Dettum

Gemeinde im Landkreis Wolfenbüttel From Wikipedia, the free encyclopedia

Dettum ist eine Gemeinde im Landkreis Wolfenbüttel in Niedersachsen. Sie wurde 1226 erstmals urkundlich erwähnt und ist Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Sickte.

Schnelle Fakten Wappen, Deutschlandkarte ...
Wappen Deutschlandkarte
Dettum
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Dettum hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 52° 10′ N, 10° 40′ O
Bundesland:Niedersachsen
Landkreis: Wolfenbüttel
Samtgemeinde: Sickte
Höhe: 104 m ü. NHN
Fläche: 17,2 km²
Einwohner: 1204 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 70 Einwohner je km²
Postleitzahl: 38173
Vorwahl: 05333
Kfz-Kennzeichen: WF
Gemeindeschlüssel: 03 1 58 009
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Am Kamp 12
38173 Sickte
Website: www.sickte.de
Bürgermeister: Ole Jahnke (UWB)
Lage der Gemeinde Dettum im Landkreis Wolfenbüttel
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Dettum von Südosten
St. Johannes Baptista in Dettum

Geografie

Die Gemeinde Dettum besteht aus den Ortsteilen: (Einwohnerzahlen Stand Dezember 2022[2])

  • Dettum, mit 984 Einwohnern der größte Ort der Gemeinde
  • Mönchevahlberg mit Mönchevahlberg-Zuckerfabrik, 167 Einwohner
  • Weferlingen, 79 Einwohner

Der Ort Dettum liegt am nördlichen Talrand der Altenau und wird von dem aus dem Elmrand kommenden Hachumer Bach durchflossen, der sich oberhalb des Ortes teilt. Der rechte, westliche Arm mäandert als Krumme Beeke durch den Siedlungskern, der linke Arm passiert die Siedlung östlich. Beide vereinen sich am Beekendamm wieder und fließen zur ehemaligen Zuckerfabrik. Westlich von Dettum liegt das Landschaftsschutzgebiet Vilgensee, östlich eine ehemalige Deponie. Der Vilgensee wurde um 1800 als Villisee bezeichnet und hatte eine Größe von 1¼ Morgen. Das Dettumer Bruch reichte einst von Ahlum bis Dettum.[3] Die Feldmark von Dettum galt als eine der ertragreichsten der Gegend, bekannt für Roggen- und Erbsenanbau.[3]

Die Kirche in Dettum liegt auf einer Höhe von etwa 93 m ü. NHN.

Geschichte

Ortsname

Der Ortsname geht auf einen Bachnamen der ältesten, voreinzelsprachlichen Namenschicht zurück. Die urkundlichen Formen lauten 1226 Thitene, 1277 Dhetthene und 1349 Dettene. Die heutige Endung -um entstand durch Angleichung an benachbarte Ortsnamen auf -heim/-em (latinisiert -um), wie auch bei Börßum.[4]

Vorgeschichte und Mittelalter

Dettum war schon früh besiedelt, was durch Grabungsfunde aus der frühen Bronzezeit belegt ist. Bei den Funden handelt es sich um einen Depotfund großer dreieckiger Dolche, von denen der längste 37,5 cm bei ergänzter Spitze misst. Die Bruchstücke befinden sich in Braunschweiger Museen und zählen zu den ältesten Bronzetypen, die durch Fernhandel in die Region gelangten.[3]

Dettum wurde im Jahr 1226 erstmals urkundlich als Thitene erwähnt und 1280 als Dettene. Die Kirche St. Johannis-Baptista wurde erstmals im Jahr 1300 erwähnt. Bereits im späten Mittelalter hatte Dettum Bedeutung, da es an einer Heerstraße lag.

Dettum war Sitz einer der größeren landesherrlichen Grundherrschaften im Braunschweigischen. Nach einem Einkünfteverzeichnis von ca. 1365 umfasste der als ammecht bezeichnete Güterkomplex 32 Hufen.[5] In einer Steuerliste des 15. Jahrhunderts wurde Dettum im Richte to Euessem (Gericht Evessen) mit 40 Pfund veranschlagt – einer der höchsten Beträge im Gerichtsbezirk.[6]

Im Jahr 1358 setzte der in der Braunschweiger Neustadt ansässige Gerber Jordan van Dettene sein Testament auf, in dem er Braunschweiger Kirchen und den Dominikanern Geldbeträge vermachte.[7]

Der frühe Ort besaß ein adliges Gut, das zum Aegidienkloster in Braunschweig gehörte und 1542 freigegeben wurde. Es gab zwischen Hachum und Dettum einen Ort Honroth, aus dem eine adelige Familie gleichen Namens stammte.

