Darkhuang

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Darkhuang (Mizo-Sprache, dar-khuang, „Gong-Trommel“), auch zamluang (jamluang), ist ein großer, senkrecht hängender Buckelgong aus einer Bronzelegierung der Mizo, die im Hügelland des nordostindischen Bundesstaates Mizoram leben. Der früher nur zeremoniell von Männern gespielte und auch als Signalinstrument verwendete darkhuang ist der größte Gong (allgemein dar) der Mizo und besitzt in ihrer traditionellen Kultur einen hohen Wert. Die zeremonielle Funktion und hohe Wertschätzung als vererbter Besitz in reichen Familien hat der darkhuang mit anderen großen Buckelgongs in Nordostindien gemein. Die Region bildet den westlichen Ausläufer der in Südostasien verbreiteten Buckelgongs.

Darkhuang an einer Kordel aufgehängt, Schlägelkopf mit Baumwolle umwickelt

Herkunft und Verbreitung

Gongs sind zu den Aufschlagidiophonen gehörende runde Gefäße aus Metall, die ihr Schwingungsmaximum und damit ihren Anschlagpunkt in der Mitte haben. Die Wölbung in der Mitte bewirkt, dass Buckelgongs einen Ton von einer bestimmten Höhe hervorbringen und unterscheidet sie von Flachgongs, die wie Buckelgongs am Rand umgebogen, aber in der Mitte flach sind und einen Ton von unbestimmter oder veränderlicher Höhe produzieren.[1] Neben diesen beiden hauptsächlichen Gongtypen kommt in Nordostindien ein spezieller Klangkörper in der Form einer tiefen Messingschüssel vor (Mizo-Sprache darbel), der, weil er an der Bodenmitte angeschlagen und am nichtschwingenden Rand in der Hand gehalten wird, zu den Gongs gezählt werden kann. Dieser beim Volk der Garo rang genannte Gong stellt ebenfalls ein Zeichen von Wohlstand dar. Gongs unterscheiden sich von den außerdem in Nordostindien verbreiteten tellerförmigen Becken, wie dem großen Paarbecken bartal in Assam und von Glocken, die im Unterschied zu Gongs in der Mitte gehalten werden und am Rand in Schwingung geraten. Im Hauptverbreitungsgebiet von Buckelgongs vom Südwesten Chinas über das südostasiatische Festland von Myanmar (burmesisch maung) über Thailand (thailändisch khong) und Kambodscha (kambodschanisch kong) bis zu den Malaiischen Inseln einschließlich dem Süden der Philippinen sind unterschiedliche regionale Klassifizierungen von Gongs bekannt.[2]

Die ältesten bekannten Gongs sind Kesselgongs aus dem 7. Jahrhundert v. Chr., die in der südwestchinesischen Provinz Yunnan ausgegraben wurden und in frühen literarischen Quellen tonggu (wörtlich „Bronzetrommel“) genannt werden.[3] Auf die Inseln Java und Bali gelangten von China ausgehend im Verlauf des 1. Jahrtausends Flachgongs (chinesisch luo) und die heute verbreiteten Buckelgongs (wie die Buckelgongreihe reyong).

Für zahlreiche weitere Musikinstrumente in Südostasien ist ein in der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends einsetzender Kultureinfluss aus Indien verantwortlich. Aus altindischer Zeit sind jedoch keine Abbildungen von Gongs bekannt. Infrage kommende Darstellungen wie das Relief einer Prozession aus Mathura (1. Jahrhundert n. Chr.) und vom Stupa in Amaravati (um 2. Jahrhundert n. Chr.) zeigen wahrscheinlich große Rahmentrommeln und keine Gongs.[4] Heute werden in Südasien lediglich vereinzelt kleine oder mittelgroße Flachgongs rituell in Hindutempeln verwendet und wie der ähnliche Metallteller thali mit einem Holzstock geschlagen. Diese Flachgongs stehen kulturell in keiner Beziehung zu den nordostindischen Buckelgongs, die stattdessen mit der südostasiatischen Musikkultur verbunden sind. Die ungefähre Westgrenze traditionell verwendeter Buckelgongs bildet die sich bis in den Nordosten Indiens erstreckende tibetobirmanische Sprachfamilie.[5] In der tibetischen Ritualmusik wird der große Buckelgong (m)khar rnga geschlagen (tibetisch mkhar bedeutet „Metall“ und rnga „Trommel“, vgl. die zweifellige Stieltrommel chos rnga).[6] Im tibetisch-buddhistischen Kloster von Tawang im nordostindischen Bundesstaat Arunachal Pradesh heißt der zeremoniell verwendete und wahrscheinlich aus Tibet importierte Buckelgong khar nga. Andere Buckelgongs in Nordostindien wurden aus dem östlich benachbarten Myanmar eingeführt.

