Danewerk
System von ehemaligen zumeist dänischen militärischen Befestigungen
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Das Danewerk (veraltet Dannewerk, dänisch Dannevirke, auch Danevirke, altdänisch danæwirchi; wörtlich „das Werk der Dänen“) ist ein komplexes System dänischer Grenzbefestigungen, das im Frühmittelalter zur Sicherung der dänischen Südgrenze geschaffen wurde und sich im heutigen nördlichen Schleswig-Holstein befindet. Es besteht hauptsächlich aus Wällen mit Wehrgräben und dem Schlei-Seesperrwerk. Die meisten Wälle wurden zwischen der Schlei im Osten, der Treene im Westen und der Rheider Au im Süden angelegt. Mit ihnen ließ sich die nur 17 Kilometer breite Schleswiger Landenge zwischen der Schlei und der Treene kontrollieren.

1 Krummwall, 2 Hauptwall, 3 Nordwall
Thyraburg: am nordöstlichen Ende des Hauptwalls (2)
4 Verbindungswall zur Anbindung von Haithabu (rote Fläche: Haithabu)
Halbkreiswall: rings um Haithabu, am östlichen Ende des Verbindungswalls
5 Kograben
6 Schlei-Seesperrwerk
7 Osterwall als Verbindung zum Windebyer Noor
Weitere Wälle im Umfeld des Danewerks
Kurzer Kograben: südlich der Mitte des Kograbens (5)
8 Stummes Werk
9 Wälle im Waldgebiet Tiergarten

Rechts: derselbe Ausschnitt wie im oberen Bild. Die gelben Pfeile weisen auf den geringen Abstand zwischen den Wasserwegen Schlei und Rheider Au hin.
Das Danewerk wurde im Lauf von Jahrhunderten immer weiter ausgebaut. Zuerst wurde der Hauptwall angelegt. Spätestens um 700 folgte der Krummwall als Verlängerung nach Westen. Ab 737 entstanden innerhalb weniger Jahre der Nordwall, der Osterwall im Osten und das Schlei-Seesperrwerk. Im 10. Jahrhundert entstanden der Halbkreiswall der Handelssiedlung Haithabu und ein Verbindungswall dorthin sowie südlich davon der sogenannte Kograben. Der zuvor schon mehrmals ausgebaute Hauptwall wurde schließlich im 12. Jahrhundert, im Hochmittelalter, mit der Waldemarsmauer verstärkt.
Im 19. Jahrhundert erlangte das Danewerk eine besondere Bedeutung als nationales Symbol für Dänemark. Während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung (1848–1851) wurde es militärisch genutzt. Anfang der 1860er Jahre, im Vorfeld des Deutsch-Dänischen Krieges (1864), wurde das Danewerk mit Schanzen ausgebaut. In dieser Zeit wurde es stark umgestaltet.
Die Wallzüge sind heute noch zu etwa 80 % der Strecken erhalten, zum Teil allerdings stark verschleift. Die Relikte des Danewerks gelten als das größte archäologische Denkmal Nordeuropas. Am 30. Juni 2018 wurde das Danewerk zusammen mit Haithabu als Archäologischer Grenzkomplex Haithabu und Danewerk zum UNESCO-Welterbe erklärt.
Bestandteile
Hauptwall
Der 5,5 Kilometer lange Hauptwall ist der zentrale Bestandteil der Wallanlagen. Er beginnt im Osten am ehemaligen Dannewerker See und verläuft von dort in südwestlicher Richtung bis in die Flussniederung der Rheider Au. Der Hauptwall war der erste Wall des Danewerks. Er wurde im Lauf von Jahrhunderten mehrmals ausgebaut und dabei immer größer dimensioniert. Auch die letzte große Bautätigkeit am Danewerk – die Errichtung der Waldemarsmauer – diente der Verstärkung des Hauptwalls und war mit einem gewaltigen Ausbau der ganzen Wallanlage verbunden. Die nachfolgende Einteilung in sechs Hauptwall-Bauphasen entspricht der Darstellung auf der Website zum UNESCO-Kulturerbe „Archäologischer Grenzkomplex Haithabu und Danewerk“.[2]

• I und II Erdwall
• III Sodenwall
• IV Palisadenwall (nicht dargestellt)
• V mit Feldsteinmauer (= IV in der Grafik)
• VI mit Waldemarsmauer.
3D-Grafik: Willi Kramer
Phasen I bis II: Erdwälle
Zwei Erdwälle von 1,8 bzw. 2,2 Meter Höhe und Breiten von um sechs Meter sind bisher nur im Hauptwallzug erkannt und an vier Stellen dokumentiert worden.[3][4][5][6] Das Alter dieser frühen Erdwälle konnte nicht genau bestimmt werden. Das Danevirke Museum gibt als Baubeginn des Hauptwalls den Zeitraum 450 bis 500 an.[7]
Astrid Tummuscheit und Frauke Witte setzen aufgrund ihrer Ausgrabung eine einzige Bauphase an, in der ein Erdwall errichtet wurde, und nennen diese älteste Bauphase des Hauptwalls mit Bezug auf die traditionelle Einteilung „Phase 1/2“.[8]
Phase III: Sodenwall
In Phase III war der Hauptwall ein Sodenwall, ein Wall aus Gras-, Heide- und Torfsoden. Er war 18 Meter breit, etwa vier Meter hoch und hatte keinen Wehrgraben. Der Sodenwall ist im gesamten Hauptwallzug vorhanden.[9][10][11] Er geht im Westen in den Krummwall über, dessen Bauweise ähnlich ist.
C14-Datierungen von Hölzern wiesen zunächst auf eine Erstellung um 700 hin.[Anm. 1] Im Jahr 2013 ergaben C14-Analysen anhand von Heidesoden jedoch eine wesentlich ältere Datierung.[12][13] Die neuere Datierung spricht für einen Baubeginn schon im 5. Jahrhundert.[Anm. 2]
Phase IV: Palisadenwall
Unter anderem laut Helmuth Andersen,[14] Andres S. Dobat[15] sowie Astrid Tummuscheit und Frauke Witte[16] wurde der Sodenwall um 740 als Palisadenwall erneuert. Eine robuste Holzpalisade diente als Front eines neuen Sodenwalls. Andersen wie auch Tummuscheit und Witte verwiesen auf Ähnlichkeiten zu Nordwall und Osterwall. Bei diesen Palisadenwällen hatte man ebenfalls außerordentlich große Pfostengruben gefunden. Die Pfosten des Palisadenwalls wurden dann beim Bau der Feldsteinmauer wiederverwendet. Allerdings fehlen jegliche Nachweise einer entsprechenden Bauschicht im Wallgefüge, da die Feldsteinmauer in die Front des Sodenwalls eingebaut worden ist. Der Palisadenwall beruht demnach auf einem Analogieschluss ohne stratigraphischen Nachweis.
Phase V: Feldsteinmauer