Frühe Neuzeit

Am 4. April 1606 ließ die Stadt Braunschweig dem Herzog Heinrich Julius bei Dettum durch Reiter auflauern, als dieser von Schöningen nach Wolfenbüttel ritt. Ein Schäfer warnte den Herzog rechtzeitig; sein Geheimschreiber wurde jedoch getötet. Der Herzog erwirkte daraufhin die Reichsacht gegen die Stadt.[8]

Von 1773 bis 1797 lebte Hermann Bräß als evangelischer Pastor in Dettum. Er wurde vom Konsistorium in Wolfenbüttel ordiniert und heiratete dort Katharina Auguste Steinbrück. 1786 gründete er die Zeitung für Städte, Flecken und Dörfer, die erstmals auch Leserbriefe enthielt.[9] In der Rothen Zeitung berichtete Braess unter anderem über die Französische Revolution und beschrieb 1793 einen Brand in Dettum, bei dem fünf Höfe zerstört wurden. Mit seinem Sohn Karl unternahm er eine Fußwanderung zum Brocken, worüber Karl 1786 eine Reise nach dem Brocken veröffentlichte.[10] In der Kirche zu Dettum befindet sich eine Gedenktafel für Braess.[10]

Im Jahre 1800 beherbergte Dettum einen Schriftsassenhof, eine Kirche mit Pfarre und Pfarrwitwenhaus, die Opferei, drei Ackerhöfe, acht Halbspännerhöfe, 32 Kothöfe und drei Brinksitzerstellen mit 385 Einwohnern.[11]

Napoleonische Zeit und 19. Jahrhundert

Gründeraktie der Actien-Zucker-Fabrik Dettum vom 1. März 1872[12]

Von 1807 bis 1813 gehörte Dettum zum Canton Wolfenbüttel im District Braunschweig des Königreichs Westphalen. Aus dieser Zeit sind fünf Bände Zivilstandsregister (1808–1814) sowie Grund- und Exemtensteuerrollen der „Commune Dettum“ (1811–1812) überliefert.[13] 1808 klagte die Gemeinde Groß Denkte gegen den Dettumer Kotsassen Johann Heinrich Alte wegen des Pferdetransports für die französische Armee.[14]

Bereits ab 1806 hatte auf dem Melkeberg westlich des Ortes eine erste Bockwindmühle gestanden, eine sogenannte Patentmühle aus der Französischen Zeit. Auf Protest umliegender Müller wurde sie 1843 abgerissen.[15]

1833 bis 1872 wurde die Straße von Wolfenbüttel über Ahlum nach Dettum (Schöppenstedter Straße) ausgebaut und instand gehalten.[16] Im Jahre 1843 erhielt Dettum einen eigenen Bahnhof auf der Bahnstrecke Wolfenbüttel–Oschersleben.

Zwischen 1854 und 1868 wurde im Rahmen der Separation die Feldmark Dettum vermessen und aufgeteilt; zwei Separationskarten im Maßstab 1:3.000 mit Flurnamen und Besitzstandsverzeichnis sind erhalten.[17] Archivalien des 18. und 19. Jahrhunderts belegen ein vielfältiges Dorfhandwerk mit Schuhmachern, Sattlern, Schneidern und Hufschmieden.[18]

Die heutige Bockwindmühle am Weg nach Mönchevahlberg wurde 1863 durch den Amtszimmermann Bracke aus Groß Denkte und die Mühlenbaufirma Luther & Peters aus Wolfenbüttel für den Müller Friedrich Roßmann errichtet.[15] In der Windmühle wurde das Korn der Bauern aus Dettum, Mönchevahlberg und Weferlingen gemahlen. 1976 restaurierte die Dorfgemeinschaft diese Mühle und gründete einen Verein zum kontinuierlichen Erhalt.[11][19][20]

Mit dem Bau der Zuckerfabrik 1871 wurde der Wohlstand der Bauernschaft wesentlich gemehrt. Die Actien-Zucker-Fabrik Dettum wurde am 1. März 1872 mit Gründeraktien ausgegeben.

