Diazoplast
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Diazoplast ist die Bezeichnung für ein Organell, das in Kieselalgen der Familie Rhopalodiaceae, insbesondere in den Gattungen Rhopalodia und Epithemia vorkommt.[1] Diazoplasten spielen – ebenso wie die Nitroplasten bei der Haptophyten-Familie Braarudosphaeraceae – eine entscheidende Rolle bei der Stickstofffixierung dieser Algen. Von diesem Prozess nahm man früher an, dass er ausschließlich bestimmten Bakterien und Archaeen vorbehalten ist.[2][3] Die Entdeckung der Diazoplasten hat bedeutende Auswirkungen sowohl auf die Zellbiologie als auch auf die Agrarwissenschaft.
Diazoplasten und Nitroplasten wurden zunächst aufgrund ihrer annähernd kugelförmigen Gestalt als Sphäroidkörper (englisch spheroid bodies) bezeichnet.
Beschreibung
Sphäroidkörper der Rhopalodiaceae (Diazoplasten):
EcSB – von Epithemia catenata
EpSB – von E. pelagica
EtSB – von E. turgida
RgSB – Rhopalodia gibberula
Sphäroidkörper der Braarudosphaeraceae (Nitroplasten):
UCYN-A [Ca. Atelocyanobacterium thalassae]
– von Braarudosphaera bigelowii
Diazoplasten besitzen wie Nitroplasten und (gewöhnlich) Mitochondrien und Chloroplasten eine eigene DNA.[4][1]
Die phylogenetische Analyse des Diazoplasten-Genoms zeigte 2024 die nächste Verwandtschaft zu einer anderen N2-fixierenden symbiotischen Cyanobakterienart, Braarudosphaera bigelowii (als Phylotyp auch UCYN-A und als Organell Nitroplast oder ebenfalls Sphäroidkörper genannt).[1] Wie diese Analysen 2014 und 2024 ergaben, stammen beide Organellen (Diazoplasten der Rhopalodiaceae und Nitroplasten der Braarudosphaeraceae) von Cyanobakterien ab, die eng mit der Gattung Cyanothece verwandt sind.[5][6][4][1] Vergleichende phylogenetische Analysen der 16S-rRNA-Gene und der Gene für die Stickstofffixierung (nifD) ergaben, dass das Genom der beider Typen von Sphäroidkörpern eng verwandt ist mit der freilebenden diazotrophen Cyanobakterien-Art Crocosphaera subtropica Mareš & J. R. Johansen (Stamm ATCC 51142)[A. 2][8][1] und der Art Zehria sp. KO68DGA (Stamm KO68DGA).[A. 3][1] Die beiden Symbionten sind auf ähnlichen, aber deutlich unterschiedlichen Pfaden der reduktiven Evolution aus solchen Cyanobakterien entstanden.[4][1]

Anmerkungen
- Durch die osmotische Schockbehandlung wird der Inhalt der Wirtszelle zerstört und die Endosymbionten werden verdrängt
- Crocosphaera subtropica ATCC 51142 wurde früher provisorisch als Cyanothece sp. ATCC 51142 bezeichnet[7]
- Zehria sp. KO68DGA wurde früher als Gloeothece sp. KO68DGA bezeichnet.[9]
Literatur
- Takuro Nakayama, Yuji Inagaki: Genomic divergence within non-photosynthetic cyanobacterial endosymbionts in rhopalodiacean diatoms, in: Nature Scientific Reports, Band 7, Nr. 13075, 12. Oktober 2017, doi:10.1038/s41598-017-13578-8, PMC 5638926 (freier Volltext), PMID 29026213 (englisch).
- Hanna Farnelid, Anders F. Andersson, Stefan Bertilsson, Waleed Abu Al-Soud, Lars H. Hansen, Søren Sørensen, Grieg F. Steward, Åke Hagström, Lasse Riemann: Nitrogenase Gene Amplicons from Global Marine Surface Waters Are Dominated by Genes of Non-Cyanobacteria. In: PLOS OME, Band 6, Nr. 4, 29. April 2011, S. e19223; doi:10.1371/journal.pone.0019223 (englisch).