Die Feldsteinmauer im Hauptwallzug besteht aus einer in Lehm gesetzten Feldsteinmauer und einem dahinterliegenden, etwa 17 Meter breiten und 3,5 Meter hohem Erdwall. Die Mauer ist an der Basis 2,8 Meter breit und war ursprünglich etwa drei Meter hoch. Vor ihr lag eine 3–4 Meter breite Berme, die in einen Wehrgraben von fünf Meter Breite und bis zwei Meter Tiefe überging.[17] Für die Mauer wurden bis zu 20 Millionen Feldsteine als Baumaterial verwendet, die von den Jungmoränenflächen abgesammelt und zu den Standorten in der Geest transportiert wurden. Der Holzverbrauch war enorm; alle 1,8 Meter ragten dicke Eichenbohlen durch die Mauer hindurch bis an deren Oberfläche, wo vermutlich waagerechte Planken angebracht waren.[17]
Bei der Ausgrabung durch Willi Kramer an der Kreuzung von Hauptwall und Ochsenweg in Klein Dannewerk (1983) war im Mauerprofil eine untere Lage mit großen Steinen zu sehen, darüber Schichten kleinerer Steine. Dazwischen gab es keine Trennschicht. Der verwendete Lehm war durchgehend vom gelben Typ. Im Innern der Mauer stellte Kramer in regelmäßigem Abständen angelegte, röhrenförmige Aussparungen im Mauergefüge fest. An der Mauerbasis zeigten sich in der Verlängerung der röhrenförmigen Formationen ungewöhnlich große Pfostengruben, die noch 1,1 Meter in die Tiefe reichten. Der obere Rand der Pfostengruben war mit Steinen umstellt (im Gegensatz zu den Pfostengruben des Nordwalls und des Osterwalls). An der Sohle der Pfostengruben und im Grundwasser waren Reste von Eichenbohlen erhalten. Die Eichenbohlen ragten ursprünglich durch die Aussparungen in der Mauer und ließen an deren Oberfläche eine Palisadenwand errichten.[17]
- Ausgrabung 1983 (Blick nach Osten). Vorn die freigelegte Basis der Feldsteinmauer. Zwei Pfostengruben sind mit Feldsteinen gefüllt. Dahinter der Hauptwall im Profil, von links: Sodenwallreste, Feldsteinmauer, Mauerversturz über der Berme und Ansatz des einphasigen Grabens.
- Ausgrabung 1983: steinumstellte Pfostengrube unter der Feldsteinmauer. Hinten, unten: Rest einer 15 cm dicken und 50 cm breiten Eichenbohle, der im Grundwasser erhalten blieb (seitlich angeschnitten).
Nur 50 Meter südwestlich der Ausgrabung von 1983 fanden 2010–2014 Ausgrabungen am Hauptwall statt. Dabei zeigte sich in der Feldsteinmauer wieder eine unterschiedliche Legungsweise der Steine. Die untere Lage unterschied sich in der Größe der Steine von den darüberliegenden Lagen. Unten wurde zudem grauer und darüber gelber Lehm verbaut. Die Ausgräberinnen Astrid Tummuscheit und Frauke Witte gehen wie schon Hellmuth Andersen davon aus, dass die Pfostengruben ursprünglich einem Palisadenwall zugehörig waren und später für die Feldsteinmauer wiederverwendet wurden.[18]
In der Literatur finden sich verschiedene Angaben zur Datierung des Feldsteinmauer:
- Bei der Ausgrabung durch Willi Kramer (1983) erbrachten vier Blockbohlen, die von 220 bis 250 Jahre alten Bäumen stammten, eine Datierung um 740. Kramer erkannte die Bohlen als konstruktiv zur Mauer gehörig und datierte somit die Feldsteinmauer auf diese Zeit. Bis dahin hatte die Feldsteinmauer als ein Bauwerk des 12. Jahrhunderts gegolten. Bei Kramer ist von einer vorangehenden Bauphase „Palisadenwall“ nicht die Rede.[17]
- Andres S. Dobat (2008) kam zu der Einschätzung, dass die Feldsteinmauer entweder gleichzeitig mit der Fertigstellung des Palisadenwalls oder kurz danach gebaut wurde.[15]
- Astrid Tummuscheit und Frauke Witte gehen nach ihrer Ausgrabung (2010–2014) davon aus, dass die Feldsteinmauer einige Jahrzehnte jünger ist als der Palisadenwall.[18]
Phase VI: Waldemarsmauer

Der dänische König Waldemar I. der Große veranlasste zwischen 1162 und 1170 den Bau einer etwa vier Kilometer langen massiven Ziegelmauer am Hauptwall. Die Waldemarsmauer war die letzte große Ausbaustufe des Hauptwalls. Ursprünglich war die Mauer zwischen vier und fünf Meter hoch. An ihrer Basis ist sie etwa zwei Meter breit, nach oben hin verjüngt sie sich. Der hinter ihr befindliche Erdwall war aufgehöht worden. Der Graben ist als Sohlgraben ausgebildet mit einer Tiefe von etwa zwei Metern und einer Breite von etwa 22 Metern. Als Besonderheit lag vor dem Graben ein flacher Vorwall.
Die Waldemarsmauer ist nicht nur der älteste, sondern auch der größte weltliche Ziegelbau im nördlichen Europa. Sie ist heute eine Ruine, die größtenteils unter der Erde des Hauptwalls verschwunden ist. Nur ein 80 Meter langer Abschnitt wurde freigelegt. Dieses sichtbare Stück der Waldemarsmauer ist eine der Attraktionen im Archäologischen Park des Danevirke Museums.
Krummwall

Der 7,5 Kilometer lange Krummwall entstand um 700[Anm. 3] als westliche Verlängerung des Hauptwalls bis nach Hollingstedt an der Treene. Ebenso wie der Sodenwall war er um 18 Meter breit und hatte keinen Graben. Er wurde entlang der sumpfigen Niederungen an der Rheider Au gebaut, woraus sich sein krummer Verlauf ergab. Der Krummwall wurde als Sodenwall gebaut, entsprechend der Bauphase III des Hauptwalls. Nach dem Bau des Krummwalls war das nun aus Hauptwall und Krummwall bestehende Danewerk mehr als zehn Kilometer lang.[7] Der Krummwall ist über eine Strecke von 800 Metern hervorragend erhalten.
Ausbau um 737
In dieser Ausbauphase wurde das Danewerk in kurzer Zeit stark erweitert. Der Hauptwall wurde erheblich verstärkt (Palisadenwall), im Norden und im Osten wurden neue Palisadenwälle geschaffen. Mit dem Schlei-Seesperrwerk kam außerdem eine maritime Komponente hinzu.
Nordwall
Der ursprünglich 1,6 Kilometer lange Nordwall war ein 14 bis 15 Meter breiter Wall mit einer sehr starken Frontbefestigung. Diese bestand auf den höheren Moränenstrecken aus starken Holzpfosten, von denen aber nur die bis 1,5 Meter tiefen Pfostengruben erhalten blieben. Im feuchten Niederungsbereich beim Pulverholzbach war die Front aus einem massiven Rahmenwerk aus Eichenhölzern gebildet.[19] Eine der ehemaligen Frontplanken war 5,5 Meter lang und 0,4 Meter breit. Vor dem Wall lag eine drei Meter breite Berme, gefolgt von einem fünf Meter breiten und drei Meter tiefen Wehrgraben.
Ausgrabungen fanden in den Jahren 1933[20] sowie 1971 und 1973[21] statt. Aus den Holzfunden stammen zwei jahrgenaue dendrochronologische Datierungen: Der Nordwall wurde im Jahr 737 errichtet. Er ist heute nur noch über eine Strecke von 700 Metern erhalten. Der alte Wallkörper ist stark verschleift. Auf seiner Kuppe verläuft eine verwucherte, erodierende Wallhecke.
Osterwall

Der Osterwall besteht aus zwei Abschnitten nordwestlich und östlich von Kochendorf. Die Länge ist nicht genau feststellbar, weil unklar ist, ob der Wall früher auch im Gebiet des heutigen Ortes Kochendorf verlief. Der Osterwall verbindet die Niederung der Osterbek mit dem Windebyer Noor. Er sperrte damit eine Passage zwischen der Großen Breite der Schlei und der ehemaligen Ostseebucht Windebyer Noor. Er ließ so den Zugang zur Halbinsel Schwansen kontrollieren.[22]
Die Datierung ist unsicher,[22] außerdem ist hier die unterschiedliche Bauweise der beiden Abschnitte zu beachten. Im westlichen Teil war der Osterwall ein Palisadenwall ohne Graben.[23] Es wird angenommen, dass der westliche Abschnitt zur selben Zeit wie der ähnlich gebaute Nordwall errichtet wurde, also in den Jahren 737–740.[22] Der kürzere östliche Teil war ein einfacher Sodenwall mit Graben. Entsprechend könnte er wesentlich älter sein.[23] Größere Teile des Osterwalls sind aufgrund von Erosion und Abtrag nicht mehr vorhanden oder stark beschädigt.[22]
Schlei-Seesperrwerk