20. Jahrhundert

Empfang des Herzogs Johann Albrecht vor der Kirche in Dettum, 21. August 1910

Am 21. August 1910 besuchte Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, der als Regent des Herzogtums Braunschweig amtierte, im Rahmen einer Inspektionsreise die Gemeinde Dettum. Er wurde vor der Kirche von Honoratioren empfangen, darunter Mitglieder des örtlichen Landwehrvereins mit Fahnen. Der Herzog besichtigte auch die Zuckerfabrik, wo mit Zuckerrüben beladene Pferdefuhrwerke standen. Die Anreise erfolgte per Automobil.[21]

Im Jahr 1933 kam es in Dettum, Schöppenstedt und Weferlingen zu Verhaftungen und Misshandlungen politischer Gegner des Nationalsozialismus. Die Verantwortlichen wurden 1949 in einem Prozess wegen Freiheitsberaubung verurteilt.[22]

Die Zuckerfabrik wurde 1953 stillgelegt und deren Aktivitäten gingen auf die Aktien-Zuckerfabrik Schöppenstedt über.

In der Silvesternacht 1961 erfasste ein Sturm die Bockwindmühle, die Flügel zerbrachen.[15] 1976 fand sich ein Freundeskreis zusammen, aus dem 1978 der Verein zur Erhaltung der Dettumer Windmühle e. V. hervorging, der die Mühle restaurierte. 2015 ging sie in den Vereinsbesitz über. Die Mühle ist die einzige Bockwindmühle im Umfeld der Asse und zählt zu den letzten fünf funktionsfähigen Wind- und Wassermühlen der Region.[15]

Infolge der Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl des Ortsteils Dettum von 703 (1939) auf 1357 (1950) und verdoppelte sich nahezu. Bis 1964 sank sie auf 995 zurück.[23]

Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Mönchevahlberg und Weferlingen eingegliedert.[24]

Einwohnerentwicklung

Die Angaben beziehen sich bis 1964 auf den Ortsteil Dettum, ab 1968 auf die Gemeinde (ab 1974 einschließlich der eingemeindeten Ortsteile Mönchevahlberg und Weferlingen).

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
JahrEinwohnerAnmerkung
~1800385nur OT Dettum[3]
1939703nur OT Dettum[23]
19501.357nur OT Dettum, Anstieg durch Vertriebene[23]
19561.139nur OT Dettum[23]
1964995nur OT Dettum[23]
19681.510Gemeinde[25]
19741.378Eingemeindung Mönchevahlberg/Weferlingen[25]
19801.293[25]
19851.285[25]
19901.343[25]
19951.443Höchststand[25]
20001.386[25]
20051.331[25]
20101.184[25]
20151.231[25]
20201.174[25]
20241.204[25]
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Der Einwohnersprung von 703 auf 1.357 im Ortsteil Dettum zwischen 1939 und 1950 belegt die Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen. Ein zweiter Anstieg Anfang der 1990er Jahre geht auf Zuzüge nach der Wiedervereinigung zurück. Seit Mitte der 2000er Jahre ist die Einwohnerzahl rückläufig.

Politik

Gemeinderat

Der Rat der Gemeinde Dettum setzt sich aus elf Mitgliedern zusammen. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.

Bei der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:[26]

Gemeinderat 2021
    
Insgesamt 11 Sitze
Gemeinderatswahl 2021[27]
Wahlbeteiligung: 70,97 %
 %
40
30
20
10
0
30,75 %
28,27 %
26,89 %
14,09 %
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Bürgermeister

Ehrenamtlicher Bürgermeister ist seit November 2021 Ole Jahnke (Unabhängiges Wählerbündnis Dettum; UWB). Er folgt damit auf Konrad Gramatte (CDU, 2016–2021).[28]

Wappen

Blasonierung: „In Gold auf blauem Schildfuß darin drei goldene Zuckerrüben, eine blaue Bockwindmühle.“[29]
Wappenbegründung: Im Mittelpunkt des Wappens steht die 1867 erbaute Bockwindmühle. Sie weist auf die große Bedeutung der Landwirtschaft während der vergangenen Jahrhunderte hin. Die Zuckerrüben im Schildfuß charakterisieren insbesondere den Rübenanbau und sie wurden noch vor wenigen Jahren in der hiesigen Zuckerfabrik verarbeitet. Die Dreizahl symbolisiert die drei Dettumer Ortsteile Dettum, Weferlingen und Mönchevahlberg.