Beim Spiel senkrecht aufgehängter Buckelgong kempul im javanischen Gamelan

Eine vergleichbare hohe Wertschätzung, die den nordostindischen Buckelgongs entgegengebracht wird, ist im übrigen Indien unbekannt.[7] Sie gehört zur traditionellen Kultur von Völkern in Myanmar wie den Shan und Karen und geht auf die seit der Mitte des 1. Jahrtausends in Yunnan sowie im heutigen Vietnam bekannten Kesselgongs (Bronzetrommeln, nach einem Fundort auch Dong-Son-Trommeln) als vererbter Familienbesitz und zeremonielles Tauschobjekt zurück, deren Tradition von Myanmar bis zu den Malaiischen Inseln verbreitet war.[8] Bei den tibetobirmanischen Kuki ist der Buckelgong (allgemein dah, großer Gong dahpi) ein unentbehrliches Zeichen von Wohlstand und wie früher die Bambustrompete pengkul ein Symbol der nationalen Identität. Gewisse Rituale der Kukis lassen sich nicht ohne die von weither eingeführten Gongs durchführen.[9]

Die buddhistischen Tai in Assam spielen in der religiösen Musik den großen flachen Gong barkah (bar-kah) mit einem kleinen Buckel in der Mitte. Ein ähnlicher Gong südostasiatischer Herkunft ist der seemu in Manipur, dessen Durchmesser etwa 50 Zentimeter beträgt. Beide werden an einer Kordel am umgebogenen Rand aufgehängt und mit einem Schlägel mit einem baumwollumwickelten Kopf geschlagen. Dem barkah entsprechende Gongs sind bei kleineren Ethnien in Assam unter Namen wie darpui, dakpi, jamluvang, jammanlung und membew bekannt. Der dahpi der Kukis wiegt etwa 20 Kilogramm, etwas kleiner sind ihre drei Flachgongs dahbu. In den Mizo-Kuki-Chin-Sprachen heißen große Buckelgongs dar, da oder zampi, kleinere Flachgongs in drei Größen darbu oder dakbu und kleinere Buckelgongs in drei Größen daktal oder darmang.[10] Bei den eine sinotibetische Sprache sprechenden Mising in Assam heißt der große Buckelgong lenong.[11] Ansonsten kommen bei den Mizo, Garo und anderen Ethnien kleinere Flachgongs vor, außerdem gehören teilweise mehrere Meter lange Schlitztrommeln (songkong in Assam) zu den rituell geschlagenen Idiophonen im Nordosten. Die Mizo schlagen kleinere Schlitztrommeln talhkhuang mit zwei Stöcken. Kleine Idiophone sind die bei zeremoniellen Tänzen verwendeten Fußschellen ghungru und die Holzstäbe danda.[12]

Nach der Überlieferung soll die Heimat der tibetobirmanischen Mizo in der nordchinesischen Provinz Gansu gelegen haben, von wo sie nach Süden gewandert seien und um 800 n. Chr. das heutige Myanmar erreicht hätten. Dort siedelten sie ungefähr zwischen 800 und 1300 im Kabaw-Tal in der nordwestlichen Sagaing-Region. Kriegerische Auseinandersetzung zwischen den Mizo und den Burmesen soll es in jener Zeit nicht gegeben haben. Stattdessen werden auf den regen Kulturaustausch zwischen beiden Völkern unter anderem zahlreiche sprachliche Übernahmen aus dem Burmesischen und die Gongs der Mizo mitsamt ihrer kulturellen Bedeutung zurückgeführt. Mit dem ersten Überfall der Mongolen auf Burma in den 1280er Jahren wurden das burmesische Königreich Bagan vernichtend geschlagen und außerdem die Dörfer der Mizo geplündert, worauf die Mizo weiter südwestlich in die Chin-Hügel (im Chin-Staat) flohen. Bis um das Jahr 1700 hatten die meisten Mizo ihr heutiges Siedlungsgebiet jenseits (westlich) der vom Tyao-Fluss gebildeten Grenze zwischen Myanmar und Indien in Mizoram erreicht.[13]

