David Zini
israelischer Offizier, Leiter des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet
From Wikipedia, the free encyclopedia
David Zini (hebräisch דוד זיני; * 9. Januar 1974 in Jerusalem) ist seit dem 5. Oktober 2025 der Leiter des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet und ehemaliger Generalmajor der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF), wo er zuletzt das Ausbildungskommando und das Generalstabskorps befehligte.

Karriere in den IDF
Zini begann seinen Militärdienst 1992 in der Eliteeinheit Sajeret Matkal,[1] war nach seiner Offizierslaufbahn 2006 als Oberstleutnant Kommandeur des 51. Bataillons der Golani-Brigade[2] und übernahm 2008 den Oberbefehl über die Kommandoeinheit Egoz. 2011 wurde er zum Kommandeur der Alexandroni-Brigade ernannt[3] und übernahm 2014, nach der Verwundung des Kommandanten während der Operation Protective Edge, kurzzeitig den Befehl über die gesamte Golani-Brigade. Nach einer kurzen Verwendung als Einsatzleiter im Zentralkommando wurde er 2015 mit der Gründung der Kommandobrigade beauftragt, welche die vier Elite-Einheiten Egoz, Rimon, Maglan und Duvdevan vereinte, wobei er deren erster Kommandeur wurde. 2018 wurde Zini zum Brigadegeneral befördert und erhielt das Kommando über die 340. Reserve-Division „Idan“.
Nach Auflösung des Verbandes 2020 wurde er zum Kommandeur des Ausbildungsstützpunkts der Bodentruppen im südisraelischen Tze’elim ernannt, wo er bis Ende 2022 diente. Im Juni 2023 wurde Zini zum Generalmajor befördert und übernahm die Rolle des Chefs des Ausbildungskommandos und des Generalstabskorps, welches im Falle eines kriegerischen Konflikts einberufen wird. Während des Terrorangriffs der Hamas auf Israel 2023 kämpfte Zini in der Nähe des Kibbuz Mefalsim, nahe der Gedenkstätte „Schwarzer Pfeil“, wovon Videoaufnahmen veröffentlicht wurden. Als Chef des Ausbildungskommandos war er auch für die eingeführte Wehrpflicht ultraorthodoxer Soldaten und die Gründung der neuen Hasmonäer-Brigade für charedische Soldaten verantwortlich.[4][5]
Ernennung zum Chef des Schin Bet
Am 22. Mai 2025 gab das Büro des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu die Ernennung Zinis zum Chef des Schin Bet als Nachfolger von Ronen Bar bekannt, der am 21. März 2025 per Kabinettsbeschluss entlassen worden war. Netanjahu hatte dem Kabinett die Entlassung Bars empfohlen und begründete dies mit dem Vertrauensverlust in dessen Person aufgrund fehlender Warnungen vor dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023. Das Oberste Gericht entschied noch im Mai, dass Netanjahu mit seiner Vorgehensweise rechtswidrig gehandelt habe, jedoch trat Bar Mitte Juni 2025 auf eigenen Wunsch zurück, wodurch die weiteren Beratungen des Gerichts unterbrochen wurden.[6] Kritiker warfen Netanjahu vor, den Schin Bet zu seinen Gunsten beeinflussen zu wollen, welcher zu diesem Zeitpunkt als „Qatargate“ bezeichnete Ermittlungen unter anderem gegen enge Berater von Netanjahu wegen des Verdachts der Geldannahme durch Katar führte, einen Verbündeten und finanziellen Unterstützer der Hamas, um angeblich die Interessen des Golfstaats zu fördern. Die durch Netanjahu angestrengte Absetzung von Bar sowie die Ernennung eines Nachfolgers durch Netanjahu selbst wurde von Generalstaatsanwältin Gali Baharav-Miara als Interessenkonflikt bezeichnet.[7] Das Büro des Premierministers betonte, dass die Ernennung in erster Linie auf Zinis frühzeitige und vorausschauende Warnungen vor der mangelnden Vorbereitung des Landes auf einen groß angelegten Angriff wie den vom 7. Oktober zurückzuführen sei. In einer offiziellen Erklärung wiesen Beamte darauf hin, dass Zini bereits im März 2023 damit beauftragt worden sei, die operativen Fähigkeiten der für die Grenzen zu Gaza zuständigen 143. Division zu überprüfen, insbesondere für den Fall eines unerwarteten Angriffs. Zinis Ergebnisse, deren Veröffentlichung in Auszügen von Premierminister Netanjahu gestattet wurden, wiesen auf erhebliche Lücken in der Verteidigungsstrategie hin und enthielten klare Empfehlungen zur Verbesserung der Einsatzbereitschaft.[8][9]
