Danziger Gulden
von 1923 bis 1939 Währung der Freien Stadt Danzig
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Der Danziger Gulden war von 1923 bis 1939 die Währung der Freien Stadt Danzig. Er war unterteilt in 100 Pfennig. Bereits in den vorherigen Jahrhunderten hatte Danzig in eigener Münze gerechnet und teilweise auch geprägt. Zwischen 1809 und 1812 prägte die Republik Danzig, ein von Napoleon geschaffener Staat, den Groschen und den Schilling (1 Groschen = 3 Schillinge) als Kupfermünzen.[1] Im 18. Jahrhundert wurden auch Dukaten (aus Gold), 2 Guldenstücke, 18 Groschen und VI Groschen (aus Silber) sowie Groschen und Schillinge aus Kupfer geprägt.[2]
Geschichte
Mit Inkrafttreten des Versailler Vertrages am 10. Januar 1920 wurde Danzig vom Deutschen Reich abgetrennt und zur „Freien Stadt“. Obwohl bereits im November 1920 Verhandlungen zwischen Polen und Danzig über die Einführung einer gemeinsamen Währung stattfanden, blieb die Papiermark zunächst die offizielle Währung. Die Stadt gab einige Serien von auf Mark lautenden Notgeldscheinen heraus, die aber im Verlaufe der Hyperinflation von 1923 völlig wertlos wurden. Polen und die Regierung der Freien Stadt Danzig einigten sich am 22. September 1923 in Genf auf die Einführung einer neuen Währung, die von polnischer Seite als Vorstufe einer gemeinsamen Währung betrachtet wurde. Gemäß dem einstimmigen Beschluss des Volkstags am 19. Oktober 1923 und der Senatsbeschlüsse vom 20. Oktober und 20. November 1923 wurde als neue Währung am 26. Oktober 1923 der Gulden eingeführt.[3] Zunächst handelte es sich um einfache Kassenscheine der Zentralkasse, die auch als „Zwischengulden“ bezeichnet werden.[4] Am 18. Dezember 1923 wurde der Gulden gesetzliches Zahlungsmittel.[5]
Geprägt wurden Kupfer-, Nickel-, Silber- und Goldmünzen. Die Goldmünzen waren nicht für den Umlauf gedacht, sondern wanderten ganz überwiegend in die Goldreserve der Bank von Danzig (s. u.). Die Währung beruhte auf dem Goldstandard. Ein Danziger Gulden hatte den Wert von 1/25 des britischen Pfunds, das 25-Gulden-Stück entsprach einem Sovereign und enthielt 7,322 Gramm Feingold.[3] Die meisten Münzen wurden in der Berliner Münze entworfen, einige Emissionen wurden in der Utrechter Münze geprägt.
Der Danziger Gulden wurde zunächst von der am 19. Oktober 1923 errichteten Danziger Zentralkasse AG herausgegeben. Danach übernahm die mit einem Kapital von 7,5 Millionen Gulden am 5. Februar 1924 gegründete Bank von Danzig die Funktion einer Notenbank. Diese bezog das Gebäude der Reichsbankhauptstelle, die zum 31. Dezember 1923 ihren Geschäftsbetrieb einstellte.
Die Münzverordnung von 21. September 1931 veränderte die Golddeckung des Danziger Guldens. Seither entsprach 1 Danziger Gulden 0,292895 Gramm purem Gold.[6] In zwei Stufen, 1931/1932 und 1935 wurden die Silbermünzen aus dem Verkehr gezogen und durch Reinnickelmünzen ersetzt.
Die Münzverordnung vom 1. Mai 1935 verringerte den Goldwert des Guldens auf 0,1687923 Gramm (Goldwert eines Guldens heute unter Außerachtlassen der Kaufkraftveränderungen: 22,264 €).[7] Damit wurde der Danziger Gulden dem polnischen Złoty angeglichen. Im Juli 1938 betrug der amtliche Gegenwert von 100 Danziger Gulden rund 47 Reichsmark. Der Wert des 1939 für den Danziger Gulden noch vorhandenen Deckungsgoldes betrug am 1. Mai 1935 und am 31. August 1939 ca. 23 Millionen Danziger Gulden.
