Der Verlust (2014)

Film von Thomas Berger (2014) From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Verlust ist ein Fernsehfilm des Regisseurs Thomas Berger. Er verwendet Elemente aus dem Roman Der Verlust von Siegfried Lenz, der 1981 veröffentlicht wurde.

TitelDer Verlust
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2014
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Film
Titel Der Verlust
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2014
Länge 89 Minuten
Stab
Regie Thomas Berger
Drehbuch Thomas Berger
Produktion
Musik Florian Tessloff
Kamera Wedigo von Schultzendorff
Schnitt Jan Henrik Pusch
Besetzung
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Handlung

Nora, die Hamburger Bibliothekarin, fährt mit Uli, dem Geliebten seit einem Jahr, auf einem Fahrrad durchs nächtliche Hamburg. Uli unterhält sie mit seinen originellen Ansichten über Hamburger, mit denen er als Fremdenführer auf einem Boot seine Gäste unterhält. Auch ein lyrisches Liebesbekenntnis ist dabei. Plötzlich fährt Uli ganz mechanisch und ist nicht mehr ansprechbar. So nähern sie sich einer Einmündung. Uli bremst nicht als sich auf der Straße, auf die sie kommen, ein schnell fahrender PKW ankommt. Der PKW weicht ihnen aus und erwischt einen Fußgänger, der tödlich verunglückt. Am nächsten Tag hat Uli einen Schlaganfall und kommt in die Klinik. Er hat seine Sprache verloren, seine Bewegungsfähigkeit ist stark eingeschränkt. Mit diesen Verlusten an Autonomie muss er hinnehmen, wie andere mit ihm umgehen. Denn als Nora Ulis Sachen in dessen Wohnung für das Krankenhaus zusammensucht, klingelt dort ein zweites Handy. Eine Frau sucht Uli zu erreichen, die sich mit ihm ein Haus ansehen will. Nora „fällt aus allen Wolken“, so dass sie die Zeit nicht an Ulis Krankenbett in der Klinik verbringt, sondern diesem andern Verhältnis nachforscht. Dabei lernt sie nicht nur Karin Petersen kennen, mit der Uli schon 10 Jahre, seit einem Jahr nur an Wochenenden, zusammenlebt, sondern auch dessen Bruder Frank und dessen Frau Hilde, mit denen Uli tief verstritten ist. Karin Petersen lebt in der Stadt an der Nordsee, in der auch Uli aufgewachsen ist. Dort stand auch die Fischnetzspinnerei von Uli und Franks Vater. Als der Vater dement wurde, mussten die Brüder übernehmen. Damals lebte Uli schon 4 Jahre mit Hilde zusammen. Vor der Aufgabe, einen Betrieb zu verwalten, drückte sich Uli. Er floh nach Hamburg. Die Beziehung zu Hilde ging schief, als die sah, dass Uli keinen klaren Weg gehen konnte, unfähig war, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Das konnte Ulis Bruder Frank, so dass sie sich ihm zuwandte und ihn heiratete. Uli fühlte sich hintergangen und verzieh das den beiden nicht.

So um einige Erkenntnisse über ihren Geliebten Uli reicher sieht sie sich Karin Petersen gegenüber. Beide lieben sie Uli. Beide hatte er sie nach großen Verlusten aufgefangen (Das Bild des kleinen Igels, den man vor Eintritt des Winters retten muss, damit er nicht verhungert.) und ihnen das Leben gerettet: Karin Petersens schwer krank geborenes Kind war vor 10 Jahren im ersten Lebensjahr gestorben. Der Vater hatte sie daraufhin verlassen. Nora hatte vor einem Jahr ihren geliebten Mann an den Krebs verloren. Als Uli schließlich bei Karin auftaucht, geflohen aus der Klinik, noch stark pflegebedürftig, muss Nora sich entscheiden. Sie spürt, dass Uli Nora nicht verlassen will, und gibt ihn frei. Am Ende des Filmes sieht sie Uli, wohl völlig wiederhergestellt, vom Fenster ihrer Hamburger Wohnung am Eingang des Hauses stehen. Sie geht zu ihm und er sagt, dass er nur wissen wolle, wie es ihr gehe.

Abweichungen von der Vorlage

Sowohl der tödliche Unfall, den Uli, gesundheitlich eingeschränkt, auslöst, als auch sein Doppelleben mit Karin Petersen kommen nicht in dem gleichnamigen Roman von Siegfried Lenz vor. Dieser hat seinen Fokus auf der Rivalität der Brüder Uli und Frank Martens und deren Verhältnis zu Hilde.

Produktion

Der Film wurde im Auftrag des Fernsehsenders ZDF von der Produktionsfirma Network Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG Hamburg produziert. Im ZDF wurde der Film kurz vor dem ersten Jahrestages des Todes von Siegfried Lenz am 5. Oktober 2015 gezeigt. Vorher lief er am 28. September 2014 auf dem Hamburger Filmfest und im Juni 2015 in Ludwigshafen auf dem Festival des deutschen Films.

Rezeption

„… erzählt ‚Der Verlust‘ nicht von einer Dreiecksgeschichte, sondern von Schicksalsgemeinschaften, denen mit Alltagspsychologie nur unzureichend beizukommen ist. Dringt man in die Schicksale ein, wird man den Plot nicht darauf reduzieren, dass hier ein übler Egoist am Werke war, sondern wird sich den universalen Fragen der Liebe, der Beziehungsarithmetik, stellen. ‚Führt man eine Beziehung, damit es einem selbst gut geht und man selbst glücklich ist? Oder ist man bereit, den Partner glücklich zu machen, statt ihn für das eigene Glück verantwortlich zu machen?‘, das ist beispielsweise für Thomas Berger die Frage der Fragen. Sieht es in der ersten Stunde nicht danach aus, als ob der Film das hohe Reflexionsniveau des Romans auch nur annäherungsweise erreicht, so ist das Sinnierpotenzial von ‚Der Verlust‘ für einen Fernsehfilm der 10er Jahre am Ende durchaus beachtlich.“

Rainer Tittelbach: tittelbach.tv[1]

„Auch optisch ist ‚Der Verlust‘ ein Genuss, weil Berger und sein Kameramann Wedigo von Schultzendorff sowohl für Hamburg wie auch für die Küstenlandschaft vortreffliche Bilder gefunden haben. Die ruhige Erzählweise hebt sich auf wohltuende Weise von den vielen Krimis ab, die das Fernsehen derzeit dominieren; die fließenden Kamerafahrten und der Gegensatz zwischen Stadt und Land verleihen dem Film eine sehenswerte Ästhetik.“

„Dialoglastiges (Fernseh-)Seelendrama, dessen arg konstruierte Handlung die guten Darsteller leidlich abfedern können.“

Einzelnachweise

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