Deribate
Historisches Reich in Ermera, auf der Insel Timor
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Geographie
Sein Zentrum lag im Bereich des heutigen Verwaltungsamtes Hatulia (Gemeinde Ermera) des Staates Osttimor, der bis 1975 die Kolonie Portugiesisch-Timor war. Zu Deribate gehörten Manusae, Ailelo, Oeleo (Oe Lau), Coilate, Hatu Batu, Lisapat, Aculau[2.1] und Fatubolo.[2.2]
Von 1860 an war Deribate von den Portugiesen der Militäkommendatur Cailaco unterstellt.[3] Ab 1883 gehörte es zur 3º Comando militar de Maubara[4] und 1911 zur Comando militar de „Hato-lia“.[5]
Geschichte
Erste Berichte in der Kolonialzeit
Das Reich von Atsabe stand über alle Kemak in Osttimor.[6] Atsabe und Deribate standen wiederum unter der Oberhoheit des Tokodede-Reichs von Maubara.[7.1] Bereits in einer Version der Legende der Gründung Maubaras werden die vier Herrscher von Atsabe, Deribate, Leimea und Mau-Ubo (Mahubo) als untergeordnete Herrscher aufgeführt.[7.2]
Im 17. Jahrhundert wurde Deribate als ein kleines Reich beschrieben, das Lebensmittel, Wachs und Sandelholz produzierte. 1710 stellte es den Portugiesen in Lifau 140 Mann zur Verfügung. 1733 entsandte man nach Lifau 30 Mann für die Garnison und 140 Picos Proviant.[2.1] Trotz dieser Tributzahlungen nahm Deribate zumindest zeitweise an der Cailaco-Rebellion gegen die Portugiesen zwischen 1719 und 1769, unter der Führung des Reiches von Camenaça teil.[8.1] Als aber 1756 Jacinto Correa, Herrscher von Wehale im Vertrag von Paravicini auch im Namen von Deribate ein Bündnis mit der niederländischen Ostindien-Kompanie schloss, verweigerte Deribate die Gefolgschaft als Vasall Wehales und kam daher nicht zum niederländischen Teil der Insel.[9] 1769 gingen 30 Männer aus Deribate zum Dienst in die neue koloniale Hauptstadt Dili.[2.1]
1850 beschreibt ein portugiesischer Bericht Deribate als kleines Reich im Landesinneren, zwei Tagesreisen entfernt von Dili, mit 1500 Herdfeuern und 12.000 Einwohnern. Der Herrscher zahlte als Tribut an Portugal 14.000 Reis.[2] Gouverneur Afonso de Castro (1859–1860; 1861–1863) erwähnt Deribate in seiner Liste von 1868 als Reich, das von einem Liurai geführt wurde.[10][11] Um 1863 stiftete der korrupte, portugiesische Beamte Duarte Leão Cabreira Deribate zum Krieg gegen Mau-Ubo an, weil dieses sich geweigert hatte, Handelspreise so anzusetzen, wie der portugiesische Major es gefordert hatte.[12] 1867 versuchten Truppen der Portugiesen Krieger aus Deribate anzugreifen, die sich im heiligen Hain (Luten-Lulic) von Talo verschanzt hatten. Die Portugiesen mussten sich schließlich nach mehreren erfolglosen Vorstößen zurückziehen.[2.2]
Dom José und Dom João
Dom José und sein Bruder Dom João regierten Ende des 19. Jahrhunderts gemeinsam über Deribate. Dom José den Osten von Ailelo aus und Dom João den Westen.[2.1] Während der Rebellion von 1894 beteiligte sich Deribate mit Truppen für die Portugiesen an einer Strafaktion, bis Dom José seine Truppen nach der blutigen Eroberung eines Dorfes in Sanirin, angesichts der hunderten Toten zurückzog.[1.1] Gouverneur José Celestino da Silva entsandte daher am 19. August 1896 Leutnant (alferes) Francisco Duarte nach Deribate, um das Reich für seine Desertation zu bestrafen. Die Dörfer Deribates wurden geplündert und der Widerstand im heiligen Wald von Talo schnell niedergeschlagen. Die portugiesische Expedition musste 14 Tote und 25 Verwundete beklagen, während das Gefecht den Kriegern aus Deribate 90 Tote und 17 Gefangene kostete. Dazu kamen Verwundete und Tote, die man auf dem Rückzug mitnahm, darunter auch Dom José. Ihm soll laut dem Bericht Duartes Granatsplitter einen Arm zerschmettert haben, als er gerade sein Gewehr ergriff, um seine Truppen zum Angriff zu führen.[1.1][2.2]
