Danziger Gulden

von 1923 bis 1939 Währung der Freien Stadt Danzig From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Danziger Gulden war von 1923 bis 1939 die Währung der Freien Stadt Danzig. Er war unterteilt in 100 Pfennig. Bereits in den vorherigen Jahrhunderten hatte Danzig in eigener Münze gerechnet und teilweise auch geprägt. Zwischen 1809 und 1812 prägte die Republik Danzig, ein von Napoleon geschaffener Staat, den Groschen und den Schilling (1 Groschen = 3 Schillinge) als Kupfermünzen.[1] Im 18. Jahrhundert wurden auch Dukaten (aus Gold), 2 Guldenstücke, 18 Groschen und VI Groschen (aus Silber) sowie Groschen und Schillinge aus Kupfer geprägt.[2]

Gebäude der Bank von Danzig (1945 schwer beschädigt)

Geschichte

Mit Inkrafttreten des Versailler Vertrages am 10. Januar 1920 wurde Danzig vom Deutschen Reich abgetrennt und zur „Freien Stadt“. Obwohl bereits im November 1920 Verhandlungen zwischen Polen und Danzig über die Einführung einer gemeinsamen Währung stattfanden, blieb die Papiermark zunächst die offizielle Währung. Die Stadt gab einige Serien von auf Mark lautenden Notgeldscheinen heraus, die aber im Verlaufe der Hyperinflation von 1923 völlig wertlos wurden. Polen und die Regierung der Freien Stadt Danzig einigten sich am 22. September 1923 in Genf auf die Einführung einer neuen Währung, die von polnischer Seite als Vorstufe einer gemeinsamen Währung betrachtet wurde. Gemäß dem einstimmigen Beschluss des Volkstags am 19. Oktober 1923 und der Senatsbeschlüsse vom 20. Oktober und 20. November 1923 wurde als neue Währung am 26. Oktober 1923 der Gulden eingeführt.[3] Zunächst handelte es sich um einfache Kassenscheine der Zentralkasse, die auch als „Zwischengulden“ bezeichnet werden.[4] Am 18. Dezember 1923 wurde der Gulden gesetzliches Zahlungsmittel.[5]

Geprägt wurden Kupfer-, Nickel-, Silber- und Goldmünzen. Die Goldmünzen waren nicht für den Umlauf gedacht, sondern wanderten ganz überwiegend in die Goldreserve der Bank von Danzig (s. u.). Die Währung beruhte auf dem Goldstandard. Ein Danziger Gulden hatte den Wert von 1/25 des britischen Pfunds, das 25-Gulden-Stück entsprach einem Sovereign und enthielt 7,322 Gramm Feingold.[3] Die meisten Münzen wurden in der Berliner Münze entworfen, einige Emissionen wurden in der Utrechter Münze geprägt.

Der Danziger Gulden wurde zunächst von der am 19. Oktober 1923 errichteten Danziger Zentralkasse AG herausgegeben. Danach übernahm die mit einem Kapital von 7,5 Millionen Gulden am 5. Februar 1924 gegründete Bank von Danzig die Funktion einer Notenbank. Diese bezog das Gebäude der Reichsbankhauptstelle, die zum 31. Dezember 1923 ihren Geschäftsbetrieb einstellte.

Die Münzverordnung von 21. September 1931 veränderte die Golddeckung des Danziger Guldens. Seither entsprach 1 Danziger Gulden 0,292895 Gramm purem Gold.[6] In zwei Stufen, 1931/1932 und 1935 wurden die Silbermünzen aus dem Verkehr gezogen und durch Reinnickelmünzen ersetzt.

Die Münzverordnung vom 1. Mai 1935 verringerte den Goldwert des Guldens auf 0,1687923 Gramm (Goldwert eines Guldens heute unter Außerachtlassen der Kaufkraftveränderungen: 22,264 €).[7] Damit wurde der Danziger Gulden dem polnischen Złoty angeglichen. Im Juli 1938 betrug der amtliche Gegenwert von 100 Danziger Gulden rund 47 Reichsmark. Der Wert des 1939 für den Danziger Gulden noch vorhandenen Deckungsgoldes betrug am 1. Mai 1935 und am 31. August 1939 ca. 23 Millionen Danziger Gulden.

