Das Versagen
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Das Versagen. Eine investigative Geschichte der deutschen Russlandpolitik ist ein Sachbuch der deutschen Journalisten Katja Gloger und Georg Mascolo, das am 16. Oktober 2025 im Ullstein Verlag erschien.[1] Auf der Grundlage bislang unveröffentlichter Geheimdokumente und Gespräche mit zahlreichen Zeitzeugen analysiert das Werk, warum deutsche Entscheidungsträger über Jahrzehnte Warnzeichen vor der Politik Wladimir Putins ignorierten. Das Buch wurde in zahlreichen Leitmedien als Standardwerk zur deutschen Russlandpolitik gewürdigt.[2]
Inhalt
Das Buch beginnt mit der Rede Wladimir Putins am 25. September 2001 im Deutschen Bundestag, bei der der russische Präsident Teile seiner Ansprache auf Deutsch hielt und von vielen Abgeordneten mit stehenden Ovationen empfangen wurde. Die Autoren zeigen dabei, dass wesentliche Passagen der Rede von dem früheren Kohl-Berater Horst Teltschik sowie Klaus Mangold, dem damaligen Vorsitzenden des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, formuliert worden waren.[3] Dieser Auftakt dient den Autoren als Ausgangspunkt, um die Fallhöhe der deutschen Russlandpolitik zu verdeutlichen.
Gloger und Mascolo werteten interne Aktenkonvolute aus Kanzleramt, Auswärtiges Amt, Bundeswirtschaftsministerium, Bundestag und Hamburger Staatsanwaltschaft aus, darunter bis heute als Verschlusssachen eingestufte Dokumente. Der Fußnotenapparat des Buches umfasst 85 Seiten.[3]
Zu den zentralen Enthüllungen des Buches zählen:
- Ein Geheimdossier des Auswärtigen Amts aus dem Jahr 2007, das bereits einen bewaffneten Konflikt um die Krim und den Osten der Ukraine beschrieb und im Archiv verschwand.
- Die Hintergründe eines inoffiziellen Kommunikationskanals in den Kreml, dessen Betreiber früher für das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) tätig war.
- Einzelheiten einer engen deutsch-russischen militärischen Zusammenarbeit, unter anderem ein geplantes Ausbildungszentrum für die russische Armee.
- Die Energieabhängigkeit Deutschlands durch Nord Stream 1 und Nord Stream 2 sowie die Rolle von Gerhard Schröder, Sigmar Gabriel und anderen Politikern dabei.
- Die Entscheidung beim NATO-Gipfel 2008 in Bukarest, auf der Deutschland gemeinsam mit anderen Staaten einen NATO-Beitritt der Ukraine und Georgiens verhinderte.
Das Buch endet am Morgen des russischen Angriffs auf Kyjiw am 24. Februar 2022. Den weiteren Kriegsverlauf klammern die Autoren bewusst aus. Die Frage, ob eine andere Russlandpolitik den Angriffskrieg hätte verhindern können, lassen Gloger und Mascolo ausdrücklich offen.[4]
Hintergrund
Gloger und Mascolo begannen nach eigenen Angaben 2022 mit der Recherche. Trotz zahlreicher Gespräche mit Politikern und Ministeriumsangehörigen gelang es ihnen nicht, mit Gerhard Schröder oder Angela Merkel zu sprechen.
Das Versagen ist das dritte gemeinsame Buch von Gloger und Mascolo, die miteinander verheiratet sind. 2021 veröffentlichten sie Ausbruch. Innenansichten einer Pandemie (Piper Verlag), das ebenfalls die Spiegel-Bestsellerliste erreichte.
Rezeption
Das Buch erschien im Oktober 2025 und erreichte die Spiegel-Sachbuch-Bestsellerliste.[5] Matthias Naß schrieb in Die Zeit, das Buch sei „eine fabelhafte Recherche, glänzend erzählt – und zugleich ein eindrucksvolles Dokument deutscher Selbstbefragung".[6] Hans Monath bezeichnete es im Tagesspiegel als „atemberaubenden politischen Krimi" und „Pflichtlektüre für jeden politisch Interessierten".[7] Denis Scheck nannte es in ARD Druckfrisch ein „starkes Stück Recherchejournalismus".[8] Markus Lanz bezeichnete es im ZDF als „unglaublich präzise, packend geschriebene Dokumentation der deutschen Russlandpolitik" und „Pflichtlektüre".[9]
Arno Orzessek beurteilte das Buch auf RBB radio3 als „bestürzendes und schmerzhaftes Buch" von „beeindruckender Tiefenschärfe" und hob hervor, die Autoren schrieben „frei von Besserwisserei".[10]
Kritischer fiel das Urteil des Brigadegenerals und Politologen Helmut W. Ganser aus: Er sah eine analytisch verengte Darstellung, in der die These des Versagens von vornherein feststehe, und vermisste eine breitere Einbettung in den westlichen und NATO-Kontext. Auch der Politologe Jörg Himmelreich bemängelte, Gloger und Mascolo ließen Aussagen ihrer Gesprächspartner aus den Ministerien häufig unkommentiert stehen.[11]
Wolfgang Ischinger, ehemaliger Vorsitzender des Stiftungsrates der Münchner Sicherheitskonferenz, bezeichnete das Buch als „absolute Muss-Lektüre für jeden, der sich für die hoffnungsvollen Zielsetzungen, Illusionen und idealistischen Irrwege unserer Außenpolitik interessiert".[12]
Ausgaben
- Katja Gloger, Georg Mascolo: Das Versagen. Eine investigative Geschichte der deutschen Russlandpolitik. Ullstein Verlag, Berlin 2025, 496 Seiten, ISBN 978-3-550-20427-2 (Hardcover, 26,99 Euro).
- E-Book (ePub): ISBN 978-3-843-73629-9 (22,99 Euro).