dieses Werk schuf Angellinus de Dalorto im Jahr des Herrn 1325 im Monat März). Das Datum ist nicht in allen Teilen deutlich lesbar, so bleibt zweifelhaft, ob die letzte lateinische Ziffer eine V oder X ist. Das Datum 1325 könnte daher auch 1330 lauten.

Einzelnachweise

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