Das Seesperrwerk in der Schlei wurde um 740 als Holzkonstruktion erbaut. Unter Wasser war das Sperrwerk aus annähernd quadratischen Blockbau-Segmenten zusammengesetzt. Die Bauweise über Wasser ist nicht bekannt.
Das Sperrwerk ist west-östlich ausgerichtet, die ursprüngliche Länge wird auf 1,6 Kilometer geschätzt. Das Sperrwerk setzt an der südlichen Spitze der Schlei-Halbinsel Reesholm an. Ein westliches Stück reicht in die Kleine Breite der Schlei hinein. Der längere östliche Teil reicht bis zum Kockbarg, einer Erhebung im Seeboden östlich von Reesholm.
Das Seesperrwerk sollte an einer Engstelle der Schlei die Überquerung der Schlei nach Norden verhindern oder erschweren. Außerdem ermöglichte es eine bessere Kontrolle des Schiffsverkehrs.
Wikingerzeitliche Wälle
Im 10. Jahrhundert, das zur Wikingerzeit gehört, kamen drei neue Wallanlagen dazu: Der Handelsort Haithabu (Hedeby) wurde mit einem hohen Halbkreiswall umgeben. Anschließend wurde zwischen dem Hauptwall und Haithabu ein Verbindungswall errichtet. Im Süden wurde außerdem der Kograben als eine Vorsperre angelegt.
Halbkreiswall

Wann der Halbkreiswall rings um Haithabu erbaut wurde, ist nicht genau bekannt. Je nach Quelle wird angegeben: „nach 930“[7], „Mitte des 10. Jahrhunderts“[24], „ab 950“[25] oder „zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts“.[26] Wegen der Unklarheit, in welchem Jahr der Bau begann und in welchem Jahr der dänische König Gorm starb, kommen sowohl Gorm als auch sein Sohn und Nachfolger Harald Blauzahn als Auftraggeber in Frage.
Der Halbkreiswall ist rund 1300 Meter lang und erreicht heute im Süden eine Höhe von mehr als zehn Metern. Es war ein Sodenwall mit einem Graben an der Front. Er wurde in mehreren Stufen ausgebaut. In der ersten Phase war er vier Meter breit und nur zwei Meter hoch. In der letzten Phase war er rund sieben Meter hoch, der Graben war dann sechs Meter breit und mindestens zwei Meter tief. Es gab jeweils ein Tor im Norden und im Süden. Im Südwesten waren einst zusätzliche Befestigungen im Außenbereich vorhanden. Zusätzlich zum Graben an der Wallfront gab es im Abstand von etwa 70 Metern und 130 Metern weitere Gräben sowie noch weiter entfernt einen Vorwall.[25] Während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung wurde der Halbkreiswall 1848 von dänischen Pionieren stark überbaut und erweitert.[27]
Ob der Halbkreiswall dem Danewerk zugerechnet wird, ist eine Frage der Betrachtungsweise und des Kontextes. Der Halbkreiswall diente in erster Linie dem Schutz der Stadt Haithabu. Entsprechend wurde er im Welterbe-Antrag für Haithabu und das Danewerk thematisch nicht dem Danewerk, sondern dem Ort Haithabu zugeordnet;[25] so auch bei KuLaDig.[28] Andererseits bildete der Halbkreiswall mit dem Verbindungswall eine bauliche und funktionelle Einheit. Ohne den Halbkreiswall hätte das Danewerk ausgerechnet bei Haithabu, das seinerzeit die wichtigste Stadt im dänischen Königreich war,[7] eine etwa 500 Meter breite Lücke gehabt. Der Danewerkforscher H. Hellmuth Andersen rechnet den Halbkreiswall zum Danewerk,[29] ebenso das Danevirke Museum.[7]
Verbindungswall

Harald Blauzahn ließ den 3,3 Kilometer langen, annähernd geradlinigen Verbindungswall errichten, um die Siedlung Haithabu an das Danewerk anzuschließen.[7] Dass der Verbindungswall zur Regierungszeit Harald Blauzahns gebaut wurde, ist durch Datierungen von Hölzern auf die Jahre 964/65[Anm. 4] bzw. 968[Anm. 5] gesichert.
Der Verbindungswall beginnt im Westen am ehemaligen Dannewerker See als 800 Meter langer Doppelwall, der bis zur Autobahn reicht. Dem Doppelwall im Norden vorgelagert, zwischen Doppelwall und Nordwall, befinden sich die Reste des 500 Meter langen Bogenwalls, die heute obertägig kaum noch erkennbar sind. Östlich der Autobahn durchquert der Verbindungswall die Busdorfer Schlucht (hier wird er auch „Reesendamm“ genannt) sowie den Ort Busdorf. An seinem östlichen Ende setzt er am Halbkreiswall von Haithabu an. Die heutige kurze Lücke zwischen Verbindungs- und Halbkreiswall stellte sich als ursprünglich heraus. Der morastige Boden war hier durch eine Bohlenlage gangbar gemacht worden.[30]
Der Verbindungswall wird volkstümlich „Margarethenwall“ genannt (auch Margaretenwall geschrieben).[Anm. 6] Es ist nicht klar, welche Margarethe die Namensgeberin ist. Laut dem Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein könnte es sich um die Herrscherin Margarethe I. († 1412) oder die Regentin Margarete Sambiria († 1282) handeln.[31]


H. Hellmuth Andersen und Hans Jørgen Madsen erforschten den Doppelwall 1970/71 und 1973 im Vorfeld des Autobahnbaus. Der nördliche der beiden Wälle besteht aus Lehm und Sand, an der Oberfläche und an der Front wurden Heidesoden verwendet. Die Forscher erkannten beim nördlichen Wall zwei Bauphasen. Der erste Wall war 13 Meter breit und mindestens zwei Meter hoch, der zweite Wall war 18 Meter breit bei unbekannter Höhe. Der südliche Wall (Wall 3) war elf Meter breit und bis zwei Meter Höhe erhalten; Andersen fasste ihn als Vorwall auf.[32]
Andersen führte im Jahr 1990 eine Ausgrabung bei Busdorf dicht westlich der Bahnlinie durch. Der Wall war hier zur Hälfte verschleift, die Front 1850 durch dänische Pioniere herausgeschnitten worden,[30] doch ließen sich die Breiten messen. Die ehemaligen Höhenmaße schätzte Andersen anhand älterer Messungen. Er stellte einen Wallaufbau in drei Phasen fest. Der erste Wall war etwa 13 Meter breit und um vier Meter hoch. In der zweiten Phase war der Wall 17 Meter breit und fünf Meter hoch. In der dritten Phase war er 20 Meter breit und bis zu 6,5 Meter hoch. In dieser Phase kam im Abstand von sechs bis sieben Metern ein V-förmiger Wehrgraben hinzu, der bis zu zwei Meter tief und 5,5 Meter breit war.[33]
Kograben

Der 6,5 Kilometer lange sogenannte Kograben war ein Palisadenwall mit einem V-förmigen, um 2,5 Meter tiefen Graben. Er setzte am Selker Noor an und verlief schnurgerade bis zur Niederung der Rheider Au.
Wahrscheinlich ließ der dänische König Harald Blauzahn den Kograben kurz nach 983 errichten, als er ein Gebiet südlich des Danewerks erobert hatte, das zuvor unter ostfränkischer Herrschaft gestanden hatte.[34]
Thyraburg

Die Thyraburg (Lage) zeigt sich als künstlich geschaffenes Plateau am ehemaligen Dannewerker See, der als See ein natürliches Hindernis bildete, heute aber nur noch eine feuchte Niederung ist. Die Thyraburg wurde am nordöstlichen Ende des Hauptwalls auf dessen Rückseite geschaffen.[35] Einige hundert Meter nördlich, am östlichen Ufer des Dannewerker Sees, endeten der Nordwall und später auch der Verbindungswall.[36] Das Plateau ist ungefähr rechteckig (57 × 46 Meter), südöstlich ist eine ebenfalls rechteckige Terrasse (54 × 31 Meter) vorgelagert. An den westlichen und nördlichen Seiten verlaufen flache Gräben als Reste ehemaliger Wehrgräben. Das Alter der Anlage ist nicht bekannt. Auf der Oberfläche wurde Keramik aus dem Hochmittelalter gefunden.[35]
Thyraburgdamm