Das Wappen wurde von Eckhard Kuske gestaltet und vom Gemeinderat am 8. Oktober 1990 angenommen.

Flagge

Die Gemeinde führt keine Flagge.[30]

Dienstsiegel

Das Dienstsiegel enthält das Wappen der Gemeinde Dettum und die Umschrift „Gemeinde Dettum, Landkreis Wolfenbüttel“.[30]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

  • Die St.-Johannes-Baptista-Kirche mit dem mächtigen mittelalterlichen Turm enthält ein Kreuz mit einem 127 cm hohen Corpus, das auf etwa 1225 bis 1230 datiert wird und möglicherweise als Triumphkreuz geschaffen wurde.[31]

Gemeinschaftsleben

Sport

Einer der Vereine, der MTV Dettum von 1899 e. V. mit den Sparten Fußball, Tischtennis, Turnen und Schießen, hat etwa 600 Mitglieder und wurde am 12. Januar 1899 gegründet.[32]

Freiwillige Feuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr Dettum wurde 1873 gegründet und feierte im August 2023 ihr 150-jähriges Bestehen.[33] Sie ist eine der drei Stützpunktfeuerwehren der Samtgemeinde Sickte und durchgehend mit einer Gruppe einsatzbereit gemeldet. Im Landkreis Wolfenbüttel übernimmt sie Aufgaben im Zug CBRN-Ost der Kreisfeuerwehrbereitschaft.[34]

Die Feuerwehr verfügt über rund 90 aktive, fördernde und ehemalige Mitglieder in fünf Abteilungen: Einsatzabteilung (49 Aktive), Jugendfeuerwehr, Kinderfeuerwehr, Alters- und Ehrenabteilung sowie Spielmannszug.[34] Für die Kinderfeuerwehr wurde mit Unterstützung der Stiftung Braunschweiger Land ein eigenes Feuerwehrauto beschafft.[35] Das 2004 errichtete Feuerwehrgerätehaus befindet sich in der Kirschenallee. Neben der Ortswehr Dettum besteht im Gemeindegebiet die Ortsfeuerwehr Mönchevahlberg-Weferlingen.[34]

Wirtschaft und Infrastruktur

Heute gibt es in Dettum einen Kindergarten, eine Grundschule, ein Freibad und ein Dorfgemeinschaftshaus.

Verkehr

Der Haltepunkt Dettum liegt an der Bahnstrecke Wolfenbüttel–Oschersleben. Diese Strecke wird nur noch bis Schöppenstedt befahren; ab dort ist die Strecke stillgelegt. Zumindest bis in die 1980er-Jahre war diese Betriebsstelle ein Bahnhof mit mindestens einer Weiche.[36]

Fiskalpolitik

Am 1. Oktober 2018 warnte der Bund der Steuerzahler vor einer Anhebungsspirale kommunaler Steuern und hob Dettum als Negativbeispiel beim Hebesatz der Grundsteuer B hervor, da es zwischen 2017 und 2018 zu einer Anhebung des Grundsteuer-Hebesatzes von 200 Prozentpunkten auf 600 Prozent gekommen war (Stand 2023); seitdem zählt die Gemeinde Dettum zu einer der teuersten Gemeinden Niedersachsens in Bezug auf Bodenzinsabgaben.[37]

Persönlichkeiten

Literatur

  • Otto Hahne: Siedlungsgeschichte und Verkehrsstraßen zwischen Elm und Asse auf Grund der Flurnamen des Dorfes Dettum. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Bd. 19, 1942, S. 187 ff. (online).
  • W. Busch: Ortsgeschichte von Dettum. 2 Bände. Selbstverlag der Gemeinde Dettum (o. J.).
  • Fritz Barnstorf: Pastor Hermann Braess (1738–1797), der Dettumer Bote und Braunschweigische Hausfreund mit seiner „Rothen Zeitung für die lieben Landleute“. In: Braunschweigische Heimat. Jg. 52, H. 3/4, 1966, S. 128–134.
  • Falko Rost: Die Kirche St. Johannes Baptista in Dettum – Bauliche Entwicklung, Raumeinrichtung und beteiligte Architekten in vier Stationen. In: Heimatbuch für den Landkreis Wolfenbüttel. Jg. 55, 2009, S. 140–150.
Commons: Dettum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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