Der britische Armeeangehörige Robert Boileau Pemberton war in den 1830er Jahren an der Grenzfestlegung zwischen dem zu Britisch-Indien gehörenden Manipur und Burma beteiligt, worüber er 1835 das Buch The Eastern Frontier of India veröffentlichte. Pemberton bestätigt die kulturelle Trennlinie zwischen den Bewohnern in den nordostindischen Hügelgebieten und den Bewohnern der indischen Ebenen, zwischen denen wenig Handelskontakte bestanden. Demzufolge wurden die im Nordosten weit verbreiteten Gongs und Paarbecken (allgemein für Becken kurtal, ansonsten bezeichnet kartal Klappern) auch aus dem Norden von Handwerkern in Yunnan bezogen.[14]

Wie genau der frühere Handel mit Gongs aus Burma von Dorf zu Dorf und durch reisende Händler verlief, ist unklar. Ein Händler schildert, wie er in den 1970er Jahren von Mizoram nach Mandalay reiste, um Bernsteinhalsketten gegen Gongs zu tauschen. Mit in Mandalay gekauften Gongs fuhr er mit der Eisenbahn in zwei oder drei Tagen nach Norden in den Kachin-Staat bis zu einer Station, von der er nach einer Woche Fußmarsch einen Fundort für Bernstein erreichte.[15] Ihre Gongs importieren die Mizo nach wie vor aus Myanmar, abgesehen von der Tradition auch deshalb, weil es in der Region an Bronze verarbeitenden Industriebetrieben mangelt.[16]

Bauform

Die Mizo unterscheiden drei Gongs (dar): 1) den großen Buckelgong darkhuang, der dem barkah in Assam entspricht, 2) einen Satz von drei kleineren Flachgongs unterschiedlicher Größen und Tonhöhen darbu und 3) den kleinen Gong darmang.

Der darkhuang entspricht in seinen Proportionen einem großen burmesischen Buckelgong (maung), wie er im klassischen burmesischen Orchester (hsaing waing) zum Einsatz kommt.[17] Der Buckel ist halbkugelförmig aus dem Bronzeblech (Glockenmetall) getrieben, der Rand ist rechtwinklig umgebogen. Der Durchmesser eines großen darkhuang beträgt knapp 80 Zentimeter. Der kostbare Gong wird üblicherweise in einem geflochtenen Korb aufbewahrt und nur für den Gebrauch herausgenommen.[18]

Das Anschlagen des Gongs wird darkhuang tum und der Buckel in der Mitte darkhuang-tum pawn genannt.[19]

Verwendung und kulturelle Bedeutung

Stelzenhäuser einer Mizo-Siedlung auf einem Hügel, Foto von 1907

Der wertvollste traditionelle Besitz der Mizo waren die Gongs und besonders der große Buckelgong darkhuang, den sich nur wohlhabende Bürger als Familienschatz leisten konnten. Die Wertschätzung für Gongs kommt im Präfix dar- zum Ausdruck, das in vielen Vornamen enthalten ist. Oftmals wurde der darkhuang höher bewertet als ein Mithun, das größte, in der Region lebende und wertvollste domestizierte Tier. In früheren Zeiten gehörten allgemein Gongs zu den in der Familie anstelle von Geld vererbten Gütern. Die besonderen Vermögenswerte (sum oder sum leh pai) einer wohlhabenden Mizo-Familie bestehen nach der Tradition aus: allen Gongs (dar), Waffen (silai), Halsketten (thi, darunter thihna aus Bernstein und aus dem Halbedelstein Rubin thival), Mithun (sial) und großen Messinggefäßen (darbel).[20] Die Mizo-Gesellschaft ist patrilinear organisiert. Der Familienbesitz gehört dem Mann und wird nur an männliche Nachkommen vererbt. Lediglich in einzelnen Fällen, wenn es keinen männlichen Erben gibt, kann nach dem traditionellen Recht auch eine Frau die Vermögenswerte erben.[21] Üblicherweise geht der Besitz an den jüngsten Sohn über, von dem erwartet wird, dass er nicht wie die anderen Söhne einen eigenen Hausstand gründet, sondern im Haus der Eltern wohnen bleibt, um sie im Alter zu versorgen.[22] Wertvolle Buckelgongs konnten auch – wie etwa bei den Kukis – als Brautpreis den Besitzer wechseln.[23]