In einer Senke am westlichen Rand der Thyraburg wurde in den 1970er Jahren der sogenannte Thyraburgdamm entdeckt (Lage). Diese Dammanlage aus Hölzern in Blockbautechnik sollte wohl den Hauptwall stabilisieren und die Ost-West-Passage zur Thyraburg sicherstellen.[35] Der dänische Danewerkforscher Henning Hellmuth Andersen und Hans Jørgen Madsen vom Moesgaard Museum in Aarhus fanden die Holzkonstruktion im Jahr 1972.[37]
Andersen und Madsen fanden ein 6 × 4 Meter großes Kastenbauwerk aus Eichenbalken, das im feuchten Sediment sehr gut erhalten geblieben war. Die Datierung durch die damals neu eingeführte Dendrochronologie (Analyse der Jahresringe) ergab das unerwartete Datum 737; bis dahin galt die Erwähnung in den Fränkischen Reichsannalen vom Jahre 808 als ältestes Danewerkdatum. Das 1972 entnommene Bauwerk ist im Moesgaard Museum ausgestellt. Über dem Kastenbauwerk lagen Reste eines Werkes, das in der Mitte des 10. Jahrhunderts erstellt wurde („um 940 +14/–6 Jahre“).[37]
Nördlich des Thyraburgdamms wurde eine Holzpackung aus dem Jahr 730 festgestellt.
Tore am Danewerk
Darstellung in historischen Quellen


Laut den Fränkischen Reichsannalen von 808 hatte das Danewerk ein einziges Tor („una tantum porta“) als Durchlass für Wagen und Reiter. Der Bericht in den Fränkischen Reichsannalen ist bezüglich des Danewerks jedoch historisch falsch (siehe unten).
Thietmar von Merseburg erwähnte in seiner Chronik (1018) ein Tor namentlich. Als Kaiser Otto II. die Dänen am Danewerk angriff, habe er dort „das Tor, das Wieglesdor genannt wird“, gesehen.[39] Der dänische Chronist Saxo Grammaticus († nach 1216) sprach von „Toren“ in der Mehrzahl, als er berichtete, wie Magnus Nilsson sich im Jahr 1131 auf eine Schlacht vorbereitete: „Magnus […] bemühte sich um die Befestigung des Walles und sorgte für eine starke Wache an den Toren.“[40]
Tor im Hauptwall
Nahe der historischen Kreuzung von Hauptwall und Ochsenweg, in unmittelbarer Nachbarschaft des Danevirke Museums in Klein Dannewerk, fanden in den Jahren 2010/2011 und 2013/2014 Ausgrabungen statt.[41] Dabei wurde im Jahr 2010 ein Tor im Hauptwall gefunden – sehr wahrscheinlich jenes Tor, das in den Fränkischen Reichsannalen von 808 erwähnt und später „Wieglesdor“ (oder „Wiglesdor“) genannt wurde. Die Entdeckung machte in den Medien Schlagzeilen.[42][43][44]
Das Tor zeigte sich in der Ausgrabung als eine 6 Meter breite Unterbrechung in der Feldsteinmauer. Folglich existierte es spätestens seit der Errichtung der Feldsteinmauer im 8. Jahrhundert. Es wurde mindestens 450 Jahre lang genutzt, bis es vermutlich im 13. Jahrhundert verfüllt wurde. Im Bereich des Tores wurde der Rest eines unbefestigten Weges in Form eines Hohlwegs mit einer 3,4 Meter breiten sandigen Ablagerung gefunden. Ferner fand man ca. 5–7 cm breite und 2–6 cm tiefe Mulden, die als Abdrücke von hölzernen Wagenrädern interpretiert wurden. Weitere Spuren des jahrhundertelangen Verkehrs von Fuhrwerken wurden nicht gefunden. Wahrscheinlich wurden Holzplanken auf den Fahrbahnen verlegt, die später entfernt wurden und deshalb keine Spuren hinterließen.[41] Auch Tuffsteine wurden gefunden. Dieses Baumaterial stammte aus der Eifel und wurde im 12. Jahrhundert nach Schleswig transportiert. Die Funde belegen, dass der Handelsweg ab Hollingstedt an der Treene zu Land und durch dieses Tor verlief.[41][45]
Weitere Danewerk-Tore
Ein vier Meter breites Tor am Kograben wurde 1972 im Zuge des Baus der Autobahn A 7 gefunden.[46] Es wird vermutet, dass es ein weiteres Tor am Kograben gab, durch das der Ochsenweg verlief.[34] Im westlichen Abschnitt des Osterwalls wurde ebenfalls ein Tor nachgewiesen. Ein alter „Heerweg“ kreuzte an dieser Stelle den Osterwall. Das Tor lag 200 Meter östlich der Furt Dürwade (dänisch Dyrvad = „Torfurt“).
Erwähnung in den Fränkischen Reichsannalen

Das Danewerk wurde erstmals in den Fränkischen Reichsannalen des Jahres 808 erwähnt, und zwar als ein „Wall“, der erst gebaut werden sollte. Dort wird berichtet, dass der dänische König Gudfred (Godofred) in diesem Jahr beschloss, die südliche Grenze seines Reichs mit einem Wall zu befestigen [vallo munire].[Anm. 8] Das Bollwerk [munimentum] des Walles sollte nach Gudfreds Beschluss von der Ostsee bis zur Nordsee reichen und am gesamten nördlichen Ufer des Flusses Eider entlang verlaufen, nur unterbrochen von einem einzigen Tor [una tantum porta] als Durchlass für Wagen und Reiter.[47]
Dieser Bericht, der Gudfred als Erbauer des Danewerks hinstellt, entspricht jedoch nicht den Tatsachen, denn die lange Wallanlage vom Krummwall über den Hauptwall bis zum Nordwall und der Osterwall bestanden zu Gudfreds Zeit schon seit mehr als 70 Jahren. Die Wälle des Danewerks reichten auch nicht von der Ostsee bis zur Nordsee, und sie wurden nicht am Ufer der Eider erbaut.[Anm. 9] Möglicherweise handelt es sich bei dem sogenannten „Göttrikswall“ (d. h. „Gudfreds Wall“) um Reparatur- oder Verstärkungsmaßnahmen.[48] Laut Astrid Tummuscheit ist es „denkbar und als wahrscheinlich anzusehen“, dass der Göttrikswall die bisher nicht eindeutig datierbare Feldsteinmauer ist, mit der der Hauptwall verstärkt wurde.[49]
Die physische Reichsgrenze lag, wie in den Reichsannalen berichtet, an der Eider. An der Grönsfurt der Eider bei Fockbek wurde 811 feierlich ein Frieden zwischen dem Reich der „Dani“ und dem fränkischen Reich geschlossen.[50] Die Eider blieb dann mehr als 1000 Jahre lang die Nordgrenze der deutschen Länder.[51]
Ereignisse im Mittelalter
Im Jahr 934 durchbrach der ostfränkische König Heinrich I. das Danewerk, besiegte den dänischen König Chnupa (Knut I.) und besetzte Haithabu. Von Chnupas Gattin Asfrid stammen zwei der Runensteine von Haithabu.
Im Jahr 974 folgte Kaiser Otto II., der das Land zwischen Schlei und Eider bis 983 beherrschte.[52] Thietmar von Merseburg berichtete, Otto II. sei nach Haithabu geeilt, um die aufrührerischen Dänen anzugreifen. „Als er dort sah, dass seine Feinde den Graben, der zur Verteidigung ihrer Heimat bereitsteht, sowie das Tor, das Wieglesdor genannt wird, schon im Voraus besetzt hatten, überwand er […] diese Befestigungen mutig.“[39]
Im Jahr 1043 marschierte das polabische Heer zur Rache des im Jahr zuvor durch Dänen ermordeten Polabenfürsten Ratibor durch das Danewerk, wurde aber auf dem Rückzug von König Magnus dem Guten gestellt und in der Schlacht bei Lürschau (nordwestlich von Schleswig) vernichtend geschlagen.[53]
Im Jahr 1066 zerstörten Slawen aus dem Raum Ostholstein/Mecklenburg Haithabu, obwohl die Stadt von einem hohen Halbkreiswall geschützt war.
Am 7. Januar 1131 ermordete Magnus Nilsson, Sohn des dänischen Königs Nils, den Schleswiger Jarl Knud Lavard. Anschließend befestigte er den Verteidigungswall für den erwarteten Angriff des späteren Kaisers Lothar III.[40] Laut der um 1167 geschriebenen Slawenchronik kam Lothar „mit einem großen Heer nahe der Stadt Schleswig zu jenem sehr bekannten Wall Dinewerch, um den Tod des edlen Knut zu rächen“. Magnus hatte dort ein großes dänisches Heer zur Verteidigung versammelt.[54] Zur Schlacht kam es nicht. Lothar erhandelte eine Sühnesumme und eine Sühnemannschaft sowie Geiseln und zog wieder ab.[55]
Das Danewerk in der Neuzeit
Schanze von 1658

