Detlef

männlicher Vorname From Wikipedia, the free encyclopedia

Detlef bzw. Detlev ist ein männlicher Vorname mittelniederdeutscher Herkunft.

Herkunft und Bedeutung

Der Name bedeutet „Sohn des Volkes“ oder „der im Volk lebende“ und ist aus den mittelniederdeutschen Wörtern dêt, deit und lêv, lêf zusammengesetzt, was wiederum vom altsächsischen thioda ‚Volk‘ und lêva ‚Sohn, Nachkomme‘ stammt.[1]

Verbreitung

In Deutschland gehörte der Name in den Jahren 1935 bis 1965 zu den beliebtesten Vornamen, kam aber seitdem weitgehend außer Gebrauch. Er belegte in den 1940er (Rang 34)[2], in den 1950er (Rang 30)[3] und in den 1960er Jahren (Rang 39)[4] in den Hitlisten. In den letzten 10 Jahren wurde der Name etwa 110 Mal gewählt. Der Name kam in der Schweiz von Ende der 1930er bis Mitte der 1970er Jahre fast jährlich in den Vornamenscharts vor, aber in einem geringen Umfang.[5] In Österreich wurde der Name seit 1984 nur zwei Mal vergeben, und zwar im Jahr 1984 und 1994.[6]

Der Name wird in den nordischen Ländern Dänemark, Norwegen und Schweden eher selten vergeben.[7] In den Niederlanden kommt er seit 1930 fast jedes Jahr in der Namensgebung vor. Er ist jedoch nicht sonderlich beliebt. Die Vergabe ist auch in Frankreich und Kanada nachgewiesen.[5]

Namenstag

Namenstag ist, soweit nicht anders angegeben, der 23. November.[8]

Varianten

Es gibt diverse Schreibweisen, wobei jedoch Detlef oder Detlev die gebräuchlichsten sind. Auch bekannt sind:

  • Dethlef
  • Detleff
  • Dettlef
  • Dettlev
  • Dietlieb
  • Dietleib (hochdeutsch)
  • Delf (Kurzform)
  • Tjalf (friesische Kurzform)
  • Deetleff (ostfriesisch)
  • Detleph (englisch)
  • Detlof (schwedisch oder allgemein skandinavisch)
  • Tjellef (süddänisch)[9]

Bekannte Namensträger

Detlef

Pseudonym

  • Karl Detlef, Pseudonym von Klara Bauer (1836–1876), Romanschriftstellerin

Detlev

Stereotype Verwendung

Gelegentlich, besonders in Witzen, wird der Name Detlev (etwa wie „Deetleew“ auszusprechen, was andererseits in Schleswig-Holstein die normale Aussprache ist) als meist abwertende Bezeichnung für schwule Männer verwendet. Ursprünglich stammt dies aus dem Soldatendeutsch der Bundeswehr und wird in dieser Bedeutung vom Lexikographen Heinz Küpper ab dem Jahre 1965 datiert.[10]

1969/1970 erschien die Hörspiel-Langspielplatte Ach duuu  – Musikalische Schwärmerei nach Noten vom Travestiekünstler Marcel-André,[11] auf der er seinen Freund Detlef in eine Travestiebar schleppt. Dieser ist zwar heterosexuell, aber das „Deetleef“ zieht sich über die ganze Spielzeit.[12]

In den 1970ern folgte eine ganze Palette von Detlev-Nummern, angefangen vom Düsseldorfer Karnevalisten Friedhelm Riegel mit Hallo Detlev, hallo Mädels, huuuch  bis zu einer ganzen Plattenserie unter dem Pseudonym „Detlev“ zwischen 1974 und 1980, die teilweise auf Parodien bekannter Hits beruhten. Die erste und bis heute bekannteste Nummer So schwul kann doch kein Mann sein ist eine Parodie des Gitte-Hænning-Hits So schön kann doch kein Mann sein. Hinter Detlev standen der Produzent Gerhard Kämpfe und der Arrangeur Alexander Gordan, der auch selbst sang, nachdem keiner der sich vorstellenden Interpreten aus der Schwulenszene „schwul genug“ sang. Gerhard Kämpfe bedauert sehr, dass diese Schlagerparodien wegen der darin enthaltenen Klischees das Coming-out erheblich erschweren konnten und auch Leute mit dem Vornamen Detlev nicht immer ein leichtes Los mit ihrem Namen hatten: „So war’s nicht gemeint.“[12]

In den 1970ern wurden infolgedessen Herrenhandtaschen auch als Detlevtäschchen[13] oder Detlevschleuder bezeichnet.

Das Stereotyp wurde weiter verstärkt durch den 1978 erschienenen biografischen Drogenszene-Roman Wir Kinder vom Bahnhof Zoo und dessen Verfilmung aus dem Jahre 1981. Christianes Freund, der sich als Stricher sein Geld verdiente, hieß Detlef.[14] Unabhängig davon veröffentlichte die Neue-Deutsche-Welle-Sängerin Ixi im Jahre 1982 ihre schon vor dem Film getextete Debütsingle Detlev [ich bitte dich, geh’ doch für mich auf den Strich], eine humoristisch-freche, die normale Welt umdrehende Bitte, welche wegen dieser Zeile fast nie im Radio gespielt wurde.[15]

Andere des Öfteren in diesem Sinne verwendete Vornamen sind Olaf und Egon.[16]

Einzelnachweise

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