Tanaelva

Fluss in Norwegen und Finnland From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Fluss Deatnu (nordsamisch), Tana (norwegisch, auch Tanaelva) oder Teno (finnisch, auch Tenojoki) ist der finnisch-norwegische Grenzfluss.

Schnelle Fakten
Deatnu, Tana, Teno
Tanaelva, Tenojoki
Der Fluss Tanaelva nahe Nuorgam, vom finnischen Ufer gesehen

Der Fluss Tanaelva nahe Nuorgam, vom finnischen Ufer gesehen

Daten
Gewässerkennzahl NO: 234.Z, FI: 68
Lage Finnmark (Norwegen),
Lappland (Finnland)
Flusssystem Tanaelva
Zusammenfluss von Kárášjohka und Anárjohka
69° 26′ 6″ N, 25° 48′ 24″ O
Quellhöhe 125 m[1] 
(Kárášjohka 520 m[2], Anárjohka 520 m[2])
Mündung bei Tana in den Tanafjord (Barentssee)
70° 31′ 11″ N, 28° 22′ 12″ O
Mündungshöhe 0 m
Höhenunterschied 125 m
Sohlgefälle 0,58 
Länge 214 km 
(mit Kárášjohka 369 km[3])
Einzugsgebiet 16.394 km²[3] 
(ca. 2/3 in Norwegen[1]
ca. 1/3 in Finnland)
Abfluss an der Mündung[3]
AEo: 16.394 km²
MQ
Mq
195 m³/s
11,9 l/(s km²)
Rechte Nebenflüsse Utsjoki, Vetsijoki
Gemeinden Tana, Utsjoki, Pulmankijoki
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Name

Die frühesten schriftlichen Belege sind Thanen (1528), Theno (1551) und Tene (1559); auch der Name der historischen Siedlung Tenokylä erscheint im 16. Jahrhundert in Formen wie Tennu-, Tene- oder Tenneby. Diese Namen, wie auch heutiges norwegisch Tana, finnisch Teno und inarisamisch Tiänu wurden aus nordsamisch Deatnu entlehnt.[4]

Die Etymologie des samischen Namens ist unbekannt und wird manchmal als Substrat einer unbekannten vorsamischen (nicht-uralischen) Sprache gedeutet.[4] Das Gattungswort deatnu („großer Fluss, Hauptfluss“) im Nordsamischen entspricht nicht der ursprünglichen Bedeutung des Eigennamens. Das Gegenteil ist wahrscheinlich der Fall, und es wurde sekundär vom Flussnamen abgeleitet.[4]

Norwegisch Tanaelva (mit ergänztem Grundwort elv „Fluss“ in definiter Form, also „der Fluss“) und finnisch Tenojoki (mit joki „Fluss“) sind Varianten, die der Benennung von Flüssen in den beiden Sprachen entsprechen.

Lage

Der Fluss Deatnu entsteht am Zusammenfluss von Kárášjohka und Anárjohka nahe dem Dorf Gáregasnjárga. Die Länge des Flusssystems inklusive des Quellflusses Kárášjohka wird mit 369 km[3] angegeben. Auf einer Strecke von 283 km[1] markiert das Flusssystem des Deatnu die Staatsgrenze zwischen den Gemeinden Karasjok und Tana auf norwegischer und Utsjoki auf finnischer Seite. Sie mündet am Tanafjord in das Eismeer. Das ist die nördlichste Flussmündung Europas.

Am Quellfluss Anárjohka befindet sich der Anárjohka-Nationalpark. Das Mündungsgebiet des Flusses im Eismeer ist als eines der größten Flussdeltas Europas ein wichtiger Lebensraum für Feuchtgebietsvögel und steht unter Naturschutz. Der Flusslauf ist der größte unregulierte Wasserlauf Norwegens und wurde 1980 vor der Nutzung zur Energiegewinnung geschützt.[1]

Brücken

Der Fluss wird von zwei Brücken überspannt. Die 1993 eröffnete „Samenlandbrücke“ (finnisch Saamen silta, norwegisch Samelandsbrua, nordsamisch Sámi šaldi) verbindet das Gemeindezentrum von Utsjoki in Finnland mit dem Ort Roavvegieddi in der norwegischen Gemeinde Tana.

Rund 70 km flussabwärts steht die 2020 eröffnete „Tana-Brücke“ (finnisch Tenon silta, norwegisch Tana bru, nordsamisch Deanu šaldi; Gesamtlänge: 260 m, maximale Spannweite: 234 m) bei der gleichnamigen Ortschaft Tana bru. Sie ersetzt eine ältere Hängebrücke von 1948 mit einer Spannweite von 195 m.

Fischerei

Der Fluss Deatnu ist einer der weltweit besten Fischgründe für Lachse. Das ist vor allem für die Lokalbevölkerung wichtig, darunter traditionall überwiegend Samen, für deren Kultur- und Lebenserhalt der Lachsfang im Fluss seit Jahrhunderten eine zentrale Rolle spielt.[5]

Gleichzeitig ist der Fluss heute auch ein bedeutendes Ziel des Angeltourismus. Touristisches Lachsfischen wird von Teilen der lokalen Bevölkerung, insbesondere von traditionell fischenden Samen, kritisch gesehen, da es als zusätzlicher Druck auf die Lachsbestände wahrgenommen wird.[5] Auch das staatlichliche Fischereimanagement sieht den zusätzlichen Fangdruck als ein Problem. Außerdem hat der Angeltourismus weitere ökologische Folgen, darunter die Einschleppung von Parasiten und Krankheiten (etwa Gyrodactylus salaris).[6]