Ulrich Petersen ging in seiner Beschreibung des Danewerks (um 1720) auf eine Schanze in Klein Dannewerk ein, die er auch in einer Karte einzeichnete. Die Schanze war laut Petersen „ein ziemblich hohes fünfeckigtes Rondele von Erden“. Dieses fünfeckige Erdwerk lag am Ochsenweg auf dessen Westseite sowie nördlich des Hauptwalls (siehe Petersens Karte), und zwar laut Petersen „ganz nah am Wall“. Die Schanze sei im vorigen Jahrhundert von brandenburgischen Hilfstruppen eingerichtet worden.[56] Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg schickte diese Hilfstruppen im dänisch-schwedischen Krieg (1657–1660) dem bedrängten dänischen König Friedrich III. Der Topograph Johannes von Schröder erwähnte 1827 eine „noch sichtbare“ fünfeckige Sternschanze beim Wirtshaus Rothenkrug, „die von den Kaiserlichen im Jahre 1658 angelegt war, und damals durch Kanonen vertheidiget ward“.[57] Carl von Kindt beschrieb 1831 und 1842 das Danewerk und dabei auch die Schanze.[58] In Peter von Timms Danewerk-Karte (1842) ist sie als „Schanze b. Wieglesthor“ eingezeichnet, ihre Lage ist dort gut zu erkennen.
Das Danevirke Museum gibt zu der „Schanze aus dem 17. Jahrhundert“ an, man habe sie bisher nicht gefunden. Möglicherweise handle es sich bei einer Anhöhe am Hauptwall direkt neben dem Museum um die Reste dieser Schanze.[59]
Aus historischen Berichten geht hervor, dass sich auf dem Areal der Schanze eine Vorgängeranlage befand. Im Jahr 2015 veröffentlichte der Archäologe Willi Kramer einen Aufsatz, in dem er behauptete, die Vorgängeranlage sei eine waldemarzeitliche Burg gewesen, und er habe das Areal der Burg (bzw. der Schanze) in der Nähe des Danevirke Museums in Klein Dannewerk lokalisiert. Zusätzlich behauptete er, der Wehrgraben der Burg sei bei der Ausgrabung des Tors im Hauptwall gefunden worden, aber irrtümlich als Weg interpretiert worden.[60] Vier Danewerkforscher wiesen Kramers Aufsatz in einer „Erwiderung“ scharf zurück. Sie sprachen von einem „Phantasiegebilde“ Kramers und bewerteten seinen Beitrag als unwissenschaftlich. Die von Kramer postulierte waldemarzeitliche Burg bezeichneten sie als „hypothetisch“.[61]
Das Danewerk im 19. Jahrhundert

Nationaldänisches Symbol
Im dänischen Gesamtstaat (1773–1864) war das Danewerk zunächst kaum bekannt. Die 1807 begründete dänische Kommission til Oldsagers Opbevaring nahm 1810 die Wallzüge nicht in die Liste der im Amt Gottorf zu sichernden Denkmale auf.[63] Der Gesamtstaat scheute als Vielvölkerstaat eindeutige Identifikationen und unterband Nationalitätengefühle.[64] Im Reich des erklärten Anhängers der Aufklärung Frederik VI. bestand „ein Gesamtstaatspatriotismus, der die Kräfte der neuen Zeit, Volk und Nation, nicht kannte oder als störend empfand“.[65]
Die von 1816 bis 1819 bestehende Zeitschrift Dannevirke von Nikolai F. S. Grundtvig wirkte dem entgegen und propagierte das Danewerk als geistiges Symbol einer nationaldänischen Bewegung.[66][67] Von 1838 an wurde die Zeitschrift Dannevirke fortgeführt, nunmehr in einem zunehmend politisierten Klima. Der Weg von einem liberalen und multinationalen Standpunkt hin zur nationalen Orientierung dauerte weniger als 20 Jahre[68] und fand seinen staatsrechtlichen Abschluss mit der Verfassung von 1848. Im Verlauf dieser Entwicklung wurde das Danewerk zu einem nationaldänischen Symbol.
Schleswig-Holsteinische Erhebung (1848–1851)
Während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung wurde das Danewerk als Verteidigungsanlage reaktiviert. Am 23. April 1848 kam es zur Schlacht von Schleswig. Im Vorfeld der Schlacht verschanzten sich die dänischen Truppen am Hauptwall und am Verbindungswall. Dabei wurden auf den Wallkronen Brustwehren aufgeworfen; auf dem Hauptwallabschnitt zwischen dem Danevirke Museum und der Thyraburg sind sie noch gut erhalten. Am Friedrichsberger Ortsrand wurde auf dem Gelände der späteren Schanze II eine Batterieschanze installiert. Die Kampfhandlungen fanden am Verbindungswall sowie beim Busdorfer Damm statt, doch mussten sich die Dänen rasch über den Kolonnenweg und, besonders verlustreich, über Friedrichsberg zurückziehen. Schleswig-Holstein und Preußen zählten 40 Tote und 366 Verwundete, die Dänen hatten 170 Tote und 463 Verwundete zu beklagen.[69]
Nach der Schlacht bei Idstedt im Jahr 1850 befestigte das dänische Heer das Danewerk erneut. Es blieb Frontlinie bis zum Kriegsende.
Umbau zur Danewerkstellung (1861–1864)


