Deersheim

Ortsteil von Osterwieck From Wikipedia, the free encyclopedia

Deersheim ist ein Ortsteil der Stadt Osterwieck im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt.

Deersheim, Luftaufnahme (2015).

Geografie

Das Dorf liegt fünf Kilometer östlich von Osterwieck und 20 Kilometer nördlich von Wernigerode. Landschaftlich liegt der Ort am östlichen Rand des großen Fallsteins zwischen Großem Bruch und Harz an der Deersheimer Aue. Die Ortschaft hat mit Stand 2025 756 Einwohner.[1]

Geschichte

Im Jahr 2024 war es dem Archäologen Martin Freudenreich vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie gelungen, auf digitalen Orthofotos des Landesamts für Vermessung und Geoinformation ein potenzielles römisches Marschlager zu identifizieren. Es zeigten sich nicht nur die geraden Grabenverläufe, sondern auch die für ein römisches Kastell typischen, abgerundeten Grabenecken. Sondierungsgrabungen ergaben, dass der Spitzgraben, der eine ursprüngliche Breite von 1,5 m bis 1,7 m besessen hatte, nur etwa einen Meter in den anstehenden Kalkstein bzw. dessen Verwitterungshorizont eingetieft war. Das Lager wird auf das frühe dritte Jahrhundert unserer Zeitrechnung datiert.[2]

968 wurde Deersheim erstmals urkundlich erwähnt. Im Dorf befinden sich zwei alte Kirchen. Diese zeugen davon, dass die Ortschaft aus zwei Dörfern, Bexheim und Deersheim zusammengewachsen ist. Das Gut Deersheim befand sich seit spätestens etwa 1400, konkret 1406 nach mehreren Quellen,[3] (bis 1945) im Besitz der Familie von Gustedt. Rudolf von Gustedt (1714–1783), Oberappellationsgerichtsrat in Celle, Herr auf Deersheim, Bexheim und Eilenstedt, heiratete 1743 Anna Rebecca von Münchhausen (1724–1775), eine Schwester des berühmten „Lügenbarons“. Die Familie von Gustedt bildete genealogisch eine eigene Familienlinie v. Gustedt-Deersheim heraus und stiftete zur Sicherung der Erbfolge[4] bald einen so genannten Familienfideikommiss, mit der Festlegung des jeweilig ältesten Sohnes als Erben.[5]

Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Deersheim mit der Landgemeinde Deersheim vereinigt.[6] Dies änderte nichts an dem fiskalisch-staatlichen, kirchlichen oder privaten Besitz in der Gemarkung des Gesamtortes. Lediglich war der Gutsbezirk ab nun juristisch kein eigenständiger Ort mehr.

Vorletzter Gutsbesitzer[7] war der Politiker, er war u. a. Kammerherr und Mitglied[8] des Preußischen Herrenhauses, Philipp von Gustedt (1840–1919). Er vertrat[9] dort den Grundbesitz des alten Fürstentums Halberstadt und der Grafschaft Wernigerode, wurde nach seinem Gutssitz v. Gustedt-Deersheim genannt,[10] betrieb im Ort nebenbei noch eine Brauerei.[11] Seine Ehefrau Helene, geb. von der Schulenburg-Priemern, Tochter des Generals Julius von der Schulenburg, wiederum war Mitglied[12] Goethe-Gesellschaft. Das Rittergut Deersheim beinhaltete um 1922 etwa 868 ha, mit kleineren Ländereien in Rohrnheim.[13] Als Besitzer folgte ihm sein Enkel Rüdiger von Gustedt (1909–1986), der nach den Enteignungen 1945/1946 zuletzt mit seiner zweiten Ehefrau Maritta von Wuthenau-Poledno-Gröna in Kiel lebte.

Am 11. September 2003 wurde Deersheim ein Ortsteil der Gemeinde Aue-Fallstein.[14] Aue-Fallstein fusionierte mit den anderen Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Osterwieck-Fallstein am 1. Januar 2010 zur neuen Stadt Osterwieck,[15] deren Ortsteil sie nun ist.

Wappen

Wappen von Deersheim
Wappen von Deersheim
Blasonierung: „In Gold drei (2:1) schwarze Kesselhaken.“

Das Ortswappen ist mit dem Familienwappen des Adelsgeschlechts von Gustedt identisch. Das Wappen wurde vom Innenminister des Landes Sachsen-Anhalt am 22. Oktober 1990 genehmigt.

Verkehr

Deersheim lag an der Bahnstrecke Heudeber–Mattierzoll. Diese Strecke ist stillgelegt. Durch den Landesbus 212 und 213 der Harzer Verkehrsbetriebe bestehen Busverbindungen nach Halberstadt und Vienenburg.

Wirtschaft

Nachdem 2012 die letzte Einkaufsmöglichkeit geschlossen worden war, gründeten ca. 120 Dorfbewohner aus einer Bürgerinitiative heraus eine Genossenschaft, die bis 2016 einen Dorfladen errichtete.[18] Der Dorfladen erhielt mehrere Preise:[19]

Literatur

  • Das Wappen von Deersheim. In: Bernd Sternal, Lisa Berg: Sagen, Mythen und Legenden aus dem Harz. Band 3, 2. Auflage, Hrsg. Sterntal Media, BoD, Norderstedt 2017, S. 13.
  • Ewald Seyffarth, Gerhard Reiche: Familienbuch für das Dorf Deersheim für die Zeit ab Anno 1627. Kopie des Manuskripts. Osterwieck 1990.
  • Hermann Wesche, Fritz Gille: Heimatgeschichte und Chronik der Dörfer Deersheim und Bexheim-Von einem Laien. Verlag Zickfeldt, Osterwieck (Harz) 1937.
  • Deersheim (und Bexheim), In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete. XXIII. Heft: Die Kreise Halberstadt Land und Stadt. Hrsg. Historische Commission der Provinz Sachsen. 30, Verlag Otto Hendel, Halle 1902, S. 31 f.
  • Deersheim, In: Haase/Hilbert (Hrsg.): Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen. XXVIII-Ephorie Osterwiek (Kreis Halberstadt), Selbstverlag Verfasser, Magdeburg 1882, S. 76.
  • Amt Deersheim-Deersheim-Bexheim. 1. Deersheim, In: Gustav Nebe: Die Kirchenvisitation des Bisthums Halberstadt in den Jahren 1564 und 1589. In: Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete. Band 12, Hrsg. Historische Commission der Provinz Sachsen, Verlag Otto Hendel, Halle 1880, S. 82 f.
  • Deersheim, In: Handbuch der Provinz Sachsen. 1854. Emil Baensch Verlag, Magdeburg 1854, S. 107, Nr. 8.
Commons: Deersheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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