Deakzession

Aussonderung aus den Beständen von Archiven, Bibliotheken und Museen From Wikipedia, the free encyclopedia

Deakzession (aus lateinisch de „weg von“ und accedere „hinzukommen“, „wachsen“) bezeichnet die Aussonderung, Reduktion, Bereinigung, den Abbau oder Abgang von Beständen bzw. Sammlungen einer Bibliothek, eines Archivs oder eines Museums. Die Deakzession ist also eine Art der Bestands- oder Sammlungsbereinigung und bezeichnet damit den gegenteiligen Vorgang der Akzession (Erwerbung, Zugang).

Gründe und Kriterien für die Deakzession

Eine regelmäßige Bereinigung des Bestands wird in Bibliotheken, Museen und Archiven zunehmend als wiederkehrende Arbeit erkannt, die bestimmten Regeln unterliegt und dokumentiert werden soll.

Gründe für die Deakzession sind:

  • inhaltliche Überalterung (Aktualitätsverlust)
  • physische Mängel (Beschädigung, Abnutzung, Papierzerfall)
  • unbefriedigende Benutzungshäufigkeit
  • Platzmangel
  • Verminderung von Dubletten[1]

Durch die regelmäßige Deakzession von Büchern, Medien, Archivalien oder Sammlungsgegenständen wird verhindert, dass der Bibliotheks- oder Archivbestand oder die Sammlung eines Museums an Attraktivität verliert.

Die Aussonderung von Beständen bzw. Sammlungsgegenständen hat zur Folge, dass:

  • der Bestand/die Sammlung übersichtlicher wird
  • Platz geschaffen wird für erhaltenswertere Bücher, Archivalien oder Gegenstände
  • der Bestand gepflegter wirkt (betrifft den Freihandbereich einer Bibliothek)
  • die Orientierung in einem kleineren Bestand leichter fällt

Formen der Deakzession

Im Museum

  • Rückgabe an Schenker oder Leihgeber,
  • Tausch,
  • Verwendung zum anderweitigen Gebrauch im eigenen Museum (Museumspädagogik, Event, Ersatzteil etc.),
  • Verkauf,
  • endgültige Entsorgung (Vernichtung).

In der Bibliothek

Im Archiv

  • Kassation (Vernichtung von nicht als archivwürdig bewerteten Unterlagen),
  • Tausch,
  • evtl. Verkauf.

In Archivbibliotheken

In Archivbibliotheken wie der Herzogin Anna Amalia Bibliothek oder der Staatsbibliothek zu Berlin gelten strenge Grenzen bei der Aussonderung.[3][4]

Kritik

Aussonderungsaktionen führen teilweise zu Kritik und Protesten.[5][6][7] Vor allem für Archivbibliotheken werden Aussonderungen kritisch gesehen.[8] So ist bei historischem Altbestand der Begriff Dublette umstritten, da zum Beispiel Inkunabeln unikale Merkmale aufweisen und damit nicht als Dublette gelten dürfen.[9] Prinzipiell können alle im Hand- beziehungsweise Bleisatz gefertigten Drucke Unterschiede im Druckbild aufweisen, die durch Korrekturen, Änderungen aufgrund von Zensur oder den typographischen Kreislauf entstehen konnten.[10][11] Auch Bucheinbände können sich unterscheiden. Ebenso können Bücher aller Erscheinungsjahre Provenienzspuren enthalten. Auch in diesen Fällen handelt es sich nicht um echte Dubletten. Vor allem bei historischem Bestand müssen Richtlinien zum Kulturgutschutz beachtet werden.

Deakzessionen können auch aus politischen Gründen stattfinden und dienen damit der Zensur, wie zum Beispiel die Aussonderungen während der Zeit des Nationalsozialismus im Zusammenhang mit den Bücherverbrennungen.[12] Der Deakzession aus politischen Gründen diente auch die Liste der auszusondernden Literatur in der Sowjetischen Besatzungszone und in der Deutschen Demokratischen Republik.

Siehe auch

Einzelnachweise

Literatur

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