Von 1861 an wurde das Danewerk mit großem Aufwand zur sogenannten Danewerkstellung umgebaut, indem zahlreiche Schanzen hinzugebaut wurden.[70] Im 18. und frühen 19. Jahrhundert waren der Schanzengürtel von Düppel (dänisch Dybbøl) und die Festung Fredericia als Hauptverteidigungsstellungen Jütlands vorgesehen gewesen. Dies änderte sich in der Zwischenkriegszeit. Ab 1861 errichteten dänische Pioniere 21 von 29 geplanten Artillerieschanzen in der Linie Krummwall – Hauptwall – Verbindungswall. Die Danewerkstellung zog sich von Hollingstedt im Westen bis nach Kappeln an der Schlei im Osten.[71][72] Die Schanzen I–VIII lehnten sich westlich an die Busdorfer Schlucht an und verbanden die Verteidigungslinie mit der Schlei. Die modernste Anlage war Schanze II am Busdorfer Teich (Lage), die einen betonierten Artilleriebunker besaß, den ersten seiner Art in Europa. Auf der Möweninsel, am Fuße der Halbinsel Reesholm, vor der Mündung der Hüttener Au bei Fleckeby, bei Missunde und Arnis entstanden ebenfalls starke Feldstellungen und Schanzen, die mögliche Schlei-Übergänge sichern sollten.
Die Bauarbeiten betrafen auch den Hauptwall. In die Berme der Waldemarsmauer wurde ein Wehrgraben eingegraben, der Wehrgraben dafür überschüttet. Die dänischen Pioniere versteilten dabei die Front des Walls, wobei sie bis nahe an die Waldemarsmauer herangruben. Das heutige Erscheinungsbild des Hauptwalls ist somit bis auf wenige Stellen Anfang der 1860er Jahre entstanden. Während des Umbaus zur Danewerkstellung wurden die betroffenen Bereiche des Danewerks erstmals archäologisch dokumentiert.[73]
Die noch nicht völlig fertiggestellten Schanzen wurden im Januar 1864 vom dänischen Heer besetzt. Am 1. Februar begann der Deutsch-Dänische Krieg, als österreichische und preußische Truppen unter Generalfeldmarschall Friedrich von Wrangel die Eider überschritten. Es kam zu Gefechten bei Selk, Missunde und Arnis. Der dänische Oberbefehlshaber Christian Julius de Meza ließ die Danewerkstellung am 5. Februar 1864 räumen, da er keine sinnvolle Verteidigungsmöglichkeit sah (Rückzug vom Danewerk). Er zog seine Truppen zur Flankenstellung „Düppeler Schanzen“ zurück, wo es im April 1864 zur Schlacht kam (Erstürmung der Düppeler Schanzen).
Panzergraben 1944
1944 sollte das Danewerk in eine großzügige, nach Norden gerichtete Panzersperranlage umgestaltet werden. 9000 Männer waren dorthin abkommandiert, um die Bauarbeiten auszuführen. Søren Telling, ein ehemaliges Stabsmitglied der DNSAP von Frits Clausen, war 1940 beim damaligen schleswig-holsteinischen Landesmuseum in Kiel angestellt worden. Er wandte sich an den SS-Reichsführer Heinrich Himmler, der für das „Amt für Ahnenerbe“ zuständig war. Telling konnte Himmler unter Hinweis auf die „Bedeutung des Danewerks für die arische und germanische Kultur“ dazu bringen, den Befehl zu widerrufen; dennoch wurde der Panzergraben gebaut.[74][75]
Forschungsgeschichte (Auswahl)
Frühe Beschreibungen und Kartierungen


• Mitte (grün): Verbindungswall
• Darüber: Nordwall (rot), Stummes Werk (gelb)
• Links: Hauptwall
• Unten: Kograben
- Um 1720 verfasste der Schleswiger Historiker Ulrich Petersen eine Beschreibung des Danewerks und zeichnete eine Danewerk-Karte. Auf dieser einfachen Karte fehlt der Nordwall.[76]
- 1757 zeichnete Erik Pontoppidan eine Karte des Danewerks. Oberhalb der Karte zeichnete er fünf Wallprofile sowie rechts die fünfeckige Schanze von 1658.[77]
- 1761: „Spezial Charte der Gegend um Schleswig“ der Offiziere Neynaber und Hemsen. Die Karte wurde für das dänische Militär erstellt, als Dänemark damit rechnen musste, in den Siebenjährigen Krieg (1756–1763) hineingezogen zu werden. Sie sollte nur militärisch relevante Geländestrukturen darstellen. Deshalb fehlen in ihr einige Abschnitte des Danewerks mit niedrigen Wallresten. Die meisten Wälle sind jedoch dargestellt.[78][79]
- 1831 und 1842 beschrieb der Offizier Carl von Kindt das Danewerk.[58] Er warb leidenschaftlich für den Erhalt und Schutz der Überreste des Danewerks. Es gelang ihm, den dänischen König für dieses Anliegen zu gewinnen.[80]
- 1842: Fertigstellung der Danewerk-Karte von Peter von Timm nach mehrjähriger Arbeit. Premierleutnant von Timm war für die erste archäologische Landesaufnahme des Danewerks von seinem Dienst als Zollkontrolleur freigestellt und von der „Schleswig-Holsteinisch-Lauenburgischen Gesellschaft für die Sammlung und Erhaltung vaterländischer Altertümer“ mit der Anfertigung der Karte beauftragt worden. Carl von Kindt hatte das Projekt initiiert und war als Aufseher beteiligt. Peter von Timms Karte war wesentlich genauer als die vorigen (vgl. Ausschnitt oben) und stellte auch neu vermessene Wallprofile dar. Wie bei den oben genannten Karten wurde der Osterwall nicht dargestellt.[81][82]
Meilensteine der archäologischen Forschung
- 1861–1864: Der Umbau zur Danewerkstellung wurde denkmalpflegerisch begleitet. Um die Konstruktion der Wälle und die Geschichte des Danewerks zu klären, beauftragte der Archäologe Jens J. A. Worsaae, Generalinspekteur der Altertümer im Königreich Dänemark, den Kopenhagener Maler, Restaurator und Archäologen Jacob Kornerup sowie den Ingenieurleutnant Georg F. Hamann, insbesondere die Wallprofile an fünf Durchbrüchen zu dokumentieren, die beim Bau der Danewerkstellung geschaffen wurden.[83] Die Ergebnisse wurden von H. Hellmuth Andersen veröffentlicht.[73]
- 1933–1936: Ausgrabungen am Hauptwall durch Herbert Jankuhn und Günther Haseloff.[84]
- 1972: Ausgrabung des Kastenbauwerks im Thyraburgdamm durch H. Hellmuth Andersen. Erste dendrochronologische Bestimmung des Baujahrs 737.[37]
- 1983: Ausgrabung am Hauptwall direkt an dessen Kreuzung mit der heutigen Straße „Ochsenweg“ in Klein Dannewerk. Die von Willi Kramer geleitete Ausgrabung des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein war wegen des Baus einer Umgehungsstraße für Klein Dannewerk notwendig geworden.
- 1991–1993: Ausgrabungen an fünf Wällen (Hauptwall, Nordwall, Kograben, Halbkreiswall und Verbindungswall) durch H. Hellmuth Andersen.[85]
- 1992–2002: Erfassung und Vermessung des Schlei-Seesperrwerks durch Willi Kramer.
- 2010–2014: Ausgrabung am Hauptwall nahe der Kreuzung mit der Straße „Ochsenweg“ in Klein Dannewerk, zunächst (2010/11) durch das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein unter Leitung von Astrid Tummuscheit.[Anm. 10] Dabei wurde ein Tor im Hauptwall gefunden. 2013/14 wurde die Ausgrabung in Kooperation mit dänischen Archäologen vom Museum Sønderjylland – Arkæologi Haderslev fortgesetzt.[41] Untersucht wurden unter anderem der Bereich des Tors, die an dieser Stelle unterbrochene, im Hauptwall verborgene Feldsteinmauer und ein etwa 45 Meter langer Profilschnitt durch die ganze Wallanlage.[86]
Schutz und Denkmalpflege
Naturschutz und Denkmalschutz