Nach der Strafexpedition der britisch-indischen Armee von 1871/72 (bekannt als Lushai Expedition, nach Lushai, dem früheren Namen der Mizo) unter Generalmajor George Bourchier annektierten die Briten 1872 das Gebiet[24] und die Mizo wurden zu Strafzahlungen in Form von darkhuang, darbu, Bernsteinhalsketten (thihna), Halsketten aus Halbedelsteinen (thival), Elfenbein, Mithun, Schweinen, Hühnern und Reis verpflichtet.[25] Die Aufzählung beinhaltet die Vermögenswerte und die Lebensgrundlage eines Mizo-Haushalts.

Der darkhuang wurde bei besonderen zeremoniellen Anlässen der Freude oder der Trauer geschlagen und dabei häufig klanglich von anderen Gongs unterstützt. Im Trauerfall schlug eine Familie, die Gongs besaß, kurz bevor der Verstorbene aus dem Haus getragen wurde einen großen Gong oder mehrere Gongs und schoss in die Luft.[26]

Beim Zusammenspiel in der zeremoniellen Musik mit den drei unterschiedlich hoch tönenden darbu gab der darkhuang den Rhythmus vor. Der kleinere darmang wurde nie allein geschlagen, sondern bildete eine rhythmische Ergänzung für die anderen Gongs. Ein Grund für das allmähliche Verschwinden der Gongs als zeremonielle Musikinstrumente war die Ankunft christlicher Missionare im Jahr 1894. Mit dem bis dahin praktizierten traditionellen Glauben waren magische Vorstellungen verbunden, in die Musikinstrumente einbezogen waren. Diese wurden von der neuen Religion und europäischen Musikinstrumenten abgelöst, angefangen in den 1920er und 1930er Jahren mit dem Einsatz von Violine und Gitarre.[27] Die Christianisierung bedeutete für die Mizo einen radikalen Bruch mit der eigenen Religion und damit ihrer überlieferten Kultur. Dieser Übergang wurde von Mizo-Dichtern mit der Metapher vom Ende der „Gong-Kultur“ und dem Beginn der „Gitarren-Kultur“ ausgedrückt.[28]

Der darkhuang diente wie die Bambustrompete pengkul der Kukis auch als Signalinstrument, etwa als Warnung vor drohenden Gefahren und um die Dorfgemeinschaft zusammenzurufen. Hatten das Oberhaupt und seine Ältesten zu Jahresbeginn beschlossen, welches Land für den Feldbau urbar gemacht werden sollte, teilten sie die Flächen nach ihrer Bodenqualität ein und bemaßen diese den einzelnen Familien proportional zu deren verfügbaren Arbeitskräften zu. Am Tag, an dem die Landzuteilungen für die allgemeine Bevölkerung geregelt werden sollten, schlug der Anführer des Dorfes frühmorgens einen darkhuang oder gab einen Gewehrschuss ab. Dies war das Signal für die Bauern, in den Wald zu gehen und die verfügbaren Flächen untereinander aufzuteilen.[29]