- 20 Danziger Gulden
- Wechselkurse Danziger Gulden
Das Ende des Danziger Guldens als Währung wurde mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 eingeläutet. Noch am Tag des Kriegsbeginns wurde das Gesetz über die Wiedervereinigung der Freien Stadt Danzig mit dem Deutschen Reich verkündet,[8] gefolgt von einer Verordnung über die Einführung der Reichsmarkwährung in dem Gebiet der bisherigen Freien Stadt Danzig vom selben Tag. Der Wert des Danziger Guldens wurde auf 70 Reichspfennig festgesetzt.[9] Mit dem 30. September 1939 endete die Gültigkeit des Danziger Guldens als gesetzliches Zahlungsmittel im Gebiet der ehemaligen Freien Stadt Danzig. Einige Münzdenominationen blieben noch eine Zeitlang als Scheidemünzen weiter gesetzliches Zahlungsmittel (s. u.).[10]
Münzen und Banknoten
Es wurden Münzen mit den Werten 1, 2, 5, 10 und 50 Pfennig sowie 1, 5, 10 und 25 Gulden ausgegeben. Ferner dazu existierten Banknoten zu 1, 2, 5, 10 und 50 Pfennig sowie 1, 5, 10, 20, 25, 50, 100 und 1000 Gulden. Banknoten mit Werten unter 10 Gulden waren seit Mitte der 30er Jahre nicht mehr im Umlauf anzutreffen.
Münzen
Münzserie ab 1923
In der folgenden Tabelle sind die Münzen aufgeführt, die ab dem 18. Dezember 1923 gültiges Zahlungsmittel waren.[5] Die insgesamt 5000 geprägten Goldmünzen zum Nennwert von je 25 Gulden waren nicht für den Umlauf bestimmt, sondern wurden größtenteils in den Goldbestand der Bank von Danzig aufgenommen.[11]
| Münzen ab 1923[3][12] | |||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Bild | Nennwert | Technische Parameter | Beschreibung | Datum | |||||||||
| Durch- messer | Masse | Zusammen- setzung | Rand | Vorderseite | Rückseite | Ausgegebene Menge | Münzprägung | Gültig bis | Umtausch bis | ||||
| 1 Pfennig | 17 mm | 1,67 g | 95 % Cu, 4 % Sn, 1 % Zn |
glatt | „1 Pfennig Danzig“ | Jahr, Wappen |
11.500.000 | 1923– 1937 |
1. November 1940[13] | 30. November 1940[13] | |||
| 2 Pfennige | 19,5 mm | 2,5 g | „2 Pfennige Danzig“ | 3.250.000 | 1923– 1937 | ||||||||
| 5 Pfennige | 17,5 mm | 2,0 g | 75 % Cu, 25 % Ni |
glatt | „5 Pfennige Danzig“ | Jahr, Wappen |
4.000.000 | 1923, 1928 | |||||
| 10 Pfennige | 21,5 mm | 4,0 g | „10 Pfennige“, „Freie Stadt Danzig“ |
5.000.000 | 1923 | ||||||||
| ½ Gulden | 19,5 mm | 2,5 g | 75 % Ag, 25 % Cu |
gerippt | „Freie Stadt Danzig“, „½ Gulden“, Jahr, Wappen |
Kogge | 1.400.000 | 1923, 1927 |
1. April 1932[14] | 30. Juni 1932[14] | |||
| 1 Gulden | 23,5 mm | 5,0 g | „1 Gulden“, „Freie Stadt Danzig“, Kogge |
Wappen, gehalten von 2 Löwen, fünfzackiger Stern, Jahr |
3.500.500 | 1923 | |||||||
| 2 Gulden | 26,5 mm | 10,0 g | glatt | „2 Gulden“, „Freie Stadt Danzig“, Kogge |
1.250.000 | ||||||||
| 5 Gulden | 35,0 mm | 25,0 g | „Freie Stadt Danzig“, fünfzackiger Stern, „5 Gulden“, Jahr, Marienkirche |
„Fünf Gulden“, Wappen, gehalten von 2 Löwen |
860.500 | 1923, 1927 | |||||||
| 25 Gulden | 7,9881 g | 91,7 % Au, 8,3 % Cu |
glatt, mit Prägung „nec temere, nec timide“, Jahr |
„25 Gulden“ Figur des Neptunbrunnens |
„Freie Stadt Danzig“, Wappen mit 2 Säulen, gehalten von 2 Löwen |
5.000 | 1923,
1930 |
kein im Umlauf befindliches Zahlungsmittel, als Deckung des Notenumlauf bei der Reichsbank in Berlin eingelagert, am 2. Mai 1935 außer Kurs gesetzt[15] | |||||
Münzserie ab 1931/1932
Im Jahr 1931/1932 wurden neue Silbermünzen (2 und 5 Guldenstücke) eingeführt.[16] Gleichzeitig wurde auch der Silbergehalt reduziert. Die bisherigen ½ Guldenstücke und 1 Guldenstücke (Silbermünzen) wurden durch neue Reinnickelmünzen ersetzt. Die alten Silbermünzen verloren zum 1. April 1932 ihre Gültigkeit als Zahlungsmittel und konnten noch bis zum 30. Juni 1932 umgetauscht werden.[17] Die Nickelmünzen zu 5 und 10 Pfennige wurden durch Münzen aus Aluminiumbronze ersetzt.[18] Die 1 und 2 Pfennigstücke änderten sich nicht.[17] Die neuen Bestimmungen erlangten ab dem 12. Juli 1932 Gesetzeskraft.