Die Reste des Danewerks wurden 1950 unter Naturschutz gestellt (Naturschutzgebiet Haithabu-Dannewerk). Die rechtliche Voraussetzung für den Denkmalschutz wurde 1958 mit dem Inkrafttreten des Denkmalschutzgesetzes von Schleswig-Holstein geschaffen. Im Jahre 1965 wurden Haithabu und das Danewerk in das Denkmalbuch eingetragen und stehen seither unter Denkmalschutz.[87]
UNESCO-Welterbe
Im Jahr 2004 beschloss der Landtag von Schleswig-Holstein, einen Welterbe-Antrag für Haithabu und das Danewerk bei der UNESCO zu stellen. Das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein koordinierte die Arbeiten für den Antrag. Zahlreiche Institutionen und Organisationen sowie die betroffenen Gemeinden, Städte und Kreise waren eingebunden.[88]
In einem ersten, sehr komplizierten Anlauf wurde ein transnationaler Antrag vorbereitet: Deutschland, Dänemark, Island, Lettland und Norwegen waren an dem Welterbe-Projekt „Wikingerzeitliche Stätten in Nordeuropa“ beteiligt. Schweden war anfangs mit dabei gewesen, stieg dann aber aus. Im Jahr 2015 wurde das transnationale Projekt vom Welterbekomitee zur weiteren Überarbeitung an die Antragsteller zurückverwiesen und daraufhin aufgegeben.[88]
Im Jahr 2016 formulierte das Archäologische Landesamt kurzfristig einen neuen Antrag, diesmal nur für Haithabu und das Danewerk. Der Antrag wurde im Jahr 2017 eingereicht.[88] Am 30. Juni 2018 erhielt der „Archäologische Grenzkomplex Haithabu und Danewerk“ den Weltkulturerbe-Titel.[89]
Mit der Anerkennung als Weltkulturerbe ist die Anforderung verbunden, umfangreiche Maßnahmen zur Erhaltung und Pflege des Denkmalkomplexes umzusetzen. Der aktuelle Managementplan für das Jahrzehnt 2020 bis 2030 hat einen Umfang von 172 Seiten.[90]
Museen
Danevirke Museum