Wurde ein Tiger in der Nähe des Dorfes gesichtet, dann gingen junge Männer darkhuang schlagend durch das Dorf, um das Tier durch den Lärm abzuschrecken und zu vertreiben. Wurde ein Tiger durch eine Falle oder eine andere Jagdmethode getötet, dann ließ das Dorfoberhaupt eine sa aih-Zeremonie durchführen, bei der zumindest ein Mithun oder ein Mithun, ein Schwein, eine Ziege und ein Hund getötet wurden. Nach einigen Vorbereitungen wurden während der Zeremonie im Haus des Oberhaupts in gewissen Abständen ein darkhuang, außerdem eine zweifellige Fasstrommel khuang und die drei Gongs darbu geschlagen. Nachmittags feierten die Dorfbewohner die Tötung des Tigers mit Tänzen. Das eigentliche Ritual führten der Jäger und mehrere Männer in Frauenkleidern durch. Die zugrundeliegende Vorstellung war, dass die von den umliegenden Hügeln das Ritual beobachtenden Tiger erkennen würden, dass der Jäger für sie gefährlich und unbezwingbar sei.[30]

In früheren Zeiten kam es häufig zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Nachbarvölkern, bei denen Kopfjagden praktiziert wurden. Konnte ein Kriegsheimkehrer den Kopf eines getöteten Feindes präsentieren, wurde er hoch geehrt. Ansonsten brachten die Krieger erbeutete Gewehre, Speere, Messer und Gongs als Trophäen mit, die sie im Tausch gegen andere Waren weitergaben. Zu Ehren der heimgekehrten Helden versammelten sie sich in festlicher Kleidung zu Tänzen mit jungen Frauen zusammen auf dem Dorfplatz. Ein Orchester mit darkhuang, drei darbu, einer Trommel (khuang) und einer Panflöte (tumphit, mit drei Bambuspfeifen) begleitete eine Zeremonie aus Tänzen und Ritualhandlungen. In deren Zentrum stand ein gekochtes Ei, dessen magische Kräfte Unheil abwenden sollten. Die gesamte Dorfbevölkerung war anwesend. In einem nachfolgenden Ritual opferte der erfolgreiche Kopfjäger ein Mithun oder ein Schwein.[31]

Allgemein werden traditionelle Tänze stets von einer zweifelligen Fasstrommel khuang begleitet, die es in unterschiedlichen Größen gibt, viele Tänze außerdem von den Gongs darkhuang und darbu.[32] Als Taktgeber dienen manchmal zwei in den Händen gehaltene und gegeneinander geschlagene Mithunhörner (seki).

Zu den zeremoniellen Tänzen gehört der Gruppentanz khuallam („Tanz für die Gäste“), mit dem traditionell Gäste empfangen wurden und der heute bei Festveranstaltungen aufgeführt wird.[33] Der solakia (sawlakia) war ursprünglich ein Kriegstanz, mit dem der Sieg über den Feind und vor allem das Ende einer erfolgreichen Kopfjagd zelebriert wurde. Heute tanzen Männer und Frauen den solakia gemeinsam,[34] begleitet hauptsächlich von Paarbecken und daneben von darkhuang.[35]

Ein weiterer Anlass für den Einsatz der Gongs ist das Fest khuangchawi („die Trommel schlagen“), mit dem früher Männer für ihre Tapferkeit oder ihre guten Werke geehrt wurden. Hierzu zählten Krieger oder Jäger, die einen Tiger erlegt hatten, und Wohlhabende, die sich großzügig gegenüber der Gemeinschaft zeigten. Die Tanzzeremonie wird von Trommeln, Gongs und Flöten begleitet.[36]

Im Plenarsaal des Parlaments von Mizoram wird ein darkhuang geschlagen, um bei den täglichen Morgen- und Abendsitzungen die Beschlussfähigkeit der Versammlung festzustellen. Dies gehört, wie die Empfehlung, die Parlamentarier sollten bei den Sitzungen traditionelle Kleidung (das gewebte Lendentuch pawndum) tragen, zu den offiziellen Präsentationen der überlieferten Mizo-Kultur.[37]

Legenden

Aufgestellter Stein mit Reliefs im Distrikt Champhai, Foto von 1909

Die Kultur der Mizo wurde in der Vergangenheit überwiegend mündlich überliefert. Erzählungen und Alltagserfahrungen wurden früher häufig von Frauen gemeinschaftlich zusammengetragen und in Form von gesungenen Liedern weitergegeben. Die Lieder lassen sich thematisch und funktionell in zehn Gruppen einteilen. Eine Liedgattung bilden die darhla („Gong-Lied“), Lieder mit drei Tönen, die von Gongs (darbu) begleitet werden.[38]