Dom José verschanzte sich mit seinen Kriegern und der übrigen Bevölkerung in Dede-Pum, einer Höhle, die von einer bis zu zwei Meter dicken Steinmauer umgeben war. Statt sie anzugreifen, umzingelte Duarte die Tranqueira. Da es in der Befestigung an Wasser fehlte, begannen bald die Belagerten nach und nach nachts rauszukommen, um an Wasser zu kommen. Wer aus der Tranqueira heraustrat, wurde von den Portugiesen erschossen. Nach acht Tagen baten die Krieger Deribates um Verhandlungen. 21 Personen, davon nur zwei Männer, kamen aus der Höhle und begaben sich in Gefangenschaft. Dom José und die anderen Belagerten weigerten sich, sich zu ergeben. Als nach zwölf Tagen keine Geräusche mehr aus der Höhle kamen, drang Duarte am 5. Oktober in die Tranqueira ein. Er fand die Leichen von über 400 Männern und Frauen. Dom José aber konnte nicht gefunden werden. Er entkam der Tragödie schwer verletzt. Dom João ergab sich und starb am 18. Januar 1897 im Gefängnis von Dili.[1.2][2.3] Der französische Historiker René Pélissier berichtet noch von einem weiteren Herrscher Deribates. Dom António, bekannt als der „Tigre de Deribate“ (Tiger von Deribate) soll 1896 dem Massaker in Dede-Pum entkommen sein und versucht haben, den portugiesischen Kommandanten von Hatulia Leutnant (Tenente) António Almeida Valente in Suro zu ermorden. Dabei sei der Tiger erschossen worden.[2.4]
Eine andere Version der Ereignisse überliefert Hauptmann João de Beira Junqueira, basierend auf einer Erzählung von Dom Duarte da Silva, dem letzten Herrscher von Deribate. Laut seinem Bericht gab es zu jener Zeit die beiden Datos João und José, die beide um den Titel des Liurais stritten. Eines Tages begaben sich die Kontrahenten getrennt nach Dili, der eine über die Straße nach Maubara, der andere über Ermera, und baten Gouverneur Celestino da Silva um einen Urteilsspruch. Da José der Ältere war, erhielt er den Ehrentitel des Coronel (Oberst) und den Herrschertitel. João wurde zum Tenente-Coronel (Oberstleutnant) gekürt. Dom José erbat die Errichtung eines Militärpostens in Hatete (Hato-Tete). Die Initiative zum Bau des Stützpunkts ging aber von Leutnant Francisco Duarte aus, nachdem er in den Wäldern von Hatete versteckte Rebellen besiegt hatte. Nach seiner Ernennung zum Militärkommandanten der Region Deribate-Hatolia 1896 oder 1897 errichtete Duarte einen Posten in Hatete und einen weiteren in Tiarlelo (Atsabe).[2.5]

1899 führte Duarte einen Feldzug gegen die Rebellen von Atabae. Dom José und Dom João weigerten sich für die Portugiesen ein Lager bereitzustellen und suchten mit ihren Leuten Zuflucht in den Höhlen von Talo. Leutnant Duarte kam in Atabae ums Leben. Sama-Lelo, der angeheiratete Neffe von Dom José, hatte mit Duarte in Atabae gekämpft und brachte dessen Leichnam nach Dili zurück. Nachdem die Rebellen kapituliert hatten, zog Sama-Lelo nach Talo und stellte Dom José und seinen Onkel Dom João. Als sie sich nicht ergaben, griff Sama-Lelo die Tranqueira an. Dom José und seine Frau konnten fliehen und suchten Schutz bei Dom Boaventura, dem Herrscher von Manufahi. Dom João wurde gefangen genommen und wurde nach Dili gebracht. Er starb im Gefängnis von Ai Pelo. Laut dem Bericht von Hauptmann Junqueira kehrte Dom José später zurück und bat Leutnant (Tenente) António Almeida Valente, den neuen Kommandanten von Hatolia, um Vergebung. Valente erlaubte Dom José, in der Region zu bleiben, und wies ihn an, sich in der Ebene von Nuno Sloit niederzulassen. Allerdings versuchte Dom José wieder an Macht zu gewinnen, weswegen er verhaftet wurde. Auch er starb im Gefängnis von Ai Pelo. Er hinterließ zehn Frauen, zehn Söhne und neun Töchter.[2.5] Carlos Borromeu Duarte, einer der Söhne, wurde 1912 als Liurai von Alas eingesetzt. Er ersetzte den im Kampf gegen die Rebellion von Manufahi (1911/1912) umgekommenen Liurai von Alas Dom Januário. Carlos Borromeu Duarte selbst wurde von den Japanern während der Besatzung Timors ermordet. Noch besteht diese Dynastie in Alas fort.[2.6][13]