Da der IDF-Generalstabschef Eyal Zamir nicht über die Gespräche zwischen Zini und Netanjahu über die bevorstehende Ernennung informiert worden war, wurde Zini nur einen Tag später von diesem aus dem Militär entlassen. Zamir stellte klar, dass jeder Dialog zwischen Angehörigen der IDF und der politischen Ebene mit Zustimmung des Stabschefs erfolgen müsse.[10] Am 4. Juni 2025 fand Zinis Verabschiedungszeremonie statt. Als Nachfolger des Generalstabskorps und der Ausbildungsabteilung wurden Nadav Lotan bzw. Scharon Altit bekanntgegeben.[11]
Der Beratungsausschuss für hochrangige Ernennungen unter Asher Grunis bezeichnete das Zustandekommen der Ernennung durch Netanjahu zwar als Verstoß gegen die Sitten, bestätigte jedoch die Rechtmäßigkeit der Ernennung und genehmigte die Entscheidung am 25. September 2025. Die noch ausstehende Zustimmung des Kabinettsausschusses der Knesset galt somit nur noch als Formsache.[12] Vier ehemalige Leiter des Schin Bet – Nadav Argaman, Ami Ajalon, Yoram Cohen und Karmi Gilon – hatten zuvor mit Einsprüchen an das Gremium versucht, die Ernennung Zinis zu verhindern.[13] Einen Tag zuvor war ein von 260 ehemaligen Schin-Bet-Funktionären unterzeichneter Brief beim Gremium eingegangen, in dem Bedenken vorgebracht wurden, dass mit der Ernennung Zinis das Gleichgewicht zwischen Sicherheitsbedürfnissen und der Wahrung demokratischer Werte gefährdet seien, wobei auf frühere Äußerungen Zinis zur Justiz des Landes Bezug genommen wurde, wo dieser das Justizsystem als Diktatur bezeichnet hatte, die den Staat Israel regiere.[14]
Seine Ernennung wurde schließlich am 30. September 2025 durch das Kabinett einstimmig bestätigt, wobei ihm auch Staatspräsident Jitzchak Herzog gratulierte; sein Amtsantritt erfolgte am 5. Oktober 2025.[15][16] Im November 2025 teilte Zini mit, dass er einen umstrittenen Gesetzentwurf zur Einführung der Todesstrafe für Terroristen unterstütze.[17]
Kritik
Im März 2007 beteiligten sich fast 100 Soldaten des 51. Bataillons der Golani-Brigade an einem der größten Proteste in der Geschichte der israelischen Streitkräfte. Die Soldaten kritisierten die harte Disziplinarpolitik des neuen Bataillonskommandeurs David Zini und das allgemeine fehlende Mitgefühl der Streitkräfte für Soldaten, die im Libanonkrieg 2006 gekämpft und Freunde verloren hatten. Sie gaben an, dass von ihnen gewünschte Treffen mit Psychologen, um die Auswirkungen des Krieges zu besprechen, von ihren Kommandeuren wiederholt verschoben worden seien. Erst Brigadekommandeur Tamir Yadai konnte die Lage beruhigen.[18]
Mit Auslaufen des Wehrdienstgesetzes Ende Juni 2023 und nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs vom 25. Juni 2024 gab es keine Rechtsgrundlage mehr, um bei der Einberufung zwischen Jeschiwa-Studenten und anderen jüdischen Israelis gleichen Alters zu unterscheiden. Als Leiter des Ausbildungskommandos war Zini somit für die umstrittene Einberufung von Haredi-Soldaten in die israelischen Streitkräfte verantwortlich. Im Zusammenhang damit wurde Zini im Januar 2025 in einem Restaurant in Bnei Brak von Dutzenden Haredi-Männern angegriffen und verfolgt, wobei die Polizei einschreiten und drei der Männer festnehmen musste.[19][20]
Die als pro-palästinensisch geltende Pressebeobachtungsorganisation Middle East Monitor unterstellt Zini antimuslimische Äußerungen, wobei sie sich auf eine vom israelischen Sender Channel 12 veröffentlichte Audioaufnahme vom Mai 2025 von einem Treffen Zinis mit Siedlern aus einem Gebiet nahe dem Gazastreifen berief.[21]
Anat Matar, Dozentin im Fachbereich Philosophie und Menschenrechtsaktivistin der Universität Tel Aviv, bezeichnete Zinis Ernennung als „schrecklich“ und kritisierte die Anwendung der Verwaltungshaft durch den Inlandsgeheimdienst, bei der Tausende von Menschen ohne Gerichtsverfahren festgehalten werden.[22]
