Daniel Hoeffel
französischer Politiker (UDF), Senator
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Daniel Hoeffel (* 23. Januar 1929 in Straßburg; † 14. Oktober 2025 ebenda[1]) war ein französischer Politiker (CDS, UDF, UMP) aus dem Elsass. Er war 1977–1978, 1981–1993 und 1995–2004 Mitglied des französischen Senats sowie von 1980 bis 1981 Verkehrsminister von Frankreich.

Herkunft und Bildung
Daniel Hoeffel war der Sohn des Landwirts und gaullistischen Politikers Robert Hoeffel (1901–1984), der langjähriger Bürgermeister von Handschuheim, Mitglied des französischen Senats (1948–1959) sowie Direktor des evangelischen Thomasstifts in Straßburg war. Unter seinen Vorfahren waren eine Reihe von evangelischen Pastoren.[2] Schon sein Großonkel Johannes Hoeffel (1850–1939) war Politiker, er war während der Zugehörigkeit des Elsass zum Deutschen Reich Bürgermeister von Buchsweiler (heute Bouxwiller) und Reichstagsabgeordneter der Freikonservativen Partei. Im Gegensatz zu diesem kaisertreuen Großonkel beschrieb Hoeffel seinen Großvater als frankophil.[3] Sein jüngerer Bruder war der evangelische Pastor Michel Hoeffel (1935–2017), der 1987–1997 Kirchenpräsident der Protestantischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses von Elsass und Lothringen war.[2]
Daniel Hoeffel selbst absolvierte ein Studium am Institut d’études politiques de Strasbourg (Sciences Po Strasbourg), das er 1951 mit einem Diplom im Zweig Öffentlicher Dienst abschloss. Mit einer Arbeit über das Parlamentsauflösungsrecht in der Verfassung der Vierten Republik wurde er 1955[4] in Straßburg zum Doktor des Rechts promoviert. Nach einer kurzen Phase als Mitarbeiter im Stab des Verteidigungsministers Pierre Kœnig (1954) arbeitete Hoeffel bei der Arbeitgeberkammer des Départements Bas-Rhin.[2]
Politische Karriere
Partei
Wie sein Vater gehörte Hoeffel zunächst der gaullistischen Partei UDR an. Seine Begeisterung für die europäische Integration – im Gegensatz zu den eher europaskeptischen Gaullisten – veranlasste jedoch während der Präsidentschaft Valéry Giscard d’Estaings (1974–1981) den Wechsel zum christdemokratischen Centre des démocrates sociaux (CDS), das Bestandteil von Giscards bürgerlich-liberalem und pro-europäischen Bündnis Union pour la démocratie française (UDF) war.[3] Die UDF wandelte sich 1998 von einem Parteienbündnis zu einer einheitlichen Partei. Im Zuge der französischen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2002 wechselte Hoeffel wie viele vormalige UDF-Mitglieder zur neuen Mitte-rechts-Sammelpartei Union pour un mouvement populaire (UMP).[5]
Kommunal- und Regionalpolitik
Seine politische Laufbahn begann er in der Kommunalpolitik. Als Nachfolger seines Vaters Robert Hoeffel war er von 1965 bis zu seinem Rücktritt 2008 Bürgermeister der elsässischen Gemeinde Handschuheim bei Straßburg. Seine Nachfolgerin im Bürgermeisteramt war seine Tochter Dominique Hoeffel-Keil.
Ab 1973 gehörte Hoeffel dem regionalen Wirtschafts- und Sozialausschuss des Elsass (comité économique et social d’Alsace, CESA) an, 1976–1977 war er dessen Vorsitzender. Bei der Kantonalwahl 1979 setzte sich Hoeffel im Kanton Strasbourg-7 (Meinau) knapp gegen den Gaullisten André Bord durch, der bis dahin Präsident des Generalrates des Département Bas-Rhin gewesen war.[2] Er löste diesen nicht nur als Mitglied, sondern auch als Präsident der Volksvertretung des Départements ab und blieb dies bis zu seinem Ausscheiden aus dem Generalrat im Jahr 1998. Sein Nachfolger als Vertreter des Kantons Strasbourg-7 war Jean-Philippe Maurer, als Präsident des Generalrats wurde er von Philippe Richert abgelöst, beide waren Parteikollegen Hoeffels.
Als Bürgermeister von Handschuheim war er ab 1969 Vorsitzender des syndicat intercommunal Ackerland und vom 16. Dezember 1999 bis 2008 Präsident der daraus hervorgegangenen Communauté de communes Ackerland,[4] einer Verwaltungsgemeinschaft der westlich von Straßburg gelegenen Gemeinden Furdenheim, Handschuheim, Hurtigheim, Ittenheim und Quatzenheim.