Das Ende von Deribate
Auch über die folgende Geschichte Deribates gibt es widersprüchliche Angaben. Zum einen sollen die Portugiesen das Reich von Deribate 1897 für aufgelöst erklärt haben. Laut derselben Quelle wanderten 2000 Kemak aus Deribate im Mai 1912 in das niederländische Westtimor, nach Tenubot (Tenu Bot), bei Atambua aus. Insgesamt sollen in Atambuas Desa Manumutin 9000 Kemak aus Deribate, Leimea und Atabae Anfang des 20. Jahrhunderts eine neue Heimat gefunden haben.[1]

Nach anderen Quellen ernannte Leutnant Valente Nai Bili, einen Cousin von Dom José, zum neuen Herrscher.[2.5] Nai Bili musste später nach Westtimor fliehen, weil er Leutnant Valentes Befehl nicht folgte, den Adligen Daci Bere aus Oeleo und Dom António, einen Cousin ersten Grades von Dom João, vorzuführen. Infolge wurde von den Portugiesen fünf Jahre lang kein neuer Liurai für Deribate eingesetzt.[2.5] Das Reich wurde entlang des Flusses Manu Cai geteilt.[2.7] Der Westen wurde Rai Loi unterstellt, einem Adligen aus einer Familie aus Viqueque. Der Osten wurde Mau Cari zugesprochen, einem Verwandten von Dom José.[2.2] Beide Herrscher beteiligten sich als Verbündete Portugals im Krieg gegen die Rebellion von Dom Boaventura von Manufahi (1911/1912).[2.2][13] Manu Cari fand dabei den Tod und Mau Lear, ein Verwandter von Dom João wurde neuer Herrscher. Zwischenzeitlich machte sich der Suco Fatubolo mit Hilfe von Rai Loi unabhängig von Deribate.[2.2]
Mau Lear wurde wegen Büfffeldiebstahl in Maubara wieder abgesetzt und durch Mau Brane, einem Bruder von Manu Cai ersetzt. Leutnant Simões Martinho, Kommandant von Hatolia setzte schließlich Quês Looba als Herrscher von Deribate ein. Dieser nahm später den Namen Duarte da Silva an. Sein Vater war Francisco Duarte, der Bruder von Dom José.[2.2]
Der letzte Herrscher Deribates war Dom Duarte da Silva, ein Neffe von Dom José, der noch bis zu seinem Tod am 29. Januar 1937 regierte. Nach ihm wurde von den Portugiesen kein neuer Herrscher mehr eingesetzt und die Sucos von Deribate wurden zu voneinander unabhängigen Verwaltungseinheiten innerhalb des Militärkommandos Hatulia.[2.2]
Die japanische Invasion 1942 nutzte die Herrscherfamilie, um in das westtimoresische Atambua auszuwandern, wo sie zu Unterstützern der Japaner wurde. Diese versprachen eine Reinstallation des Reiches von Deribate, als Belohnung für den gemeinsamen Kampf gegen die Australier. Nai-Buti, der Thronanwärter, und 150 seiner Anhänger schlossen sich den Colunas Negras an, den pro-japanischen timoresischen Milizionären. Tatsächlich wurde Nai-Butis Sohn Nai-Leto in Westtimor von den Japanern als Raja von Biboki und Naitimu eingesetzt.[14] Die Inthronisierung überdauerte die Besatzungszeit nicht.[15][16]
Herrscher von Deribate
| Herrscher | Erwähnung/Regierungszeit | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Dom Cristovão Gracias | 1769 erwähnt[2.1] | |
| Dom Seromally von Dixivate [sic!] | 1815 erwähnt | Führte den Rang eines Coronel (Oberst)[2.1] |
| Dom José und Dom João | beide bis 1896 | Die beiden Brüder regierten gemeinsam das Reich, Dom José den Osten von Ailelo aus und Dom João den Westen.[2.1] |
| Nai Bili | 1896–1902 | Cousin von Dom José[2.5] |
| Rai Loi | ab 1907 | Herrscher über West-Deribate. Aus einer Familie in Viqueque[2.2] |
| Mau Cari | 1907 – 1911/12 | Herrscher über Ost-Deribate. Verwandter von Dom José[2.2] |
| Mau Lear | ab 1911/1912 | Herrscher über Ost-Deribate. Verwandter von Dom João[2.2] |
| Mau Brane | Herrscher über Ost-Deribate, im Range eines Oberstleutnants. Bruder von Mau Cari[2.2] | |
| Quês Looba | Herrscher über Ost-Deribate, im Range eines Oberstleutnants. Neffe von Dom José.[2.2] | |
| Dom Duarte da Silva[2.5] | bis 1937 (†) | Herrscher über Ost-Deribate, im Range eines Oberstleutnants.[2.2] Neffe von Dom José |