Die Münzreform war offensichtlich durch die Weltwirtschaftskrise motiviert. Durch Ersatz der Edelmetalle bzw. Verringerung des Edelmetallgehalts in den Münzen sollten dem Staat zusätzliche Einnahmen zugeführt werden.
| Münzen ab 1931/1932[16][17][18] | |||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Bild | Nennwert | Technische Parameter | Beschreibung | Datum | |||||||||
| Durch- messer | Masse | Zusammen- setzung | Rand | Vorderseite | Rückseite | Ausgegebene Menge | Münzprägung | Gültigkeit bis | Umtausch bis | ||||
| 5 Pfennig | 17,5 mm | 2,0 g | 91,5 % Cu, 8,5 % Al |
glatt | „5 Pfennig“, „Freie Stadt Danzig“ |
Flunder | 1932 | 1. November 1940[13] | 30. November 1940[13] | ||||
| 10 Pfennig | 21,5 mm | 3,5 g | 91,5 % Cu, 8,5 % Al |
glatt | „10 Pfennig“, „Freie Stadt Danzig“ |
Pomuchel (Dorsch), Jahr | 1932 | ||||||
| ½ Gulden | 19,5 mm | 3,0 g | 100 % Ni | glatt | „½ Gulden“, Jahr | „Freie Stadt Danzig“, Wappen ohne Schildhalter | 1932 | 25. Juni 1940[19] | 25. Juli 1940[19] | ||||
| 1 Gulden | 23,5 mm | 5,0 g | 100 % Ni | glatt | „1 Gulden“, „Freie Stadt Danzig“ | Wappen ohne Schildhalter, Jahr | 1932 | ||||||
| 2 Gulden | 26 mm | 10,0 g | 50 % Ag, 50 % Cu |
glatt, mit Prägung „nec temere ★ nec timide“ | „2 Gulden“, „Freie Stadt Danzig“, Kogge, achtzackiger Stern | Wappen, gehalten von 2 Löwen, Jahr | 1932 | 1. Oktober 1935[20] | 31. Dezember 1935[20] | ||||
| 5 Gulden | 30 mm | 15,0 g | 50 % Ag, 50 % Cu |
glatt, mit Prägung „nec temere ★ nec timide“ | „Fünf Gulden“, „Freie Stadt Danzig“, sowie Marienkirche oder Krantor | Wappen, gehalten von 2 Löwen, Jahr | 1932 | ||||||
Münzserie ab 1935
Mit einer Münzverordnung vom 1. Mai 1935, die am 2. Mai 1935 in Kraft trat, wurden die letzten noch kursierenden Silbermünzen (die 1932 eingeführten 2 und 5 Guldenstücke) aus dem Verkehr gezogen und ein neues 5 Guldenstück, sowie 10 Guldenstück, beide aus Reinnickel, eingeführt. Die 25 Guldenstücke aus Gold wurden außer Kurs gesetzt.[15] Die am 15. Juli 1935 in Kraft getretenen Ausführungsbestimmungen legten die Gestaltung der neuen Münzen fest.[21]
| Münzen ab 1935[15][21] | |||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Bild | Nennwert | Technische Parameter | Beschreibung | Datum | |||||||||
| Durch- messer | Masse | Zusammen- setzung | Rand | Vorderseite | Rückseite | Ausgegebene Menge | Münzprägung | Gültigkeit bis | Umtausch bis | ||||
| 5 Gulden | 29 mm | 11 g | 100 % Ni | glatt mit blattartiger Verzierung abwechselnd mit vierzackigem Stern[15] | „Fünf Gulden“, „Freie Stadt Danzig“, Kogge, „5“, achtzackiger Stern, Jahr | Wappen, gehalten von 2 Löwen, „nec temere nec timide“ | 1935 | 30. September 1939[10] | 15. Oktober 1939[10] | ||||
| 10 Gulden | 34 mm | 17 g | 100 % Ni | „Zehn Gulden“, „Freie Stadt Danzig“, Rathaus, „10“, achtzackiger Stern, Jahr | Wappen, gehalten von 2 Löwen, „nec temere nec timide“ | 1935 | |||||||
Literatur
- Friedrich von Schrötter: Wörterbuch der Münzkunde, Walter de Gruyter & Co., Berlin 1970, DNB 458690163 , S. 246.
- Günter Schön, Gerhard Schön: Welt Münzkatalog, 20. und 21. Jahrhundert, 1900–2010. Battenberg Gietl Verlag, München 2010, ISBN 978-3-86646-184-0.
- Wolfgang Ramonat: Der Völkerbund und die Freie Stadt Danzig 1920–1934, Biblioverlag, Osnabrück 1979, ISBN 3-7648-1115-3, S. 170–173.