Die ersten Komponisten der über viele Generationen populären Lieder sind seit dem 18. Jahrhundert bekannt. Mit der Einführung einer Schrift durch die britische Kolonisierung im 19. Jahrhundert entstand aus dem Bestand an Liedern die erste Mizo-Poesie, niedergeschrieben nicht von den Liedkomponisten selbst, sondern zunächst überwiegend von Männern, die bevorzugt eine britische Schulbildung erlangt hatten. Die erste namentlich bekannte Autorin von Liedern und Erzählungen war Pi Hmuaki. Der Legende nach wurde Pi Hmuaki lebendig mit ihrem großen Gong begraben, der noch sieben Tage nach ihrer Beisetzung zu hören gewesen sein soll. Die Männer, die sie in Absprache mit den Dorfältesten auf diese Weise ermordeten, fühlten sich offenbar durch ihre außergewöhnliche Begabung, über jeden einzelnen Dorfbewohner ein Lied verfassen zu können, bedroht, weil sie für sich selbst keine Möglichkeit mehr zum Komponieren von Liedern sahen. Mit dem großen Gong hatte Pi Hmuaki ihre Lieder begleitet. Den sonst nur von Männern zeremoniell verwendeten Gong zu spielen, war ein weiterer Verstoß gegen die gesellschaftliche Norm.[39]

Die Mizo kennen einen Ursprungsmythos, wonach ihre Ahnen aus einem großen Felsen (chhinlung) hervorgekommen sind. Die Göttin Khuanu hatte den Felsen angehoben und die von ihr geschaffenen, zuvor zusammen mit den Tieren in der Erde lebenden Menschen herausgelassen. In den Hügeln des an Myanmar grenzenden Distrikts Champhai aufgestellte Menhire tragen Ritzzeichnungen (Petroglyphen) und Reliefs, die Tiere, menschliche Figuren und Alltagsgegenstände zeigen. Um einige Steinsetzungen und ihre Darstellungen ranken sich eigene Legenden. Von einem Lungkeiphawtial genannten Menhir beim Dorf Farkawn wird erzählt, ein Mann, dessen Tochter von einem Tiger getötet worden war, sei in tiefe Trauer über diesen Verlust verfallen, sodass er an keiner Festveranstaltung mehr teilnahm und stattdessen ziellos um das Dorf herum wanderte. Schließlich sei er zu einem flach am Boden liegenden Felsen gelangt und habe darauf Gongs, den Kopf eines Mithun (selu), gewebte Kleidung (puanchei, mit Streifenmustern), eine Messerklinge (chem) und einen Tiger, der einen Menschen anfällt, eingeritzt. Solche Erzählungen stellen die Ritzzeichnungen als Symbole mit der materiellen Kultur der Mizo in Beziehung.

Von einem wertvollen darkhuang handelt die Erzählung der beiden Liebenden Chawngvungi und Sawngkhara. Ein Mann von niedrigem sozialem Rang namens Sawngkhara verliebte sich in die schöne Chawngvungi. Ihre Eltern mochten Sawngkhara nicht und als es zur Hochzeit kommen sollte, verlangten sie deshalb einen hohen Brautpreis in Form des sehr teuren Gongs, der sich im Besitz von Sawngkharas Familie befand. Der Gong wurde übergeben, die Hochzeit fand statt, aber wenig später verstarb Chawngvungi kinderlos. Nach der Beisetzung entwendeten Chawngvungis Eltern die Knochen der Verstorbenen und Sawngkhara verblieben lediglich zwei Nägel seiner Frau. Über diesen errichtete er ein Steinmal und opferte rituell ein Mithun.[40] Die Erzählung über diesen darkhuang wird in einem Volkslied der Gruppe darhla überliefert und von drei Gongs darbu begleitet. Eine Strophe lautet:[41]

Chawngvungi, ihr Preis war so hoch
ich gab eine Halskette, doch sie lehnten ab
ich gab einen Gong und sie lehnten ab
sie verlangten unseren heiligen Gong
Chawngvungi, ihr Preis war unübertroffen

Literatur

Einzelnachweise

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