Der Liquidator
Film von J. Lee Thompson (1984)
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Der Liquidator ist ein US-amerikanischer Actionthriller von J. Lee Thompson. Als Vorlage diente der gleichnamige Roman von R. Lance Hill, der unter dem Pseudonym David Lee Henry mit John Crowther auch das Drehbuch schrieb.[2] Der Film handelt von die Rache an einem Folterarzt in Guatemala, der von den USA gedeckt wird, und gehört zu einer Reihe von Thrillern über Selbstjustiz, mit denen Hauptdarsteller Charles Bronson in den 70er und 80er Jahren Erfolge feierte. In diesem wird die Doppelmoral der USA hinsichtlich von Menschenrechtsverletzungen hinterfragt. Guatemala war 1983/1984 von einer proamerikanischen Militärdiktatur beherrscht, die von der Reagan-Regierung massiv unterstützt wurde.
| Film | |
| Titel | Der Liquidator |
|---|---|
| Originaltitel | The Evil That Men Do |
| Produktionsland | Vereinigte Staaten |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 1984 |
| Länge | 90 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Stab | |
| Regie | J. Lee Thompson |
| Drehbuch | David Lee Henry John Crowther Fred A. Wyler (Im Abspann nicht erwähnt) |
| Produktion | Pancho Kohner |
| Musik | Ken Thorne |
| Kamera | Xavier Cruz |
| Schnitt | Peter Lee-Thompson |
| → Besetzung und Synchronisation | |
Handlung
Clement Molloch ist ein Arzt, der in Lateinamerika sein Geld als Fachmann für Folter verdient. Er berät verschiedene Verhörexperten aus unterschiedlichen Ländern in diesem Gebiet und führt in seinen „Vorlesungen“ vor, wie man Menschen foltert. Dabei werden vor den Augen der Experten Menschen auf bestialische Weise zu Tode gefoltert. In der Bevölkerung ist Molloch als „der Doktor“ bekannt und verhasst. Moralische Unterstützung erhält Molloch von seiner Schwester Claire, die ihn begleitet. Er selbst ist mit sich im Reinen, da er seiner eigenen Meinung nach doch nur die Sicherheit des Staates verteidige. Der Film beginnt mit einer dieser Vorlesungen: Molloch, Gast der Regierung Surinames, foltert den kritischen Journalisten Jorge Hidalgo zu Tode, während gleichzeitig Gegner Mollochs versuchen, seinen Wagen mit einer Bombe zu präparieren. Der Versuch scheitert jedoch und einer der Attentäter stirbt.
Hector Lomelin, ein Freund Hidalgos, sucht den ehemaligen Agenten und Profikiller Holland auf. Dieser arbeitete für die CIA und hat sich aus dem Geschäft zurückgezogen. Er lebt auf den Cayman-Inseln und genießt den Ruhestand. Lomelin bittet Holland, Molloch zu ermorden. Motiv ist einerseits Rache, andererseits der Dienst an der Menschheit. Zunächst weigert sich Holland, als er jedoch die Zeugenaussagen zahlreicher Folteropfer studiert, beschließt er, den Auftrag unentgeltlich anzunehmen. Er begibt sich nach Guatemala, wo Molloch als Gast der Regierung lebt. Holland tarnt sich als amerikanischer Tourist. Begleitet wird er von Hidalgos Witwe Rhiana und ihrer Tochter Sarah. In Guatemala trifft er sich mit einem Verbindungsmann, der ihn über Mollochs Aufenthaltsort und dessen Gewohnheiten informiert, außerdem beschafft er Holland Waffen. Dieser versucht zunächst, die Gewohnheiten Mollochs zu beobachten, dabei wird ein hoher Geheimdienstoffizier auf ihn aufmerksam. Dieser steht in enger Verbindung zu dem CIA-Agenten der amerikanischen Botschaft. Die CIA distanziert sich offiziell von Molloch, deckt diesen jedoch insgeheim.
Nachdem Holland sich ein Bild von der Lage gemacht hat, beschließt er aktiv zu werden: Er ermordet den Geheimdienstoffizier und einen seiner Kollegen und kidnappt die Schwester Mollochs, ihr Leibwächter wird ebenfalls von Holland getötet. Mit der Geisel zieht er sich aufs Land zurück. Rhiana, die Holland begleitet, will einerseits Gerechtigkeit, andererseits ist sie auch von Hollands Kaltblütigkeit abgestoßen. Auf dem Land kommt es zum Showdown: Holland entledigt sich zunächst gewaltsam einiger Verfolger im Rahmen einer wilden Autoverfolgungsjagd, tötet zwei CIA-Agenten und lockt Molloch schließlich in einen Steinbruch. Molloch hatte zwischenzeitlich Hollands Verbindungsmann zu Tode gefoltert und Sarah als Geisel genommen. Im Steinbruch versucht er, die Tochter gegen seine Schwester auszutauschen. Da die Schwester jedoch die Verfolgungsjagd im Kofferraum von Hollands Wagen nicht überlebt hat, kann Holland diese nicht mehr austauschen. Aus dem Steinbruch erhält er jedoch unerwartet Hilfe: Bettelarme Minenarbeiter, die dort arbeiten, erkennen den „Doktor“ wieder und beschließen, diesen zu lynchen. Nachdem Holland Mollochs Begleiter erschossen und Sarah befreit hat, braucht er Molloch gar nicht mehr selbst zu töten. Das erledigen die Minenarbeiter, die Molloch mit kleinen Spitzhacken zu Tode hacken.
