Danziger Zeitung

Tageszeitung in Danzig von 1858 bis 1930 From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Danziger Zeitung war eine liberale Tageszeitung in Danzig von 1858 bis 1930.

Geschichte

Die Danziger Zeitung wurde vom Kaufmann Ferdinand Prowe gegründet. Zu den Mitgründern gehörten auch der liberale Landtags- und spätere Reichstagsabgeordnete Heinrich Rickert (später Ehrenbürger Danzigs) und der Buchdrucker Albert Wilhelm Kafemann.[1][2] Am 1. Juni 1858 erschien die erste Ausgabe. Die Zeitung richtete sich vor allem an das wirtschaftsinteressierte und das gebildete Bürgertum der Stadt und Umgebung. Sie war liberal eingestellt und enthielt neben den tagesaktuellen Seiten ausführliche wirtschaftliche, kulturelle und lokale Teile. Dazu kamen im Laufe der Jahre zahlreiche Beilagen.

Die Danziger Zeitung erschien zweimal täglich, einmal morgens und einmal abends. Bis 1894 war sie die wichtigste Zeitung der Stadt. 1896 lag ihre tägliche Auflage bei 9000 Exemplaren. Sie wurde, während Danzig selbst rasch wuchs, von den 1894 gegründeten Danziger Neuesten Nachrichten in der Bedeutung überholt.[2] Um 1914 lag die DZ nur bei 11.000 Exemplaren, das Volksblatt etwa 13.000, die DNN jedoch bei 66.000 Exemplaren.[3] Das war für die damalige Zeit eine Massenauflage, und sie kletterte vorübergehend weiter, während die DZ zurückfiel.

Dem Pressehistoriker Marek Andrzejewski zufolge spielte das Blatt auf dem örtlichen Pressemarkt in den 1920er Jahren noch eine bedeutende Rolle, auch wenn sich ihr Einfluss ständig verringerte. Sie gewann Leser durch einen ausführlichen Wirtschaftsteil, ein großes Feuilleton mit Theater- und Buchbesprechungen sowie einem gepflegten Lokalteil und Beilagen, etwa einer zweimal wöchentlichen Schifffahrts-Beilage. Wie viele Zeitungen geriet die DZ während der Inflationszeit in eine Krise. Statt zweimal täglich erschien sie seit 1. Oktober 1922 nur noch einmal täglich (sieben Ausgaben pro Woche), jeweils morgens – alle anderen Danziger Blätter erschienen zu anderen Tageszeiten.[4]

Ihr Verlag, die Albert Wilhelm Kafemann G. m. b. H., hatte im Oktober 1919 den auf Expansionskurs befindlichen Berliner Großverlag Ullstein als Mehrheitsteilhaber aufgenommen.[5] Es handelte sich offenbar um eine Zweidrittelmehrheit der Anteile.[6] Trotz erheblicher Investitionen in die Modernisierung der Zeitung zog sich Ullstein schon im Krisenjahr 1922 wieder zurück.[7] Den größten Teil des Stammkapitals übernahm nach den zeitgenössischen Verlagsmitteilungen ein konkurrierendes Pressehaus, die Danziger Neuesten Nachrichten (DNN). Dessen Verlag nahm in Bezug auf die Reichspolitik die Haltung der (reichsdeutschen) nationalliberalen, zunächst noch monarchistisch-nationalistischen Deutschen Volkspartei (DVP) ein, während die Danziger Zeitung linksliberal-republikanisch mit Nähe zur Deutschen Demokratischen Partei (DDP) eingestellt war.[8][4] Zwar war Danzig jahrzehntelang eine Hochburg des progressiven Bürgertums gewesen, aber mit der Abtrennung der Freien Stadt Danzig vom Deutschen Reich gewannen nationalistische und konservative politische Richtungen massiv an Einfluss.[9]

Seit Oktober 1922 erschien die Zeitung nur noch einmal täglich, am 31. Januar 1930 wurde das Erscheinen eingestellt.

Literatur

  • Pützfeld, Carl (1928, 5. Mai). „Das Zeitungswesen im Freistaat Danzig“. Der Zeitungs-Verlag, Nr. 18, S. 37–40. Abgerufen am 13. Dez. 2025 von ANNO
  • Andrzejewski, Marek (2004). „Die Presse in der Freien Stadt Danzig“. In Hilbert G. Hornig (Hg.), Deutsch-polnische Begegnung zu Wissenschaft und Forschung im zusammenwachsenden Europa. Schriftenreihe der Danziger Naturforschenden Gesellschaft, Band 6, S. 32–44. Volltext (PDF)
  • „Kafemann, Albert Wilhelm“, in: Schmidt, Rudolf. Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker Band 3. Berlin und Eberswalde 1904, S. 519–521, abgerufen von ZENO am 13. Dez. 2025.
  • Loew, Peter Oliver (2002). „Die Danziger Presse im 19. und 20. Jahrhundert“. Beiträge zur Geschichte Westpreußens Band 18, S. 97–115, hier S. 107. Abgerufen am 15. Dez. 2025 von Google Books

Einzelnachweise

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