Die Bounty
britischer Film von Roger Donaldson (1984)
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Die Bounty ist eine Verfilmung der Meuterei auf der Bounty von Roger Donaldson aus dem Jahr 1984. Sie basiert auf dem Buch The Bounty von Richard Hough, das zunächst unter dem Titel Captain Bligh and Mr Christian veröffentlicht wurde.
Vereinigtes Königreich
Von allen fiktionalen Darstellungen des Bounty-Stoffes kommt Donaldsons Film wie auch die Buchvorlage den historisch belegten Ereignissen vom April 1789 am nächsten. So wird die Extremsituation der von den Meuterern Ausgesetzten und ihre riskante Fahrt im offenen Beiboot sehr drastisch vermittelt. Zudem wird Kapitän Bligh – anders als in früheren Verfilmungen – als anfangs durchaus pragmatischer und selbstkritischer Offizier gezeigt, der nicht aus Sadismus, sondern aus Ehrgeiz und Unsicherheit zu übertriebener Strenge neigt.
Handlung
Die Rahmenhandlung des Films bildet die Verhandlung gegen William Bligh vor dem Kriegsgericht wegen des Verlustes der Bounty durch Meuterei.
In der Binnenhandlung erhält Leutnant Bligh den Auftrag, Brotfruchtbäume von Tahiti nach Jamaika zu liefern, deren Früchte als billige Nahrungsquelle für die Sklaven auf den dortigen Plantagen dienen sollen. Bligh ist angetrieben von persönlichem Ehrgeiz, er will sich mit diesem Auftrag, den er in der kürzestmöglichen Zeit und in Form einer Weltumsegelung[2] durchführen will, unbedingt einen Namen und damit Karriere in der königlichen Marine machen.
Zunächst erweist sich Bligh noch als recht umgänglich und um seine Mannschaft bemüht. Seinen Ersten Offizier, den ebenfalls ehrgeizigen John Fryer, lässt er allerdings schon von Anfang an seine Ablehnung spüren. Nachdem die Umschiffung Kap Hoorns gescheitert ist, wird Fryer (rechtswidrig) degradiert, da Bligh ihm die Schuld dafür gibt. Bligh ernennt den Zweiten Maat, seinen Freund Fletcher Christian, zum neuen Ersten Offizier.
Bei der Ankunft auf Tahiti werden sie vom Häuptling und den Bewohnern freundlich empfangen, die Pflanzen der Brotbäume werden ihnen gewährt. Zum Missfallen Blighs müssen sie länger bleiben als geplant, da die Pflanzen im derzeitigen Wachstumsstadium noch nicht transportfähig sind. Die Besatzung entwickelt derweil Beziehungen – vornehmlich zu jungen Frauen – und lernt ein freies Leben ohne die Zwänge und Einschränkungen auf See kennen. Insbesondere die Liebe von Fletcher Christian zu einer jungen Häuptlingstochter wird thematisiert. Bligh sorgt sich zu Recht, dass die Disziplin seiner Mannschaft unter den Verlockungen dieses Inselparadieses allmählich verloren geht. Es kommt zu ersten Differenzen zwischen Fletcher und Bligh, was Fryer mit Genugtuung beobachtet. Schließlich wagen drei der Seeleute die Flucht vom Schiff. Sie werden jedoch gestellt, und obwohl auf Desertion der Strang steht, lässt Bligh sie nur auspeitschen. Da sich alle benötigten Pflanzen mittlerweile an Bord befinden, gibt Bligh den Befehl zur Abreise.
Auf dem Rückweg von Tahiti zeigt sich Bligh zunehmend neurotisch und drangsaliert die Mannschaft und Fletcher, z. B. mit übertriebenen Reinlichkeitsforderungen, dem Vorwurf von Diebstählen sowie Beschimpfungen. Als Bligh das erneute Ansteuern Kap Hoorns ankündigt und einen Matrosen, der dagegen protestiert, auspeitschen lassen will, kommt es zur Eskalation. Fletcher, der seine Geliebte auf Tahiti nicht vergessen kann und die Schikanen satt hat, lässt sich von der Mannschaft zur Meuterei überreden. Bligh und die meisten Leute, die nicht meutern wollen, werden in einem Boot ausgesetzt. Bligh gelingt es trotz schwerer Entbehrungen, seine Bootsmannschaft loyal zu halten, und so erreichen sie schließlich Timor und von dort aus England. Christian fährt mit dem Großteil der Crew nach Tahiti zurück. Da er weiß, dass die britische Marine sie hier suchen wird und der Häuptling, der um den Ernst der Situation weiß, ihnen das Bleiberecht verweigert, muss er weitersegeln. Einige der Frauen, zu denen auch Fletchers Geliebte zählt, und einige Insulaner begleiten sie. So erreichen sie die Insel Pitcairn, die auf keiner Karte korrekt eingezeichnet und somit schwer auffindbar ist. Die Bounty wird in Brand gesteckt und so vernichtet.
