Diedrichsburg
Burg in Niedersachsen, Deutschland
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Die Diedrichsburg bei Melle ist ein in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstandenes Bauwerk in der Art einer Burg mit einem hohen Wehrturm. Es liegt auf der Kuppe des Meller Bergs (219 m ü. NN[1]) in den Meller Bergen im niedersächsischen Landkreis Osnabrück.

Beschreibung
Das Bauwerk wurde ab 1844 im neogotisch sowie neoromanischen Stil als Nachahmung eines mittelalterlichen Wehrturmes erbaut. Es besteht aus einem 26 m hohen Turm nach Art eines Bergfriedes, der von zwei eingeschossigen Seitenflügeln nach Art eines Palas flankiert ist. Es gibt keine Ringmauern oder sonstige Wehranlagen.
Die Diedrichsburg beherbergt heute eine Gaststätte für Ausflugsgäste und gelegentliche Veranstaltungen. Im Turmzimmer ist eine Ausstellung zur heimischen Tier- und Pflanzenwelt eingerichtet. Die zinnengekrönte Aussichtsplattform auf dem Turm ist zugänglich und bietet, insbesondere nachdem der Orkan Kyrill 2007 viele umstehende Bäume abgeknickt hat, einen weiten Blick über die Stadt Melle und das Umland.
Rund um das Bauwerk lag der mehr als 200 ha große Wildpark Diedrichsburg mit zahlreichen, frei laufenden Wildschweinen, Mufflons und Sikahirschen. Der Wildpark wurde 2021 aufgelöst. Das Gelände ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Region und Teil des Naturparks TERRA.vita.[2][3]
Geschichte
Frühere Geschichte
Auf der Kuppe des Meller Berg liegen die Reste einer eisenzeitlichen Befestigungsanlage in Form eines Ringwalls. Er ist als Wall und als Terrassenkante ausgeprägt. Die 3,4 Hektar große Anlage verläuft auf einer Länge von 300 Meter und einer Breite von 100 bis 125 Meter. Sie war seit langem bekannt, ist aber nicht erforscht worden. Die Bodenreste liegen innerhalb des früheren Wildparks Diedrichsburg. Darin lebende Wildschweine hatten bereits rot gebrannte Steine aus dem Boden gewühlt, was auf eine Zerstörung der Befestigungsanlage durch Feuer deutet. Die Möglichkeit einer näheren Untersuchung ergab sich nach dem Orkan Kyrill von 2007, der den Wald auf der Bergkuppe durch Baumwurf größtenteils beseitigt hatte. Archäologen untersuchten den offen liegende Boden in den Wurzeltellern. Anhand von gefundenen Getreidekörnern, deren Alter sie mit der Radiokarbonmethode bestimmten, datiert sie die Anlage auf die Zeit um 300 v. Chr. Gefundene Keramikscherben deuteten ebenso auf die vorrömische Eisenzeit im 2. und 3. Jahrhundert v. Chr. Ein ähnliches Alter haben die rund 17 km entfernte Schnippenburg und andere Befestigungsanlagen im Teutoburger Wald. In Analogie zu ihnen könnte die Meller Anlage eine Holz-Erde-Konstruktion mit vorgelagerter, unvermörtelter Steinfront gewesen sein.
Der Legende nach hatte am Ort der jetzigen Burg bereits vor mehr als 1000 Jahren eine Teutoburg (Volksburg, namensgebend für den Teutoburger Wald) gestanden. Der Name Diedrichsburg soll auf den sächsisch-westfälischen Grafen Dietrich von Ringelheim (auch: Diedrich, Thiadrich, Theoderich) zurückgehen, der aus dem Hause der Immedinger stammte und ein Urenkel Wittekinds war.[4] Dieser soll die Burg gegründet haben oder zumindest hier gewohnt haben. Diedrichs Tochter, die heilige Mathilde, Gemahlin Heinrichs I. und Mutter des Kaisers Otto des Großen, soll möglicherweise um das Jahr 892 in dieser Burg geboren worden sein und hier ihre Kindheit verlebt haben.
Inwieweit diese Legenden historisch belegt oder spekulativ sind oder ob sie bei der Errichtung der neuen Burg als pseudo-historischer Hintergrund „konstruiert“ wurden, ist unklar.
Jüngere Geschichte (ab 1844)
Das Gebäude der heutigen Diedrichsburg wurde in den Jahren 1844 bis 1860 im Zuge des Historismus (Burgenromantik) im Auftrag von General Ernst Freiherr von Vincke errichtet. Die Familie derer von Vincke hatte (und hat noch heute) auf dem nahe gelegenen Gut Ostenwalde einen Sitz.[5] Vollendet wurde der Bau unter Ernst von Vinckes Schwiegersohn Graf Werner von der Schulenburg-Wolfsburg. Baumeister war der königlich-hannoversche Baurat Emanuel Quaet-Faslem, gebürtig aus Belgien, tätig in Nienburg/Weser.
Bereits im 19. Jahrhundert war die Burg ein beliebtes Ausflugsziel. Am 16. Mai 1909 wurde das Gebälk und die Treppe des Turmes durch Feuer vernichtet. Erst ab dem Jahre 1954 wurde sie wieder bewohnt und bewirtschaftet. 1963 wurde von der Familie Vincke rund um die Burg das o. g. Wildgehege angelegt.[5] 1983 wurde die Burg erneut verwüstet, dieses Mal durch Vandalismus. Die Renovierung ab 1983 und die nachfolgende Bewirtschaftung ab dem 1. Juli 1985 übernahm der Verschönerungs- und Verkehrsverein Melle-Mitte.
- Meller Berg nach dem Orkan Kyrill (Diedrichsburg im Hintergrund)
- Wildschweine im früheren Wildpark Ostenwalde
Literatur
- Sebastian Möllers, Bernd Sicherl: Burg im Sturm. Der Wind auf der Diedrichsburg bei Melle und die Folgen in Archäologie in Niedersachsen, 2009, S. 117–120
Weblinks
- Diedrichsburg im Denkmalatlas Niedersachsen
- Offizieller Internetauftritt von Gut Ostenwalde mit Infos zur Diedrichsburg
- Diedrichsburg bei burgen-und-schloesser.de