Hoeffel war von 1983 bis 2004 Vorsitzender des Verbandes der Bürgermeister im Département Bas-Rhin. Als Nachfolger von Jean-Paul Delevoye wurde er 2002 außerdem Präsident des Verbandes der Bürgermeister Frankreichs (Association des maires de France, AMF), den er bis zu seiner Ablösung durch Jacques Pélissard 2004 leitete. Von 1999 bis 2019 gehörte er dem Oberrheinrat an.[4]
Senator
Am 25. September 1977 wurde Hoeffel erstmals Mitglied des Senats, dem er für das Département Bas-Rhin angehörte. Zu Beginn seiner Senatszugehörigkeit war er zuerst Mitglied des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten, Verteidigung und Streitkräfte (Commission des affaires étrangères, de la défense et des forces armées) sowie danach vom 18. Oktober 1977 bis zum 5. Mai 1978 Mitglied des Ausschusses für Finanzen, Haushaltskontrolle und Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Nation (Commission des finances, du contrôle budgétaire et des comptes économiques de la nation). Am 5. Mai 1978 legte er sein Parlamentsmandat nieder, da es nicht mit seinem Regierungsamt als Staatssekretär vereinbar war.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Kabinett wurde er am 27. September 1981 für die Union pour la démocratie française (UDF) im Département Bas-Rhin wieder zum Mitglied des Senats gewählt und gehörte diesem nunmehr nach seiner Wiederwahl am 28. September 1986 bis zum 29. April 1993 an. Während seiner neuerlichen Senatszugehörigkeit war er zwischen dem 8. Oktober 1981 und dem 29. Mai 1993 Mitglied des Rechtsausschusses (Commission des lois).
Nach seinem Ausscheiden aus dem Kabinett wurde Hoeffel am 24. September 1995 wieder als Vertreter des Département Bas-Rhin zum Mitglied des Senats gewählt. Daraufhin wurde er am 5. Oktober 1995 wieder Mitglied des Rechtsausschusses beziehungsweise ab 2003 des Ausschusses für Verfassungsrecht, Gesetzgebung, Allgemeines Wahlrecht, Rechtsordnungen und allgemeine Verwaltung (Commission des lois constitutionnelles, de législation, du suffrage universel, du Règlement et d’administration générale). Zudem wurde er am 3. Oktober 2001 auch zum Vizepräsidenten des Senats gewählt. Er wechselte 2002 aus der Fraktion Union centriste, der hauptsächlich Senatoren der UDF angehörten, zur Senatsfraktion der neuen Mitte-rechts-Sammelpartei Union pour un mouvement populaire (UMP).
Das französische Parlament entsandte Hoeffel im Zeitraum von 1995 bis 2001 als Vertreter in die Parlamentarische Versammlung des Europarates.[6]
Im Konflikt mit seinem Partei- und Senatskollegen Philippe Richert, dem Präsidenten des Generalrats von Bas-Rhin, kandidierte Hoeffel bei der Senatswahl 2004 nicht auf der offiziellen UMP-Liste, sondern trat mit einer eigenen Liste an, die jedoch keinen Sitz erhielt.[2] Nachdem er nicht wiedergewählt worden war, endete seine Mitgliedschaft im Senat am 30. September 2004.
Regierungsämter
Am 4. Mai 1978 übernahm Hoeffel im Kabinett Barre III zuerst das Amt als Staatssekretär beim Minister für Gesundheit und Familie (Secrétaire d’État auprès du ministre de la santé et de la famille) und bekleidete dieses Amt bis zum 2. Oktober 1980.[7]
Im Zuge einer Umbildung des Kabinetts Barre III löste Daniel Hoeffel am 2. Oktober 1980 Joël Le Theule als Verkehrsminister (Ministre des transports) ab und bekleidete dieses Ministeramt bis zum 14. Mai 1981.[7][8][9]
Am 30. März 1993 wurde Hoeffel im Kabinett Balladur Beigeordneter Minister für Raumplanung und Kommunalbehörden beim Minister für Inneres und Raumplanung (Ministre délégué auprès du ministre d’État, ministre de l’intérieur et de l’aménagement du territoire, chargé de l’aménagement du territoire et des collectivités locales) und hatte dieses Amt bis zum 11. Mai 1995 inne.[10]
Auszeichnungen
Hoeffel engagierte sich stark für die deutsch-französische Partnerschaft und insbesondere für die Beziehungen zwischen dem Elsass und seinen deutschen Nachbarbundesländern.[3] 1995 wurde ihm der Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg sowie 1997 der Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz verliehen.