Danziger Krieg
Konflikt zwischen der Stadt Danzig und dem polnischen Königreich (1576/77)
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Der Danziger Krieg war ein kriegerischer Konflikt 1576 bis 1577 zwischen der Stadt Danzig und Stephan Báthory, dem König von Polen-Litauen.

Vorgeschichte
Nachdem der gewählte französischstämmige König Heinrich von Valois im Juni 1574 Polen fluchtartig verlassen hatte, fand auf dem Wahlreichstag im Spätherbst 1575 eine Neuwahl statt. Während die Szlachta als künftigen König Stephan Bathory wählte, der seit 1571 Fürst von Siebenbürgen war, rief der Interrex Jakub Uchański mit Unterstützung des Senats am 12. Dezember 1575 Kaiser Maximilian II. zum König aus. Die Doppelwahl wurde durch den rascheren Griff nach der Krone durch Stephan entschieden, der bereits Ende März an der moldauischen Grenze eintraf, während der Kaiser erst den Eid auf die Pacta conventa leistete. Durch den frühen Tod des Kaisers am 12. Oktober 1576 wurde der Übergang der Anhänger des Habsburgers auf die Seite Stephans wesentlich erleichtert.
Die Stadt Danzig wollte sich auch nach der Krönung Stephans für Maximilian erklären und verweigerte die von den übrigen preußischen Ständen bereits geleistete Huldigung. Sie machte zur Bedingung, dass der König zunächst ihre alten städtischen Rechte bestätigen solle.
Verlauf
König Stephan war nicht bereit, auf die Danziger Bedingungen einzugehen. Er verhängte am 24. September 1576 und erneut am 11. Februar 1577 die Acht über die Stadt und sammelte eine Streitmacht, um ihre Unterwerfung zu erzwingen. Der Konflikt traf Danzig nicht unvorbereitet. Schon in den Jahren zuvor hatte der Rat die Befestigungen der Stadt verstärken lassen, die Bürgerschaft zum Waffendienst herangezogen und Söldner von auswärts angeworben. Der Danziger Rat versuchte, den Konflikt durch Verhandlungen beizulegen und auch der König zeigte sich in einigen Punkten kompromissbereit. Nachdem die drei Danziger Verhandlungsführer Bürgermeister Konstantin Ferber, Ratsherr Georg Rosenberg und Syndikus Heinrich Lemke im königlichen Lager nahe Thorn unter Bruch der Zusage freien Geleits verhaftet worden waren, und nachdem der König der Stadt eine Strafzahlung von mehreren Hunderttausend Gulden auferlegt hatte, brach der Rat auf Druck der Bürgerschaft und insbesondere der Handwerker die Verhandlungen ab. Die Wut der Danziger Bürger entlud sich vor allem gegen die katholische Minderheit, die verdächtigt wurde, mit dem König zu sympathisieren. Am 15. Februar 1577 wurde das Kloster Oliva geplündert und in Brand gesteckt. Im Gefecht bei Lübschau am 17. April 1577 unterlag ein Danziger Aufgebot der königlichen Streitmacht. Am 13. Juni 1577 war das königliche Heer vor den Stadtmauern angelangt und begann mit der Belagerung, die über drei Monate bis zum 6. September 1577 andauerte. Die Einnahme der Stadt gelang nicht. Den königlichen Kräften, zu denen auch ungarische Truppen unter Bathorys ehemaligem Thronrivalen Gáspár Bekes gehörten, gelang es nicht, die Stadt von der Seeseite her abzuschneiden, so dass Danzig von Dänemark Flottenunterstützung erhalten konnte.[1]
Nach Abbruch der Belagerung konnten die Danziger ihrerseits gegen Elbing, das den König unterstützt hatte, offensiv vorgehen. Eine Flottille verließ am 10. September 1577 Danzig in Begleitung einiger dänischer Schiffe und lief in das Frische Haff ein, wo sie den Elbinger Seehandel empfindlich störte, zahlreiche Elbinger Schiffe erbeutete und die Umgebung Elbings verwüstete. Der Handelskonkurrent Elbing wurde dadurch schwer geschädigt.[1]
Frieden
Unter kurbrandenburgischer und kursächsischer Vermittlung schlossen beide Seiten am 12. Dezember 1577 Frieden. Danzig erkannte Stephan Báthory als König an und verpflichtete sich zu Zahlungen von 200.000 Gulden an den König und 20.000 Gulden an das geschädigte Kloster Oliva. Im Gegenzug hob König Stephan die Acht auf, bestätigte alle alten Privilegien der Stadt und garantierte ihr die weitere freie Ausübung des lutherischen Bekenntnisses.[1] Formell war damit die Autorität des Königs bestätigt worden, aber auch die Danziger hatten ihre alten Privilegien behauptet.
Sieben Jahre später erreichte Danzig im Pfahlgeldvertrag vom 26. Februar 1585 so weitgehende Vorrechte, dass seine Stellung an der Weichselmündung der einer der hansischen Freien Städte im Heiligen Römischen Reich vergleichbar wurde.
Literatur
- Theodor Schieder, André J. Bourde, Josef Engel (Hrsg.): Die Entstehung des neuzeitlichen Europa (= Handbuch der europäischen Geschichte. Bd. 3), Klett, Stuttgart 1971, ISBN 978-3-12-907550-0, S. 1035f.