Auf den Cayman-Inseln versucht die Witwe Hidalgos mit Holland einen Neuanfang.
Entstehung
Der Film sollte zunächst von Cannon Films produziert werden. Nach Streitigkeiten bezüglich der Finanzierung übernahmen ITC und Tri-Star die Produktion.
Die Dreharbeiten fanden in Mexiko statt.
Der Originaltitel lautet The Evil That Men Do. Dabei handelt es sich um ein Zitat aus Shakespeares Julius Cäsar.[3] In Akt 3, Szene 2 sagt Marc Anton: „The evil that men do lives after them; The good is oft interred with their bones“ ("Was Menschen Übles tun, das überlebt sie; das Gute wird mit ihnen oft begraben.)[4]
Besetzung und Synchronisation
Die deutsche Synchronfassung entstand 1984 bei der Elite Film GmbH München unter der Dialogregie von John Pauls-Harding, nach dem Dialogbuch von Franz Josef Fiedler.[5][6]
| Rolle | Darsteller | Synchronsprecher |
|---|---|---|
| Holland / Bart Smith | Charles Bronson | Wolfgang Hess |
| Dr. Molloch | Joseph Maher | Niels Clausnitzer |
| Rhiana Hidalgo | Theresa Saldana | Marion Hartmann |
| Dr. Lomelin | José Ferrer | Holger Hagen |
| Paul Briggs | John Glover | Heiner Lauterbach |
| Max Ortiz | René Enríquez | Klaus Höhne |
| Randolph | Raymond St. Jacques | Herbert Weicker |
| Claire | Antoinette Bower | Edith Schneider |
| Col. Aristos | Enrique Lucero | Norbert Gastell |
| Cillero, Mollochs Chauffeur | Jorge Luke | |
| Barkeeper | Eduardo Lopez Rojas | Manfred Erdmann |
Veröffentlichung
Seine Uraufführung hatte der Film am 15. März 1984 in Frankreich.[7] In die deutschen Kinos kam er am 27. April 1984.[8] Am 14. September 1984 wurde er erstmals in den USA gezeigt.[7]
Er spielte an den Kinokassen etwas mehr als 13 Mio. US-Dollar ein.[9] Nachdem er in Westdeutschland startete, sahen ihn 337.765 Kinobesucher.[7]
In Deutschland erhielt der in Einzelszenen harte Film eine Altersfreigabe von FSK 18. 1985 wurde er indiziert, 2010 erfolgte die Folgeindizierung. Auf Antrag des Filmlabels Nameless wurde die Indizierung 2018 aufgehoben.[10][11]
Die deutsche TV-Premiere fand 16. August 1991 statt.[8]
Kritik
| Quelle | Bewertung |
|---|---|
| Rotten Tomatoes (Tomatometer) | 40 %[12] |
| Metacritic (Metascore) | 32/100[13] |
Das Lexikon des internationalen Films zog das Fazit: „Reißerischer Actionfilm, der ansatzweise Kritik an Diktatur und Folter erkennen läßt, doch (nicht nur in der Besetzung der Hauptrolle) in die bekannten Klischees der Selbstjustizfilme abrutscht.“[14]
Beim Filmportal Rotten Tomatoes gaben 40 % der Kritiker und 37 % der Zuschauer dem Film eine positive Bewertung.[15]
Actionfreunde.de nennt den Film einen typischen Bronson und optisch ein Kind seiner Zeit mit langen, ruhigen Einstellungen und bedächtiger Schnittfrequenz. Schnelle Inszenierungen wiesen nur die kurzen Actioneinlagen auf. Der Film habe einige starke Momente, aber insgesamt fehle es an Action, Tempo und Spannung, und die Figuren wirkten wenig glaubwürdig. Zumindest hielten die bedrückende Atmosphäre und Charles Bronsons Ausstrahlung den Streifen zusammen.[11]
Die Filmwebsite Moviebreak vergibt 5 von 10 Punkten und kritisiert, dass der Film zwar Menschenrechtsverletzungen behandle, dessen Titelheld jedoch kaum minder menschenverachtend agiere als sein Gegner. Bei diesem grimmig-primitiven Vergeltungskino könne Bronson erneut seine stoische Präsenz unter Beweis stellen. Der Film steche jedoch nicht aus der Masse anderer Bronson-Selbstjustiz-Reißer hervor. In Sachen Brutalität sei er am ehesten mit Der Mann ohne Gnade (Death Wish II) zu vergleichen. Wer aber einen Faible für rustikale Ein-Mann-Feldzüge besitze, wo Gerechtigkeit nach eigenen Vorstellung geformt werde, komme hier auf seine Kosten.[16]
Weblinks
- Der Liquidator bei IMDb
- Vergleich der Schnittfassungen R-Rated – Unrated, BBFC 18 – R-Rated, FSK 16 Kabel 1 – FSK 18 DVD von Der Liquidator bei Schnittberichte.com
- Begründung der Indizierung von Der Liquidator durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften vom 14. März 1985
- Begründung der Folgeindizierung von Der Liquidator durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien vom 2. Februar 2010
- Begründung der vorzeitigen Listenstreichung von Der Liquidator durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien vom 5. September 2018
- Postermotive bei Cinematerial
- Streamingverfügbarkeit bei WerStreamt.es