Laut einem hochrangigen Militärbeamten, der unter dem Deckmantel der Anonymität mit der britischen Nachrichtenagentur Middle East Eye sprach, sei die Ernennung Zinis zum Chef des Inlandsgeheimdienstes mit der Ernennung von Al Capone zum Polizeichef von Chicago vergleichbar. Dem ehemaligen Sicherheitsbeamten zufolge gebe es keine Hinweise darauf, dass Zini selbst an jüdischen Terroranschlägen gegen Palästinenser beteiligt sei, aber „wenn nicht er, dann sind es sein Bruder, sein Rabbi, seine Freunde, seine Gemeinde, sein gesamtes Umfeld“. Eine solche Person zum Leiter einer Organisation zu ernennen, die sich mit diesen Phänomenen befassen soll, sei daher inakzeptabel.[23]
Der Vorsitzende der Nationalen Einheitspartei, Benny Gantz, hatte Zini noch im Mai 2025 aufgefordert, die Ernennung zum Leiter des Schin Bet abzulehnen. Gantz sprach von einer Sabotage des Sicherheitssystems und der Gefahr des Versinkens des Schin Bet im „politischen Schlamm“.[24]
Der Vorsitzende der Demokratischen Allianz, Yair Golan, teilte im September 2025 auf X und später gegenüber Army Radio mit, dass Zinis einzige Eigenschaft, die ihn zum Auserwählten des Premierministers für das Amt mache, die Überzeugung sei, dass er ihm eine Ausnahme von den Ermittlungen in der Katar-Affäre gewähren würde. Golan meinte, dass er, wenn er selbst an die Macht käme, jeden ernannten Beamten ersetzen würde, der vom demokratischen Weg abweiche, was seiner Meinung nach auf Zini zutreffe.[25]
Persönliches und Familie
Zini wuchs in Aschdod auf und war Student an der orthodoxen Jeschiwa Har Hamor in Jerusalem.[26] Er lebt im Moschav Keschet auf den Golanhöhen, ist verheiratet und Vater von elf Kindern (Stand: September 2025).[27]
Laut dem englisch-arabischen Onlinemedium The New Arab ist Zinis Vater, Rabbi Yosef Zini, Mitglied der rechtsextremen, religiös-konservativen und LGBT-feindlichen Partei Noam. Diese ist mit der Partei Mafdal – HaTzionut HaDatit von Finanzminister Bezalel Smotrich und der Partei Otzma Jehudit des Sicherheitsministers Itamar Ben-Gvir verbunden. Im September 2025 beantragte die Polizei die Genehmigung, gegen Yosef Zini wegen angeblich vor dem Sender Channel 13 geäußerter Drohungen gegen den Obersten Gerichtshof ein Ermittlungsverfahren einleiten zu können, was jedoch vom Leiter der Ermittlungsabteilung der Polizei verhindert wurde.[28][29]
Zinis Tochter ist mit dem Sohn von Eliezer Kastiel verheiratet, einem extremistischen Rabbi, der öffentlich zur Versklavung der Araber aufruft und die genetische Überlegenheit von Juden vertritt.[30][31][32]
Laut Middle East Eye und Middle East Monitor steht Zinis Bruder Bezalel in Zusammenhang mit der irregulären Gruppe Uriah Force; laut der hebräischen Tageszeitung Haʾaretz bestehe diese größtenteils aus israelischen Siedlern, welche unter der Aufsicht der IDF im belagerten Gazastreifen operieren und systematisch palästinensische Häuser zerstören.[33] Am 3. Februar 2026 wurde bekanntgegeben, dass Bezalel unter dem Verdacht festgenommen wurde, seine Rolle in der Armee ausgenutzt zu haben, um im Rahmen eines groß angelegten Schmuggelrings verbotene Gegenstände im Gesamtwert von Hunderttausenden Schekel aus Israel nach Gaza geschmuggelt zu haben. Aufgrund der bevorstehenden Anklageerhebung wegen Begünstigung des Feindes, Betrug, Bestechung und Verstößen gegen Israels Antiterrorgesetze wurde vom Amtsgericht Aschkelon die Untersuchungshaft gegen ihn angeordnet.[34][35]
Laut Middle East Eye arbeite ein weiterer Bruder von Zini, Schmuel, mit dem amerikanischen Milliardär Simon Falic zusammen, der Netanjahus Familie nahestehen soll. Berichten zufolge habe die Frau von Netanjahu, Sara Netanjahu, auf Anraten von Schmuel, auf David Zinis Kandidatur für den Posten des IDF-Generalstabschefs gedrängt, welcher jedoch mit Eyal Zamir besetzt wurde, der später Zini wegen nicht abgesegneter Kontakte mit der politischen Führung (Netanjahu) aus dem Militärdienst entließ. Zinis Frau Naomi soll in ihrem Buch die Zerstörung von Häusern und die Eliminierung von Terroristen in Gaza als Mitzwa bezeichnet und die Vererbung und Besiedelung des Gazastreifens gefordert haben.[36]