Das Ende des Danziger Guldens als Währung wurde mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 eingeläutet. Noch am Tag des Kriegsbeginns wurde das Gesetz über die Wiedervereinigung der Freien Stadt Danzig mit dem Deutschen Reich verkündet,[8] gefolgt von einer Verordnung über die Einführung der Reichsmarkwährung in dem Gebiet der bisherigen Freien Stadt Danzig vom selben Tag. Der Wert des Danziger Guldens wurde auf 70 Reichspfennig festgesetzt.[9] Mit dem 30. September 1939 endete die Gültigkeit des Danziger Guldens als gesetzliches Zahlungsmittel im Gebiet der ehemaligen Freien Stadt Danzig. Einige Münzdenominationen blieben noch eine Zeitlang als Scheidemünzen weiter gesetzliches Zahlungsmittel (s. u.).[10]

Münzen und Banknoten

Es wurden Münzen mit den Werten 1, 2, 5, 10 und 50 Pfennig sowie 1, 5, 10 und 25 Gulden ausgegeben. Ferner dazu existierten Banknoten zu 1, 2, 5, 10 und 50 Pfennig sowie 1, 5, 10, 20, 25, 50, 100 und 1000 Gulden. Banknoten mit Werten unter 10 Gulden waren seit Mitte der 30er Jahre nicht mehr im Umlauf anzutreffen.

Münzen

Münzserie ab 1923

In der folgenden Tabelle sind die Münzen aufgeführt, die ab dem 18. Dezember 1923 gültiges Zahlungsmittel waren.[5] Die insgesamt 5000 geprägten Goldmünzen zum Nennwert von je 25 Gulden waren nicht für den Umlauf bestimmt, sondern wurden größtenteils in den Goldbestand der Bank von Danzig aufgenommen.[11]

Weitere Informationen Münzen ab 1923, Bild ...
Münzen ab 1923[3][12]
BildNennwertTechnische ParameterBeschreibungDatum
Durch-
messer
MasseZusammen-
setzung
RandVorder­seiteRück­seiteAusgegebene
Menge
Münz­prägungGültig bisUmtausch bis
  1 Pfennig 17 mm 1,67 g 95 % Cu,
4 % Sn,
1 % Zn
glatt „1 Pfennig Danzig“ Jahr,
Wappen
11.500.000 1923–
1937
1. November 1940[13] 30. November 1940[13]
  2 Pfennige 19,5 mm 2,5 g „2 Pfennige Danzig“ 3.250.000 1923–
1937
  5 Pfennige 17,5 mm 2,0 g 75 % Cu,
25 % Ni
glatt „5 Pfennige Danzig“ Jahr,
Wappen
4.000.000 1923,
1928
  10 Pfennige 21,5 mm 4,0 g „10 Pfennige“,
„Freie Stadt Danzig“
5.000.000 1923
  ½ Gulden 19,5 mm 2,5 g 75 % Ag,
25 % Cu
gerippt „Freie Stadt Danzig“, „½ Gulden“, Jahr,
Wappen
Kogge 1.400.000 1923,
1927
1. April 1932[14] 30. Juni 1932[14]
  1 Gulden 23,5 mm 5,0 g „1 Gulden“,
„Freie Stadt Danzig“,
Kogge
Wappen,
gehalten
von 2 Löwen,
fünfzackiger Stern, Jahr
3.500.500 1923
  2 Gulden 26,5 mm 10,0 g glatt „2 Gulden“,
„Freie Stadt Danzig“,
Kogge
1.250.000
  5 Gulden 35,0 mm 25,0 g „Freie Stadt Danzig“,
fünfzackiger Stern, „5 Gulden“, Jahr,
Marienkirche
„Fünf Gulden“,
Wappen,
gehalten
von 2 Löwen
860.500 1923,
1927
  25 Gulden 7,9881 g 91,7 % Au,
8,3 % Cu
glatt, mit Prägung
„nec temere, nec timide“, Jahr
„25 Gulden“
Figur des
Neptunbrunnens
„Freie Stadt Danzig“,
Wappen mit
2 Säulen, gehalten
von 2 Löwen
5.000 1923,

1930

kein im Umlauf befindliches Zahlungsmittel, als Deckung des Notenumlauf bei der Reichsbank in Berlin eingelagert, am 2. Mai 1935 außer Kurs gesetzt[15]
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Münzserie ab 1931/1932

Im Jahr 1931/1932 wurden neue Silbermünzen (2 und 5 Guldenstücke) eingeführt.[16] Gleichzeitig wurde auch der Silbergehalt reduziert. Die bisherigen ½ Guldenstücke und 1 Guldenstücke (Silbermünzen) wurden durch neue Reinnickelmünzen ersetzt. Die alten Silbermünzen verloren zum 1. April 1932 ihre Gültigkeit als Zahlungsmittel und konnten noch bis zum 30. Juni 1932 umgetauscht werden.[17] Die Nickelmünzen zu 5 und 10 Pfennige wurden durch Münzen aus Aluminiumbronze ersetzt.[18] Die 1 und 2 Pfennigstücke änderten sich nicht.[17] Die neuen Bestimmungen erlangten ab dem 12. Juli 1932 Gesetzeskraft.