Am Ende der Rahmenhandlung wird Bligh vom Kriegsgericht freigesprochen und seine Schiffsführung sogar als vorbildlich herausgestellt. Eine Schrifttafel informiert darüber, dass über das weitere Schicksal von Fletcher Christian und seinen Leuten nichts bekannt ist.
Kritiken
„Das bunt-schillernde Remake von Roger Donaldson (‚No Way Out‘, ‚Getaway‘) ist zwar durchaus eine gelungene Verfilmung des klassischen Meuterei-Stoffes nach wahren Begebenheiten, hat aber gegenüber den beiden Vorgängern von 1935 und 1962 trotz der guten Besetzung nichts Neues zu bieten und zeigt Kapitän Bligh als begnadeten Seemann, aber lausigen Vorgesetzten.“
Der Fischer Film Almanach 1986 meinte, die Neufassung vereine „Historie und Spannung recht gut“ und sei keineswegs schlechter als das Original.[3]
Sonstiges
Für die Filmaufnahmen wurde 1978 die Bounty (manchmal als Bounty III bezeichnet) als Nachbau des Segelschiffs gebaut. Sie liegt heute in Hongkong und ist noch seetüchtig.[4]
Die Szene um die Äquatortaufe wurde im Film Der Untergang der Pamir samt Kostümen und Ritualen kopiert.
Die Originalverfilmung war als zwei dreistündige Filme unter der Regie von David Lean geplant. Das Drehbuch hatte er, wie bei seinen letzten drei Filmen (Lawrence von Arabien, Doktor Schiwago und Ryans Tochter) mit Robert Bolt geschrieben. Es sollte die erste Lean-Produktion seit Ryans Tochter werden. Als Produzent war unter anderem Sam Spiegel (Die Brücke am Kwai, Lawrence von Arabien) im Gespräch, dieser lehnte aber ab, da er keine Lust hatte, seinen „Lebensabend“ auf einer Südseeinsel zu verbringen. Mit Dino De Laurentiis überwarf sich dann David Lean und hätte seine Version nicht so erzählen können, wie er es sich vorgestellt hatte. Die „homoerotische“ Beziehung zwischen William Bligh und Fletcher Christian wurde genauso ausgearbeitet wie die „Klarstellung“ von William Blighs Qualitäten als Kapitän und Navigator (unter James Cook).[5] Als Grundlage für das Drehbuch dienten die Romane von Charles Bernard Nordhoff und James Norman Hall: Mutiny on the Bounty (1932), Men Against the Sea (1933) und Pitcairn’s Island (1934).[6]
Laurence Olivier war für die Rolle als Admiral in der Prozessszene an nur einem Tag am Filmset (er unterbrach dafür die Filmarbeiten von Mr. Halpern and Mr. Johnson).[7]
Film und historische Fakten
Der gegen William Bligh geführte Kriegsgerichtsprozess wurde nicht auf dem Festland, sondern am 22. Oktober 1790 auf dem Linienschiff Royal William abgehalten, das zu diesem Zeitpunkt im Spithead vor Portsmouth ankerte. Vorsitzender des Richtergremiums war Admiral Samuel Barrington (1729–1800) und nicht Admiral Samuel Hood. Dieser saß erst im September 1792 dem gegen die zehn ergriffenen Seemänner der Bounty einberufenen Gericht vor.
Der Steuermannsmaat Fletcher Christian wurde zum Stellvertreter des Kommandanten (Acting Lieutenant) befördert, noch als die Bounty im Atlantik segelte, mehrere Wochen bevor die Umrundung des Kap Horn scheiterte. Von dem dienstälteren Steuermann John Fryer ist gegen diese Beförderung seines Untergebenen kein Einspruch überliefert. Sie geschah wohl im Einvernehmen, da Bligh den mit ihm befreundeten Christian für den Karriereweg eines Offiziers empfehlen wollte.
In der Rolle des Fähnrichs Heywood wurden Motive aus den Biografien der Fähnriche Peter Heywood und Thomas Hayward kombiniert. Letzterer war auf Tahiti als wachhabender Offizier verantwortlich für die Desertierung dreier Matrosen, wofür er als Disziplinarstrafe mehrere Tage in Ketten gelegt wurde. Die Auspeitschung wurde dagegen, anders wie im Film dargestellt, bei ihm als einen Gentleman und Offiziersanwärter nicht angewandt.