Das Danevirke Museum (Danewerkmuseum) in Dannewerk besteht seit 1990. Bis 2022 vermittelte es die Geschichte des Danewerks in einem ehemaligen Bauernhaus. 2022 wurde das Gebäude für einen Neubau abgerissen. Anschließend wurden an dieser Stelle, wo einst der Ochsenweg verlief, archäologische Untersuchungen durchgeführt. Bis zur Eröffnung des Neubaus, voraussichtlich im Jahr 2026,[91] ist das Besucherzentrum in Containern untergebracht.[92]
Der Archäologische Park im Außenbereich des Museums wurde 2001 in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein angelegt.
Stadtmuseum Schleswig
In der Ausstellung „Sliesthorp-Haithabu-Schleswig“ des Stadtmuseums Schleswig sind zwei großformatige HD-Monitore installiert, die über Touchscreen-Panels zu bedienen sind. Ein größerer Menüteil ist dem Danewerk gewidmet; hier finden sich auch Videosequenzen von Flügen mit einem Flugdrachen längs der Wälle.[93]
Wälle im Umfeld des Danewerks
Die nachfolgend aufgeführten Wälle werden heute nicht mehr als Bestandteile des Danewerks genannt.[94] Zudem sind sie nicht datiert. Der durch Überbauung verschwundene Kurze Kograben und das Stumme Werk wurden von früheren Beschreibern dem Danewerk zugerechnet. Bei den Tiergarten-Wällen ist ein Zusammenhang mit dem Danewerk völlig unklar.
Kurzer Kograben
Der 700 Meter lange Kurze Kograben verlief parallel zum 6,5 Kilometer langen Kograben. Er lag südlich der Mitte des Kograbens und dicht vor der Rheider Au. Im 19. Jahrhundert war er kaum mehr in der Landschaft erkennbar. Carl von Kindt entdeckte ihn 1841,[95][83] Peter von Timm zeichnete ihn in seiner Danewerk-Karte (1842) ein.[96] 1936 wurden seine Reste beim Bau des Flugplatzes überdeckt. Zum Wall war bei einer archäologischen Untersuchung wenig auszumachen. Als Wehrgraben diente ein Sohlgraben von um 2 Metern Tiefe und einer Breite von 7,5 Metern.[97] Das Alter des Kurzen Kograbens ist unbekannt.[98]
Stummes Werk
Die sehr stark verschleiften Wallzüge des Stummen Werks verlaufen über eine Länge von 860 Metern auf der Hangschulter hoch über der Niederung des Pöhler Geheges. Der Wall schließt im Westen an den ehemaligen Dannewerker See an; das Ostende bindet am Nordwall ein bzw. wird von diesem überlagert. Die Anbindung ist nicht eindeutig zu erkennen, so dass eine relative Datierung in Bezug zum Nordwall vorerst nicht möglich ist.
Das Stumme Werk wurde erstmals 1757 von Erik Pontoppidan kartiert (siehe Bild oben); das Pöhler Gehege war damals noch nicht entwässert.[99] Peter von Timm und Carl von Kindt überlieferten den Namen „Stummes Werk“. Sie erkannten im frühen 19. Jahrhundert, dass der Wall nach Norden hin der Geländekante aufgesetzt und somit auf Angriffe aus nördlicher Richtung ausgerichtet ist.[100]
Wälle im Waldgebiet Tiergarten
Im Waldgebiet des ehemaligen „Tiergartens“ von Schleswig liegen zwei jeweils 400 Meter lange Wallzüge in nord-südlicher Ausrichtung. Nach Westen sind Gräben vorgelagert. Da die Gräben keine Bermen aufweisen, könnte es sich um frühneuzeitliche Wälle handeln.
Literatur
(chronologisch)
- Ulrich Petersen: Die historische Nachricht von der berühmten Cimbrischen Landwehre, dem sogenannten Kohgraben und großem Walle Dannewerk im Herzogthum Schleswig, Cap. 128: Geschichte der Stadt Schleswig. Um 1720, nicht publiziert. Ins Dänische übersetzt erschienen in Peter Friedrich von Suhm: Historie af Danmark, fra Aar 1157 til 1182. Band VII, Kopenhagen 1800, S. 670–695.
- Günther Haseloff: Die Ausgrabungen am Danewerk und ihre Ergebnisse. In: Gustav Schwantes (Hrsg.): Offa, Band 2, 1937, S. 111–165.
- Herbert Jankuhn: Die Wehranlagen der Wikingerzeit zwischen Schlei und Treene (= Die Ausgrabungen in Haithabu, Band 1). Vor- und frühgeschichtliche Untersuchungen aus dem Museum vorgeschichtlicher Altertümer in Kiel (Neue Folge) 1. Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1937.
- H. Hellmuth Andersen, Hans Jørgen Madsen, Olfert Voss: Danevirke. Hrsg.: Jysk Arkæologisk Selskab, Kopenhagen 1976, ISBN 978-87-01-53861-9.
- Willi Kramer: Die Datierung der Feldsteinmauer des Danewerks. Vorbericht einer neuen Ausgrabung am Danewerk. In: Archäologisches Korrespondenzblatt, Band 14, 1984, S. 343–350.
- Dagmar Unverhau: Das Danewerk 1842. Beschreibung und Aufmaß. Wachholtz, Neumünster 1988, ISBN 3-529-01832-5.
- Dagmar Unverhau (Hrsg.): Das Danewerk in der Kartographiegeschichte Nordeuropas. Wachholtz, Neumünster 1993, ISBN 3-529-01840-6.
- H. Hellmuth Andersen: Danevirke og Kovirke. Arkæologiske undersøgelser 1861–1993. Hrsg.: Jysk Arkæologisk Selskab, Aarhus 1998, ISBN 87-7288-600-5.
- H. Hellmuth Andersen: Til hele rigets værn. Danevirkes arkæologi og historie. Moesgård und Wormianum, Højbjerg 2004, ISBN 87-89531-15-9 (dänisch).
- Astrid Tummuscheit: Das neu entdeckte Tor im Danewerk – einer der geschichtsträchtigsten Orte Schleswig-Holsteins. In: Archäologische Nachrichten aus Schleswig-Holstein 17, 2011, S. 84–87.
- Astrid Tummuscheit: Über die Grenze hinweg: Ausgrabung am Danewerk im Jahr 2013. In: Archäologische Nachrichten aus Schleswig-Holstein 20, 2014, S. 72–75.
- Astrid Tummuscheit, Frauke Witte: „Der einzige Weg durchs Danewerk“. Zu den Ausgrabungen am Danewerk im Jahr 2013. In: Arkaeologi i Slesvig – Archäologie in Schleswig, Band 15. Wachholtz Verlag, 2014, ISBN 978-87-87584-35-7, S. 153–163 (Volltext).
- Willi Kramer: Schanze und Burg bei Rothenkrug, Klein Dannewerk. In: Beiträge zur Schleswiger Stadtgeschichte 60, 2015 (online bei academia.edu).
- The Archaeological Border Landscape of Hedeby and the Danevirke. Welterbe-Antrag der Landesregierung von Schleswig-Holstein, Schleswig 2016 (PDF; 98 MB).
- Astrid Tummuscheit, Frauke Witte: The Danevirke: Preliminary Results of New Excavations (2010–2014) at the Defensive System in the German-Danish Borderland. In: Howard Williams, Liam Delaney (Hrsg.): Offa’s Dyke Journal. Band 1 (2019), ISBN 978-1-78969-538-0, S. 114–136, doi:10.23914/odj.v1i0.253 (online bei researchgate.net).
- Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein (Hrsg.): Managementplan UNESCO-Welterbe Haithabu und Danewerk 2020–2030. Schleswig 2020 (interaktives PDF [20 MB] hier verfügbar unter Der Managementplan).
- Lars Erik Bethge, Nis Hardt: Danewerk: Bauwerk der Superlative und Erbe der Welt. Danevirke Museum (Hrsg.), 3. Aufl., 2022, ISBN 978-3-923088-00-3.
- Lars Erik Bethge: Das Danewerk im 19. und 20. Jahrhundert – Nationalismus, Nationalsozialismus, deutsch-dänische Verständigung und der Mythos von Søren Telling. Danevirke Museum, 2022, ISBN 978-3-923088-40-9.
- Hans Rudolf Bordemann: Studien zu den West- und Ostenden des Danewerks. Dissertation an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 2022 (PDF; 27 MB).
Weblinks
- UNESCO-Welterbe Haithabu und Danewerk
- Das Danewerk und Geschichte des Danewerks auf der Website des Danevirke Museums
Anmerkungen
- Ältere Datierung des Sodenwalls: Im Jahr 1990 legte der dänische Archäologe H. Hellmuth Andersen an Schanze XVI (Lage) einen Profilschnitt an (Andersen 1998, S. 51–77) und fand in der Schicht des Sodenwalls erhaltene Knüppelhölzer. Sechs dieser Hölzer liegen datiert vor. Bei zwei Proben war das Holz älter als bei den übrigen Proben. Der Bearbeiter der Proben, Helmut Erlenkeuser (C14-Labor in Kiel), vermutete, dass diese Stämme als Altholz aus den Niederungen der Rheider Au geborgen worden seien. Bei einer weiteren Probe konnte das Alter nicht sicher bestimmt werden. Bei den übrigen drei Proben bestimmte Erlenkeuser das Kalenderalter auf die Jahre 635–774, 646–867 und 650–806. Im gewichteten Mittel ergab dies den Zeitraum 646–768. Bei Schanze XIX und einem Wallabschnitt, der bereits dem Krummwall zuzuordnen ist, konnten ebenfalls Knüppelhölzer datiert werden. Bei zwei Proben wich das Alter deutlich ab. Bei den übrigen 14 Proben bestimmte Erlenkeuser als Mittelwert den Zeitraum 676–769 (Andersen 1998, S. 189–201, 243). Seitdem herrschte die Meinung vor, dass der Bau des Sodenwalls grob geschätzt um 700 begann. (Tummuscheit und Witte 2019, S. 122.)
- Neuere Datierung des Sodenwalls: Die Archäologinnen Astrid Tummuscheit und Frauke Witte entnahmen bei ihrer Ausgrabung des Jahres 2013 dem Sodenwall fünf Sedimentproben aus Heidesoden sowie eine Probe „aus verkohlten Resten der Heidepflanzen“. Vier Proben ergaben Radiokarbon-Kalenderalter für einen Zeitraum zwischen 382 und 570, die beiden weiteren Proben, darunter jene der Pflanzenreste, einen Zeitraum zwischen 130 und 333 bei einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent. Die Ausgräberinnen schlossen daraus, dass der Sodenwall „bis mindestens in die Zeit des 5./6. Jahrhunderts n. Chr. zurückreicht, jedoch auch weit älter sein könnte“. (Tummuscheit 2014, S. 73; Tummuscheit und Witte 2014, S. 157.) In einem vorläufigen Ausgrabungsbericht hielten Tummuscheit und Witte an ihrer Datierung der Bauzeit auf „ungefähr das 5. und 6. Jahrhundert“ fest. (Tummuscheit und Witte 2019, S. 122.)
- Datierung des Krummwalls: Von der zweiten Krummwall-Grabung Haseloffs und Jankuhns von 1933 blieben Holzproben der Substruktion erhalten, die Henrik Tauber (Radiologisches Labor in Kopenhagen) 40 Jahre später auf den Zeitraum 650–700 datieren konnte (Andersen, Madsen, Voss 1976, S. 87). C14-Daten von späteren Holz- und Reisigfunden aus den Unterbauten von Wallprofilen bei der Schanze XIX ermöglichten es, das Alter auf die Zeit um 700 festzulegen (Andersen 1998, S. 189–201).
- Andersen führte 1992 am Ostende des Verbindungswalls, dicht beim Halbkreiswall, eine Untersuchung durch. Aus einer Deckschicht entnahm er aus der Heidesodenabdeckung drei Holzproben (Astwerk). Eine Holzprobe ergab dendrochronologisch das Fälldatum „Winter 964/65“ (Andersen 1996, S. 250).
- Kurt Schietzel und Dieter Karrasch fanden während des Autobahnbaus 1975 am Doppelwall einen hölzernen Unterbau in einem Bereich, der zur älteren Bauphase gehört. Eine Holzprobe konnte jahrgenau auf das Jahr 968 bestimmt werden.
- „Margarethenwall“ ist auch der Name eines anderen Walls, der auf einer kleinen Halbinsel nordöstlich der Großen Breite der Schlei erbaut wurde. Siehe die Karte im Artikel Wikingersiedlung von Füsing.
- Lateinisch munimentum bedeutet „Befestigung“. Der Kartograf Olaus Magnus stellte das ganze Danewerk in seiner Karte als gemauerte Befestigung dar, was der Waldemarsmauer entspricht, die allerdings nur etwa vier Kilometer lang war. Dass es ihm an geografischen Kenntnissen mangelte, ist zum Beispiel auch daran zu erkennen, dass er die Burg Gottorp (Gottorf) weit südlich des Danewerks und sogar südlich von Kiel einzeichnete. Tatsächlich lag sie nördlich des Danewerks und direkt bei Schleswig.
- Laut den Fränkischen Reichsannalen des Jahres 808 unternahm Gudfred zuvor einen Feldzug gegen die Abodriten. Als der fränkische Kaiser Karl der Große dies in Aachen erfuhr, habe er seinen Sohn Karl mit einer Truppe aus Franken und Sachsen zu Hilfe geschickt. Gudfred habe bei seinem Feldzug zuletzt noch den Handelsplatz Reric zerstört und sei dann mit seinem Heer per Schiff nach Sliasthorp (Haithabu) zurückgefahren, wobei er die Händler aus Reric mitgenommen habe. Einige Tage später habe Gudfred dann den Bau des Walls befohlen und diese Aufgabe an die Anführer seiner Truppen verteilt.
- Im Osten fehlten zu dieser Zeit noch gut drei Kilometer Wall bis Haithabu. Diese Lücke zu schließen wäre ein sinnvolles Vorhaben gewesen. Tatsächlich wurden später ein Halbkreiswall rings um Haithabu und ein Verbindungswall zwischen Haithabu und dem bestehenden Danewerk gebaut, jedoch erst im 10. Jahrhundert.
- Anlass der Ausgrabung 2010–2014: An dieser Stelle hatten zuvor mehrere Gebäude des Café Truborg gestanden, direkt am Wall und teils in den Wall hineingebaut. Nach der Aufgabe des Café Truborg (2002) wurden die Gebäude abgerissen (2008), so dass eine Voruntersuchung (2009) und schließlich die Ausgrabung (ab 2010) möglich wurde (Tummuscheit und Witte 2014, S. 153 f.).