Die Münzreform war offensichtlich durch die Weltwirtschaftskrise motiviert. Durch Ersatz der Edelmetalle bzw. Verringerung des Edelmetallgehalts in den Münzen sollten dem Staat zusätzliche Einnahmen zugeführt werden.

Weitere Informationen Bild, Nennwert ...
Münzen ab 1931/1932[16][17][18]
BildNennwertTechnische ParameterBeschreibungDatum
Durch-
messer
MasseZusammen-
setzung
RandVorder­seiteRück­seiteAusgegebene
Menge
Münz­prägungGültigkeit bisUmtausch bis
  5 Pfennig 17,5 mm 2,0 g 91,5 % Cu,
8,5 % Al
glatt „5 Pfennig“,
„Freie Stadt Danzig“
Flunder 1932 1. November 1940[13] 30. November 1940[13]
  10 Pfennig 21,5 mm 3,5 g 91,5 % Cu,
8,5 % Al
glatt „10 Pfennig“,
„Freie Stadt Danzig“
Pomuchel (Dorsch), Jahr 1932
  ½ Gulden 19,5 mm 3,0 g 100 % Ni glatt „½ Gulden“, Jahr „Freie Stadt Danzig“, Wappen ohne Schildhalter 1932 25. Juni 1940[19] 25. Juli 1940[19]
  1 Gulden 23,5 mm 5,0 g 100 % Ni glatt „1 Gulden“, „Freie Stadt Danzig“ Wappen ohne Schildhalter, Jahr 1932
  2 Gulden 26 mm 10,0 g 50 % Ag,
50 % Cu
glatt, mit Prägung „nec temere ★ nec timide“ „2 Gulden“, „Freie Stadt Danzig“, Kogge, achtzackiger Stern Wappen, gehalten von 2 Löwen, Jahr 1932 1. Oktober 1935[20] 31. Dezember 1935[20]
  5 Gulden 30 mm 15,0 g 50 % Ag,
50 % Cu
glatt, mit Prägung „nec temere ★ nec timide“ „Fünf Gulden“, „Freie Stadt Danzig“, sowie Marienkirche oder Krantor Wappen, gehalten von 2 Löwen, Jahr 1932
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Münzserie ab 1935

Mit einer Münzverordnung vom 1. Mai 1935, die am 2. Mai 1935 in Kraft trat, wurden die letzten noch kursierenden Silbermünzen (die 1932 eingeführten 2 und 5 Guldenstücke) aus dem Verkehr gezogen und ein neues 5 Guldenstück, sowie 10 Guldenstück, beide aus Reinnickel, eingeführt. Die 25 Guldenstücke aus Gold wurden außer Kurs gesetzt.[15] Die am 15. Juli 1935 in Kraft getretenen Ausführungsbestimmungen legten die Gestaltung der neuen Münzen fest.[21]

Weitere Informationen Münzen ab 1935, Bild ...
Münzen ab 1935[15][21]
BildNennwertTechnische ParameterBeschreibungDatum
Durch-
messer
MasseZusammen-
setzung
RandVorder­seiteRück­seiteAusgegebene
Menge
Münz­prägungGültigkeit bisUmtausch bis
  5 Gulden 29 mm 11 g 100 % Ni glatt mit blattartiger Verzierung abwechselnd mit vierzackigem Stern[15] „Fünf Gulden“, „Freie Stadt Danzig“, Kogge, „5“, acht­zackiger Stern, Jahr Wappen, gehalten von 2 Löwen, „nec temere nec timide“ 1935 30. September 1939[10] 15. Oktober 1939[10]
  10 Gulden 34 mm 17 g 100 % Ni „Zehn Gulden“, „Freie Stadt Danzig“, Rathaus, „10“, acht­zackiger Stern, Jahr Wappen, gehalten von 2 Löwen, „nec temere nec timide“ 1935
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Literatur

  • Friedrich von Schrötter: Wörterbuch der Münzkunde, Walter de Gruyter & Co., Berlin 1970, DNB 458690163 , S. 246.
  • Günter Schön, Gerhard Schön: Welt Münzkatalog, 20. und 21. Jahrhundert, 1900–2010. Battenberg Gietl Verlag, München 2010, ISBN 978-3-86646-184-0.
  • Wolfgang Ramonat: Der Völkerbund und die Freie Stadt Danzig 1920–1934, Biblioverlag, Osnabrück 1979, ISBN 3-7648-1115-3, S. 170–173.

Einzelnachweise

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