Der Matrose (John) Adams war zu dieser Zeit seinen Schiffskameraden ausschließlich unter seinem Alias „Alexander Smith“ bekannt. Auf der Bounty fuhr auch Blighs persönlicher Diener John Smith als Matrose, der mit Adams nicht zu verwechseln ist.
Als auslösendes Motiv zur Meuterei wird im Film eine Absicht Kapitän Blighs zur erneuten Umrundung von Kap Hoorn angeführt, worauf er die Auspeitschung des dagegen protestierenden Matrosen Adams anordnet. Tatsächlich aber war in allen überliefernden Aussagen eine zweite Kap-Umrundung keine überlegte Option. Die Westindischen Inseln (Jamaika) sollten mit Kurs nach Westen, das Kap der Guten Hoffnung erneut passierend, erreicht werden. Matrose Adams war bereits mehrere Wochen zuvor schon, noch vor Tahiti ankernd, wegen einer Unachtsamkeit diszipliniert wurden. Nach der Beobachtung des Bootsmannsmaats James Morrison, der im Film nicht vorkommt, unterstellte Bligh am Tag vor der Meuterei Fletcher Christian einen Diebstahl an seinen Kokosnüssen. Darauf habe dieser eine Desertierung vom Schiff beabsichtigt, ist dabei aber von Freunden abgehalten wurden. Eine dabei getätigte unbedachte Äußerung des Fähnrichs George Stewart habe ihn schließlich auf die Idee zu einer Schiffsübernahme gebracht.
Im Film wird der Fähnrich Edward Young als einer der antreibenden Personen der Meuterei dargestellt. Den überlieferten Aussagen zu dieser Affäre folgend, ist seine Rolle dagegen nicht eindeutig.
Die Fahrt der Ausgesetzten auf der Barkasse von Tofua nach Kupang wird verkürzt dargestellt. Ihre Anlandung an der Küste Nordostaustraliens (Restoration Island) wird ausgelassen. Der dabei ausgetragene andauernde Konflikt zwischen Bligh und einigen der ihm loyal gebliebenen wird im Film auf einen Streit um Rationen mit dem Zimmermann William Purcell reduziert.
Im Film wird der fehlgeschlagene Siedlungsversuch der Meuterer auf Tubuai nicht gezeigt. Die finale Abfahrt der Bounty von Tahiti wird hier im Konsens unter den Meuterern als geplant im Tageslicht dargestellt. James Morrison beschrieb ihre Abfahrt dagegen für die an Land gegangenen Seemänner als überraschend und ungeplant in der Dunkelheit eines anbrechenden Abends.
Im Film werden die Meuterer von Fletcher Christian gezielt zur Insel Pitcairn navigiert, der sich ihrer fehlerhaften Lokalisation in den Seekarten bewusst ist. Damit folgt diese Darstellung offensichtlich den mehrere Jahrzehnte später getätigten und widersprüchlichen Erzählungen von John Adams. Nach der Erzählung der Tahitianerin Teehuteatuaenoa wurde die Insel allerdings erst nach einer mehrmonatigen Irrfahrt zufällig entdeckt. Denn Aufzeichnungen von Edward Young (transkribiert von Frederick William Beechey) folgend, war den Meuterern der Name der Insel nicht bekannt.
Synchronsprecher
Die Synchronsprecher für die deutsche Fassung:[8]
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Deutsches Kino / DVD
Der Film wurde in den deutschen Kinos nur in einer um 25 Minuten gekürzten Fassung gezeigt, die so auch auf DVD veröffentlicht wurde.[9] Im Mai 2019 erschien erstmals die ungekürzte Fassung, mit vollständig synchronisierten Dialogen, auf DVD und Blu-ray. Es war zudem auch die erste Blu-ray-Veröffentlichung des Films im deutschsprachigen Raum und auch die erste mit einer Stereo- statt einer Mono-Tonspur.
Literatur
- Richard Hough: The Bounty. Revised edition. Corgi, London 1984, 293 S., ISBN 0-552-12363-3. (Bislang keine deutsche Übersetzung)
Weblinks
- Die Bounty bei IMDb
- Vergleich der Schnittfassungen FSK 16 DVD – UK DVD von Die Bounty bei Schnittberichte.com
- Die Bounty bei Rotten Tomatoes (englisch)
- Die Bounty im Lexikon des internationalen Films