Am 22. März 2017 trat ein Abkommen zwischen Norwegen und Finnland in Kraft,[7] das sogenannte Tana-Abkommen,[8] dessen Hauptziel der Wiederaufbau der Lachspopulation im Fluss war.[9] Das Abkommen wirkte sich auf die Fischereirechte der lokalen Bevölkerung aus, da traditionelle Fangmethoden teilweise nicht mehr ausgeübt werden konnten.[9]

Atlantischer Lachs (Salmo salar)

Die Tana ist gemessen an den Fangmengen für Lachs in seinen Spitzenjahren der größte Lachsfluss in Norwegen. Fangzahlen wurden bereits vor 1880 registriert, aber erst ab 1972 hat man die Fangzahlen für das gesamte Einzugsgebiet der Tana systematisch registriert.[10] Ein 36 kg schweres Exemplar, das 1929 im Fluss gefangen wurde, ist bis heute der größte jemals gefangene Atlantische Lachs.

Drastisch fallende Fangzahlen führten dazu, dass seit 2021 ein Fangverbot für Lachs im Fluss eingeführt wurde. Trotz des Fangverbotes haben sich die Lachsbestände bisher noch nicht erholt und 2024 wurde die niedrigste Anzahl zum Laichen in den Fluss zurückkehrender Lachse erfasst. Auf Empfehlungen sowohl finnischer als auch norwegischer Behörden bleibt deswegen das Fangverbot für Lachse in der Tana auch 2025 bestehen.[11][12]

Buckellachs (Oncorhynchus gorbuscha)

Ursprünglich stammt der Buckellachs aus einem weiten Gebiet im nördlichen Pazifik. 1956 wurde er in das Weiße Meer in Russland eingesetzt und breitete sich von dort in die Barentssee, entlang der norwegischen Küste und in norwegische Flusssysteme aus. In Norwegen wurde der Buckellachs erstmals 1960 nachgewiesen. Russland setzte die Aussetzung von Buckellachsbrut in Flüsse im Nordwesten Russlands bis 1999 fort.

Die Invasion des Buckellachses in die Tana ist seit 1974 gut dokumentiert. Es gab große Unterschiede in der Häufigkeit des Buckellachses von Jahr zu Jahr, aber im Allgemeinen war der Buckellachs in ungeraden Jahren häufiger. Während es Jahre gab, in denen kaum Buckellachs gefangen wurde (1981, 1982 und 1984), waren die Fänge in anderen Jahren extrem hoch (1977 = 2,4 t; 2017 = 2,8 t). Im Durchschnitt wurden jährlich 293 kg Buckellachs im Fluss gefangen.[13]

Es gibt keine gute Erklärung für den plötzlichen Anstieg der Buckellachse im Jahr 2017. Und in den folgenden ungeraden Jahren stiegen die Zahlen sogar noch weiter an. Während die geschätzte Zahl der Buckellachse im Jahr 2021 bei 50.000 lag, ist die geschätzte Anzahl für 2023 auf 170.000 angestiegen.[14]

Verwesende Kadaver von Buckellachsen im Fluss könnten die Nährstoffgehalte im Flusssystem erhöhen, was auf den ersten Blick positiv erscheinen mag, da seit dem Zusammenbruch der Bestände des Atlantischen Lachses im Fluss ein Nährstoffmangel herrscht. Andererseits kann der Verwesungsprozess der toten Kadaver zu lokalen Sauerstoffmangel führen, was wiederum zu einer geringeren Überlebensrate der im Substrat inkubierten Fischeier führen könnte.[15]

Alle Fischarten[16]

Deutsch Norwegisch Nordsamisch Latein
Atlantischer Lachs Laks Luossa Salmo salar
Meerforelle Ørret/sjøørret Dápmot/guvžá Salmo trutta
Saibling Røye/sjørøye Rávdu/salas Salvelinus alpinus
Äsche Harr Saovvil Thymallus thymallus
Maräne Sik Čuovža Coregonus lavaretus
Hecht Gjedde Hávga Esox lucius
Barsch Abbor Vuskkot Perca fluviatilis
Quappe Lake Njáhká Lota lota
Elritze Ørekyte Geađgenoarsa Phoxinus phoxinus
Groppe Hvitfinnet steinulke* Áhkábiddu Cottus gobio
Dreistachliger Stichling Trepigget stingsild Ruovdegulmmet Gasterosteus aculeatus
Neunstachlicher Stichling Nipigget stingsild Ruovdeguorpmat Pungitusa pungitus
Aal Ål Ággaras Anguilla anguilla
Buckellachs Pukkellaks* Ruoššaluossa Oncorhyncus gorbuscha
Flunder Skrubbe Guorpmat Platichtys flesus
Meerneunauge Havniøye Petromyzon marinus
Commons: Tanaelva – Sammlung von Bildern
  • tenojoki.fi. Abgerufen am 20. Juli 2017 (finnisch).
  • KALASTUSLUPA HETI TULOSTETTAVAKSI. In: Tenojoki.com. Archiviert vom Original am 18. April 2009; abgerufen am 20. Juli 2017 (finnisch).
  • Manfred Hilbers: TENOJOKI–TANAELV. (PDF) Befahrung des Grenzflusses zwischen Finnland und Norwegen. 1974, abgerufen am 20. Juli 2017.

Einzelnachweise

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